Ausgabe 
5.10.1904
 
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1904.

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Aus Ließe.

Roman von M. b. Efchstrut h. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 4. Kapitel.

Urans trafen also wieder in Kaltenberg ein. Sie be­schränkten sich diesmal auf die notwendigsten Besuche: Er ging auf die Akademie, sie wollten diesen Winter nicht Verkehren.Hm", machte Msmus von Dörrenbach, als er davon hörte. Es tat ihm leid, die junge g-rau in den Ge­sellschaften zu missen. Er hatte sich gern an ihre Anwesen­heit gewöhnt. Den sonst nicht schwärmerisch oder empfind­sam angelegten Mann überkam es bei ihr, als grüßten ihn die wenigen guten Stunden seiner Jugend; alles, was lange schon tief in feinem Inneren vergraben lag, weil er damit nirgends verstanden worden war, oder auch! dafür keinen Resonanzboden gesunden hatte. Noch mehr leid aber tat es ihm nm die junge Frau selbst. Denn wie sie ob er das fertig bringen würde. Der Rittmeister brach die ihm hierüber aufsteigenden Gedanken ab. Es ging ihn ja auch nichts an. wonder", sagte Fraul von Greditz, als ihr der Gatte die Neuigkeit zu Tisch mitbrachte.I wonder." Es klang eigentümlich sodaß niemand wissen konnte, ob es mehr ein Erstaunen über die Tatsache selbst bedeuten sollte, oder eine etwas zweifelhafte Neugier auf deren Endresultat. Was ja beides in deut Wort enthalten sein kann. Vielleicht wußte es Ellinor selbst nicht. Dann hielt sie Umschau unter den Offizieren des Regiments, wer wohl mit all den kleinen Ritterdiensten in Ehren zu betrauen sei, die sie Herrn von Urau in diesem Winter, trotz seiner Verheiratung, zugedacht hatte. Seine Frau hätte ja beste Freundin werden können, oder dar­über würde sich Ellinor den Kopf nicht zerbrochen haben.

Rittmeister von Greditz und seine Frau waren beide zielbewußte Naturen. Sie hatten sich auch beide sofort verstanden, besser noch verständigt, was sie von ihrer Ehe erwarteten und verlangten. Für den Rittmeister, den Ka­valleristen, den Sportsman und was noch dahin gehören kann, hatte, nachdem er jahrelang mit immer leichterem Herzen, weil es nun wirklich auf etwas mehr oder weniger nicht mehr ankam, seine prolongierten und immer wieder neu aufgenomwenen Wechsel unterschrieben, die Stunde geschlagen, wo es die Sache klären hieß, was eben nur mit einer reichen Frau möglich war. Ellinor war von dem nachgerade auch unter den Amerikanerinnen einreißenden Verlangen nach den von ihren Landsleuten selbst, in die Rumpelkammer geivorfeilen Titeln und Kronen gepackt. Hätte sie die Schätze einer Miß Vanderbilt besessen, würde sie es nicht unter einem englischen Herzog getan haben. So war sie einsichtig genug, sich nicht höher als für einen deutschen Freiherrn und HusaVenoffizier zu taxieren. Ihr Vater, ein der Hefe des Volkes entstamimter, durch Pe­

troleum reich, gewordener Yankee, beglich also sämtliche Wechsel des damaligen Oberleutnants v. Greditz, was für ihn eine Kleinigkeit war. Dieser gab seiner Tochter dafür ein Wappen, einen Namen und Stellung. Es war einfach ein ehrliches Geschäft, bei dem keiner den anderen täuschen! oder übervorteilen konnte. Ebenso stimmten beide Gattest darin überein, eine vornehme Lebensführung innezuhalten, sich, in Höflichkeit jede eheliche Rücksicht zu gewähren, alle äußeren Interessen gemeinsam zu Verfolgen, sich aber außer­dem absolute Freiheit zu gestatten.

Der Rittmeister lebte demnach feinem Dienst und feinest Privatneigungen, das waren Sport und schöne Pferde, zu­weilen ein kleines jeu, nur mäßiger Satz denn er war vernünftiger geworden Klub und Kasino. Ellinor als moderne Frau vielseitiger als der Mann, interessierte sich selbstverständlich' für den Sport, doch auch noch für eine Menge anderer Dinge. Außerdem liebte sie, wo immer sie erschien, z, B. im Theater, Konzert, Ausstellungen und dergl.., mit einem kleinen Gefolge Staat zu machen; einen oder einige eavaleri servanti neben sich zu haben, um ihr das Glas, den Fächer oder Schirm zu tragen, nach dem Wagen zu fragen, oder je nachdem ein Billet oder die Eintrittskarte zu lösen; Dinge, ans die sich der Rittmeister nur ungern einließ und die sich bei einer eleganten Dame, guch viel besser machen, wenn sie ein anderer besorgt, als der eigene Mann. Denn ein bißchen Flirt gehört hier zur Lebenslust. Daß es nicht mehr bedeutete, dessen konnte der Rittmeister sicher fein. Ellinor war viel klug, um nur den kleinsten Schritt vom Wege zu tun: denn das hatte ihre Stellung gekostet. Auf diese Weise führten Rittmeister v. Greditz und Frau eine absolute harmonische Ehe und waren vollkommen befriedigt. Was die Liebe dabei an­ging, so hatte er längst all dergleichen Illusionen über­wunden und war in dem Punkte mit Frauen und Frauen­zimmern fertig.

Ellinor hatte sich nie mit dergleichen Illusionen ge­tragen. Die Ehe, der Mann, bedeuteten für sie nur ein Mittel zum Zweck, Stellung und Lebensgenuß. Erst feit der Stammen-Urauschen Hochzeit war ihr der Gedanke näher getreten, daß es doch ganz nett sein möchte, für fein gutes Geld Rang und Stellung von einem Manne zu erhalten, den allein anznsehen schon ein Vergnügen sei, mit allen Gütern der Erde auch einen Gatten zn besitzen, bei dem einem einmal warm würde, warm bis in das Herz hinein!

Die Tage tvurden kürzer, die Abende länger. An diesest Abenden, mit denen sich sonst die Saison für die jungen Uraus einzustellen pflegte, faß jetzt Harro in seinem) Zimmer vor bent Schreibtisch, las und studierte. In der ersten Zeit hatte Jutta wohl manchmal noch Besuch gehabt oder war auf Besuch gegangen. Die steigende Saison aber nahm auch ihre Freundinnen mehr und mehr in Anspruchs. Wer da nicht mitmacht, bleibt allein, zumal eine kleine Leutnant sfr an, der gegenüber sich' niemand zu schusterih