692
darf jedoch keine Rede sein, da nicht Erbitterung, sondern bessere Einsicht erzeugt werden soll.
Hiernach steht cs fest, daß ein Kind, welches mit 3 Jahren ein Vergnügen daran findet, irgend ein Tier zu guälen, dazu von seiner Umgebung (entweder durch schlechtes Beispiel, oder durch Unachtsamkeit) angeleitet worden ist und folglich nur durch ein besseres Beispiel und richtige Beschäftigung entwöhnt werden kann, aber keineswegs durch Hunger oder Prügel; da solche Strafen immer nur als Ungerechtigkeit empfunden werden und also nur schaden können.
Daß es noch so viele erbarmungslose Menschen gibt, beweist am besten, wie verkehrt sie von ihrer frühesten Kindheit an behandelt worden sind. Wer in jeder Weise mit Liebe und Freundlichkeit zu friedlicher Beschäftigung gewöhnt ist, hat später einen wahren Abscheu vor allen Gewalttätigkeiten, trie, irgend einenr lebenden Wesen Schmerzen bereiten können. .Also muß ein dreijähriges Kind, wenn es richtig behandelt wurde, schon zur Liebe und Güte gegen Tiere und Menschen gewöhnt sein.
(Zürcher Blätter für Tierschutz.)
Vesmsschtss.
"Intimes vom Zaren Hofe. Unter den vielen Beschreibungen und Schilderungen der Gewohnheiten und Lebensweise des Zaren, die gegenwärtig in der Presse aller Länder zu finden sind, mag folgende Schilderung eine Besondere Beachtung verdienen, die wir in einer amerikanischen Zeitung finden, und die aus der Feder eines Herrn siainmcn soll, der reichlich Gelegenheit hatte, das Leben am russischen Hofe aus allernächster Nähe zu studieren. Es heißt daTer Zar hat wenig Zerstreuung. Er ist ein eifrig er Ph oto grap h, er dichtet gelegentlich, und schrei bt melancholische Verse und fährt gern Rad. Wenn er in Eatschiua weilt, pflegt er alle Tage einige Stunden allein auf dem Rad auszufahren. Wenn er dagegen in Peterlwf residiert, gibt es so viel zu tun, und cs finden so viele Audienzen von Ministern und anderen Beamten statt, daß er kaum irgend welche Zeit für sich übrig hat. . Man kann dann in seinem Arbeitszimmer noch bis spät in die Nacht hinein daS Licht brennen sehen. Die Minister suchen söimlich etwas darin, den Herrscher mit einer solchen Menge von Papieren zu überhäufen, daß er vor lauter Einzelheiten den Ileberblick und die Uebcrsicht über die Tinge, auf die es eigentlich ankcmmt, verliert. Es ist, als ob das in ihrer Absicht liege. Ter Zar ist ein überaus gutmütiger, traurig gestimmter Mann, überarbeitet und unglücklich. Sein Bestreben, seine Pflicht in vollem Umfange zu tun, veranlaßt ihn, sich immer mehr und mehr mit Details zu beschäftigen, die es ihm aber unmöglich machen, die kolossale Arbeit zu bewältigen. Bei dieser unermüdlichen Arbeit steht ihm die Zarin treu zur Seite, die selbst von einem außerordentlichen Pflichtbewusstsein erfüllt ist, welches sie durch ihre Nlutter von der Königin Viktoria ererbt hat. Der Zar wurde von einer englischen Erzieherin erzogen, und seit dieser Zeit hat er eine besondere Vorliebe für alles Englische. Er spricht englisch ohne jeden ausländischen Accent, er liebt englische Gewohnheiten und englische Lebensweise. (Diese Schilderung der Persönlichkeit des Zaren ist in mancher Beziehung recht ustcressant, besonders wenn man im Singe behält, daß sie aus der Feder eines Angelsachsen stammt, der sich bei seinen Beobachtungen seines Patrwtismus nicht entäußern konnte.)
* Um Briefbogen zu parfümieren legt man sie zwischen mit beliebigen Parfüms schwach angefeuchtetes Löschpapier, zwischen aut getrocknete Blumenblätter oder zwischen Räucherpa-pier. Mit dem letzteren müssen sie aber gelinde erwärmt werden. Nach dem Parfümieren in irgend einer dieser Weisen sind die Briefbogen aber sorgfältig zu glätten.
EiterKL'ssstzes.
— Mir möchten heute unsere Leser auf den „Türmer" auf- merksaü! machen, rnne vortreffliche „Monatsschrift sür Gemüt und Geist", deren Herausgeber I. C. Frhr. v. Groithuß ist. (Vierteljährlich 3 Hefte, 4 Mk., Greiner u. Pfeiffer in Stuttgart.) „Ter Türmer" steht auf modern radikalem christlichem Standpunkte. Er unterrichtet seine Leser vorzüglich über alle aktuellen Tinge aus den Gebieten der Politik, der Missenschasten und der Künste. Politisch steht er der nationalsoziälen Richtung Friedrich
Naumanns nahe, indem er mit inniger Wärnre und vertiefter Begeisterung den deutschnationalen Gedanken hochhält und zugleich sür jeden vernünftigen sozialen Fortschritt eintritt. Ohne im entferntesten kirchlich zu fein, fußt er stets auf der Christenlehre. In seinem Urteil über die gegenwärtige deutsche Politik ist er von äußerster Schärfe, ja er holt seine Anregungen nicht selten aus dem „Vorwärts" und der übrigen sozialdemokratischen Presse, selbstverständlich aber niemals, ohne alles, was auf jener Seite ja leider so selten geschieht, gründlich nachzuprüfen. Trotzdem ist der „Türmer" aber auch der entschiedenste Gegner der internationalen Sozialdemokratie und der eifrigste Vorkämpfer für Tbron und Mtar. Um unseren Lesern einen Begriff von der Reichhaltigkeit dieser in einheitlichem Geiste aus tiefer Vaterlandsliebe heraus mit großer Umsicht geleiteten Zeitschrift zu geben, sei hier der Inhalt des kürzlich erschienenen Oktoberheftes mitgeteilt: Gewissensfälschunge n. Von Marie Tiers. — Vor der Süiidflut. Erzählung von Rung- holts Ende von Johannes Dose. — Kirche, Religion und Sozialdemokratie. Von Walter Moelke. — Wishag. Novellette von Isabelle Kaiser. — Zur Psychologie der Mode. Von Johannes Gaulle. — Heimatduft. Skizze von Beruh. Westenberger. — Strafrechtsreform. Von Tr. jur. Fritz Auer. — Tie Kunstausstellungen dieses Sommers. Von Walter Gensel. — Troilus und Cressida. Von Felix Poppenberg. — Ein naturwissenschaftlicher Beweis für die U n st e r b l i ch k e i t der Seele. — Veraltete Blumen. — Tie Bemängelung v on Gerichtsurteilen. Von Prof. Dr. von Pflugk-Hartnng. — Türmers Tagebuch: Sedan und Simpli z iff im u s. Pioniere deutscher Kultur. Betrübte Lohgerber. Sozialdemokratische -Wehen und bürgerliches C h i n e s e n t u m. — Jenseits der Sprache. Von Fritz Lienhard. — Bogumil Goltz. Von Fritz Lienhard. — Aus den Schriften von Bogumil Goltz. — Umschau (Goethe-Schiller-Schristeu. Oberflächenkultur). — Vom deutschen Volkslied. Von Tr. Karl storck. — Reue Bucher und Musikalien. Von St. ■— Kun ft beilagen: Hans Thoma: Träumerei an einem Schwarzwaldsee. (Photogravüre.) Hans Thoma: Selbstbildnis. Hans Thoma: Der Oberrhein bei Säckingen. Hans Thoma: Offenes Tal. — Notenbeilage: Altdeutsche Liebeslieder. Volkslieder. in kunstvoller Satzweise berühmter alter Meister. 1. Im Mai. 2. Hüt' du dich 3. Abschied. 4. Verscheucht. — Es sei besonders hervorgehoben, daß der mittlere Teil der Hefte „Blätter für Literatur" betitelt ist und unter der Sonderredaktion von Frrtz Lienhard steht, dem bekannten feinsinnigen thüringer Poetest.
Liebeszauber.
Sel'ger Liebe stille Ahnung
Füllet meinen Sinn,
Und sie führt mich leise, leise Zu den Sternen hin.
Ungewohnte Lust und Freude
Läßt mein Herz erglühn, Und ich seh' auf bunten Matten Tausend Blumen blühn.
Wie mir heiß die Pulse schlagen!
Anders ist 'die Welt;
Wie von mildem Zauberglanze
Seh' ich sie erhellt.
Bald ist's wie ein sanftes Träumen,
Tas mich hebt und wiegt,
Bald des Helden stürmisch Jauchzen, Der gekämpft und siegt.
Mtbezwingerin ist Liebe!
Gibt's noch Erdenleid?
Sphärenklänge hör' ich künden
Glück und Seligkeit. A. Ammann.
Telegrapheurätsel.
Nachdruck verboten.
--... Nahrungsmittel.
— . . — Bewegung.
. .---- Möbelstück.
--. — . scharfe Flüssigkeit.
Die Striche unb Punkte entsprechen den Buchstaben der zu suchenden Wörter. Sind die richtigen Wörter gesunden, so bezeichnen die auf die Striche treffenden Buchstaben im Zusammenhang eine Krankheit.
Auflösung in nächster Nummer.
Sluflösimg des Auszählrätsels in vor. Nr.:
Dominikaner.
(Es wird mit 4 ausgezählt.)
Redaktion: A n a u >! Goetz. — Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'scben Universitäts-Buck- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.


