Ausgabe 
5.11.1904
 
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Wr. 165.

1904.

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Aus Ließe.

Roman von M. v. Esch st r u t tj. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Dann lenkte Hildegard die Unterhaltung auf ein anderes Gebiet. Er blieb noch ein wenig, und sie redeten allerlei. Und nach all der blendenden Konversation, wie sie Ellinor ins Tressen führte, dem zärtlich spielenden Getändel init Jutta in ihren guten Stunden, dem alles mit eleganter Glätte nivellierenden Ton des Salons, erschien' dein jungen: Offizier jedes Wort hier, wie es in gegenseitigem Vertrauen siir gegenseitiges Verständnis und Wohltnn gewechselt ward, erst die rechte Sprache für den Menschen zu sein.Lebe wohl, Garda, und habe Tank", sagte er rind küßte diesmal herzlich die ihm zum Abschied gereichte Hand. Warum' er sie einst belächelt rind geschmäht, hatte er ganz ver­gessen.Lebe wohl, Harro", entgegnete das Mädchen.Gehe mit Gott und kehre'mit Gott zurück!"

Als er dainr gegangen tvar, starrte sie auf die Stelle, da er zuletzt gestanden. Ihre Augen blickten trübe. Nicht lange jedoch, und es leuchtete darin aus, mild, rein, alles erhelleud, alles verklärend, wie des Mondes Licht, wenn er sich seinen Weg durch die vorn Sturme getriebenen Wolken bricht.Mrs Liebe", flüsterte sie leise.

, 21. Kapitel.

Am andern Tage begab sich Hildegard in die Wohnung der Urans, wo sie Sophie mit einigen Freunden und Frerrrr- dirmen rrr dem Eßzimmer der Herrschaft beim Kaffee fand. Sophie war nicht sehr erbaut, aber auch nicht sehr erschrocken, grs' Hildegard eintrat. Sie nahm dergleichen leicht, im! Bewußtsein ihrer Unentbehrlichkeit. Fataler erschien schon) daß Hildegard erklärte, sie würde so lange hier abschließen, bis die gnädige Frau bestimmt habe, ob sie wiederkommen oder bei Mama bleiben (volle, so lange der Herr fortbliebe, und was dann init der Wohnung kund Köchin werden solle. Dann schrieb Hildegard pln die Cousine, sehr herzlich 'und sehr diskret. Sie nahm an, daß die junge Frau um die kriegerischen Absichten ihres Gatten wußte uud damit ein­verstanden war, und stellte sich ihr in allem übrigen zur Verfügung während ihrer Einsamkeit. Tie arme kleine Frau bekam jedoch einen fruchtbaren Schreck bei der Nach­richt, die noch am selben Tage, aber mir ganz kurz uud sachlich, vou Harro bestätigt wurde. Der armen Jutta war in ihrer Familie weder die Teilnahme noch das Einver­ständnis geivorden, auf die sie selbstverständlich gerechnet hatte, als sie sich in ihrer Verzweiflung zu Mama ge­flüchtet. Denn ob sie auch diese, weinend über das un­schuldige Opferlamm rmd vor Groll gegen den abscheulichen Mann, in die Arme schlloß kauch die zärtlichste Mutter konnte doch nicht umhin, dein Kinde zu sagen, daß es sich, was die letzte Geschichte anging, mindestens taktlos be­

nommen und einen Skandal heraufbeschworen habe, bemj man nur durch 'ein Wunderso schien es entgangen sei, und daß es nun vor allem schweigen hieße. Darin stimm­ten auch die auderen sämtlich überein, denn einen Skandal wollte niemand in seiner Familie haben, auch der Kom­mandierende nicht.

Selbstverständlich war dieser empört über den Sohn, aber je mehr er sich über ihn empörte, um so ärgerlicher! ward er auch über dessen Frau; denn des Mannes Schicksal, das Schicksal der Familie, ruht alleweil in den Händen der Frau, pflegte er nun erst recht jetzt mit Vorliebe seinemj einstigen Liebling zu bedeuten. Jin ganzen' hatte ja der tüchtige Offizier nicht pnrecht Mit diesem' Wort:Das Un­recht hier liegt nur darin, daß so ziemlich jeder Mann und' jedermann immer das Höchste von demschwachen" Ge­schlechte verlangt und doch so wenige daran denken) dies schwache Geschlecht für solch hohe Aufgabe zu kräftigen.", Daß der ganzen Familie aber immer nur der Skandal die Hanptsache schien, das konnte Jutta nicht fassen. Jhrch- iuegeit hätte die ganze Welt Kopsstehen können, wenn nur Harro sie nicht so gekränkt, und verlassen hätte.

Daß sie selbst dabei ein Teil von Schuld traf, und' bei der letzten Geschichte erst recht, daran nur. zu denken, fiel der kleinen Fran gar nicht ein. Wohl hatte sie dem Gatten' geschrieben, wir sind geschieden; aber daß er sich für China! gemeldet hatte, bedeutete ihr, die ohne jede Ahnung der hier maßgebend gewesenen Vorgänge war, nur eiuen Ent­schluß mehr, sie zu kränken; das böse Wort, das er ja gar nicht im Ernst hätte nehmen dürfen, wirklich im Ernst zu nehmen und wirklich wahr.zu machen.

Ueberreizt, verwirrt von allen Erlebnissen und Erfahr- un.gen ihrer kurzen Ehe, konnte die arme, impulsive, in! Temperament und Ueberlegen noch so ungeschulte junge Frau jetzt, sozusagen, in einem Wem jammern um den geliebten Gatten, schelten auf den schlechten Menschen, schwören, baß er sie nie wieder zu sehen kriegen sollte, und zugleich angstvoll Nm die Nachricht sorgen, die ihr melden würde, daß ja, daß es doch iöieber anders zwi­schen ihnen werden müsse. Mama, welche die einzige ge­wesen wäre, nmmit nie ermüdender Geduld den Gemüts­zustand ihres Kindes zu begreifen, diesen Ausbrüchen stand' zu halten, war durch die. Vorbereitungen für Rose Mariens nahe Hochzeit zu sehr in Anspruch genommen, um sich der armen Frau in den: Maße widmen zu köunen. Darum schnitt denn auch das bräutliche Glück der Schwester Jutta nur noch tiefer in das Herz, als es schon so unter den Ver­hältnissen getan haben würde. Dazu kam, der gräfliche. Schwiegersohn gab, just tote einst Harro, das Entzücken von! Mama ab, und er schien, obwohl selbst viel sehr Kavalier, um das klipp Md klar zu sagen, nicht sehr entzückt von einer geschiedenen Frau, einer Frau, mit der immer noch ein Skandal in die Familie kommen konnte, als Schwä­gerin. Rose Marie, obwohl ein liebenswürdiges Mädchens und sehr chic ün allen Dingen, bekannte zuweilen ganz