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schlifsener Felsenmassive. .Und bald schaut vom Königstein die steile Festung mit ihren blanken Mauern ins Tal herab, Wer einen Höhmzug, .um bald wieder zu verschivinden. FünMndert Meter weiter erscheint sie von neuem, r-i bald haben wir sie im Rücken. Und der 'Lilienstein, .weit mächtiger, hochgebauter noch, trimmt am andern Ufer dasselbe Spiel auf. Erst schaut ein grün umwaldetes Plateau.über den Wald von vom herein, dann blickt noch einmal ein höchster Trumm halblinks auf innere Rücken. Dann ist er verschwunden, so lange wir bei Königstein halten, einem reizvollen Tvuristenstadtchen, von wo eine gleislose „Elektrische" ins Bielatal hineinführt. Dieses Städtchen, das linksseitig der Elbe einem Talkessel sich einschmiegt, und seiner mannigfachen Industrie ein ziemlich modernes anmutendes Gepräge verdankt ist vielleicht überhaupt der älteste Punkt der Touristik im ganzen Gebirge. Er verdankt seinen Namen iittb Ruhm dem es überragenden Königstein, der einzigen sächsischen Festung, der schon in einer lateinischen Urkunde von 1241 als lapis rcgis genannt wird, .und namentlich vom Elbstrande her außerordentlich imposant wirkt. Diese alte Grenzveste wurde schon eines Besuches für wert gehalten, ehe noch die Schönheiten der sächsischen Schweiz erkannt worden waren und man scheute dabei selbst die etwas beschwerlichen Wege nicht, die von Dresden her aus die bis in die letzte Zeit unbezwingliche Burg hinaufsührten. Außer den erstaunlich kühn angelegten Festungsanlagen bewundert man namentlich das große Weinfaß und den abgrundtiefen Brunnen. .Touristisch aber ist .das Städtchen Königstein jetzt deshalb von größter Bedeutung, als ausschließlich von da aus die Wege nach' den etwas weniger zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkten des Elbsandsteingebirges links der Elbe hin- sühren. Und die Königsteiner Behörden und Naturfreunde haben es sich jederzeit angelegen sein lassen, ihren Gästen alle möglichen Beguemlichkeiten und Berkehrserleichterungen zu verschaffm, um sich die altbewährten Sympathien zu erhalten.
Indem wir dann von hier stromaufwärts' weiter dampfen, türmt sich der Lilienstein über einen vorgelagerten Waldrücken hinter .uns auf; nun paradieren wir ihn auf der anderen Seite. Die drei Riesenfelsblöcke auf seinem äußersten Vorsprunge, zwischen denen das Tageslicht hindurchschenrt, sind jetzt rechts vom Plateau, wahrend vorher zu seiner Linken.
Wer vor uns fesselt schon ein neues Panorama unsere Blicke. Ta öffnet sich anmutig tvieder ein weiteres Tal. Darüber ist eine Brücke gespannt. Wir unterfahren sie. Links, von dem charakteristischen Turme der alten Sandsteinkirche überragt, liegt Schandau, und weiter hin, dem ganzen grandiosen Riesenausblicke vorgelagert, der große Winterberg mit der breiten Schneise. . Hier haben wir nicht mehr nur Felswände und Ber^e vor uns, hier empfinden wir uns, .vielleicht am merklichsten in der ganzen sächsischen Schweiz, .in einem Gebirge. Hier ist das Elbtal von großzügigstem Charakter an Weite und Tiefe, .und ringsum .angeschaut, nicht nur lieblich, sondern von wahrhaft machtvoller Schönheit.
Nichts schöneres gibt es, als in jenen stillen Gründen zu wandern, die an kleinen Wässern von der Elbe ins Gebirge hineinführen; au der Biela, nach der idyllischen Schweizermühle, dem Ausgangspunkte zum Schneeberg, an der Kirnitzsch, wo in der schönen Nußbaumallee auch eine Elektrische zum großen Wasserfalle führt, im Uttewalder Grunde, durch den der' schönste Weg zur Bastei geht, von Rathen aus ebendahin, oder nach der Wal- thersdorfer Mühle, von Herrnskretschen nach der Rainwiese. Da wandeln wir auf Fichtennadel-Teppichen und Moos', zwischen mannshohen Adlerfarrenwedeln, im Wurzelgebiete der ernstesten untersten Tannen, zwerghaft, fast beklommenen Mutes, in diesem Schattenreich, umgeben von den dickstämmigsten Riesen. Nur bereit äußerste Wipfel schauen vielleicht noch viertelstundenlang die hereinbrechende Sonne. Da sind von den Felsen gewaltige Blöcke in die Tiefe herabgeworsen, aufeinandergeschichtet, wie Kinderspielwürfel, oder in scharfer Kantenstellung, daß sie tiefe Klüfte geben, viele Meter tiefe düstere Höhlen. Auch auf ihnen wächst schon überall Moos und Beerengestrüpp und Waldesflora, und Farrengeäst und eine höhere Schicht roter Fichten und weißer Tannen. Durch die Humusschichten aber zogen die Giesbäche zur Zeit der Schneeschmelze tiefe, schnurgerade, schroffe Furchen. —■ Und dann tut sich einmal ein weiterer Talkessel auf, und wir erleben aufatmend ein herrliches, waldfrisches Idyll mit wärmerer, leichterer Luft und im klaren Scheine der Sonne. _
Es gibt nichts schöneres, als zu jenen höheren Regionen aufzusteigen, in die unablässig die Sonnenstrahlen hineinbrenneü, in das Kelsenlabyrinth der Schrammsteine, in die Felskulissenwelt des Brand, ht den Riesenkessel der Felsenmühle. Welch ein Panorama ! Da steigen die äußersten 'Gebirgszacken hoch auf. Wir sehen nur ringsum eine Steinwand, neben uns dürftigeren Baumwuchs, wie wir ihn in einem echten Gebirge zu sehen gewohnt find und verlangen, über uns den tiefblauen Himmel. Wenn im September die Heide blüht, und die roten Preißelöeeren glühen, und die Schwefelflechte an den Felswänden in bet Sonne glitzert und gleist, sind diese Partien am schönsten. Hier sind wir am entferntesten von den großen Heeres- und Verkehrsstraßen, hier können wir am impulsivsten die steinerne Umwelt auf Uns
wirken lassen und.vor ihr am nachhaltigsten Zwiesprach mit uns Kist halten. , Hier am wenigsten begegnen wir Spuren der ltur, selten einem Menschen. Doch braune Falken, schwere Adler beschreiben über solchen Triften hoch oben ihre Bogen.
Es gibt nichts schöneres, als alle die steilen Aussichtspunkte der sächsischen Schweiz zu erklimmen, das Prebischtor, den großen Wintetb'erg, den Kuhstall, den Lilienstein, die Bastei, die lohnendsten Touren sind alle aus dem rechten Ufer der Elbe, auf derselben Seite wie Sandau, Von jedem ist der Anblick ein anderer, von jedem ein herrlich schöner. Die von den beiden Riesengipseln des Winterbergs und des Liliensteins übertreffen natürlich alle anderen an Totalität. Vom Prebischtor südwärts genießen wir eine Fernsicht von unendlicher Lieblichkeit ins Böhmerland hinein. .Hier empfinden wir mit Wonne namentlich auch den Anblick des herrlich ebenmäßig geformten Rosenbergkegels und anderer Berge von runder Form, —. ein willkommenes' Widerspiel zur Sonderwelt des' Elbsandsteingebirges mit seinen massigen scharfkantigen Plateaus. Die Aussicht von der Bastei, beim Eintritt in dieses Gebiet ist'aber doch vielleicht die charakteristischste und sie wird vielleicht vielen am dauerndsten in der Erinnerung bleiben. Da sehen die meisten Zugereisten eben zum erstenmale diese ganz eigenartige Bergwelt weithin vor sich, um sich, klaftertief unter sich liegen. Da sind die Felsensäulen am steilsten von der Elbe heraufgetürmt, .mit schmalen, engen Kaminen, überhängenden Wänden, scharf geschrammten dunklen Spalten, tief ein- gerijseneu Furchen, unergründlichen Schluchten.
Und indem wir taleinwärts, bergaufwärts dieses szenen- reiche Gebiet durchwandern, erklärt sich uns auch ganz von selbst allgemach so manches von der Geschichte, von den Erscheinungen, von der Herkunft dieses Landes. Da unterscheiden wir zwischen Bergen und Steinen. .Auf den Bergen erkennen wir letzte Reste, Trümmer und Spuren von Burgen. Auf den steileren Steinen waren größere künstliche Verstärkungen der natürlichen Bollwerke nicht nötig doch waren viele auch von ihnen vormals befestigt. Das ganze Felsengebiet war jahrhundertelang ein Schauplätz heftiger, die einzelnen Geschlechter fortdauernd in Spannung haltender Kämpfe. Die charakteristischsten Befestigungen, auf dem Königstein und auf dem Hohenstein, reichen biS' in unsere Tage. „ c „
Und wie das Elbsaudsteingebitge entstand? Wir erkennen es bei einer Elbdampferfahrt bis Herrnskretschen und weiter hinauf, wo der Strom in immer engerem Talkessel immer dunkler, immer tiefer und immer reißender flutet. Wir erkennen es' im Gewirr der Schrammsteine und des Brands, auf unseren Wanderungen durch die tiefgründigen Täler. Wir erkennen es da, wo die Felsen in ihrer natürlichen Majestät hoch emporragen an ihrem Tetrassenaufbau, und da, wo der begehrliche Menschensinn Hand anlegte, um die Gesteinsschätze auszubeuten, an den vielen deutlichen Schichtungen und farbig markierten Stufen. Da war vor Zeiten gegen das böhmische Meer auch hier, wie am Erzgebirgskamm, ein dem Wässer unersteiiglicher Wall. Und immer aufs neue brandeten die Wogen an, und in ewigem Anstürmen schichteten sie berghohe Massen körnigen Sandes. Und die oberen Lasten drückten die tiefer liegenden immer fester ineinander, so daß sie versteinten. Aber auch das Wasser schwoll immer höher, preßte immer stärker, — und allgemach bahnte sich die Flut einen Weg. Da wurden jene tausend Talschluchten allenthalben ausgewaschen, .wo die Sandmassen noch am wenigsten widerstanden. Und endlich, nach jahrhundertelangem Wühlen, vollbrachte die Elbe, die Heute so stillbescheiden von Böhmen her durch Sachsen hindurch fließt, .jenen grandiosen entscheidendeii Durchbruch.
Kein Mensch, bet die Geschichte kennt, war all dessen ein Zeuge. Cs war nach einem Riesenausbau ein ebenso machtvolles Riesenwerk der Zerstörung und Verheerung.
Nun aber liegen alle diese Gebiete, diese Steinburgen und diese Klüfte, diese schattigen Täler und sonnigen Auen, diese Wasserläufe der Bäche und der von Schiffzügen und Nößen belasteten Elbe alle friedlich. Heutzutage licken die Kampfterrains anderswo, und die Menschen, die sich von da, aus dem nervenfolternden Geschäftsgetriebe nach der sächsischen Schweiz auf Tage und Wochen zurückziehen, atmen hier auf und segnen das schöne Gebirge, als eine der wenigsten Stätten der Erholung.
Johannes Kleinpaul-Dresden.
Litterarisches Versteckrätsel.
(Nachdruck verboten).
Nichts ist nutzlos in der Welt: Jedes dient, wie's Gott bestellt; Was gering erscheint und klein, Fügt sich stützend doch als Stein In den Bau des Weltalls ein.
Die in obigen Versen fett gedruckten Buchstaben ergeben# richtig zusammengestellt, den Namen eines Dichters.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Kreuzrätsels in vor. Nr.r
Made Magen Degen Genre Regen Rede.
Redaktion: Paul Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


