Ausgabe 
5.10.1904
 
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mittlerweile Schsvefher Else und' Schwester Klara Anspruch erhoben, die für Einladungen und Ausgehen unliebsam^ Zahl der Grazien W vollenden, so hatte sie, diesmal mehr, der Not gehorchend, als dem eigenen Triebe, sich! entschlossen, auf eigene Füße sich zu stellen.

Glücklicherweise besaß das für die Gesellschaft bereits veraltete, Mr das Leben exst reifende Mädchen eint Taute, die ihr die Mittel zu ihrer Ausbildung gewähren wollte. Diese Tante hatte denn auch! Hildegard betreffs einer Vor­bildung nach, Kaltenburg geschickt, wo Gyninasialkürse ge­halten wurden. Jutta hatte Cousine Hildegard- die vor einigen Tagen hier eingetroffen war, für den Wend ge­beten, und Dörrenbäch der doch von Zeit zu Zeit nach dem! verlorenen Pärchen sah', gleich mit. Es war nach beut' Tee. Man saß in dein blauen Salon; die elektrischen Kronen brannten, d unkeles, gutes' Bier wurde ich goldumrandeten Gläsern gereicht, nur die Unterhältuug zögerte etwas. Jutta war wohl lebhaft von Natur; aber die junge Frau, die nichts 'ntehr von der Wtzlt hörten ttnb sah, fühlte sich nicht recht auf dem Laufenden. Hildegard verhielt sich kühl NUd beobachtend. Es trieb sie zu wissen, ob daß" junge! Paar iminer noch so glüchich sei, und womit Cousine Jutta eigentlich solch! ein Glück verdient habe,

Hildegard besaß einen starken Sinn' Mr Gerechtigkeit. Der Menschen Schicksal tust dem ihr eigenen Maß zu'messens Verdienst' und' Erfolg zu wägen, war eine der kuriosen! Gaben, davon sie,' dem! Sagen nach eine Menge haben sollte. Der Rittmeister wurdd lebhaft nur dann, wenn er es so gemütlich fand. Mit Urans allein wäre er reizend gewesen. Daß er nicht Mit chnen allein war, ließ ihn! Hildegard mit ihrer einfachen Erschinung, ihrem etwas absprechienden Wasen, hinter dem er einfach herrschsüchtige Emanzipätionsgelüste witterte, nicht gerade in angenehmem Lichte erscheinen. Harro hatte Hildegard in der Tat 'mal den Hof gemacht. Ihre Bestimmtheit' in allen Dingen hatte dem damals noch blutjungen Menschjen imponiert. Sie selbst, gleichfalls noch sehr jung, hatte damals nicht nur gute Toilette gemacht, sondern auch! Verständnis für die Hul­digungen enies hübschen, jungen Mannes, der einen der ältesten Namen und die Husarßnunifornt trug, bewiesest. Dann aber schneller als sie gedacht, waren sie beide, so schien es, entfremdet. Er wurde versetzt und war erst durch! seine Verlobung mit Jutta wieder mit Hildegrad in Be­rührung gekommen. Nun war sie für ihn nur noch wie bekannt, ein spätes Mädchen, gegen das es aus Familien­rücksicht höflich-und artig'sein hieß, was jedoch! nicht hin­derte,' daß er, je nach dem', seiner Meinung über die neue Cousine in einem schlechten Witze freien Lauf ließ. Denn im Grunde sand er Hildegard jetzt unangenehm schroff und unliebenswürdig, einfach verrückt für eine Dam'e.

Auch heute meinte er zu bemerken, daß das späte Mädchen als Beobachterin, vielleicht pls Richterin, unter ihnen faß. Er sah ihre großen Äugen Umschau halten; über alles. Damit sah er auch manches!, was er bereits hin und lvieder in der Erinnerung an feilte Mutter, das Heim seiner Eltern, mißlstbig bemerkt hatte und als störend gerügt haben würde, wäre nicht feine Jutta sonst so reizend gewesen! So hätte auch heute das Silber viel blanker blitzen müssen, die wundervollen Kannen, der Brotkorb noch keine Kratzer zeigen dürfen. Auch der vergoldete Rand der großen Kristallkanne mit dem schäumenden Bräu zeigte schon eine kleine Lüche. Man sah es kaum;, aber das präch tige Stück war doch! nicht mehr intakt.Schade", meinte Hildegart, da er ihr eben das Glas füllte. Sie hatte den kleinen Schaden sofort entdeckt.Es ist unglaublich!, was die Leute zerschmeißen". Meß nun Harro heraus.Ja, die Leute. Solche Stücke muß man selbst behandeln", gab Hildegard 'überlegen zurück. Seine Mutter habe es so ge- halten, fiel Harro ein. Aergerlich blickte er zu Jutta herüber. Die aber eilte gerade, ahnungslos, daß jemand überhaupt mit ihr unzufrieden sein könne, an das Klavier, um ihren Gästen ein Vergnügen zu bereiten.

(Fortsetzung folgt.)

Goethes Tafelfrsudsrt.

Goethe Mr auch als Lebensküustler berühmt und wußte, was gut ist. Der größte Dichter der Deutschen hatte eine be­sondere Vorliebe für die delikaten Teltower Rüben, die ihm sein Freund Zelter Jahr aus, Jahr ein aus Berlin nach Weimar zu schicken pflegte. .Er 'überraschte seine Gäste sehr gern mit aller­lei LeckerbSeu. und da er ein gastfreies Haus führte, und

seine Besucher gewöhnlich zu Tische lud, so hatte es sich bald weit und breit herumgesprocheu, wie gut man bei Goethe ißt. Kaviar, Artischocken und dergleichen Sachen waren damals noch große Seltenheiten, es kam daher oft genug vor, daß die Gäste derlei bei Goethe zum ersten Male in ihrem Leben zu kosten bekamen. Der Dichter lieg es sich aber auch angelegen fein, für die Tafel mit der Gewissenhaftigkeit des Kenners zu sorgen, und wenn es galt, Gäste von Auszeichnung zu bewirten, so sparte er weder Mühe noch Kosten, um seine Küche und feinen Keller in Ruf zu bringen, und verschrieb die besten Sachen von dorther, wo sie nach seiner Erfahrung zu finden waren. Von Hamburg ließ er sich Schinken kommen, aus Frankfurt bezog er das feine Gebäck und außerdem auch noch oen Bur­gunder, während er für andere französische Weine, die er be­sonders bevorzugte, in Bremen einen Lieferanten hatte. Die Speisenfolge gestaltete sich bei ihm gewöhnlich folgendermaßen: Nach ter Suppe gab es 'Gemüse mit Beilage, wobei dem Blumen­kohl und ganz besonders dem Spargel eine hervorragende Auf­merksamkeit gewidmet wurde. Daun kam der Fisch, und Goethe ließ es sich schon mit Rücksicht auf seine eigene Passion nicht nehmen, für sorgfältig zubereitete Forellen zu sorgen, die er allen anderen Fischarten vorzog. Als Braten wurde gewöhnlich Geflügel oder. Wild aufgetragen, und darauf folgte eine Mehl­speise, am Häufigsten Karlsbader Strudel, aber für diesen Gang hatte er selber weniger Neigung und setzte ihn mehr als Kon­zession für die Frauen aufs Menü. Nicht selten wurden auch noch untere seiner Lieblingsspeisen eingeschoben, wie Froschkeulen oder Kalbsfüße in Gelee. Auf den Wein verstand er sich auch und liebte einen guten Tropfen, aber stets nur mit Maß: über andert­halb Flaschen täglich brackste er es nicht. Er trank sehr gern französischen Rotwein, wußte aber auch die Rhein- und Mosel- weiue zu schätzen. .Goethe sah es gern, wenn seine Gäste dem Wein fleißig zusprach!en, und er pflegte sie dazu zu animieren. Nach Wilhelm Grimms Mitteilung war es feine Gewohnheit, Die Gäste zum Trinken einzuladen,indem er an die Bouteille zeigte und leis brummte." In feinen letzten Lebensjahren verzichtete er aber au ften Wein fast ganz. Von anderen Getränken liebte er besonders Schokolade, wogegen er vom Kaffee nichts toifien wollte.

Bei der großen Sorgfalt, die der Dichter den Taselfreuden widmete, ist es wohl natürlich, daß er bei der Wahl der Köchin sehr vorsichtig zu Werke ging und mchp leicht eine Widerspenstigkeit vertragen konnte. Ein Beweis dafür ist folgendes eigenartige Dien st zeug nis, das er ferner Ko cpin Charlotte Hoyer ausstellte:Für eine Kochm kann sie gelten und ist zuzeiten folgsam, 'höflich, sogar einschmeichelnd. Allein durch die Ungleichheit des Betragens hat sie sich zuletzt ganz unerträglich gemacht. .Gewöhnlich beliebt es ihr, nur nach eigenem Willen zu handeln und zu kochen; sie zeigt sich wider­spenstig, zudringlich, grob und sucht diejenigen, die ihr zu be­fehlen haben, auf alle Weise zu ermüden." Unter solchen Um­ständen kann man sich 'nur wundern, daß es Goethe mck dieser widerspenstigen Köchin, die so wenig auf seine Intentionen eiuging, immerhin zwei Fahre lang ausgehalten hat. Endlich ritz ihm freilich die Geduld, zumal die holde Maidaußer anderen ver­wandten Untugenden auch noch die hatte, daß sie an den -Euren horchte." ______________

Wie soll matt ein Kmd 6Swi)l)NSU, die Tiers zu lieben?

Von I. Eng ell-Günther.

Jedes Kind ist, sobald es überhaupt zu sehen und zu hören im stände ist, sehr aufmerksam auf alles, was vorgeht. Lauge bevor es sprechen und gehen kann, betrachtet es die Handlungen und den Gesichtsausdruck der Personen seiner Umgebung genau, um ihnen zu gefallen, sich ihnen dankbar zu erweisen oder ihnen nachzuahmen, da es seine Abhängigkeit von seiner Umgebung fühlt. Daher sollte es nie hören und sehen müssen, dap rat Tier oder ein Mensch grob angeschrieen, lieblos beiseite gestoßen oder gar geschlagen wird; sondern im Gegenteil sollte es stets nur freundliche Worte und liebevolle Handlungen sehen und Horen; und es versteht sich, das; ihm selbst auch jede Plage erspart werden sollte. Man soll es weder Hunger noch Durst, weder Naße noch Kälte leiden 'lassen, und soll ihm den nötigen Schlaf ungestört gönnen. Sobald es anfängt, einer Beschäftigung zu beoürsen, was etwa im vierten Monat der Fall ist, muß man ihm dergleichen (je nach dem Alter immer besser entwickelt) verschaffen. Währmd zuerst eine Klapper genügt, kann das Kind mit 8 Monaten schon mit Bausteinen kleine Versuche machen, an denen es Freude hat. In diesem Alter wird es auch schon mit Tieren spielen wollen, was man eine kleine Weile gern gestatten kann, damit aber sofort ein Ende machen muß, wenn das Kind dem Tiere (vielleicht unbe­dachtsam) wehtut, es an Ohren und Schwanz jerrt und der­gleichen. . Auch ist im Augenblick der bösen Tat ein tüchtiger Schlag auf die unschuldige kleine Hand ganz angebracht. Ein kleiner Schreck kann da gar nicht schaden und mahnt am_beften von Wiederholung ab, besonders, wenn man bann das Spielen mit tem Tiere für längere Zeit ganz verhindert. Mail soll das Kind eben merken lassen, dag man sein Tun mißbilligt, und es nicht dulden will, weil es häßlich ist. Bon eigentlicher S-tzase