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ausgeführt haben, um den in diesem Lande so seltenen Regen zu sammeln. Das Wasser, das man sich verschafft, .ist nicht so rein, wie man annehmen sollte. Wenn der Regen herabfällt, so wäscht er gleichsam die Atmosphäre ab; er führt mit sich Gase, Staub und Mikroben; er entzieht ihr sehr geringe Quantitäten Kohlenstoff, Spuren von Scesalz und Glaubersalz. Nach den Wirbelstürmen in Senegal rötete das in Strömen her'abfallende Wasser die Strohhüte. Wenn man den Regen sammelt, der über die Dächer geflossen ist, so reistt er mit sich allen Schmutz, den man dort antrisft, und oft sogar Krankheitsstosfe, die von den Bewohnern der Mansarden nur zu ost mit anderen Stoffen in die Dachrinnen geworfen sind. Man weist von Typhusepidemien, die auf diese Weise entstanden sind. Daher sollte die Vorschrift Beachtung finden, das nmhrend der ersten Minuten Herabfliestende Wasser verloren gehen zu lassen.
Sind dagegen die Zisternen gut gebaut, tief in den Boden eingegraben und immer bedeckt, so erhält sich das Wasser und kann mit der Zeit von guter Beschaffenheit werden, weil die Mikroorganismen in der Frische und in dem Dunkel der Reservoirs sterben, so reinigte man siüher das Wasser in den Fässern, die man an Bord der Schiffe nahm. ^Jn der ersten Zeit war es ansteckend und ekelhaft. -Aber schließlich wurde es flar und geruchlos. Die Matrosen pflegten zu sagen, „dast das Wasser an Bord dreimal verfault sein müsse, ehe es gut werde. .
vermachtes.
* Keller und Böcklin. Wie der Dichter Gottsiied Keller und der Maler Arnold BöMn mit einander bekannt wurden und verkehrten, erfahren wir aus einer „Arnold Böcklin" betitelten Schrift, die Adolf Frey nach 'den Erinnerungen der Züricher Freunde des Malers herausgegeben hat (Verlag der I. G. Cottaschen Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart und Berlin). .Böcklin war es, der im Sommer 1885 den Verkehr anknüpfte, indem er ein Gasthaus aufsuchte, in welchem der „Staatsschreiber von Zürich" gelegentlich erschien. Die beiden sanden Gefallen aneinander. Ter eine bewunderte die Kunst des anderen mehr als die Kunst der übrigen Lebenden, obwohl keiner von beiden zum Bewundern fremder Talente sehr geneigt war, am wenigsten BöMn; dieser äusterte sogar, Keller würde so groß als Maler wie als Dichter geworden sein, wenn ihm die Umstände gestattet hätten, sich die technischen Fertigkeiten der Malkunst anzueignen. Der Umgang der beiden gestaltete sich zu einem recht freundschaftlichen Verhältnis, wenn auch keine völlige Gleichstellung stattfand. Keller war der ältere, der minder verträgliche Genosse, und Böcklin übernahm die Rolle des geduldigen und sich fügenden. „So stachelig und jäh Meister Gottfried zuweilen sein konnte, er war eine feine Natur und von einer sittlichen Größe, die nicht leicht ihresgleichen findet. Böcklin war angenehmer, aber weniger geschlossen und sicher. Er schätzte am Dichter gerade das, was ihm selber einigermaßen fehlte." Traten sie zusammen in /in Wirtshaus, so hob Böcklin den Filzhut Kellers ab, stellte dessen Stock oder Schirm beiseite und schälte den Alten selbst vorsichtig aus dem Ueberzieher, doch beobachtete er dabei nach Möglichkeit „das dichterliche Launenwetterglas", denn man konnte den Zorn Kellers auch durch Freundschaftsdienste ioachrufen, wenn er seine Selbständigkeit damit bedroht glaubte. Rückte jemand den beiden S”'er, um ein interessantes Gespräch zu erlauschen, so sah er meist enttäuscht, denn sie saßen oft schweigend nebenein- er. . Keller pflegte erst spät aus dem Wirtshaus wieder aufzubrechen, Böcklin brachte ihn dann nach Hause und zog sich dabei im Winter manchmal eine Erkältung zu, weil Keller, der ein schwaches Beinwerk hatte, überaus langsam. ging. Wen Keller nicht mochte, pon dem wendete sich auch ÄöMn ab. Keller bewunderte die Gedichte Konrad Ferdinand Meyers mit Ausnahme der Balladen; die Prosa-Schöpfungen und die Persönlichkeit Meyers selbst wären Keller unsympathisch; daraufhin lehnte Böcklin es ab, Meyer kennen zu lernen. Ohne es zu wissen und zu wollen, tyrannisierte Keller den Freund, widmete timt dafür aber auch ein Gedicht, das wahrscheinlich sein letztes war und des Malers männlichheitere Gelassenheit feiert. Es schließt:
Und erst spät mag es geschehert, Daß es fern herüberhallt: „Seht, auf jenen grünen Höhen Hat der Meister einst gemalt!
Starken Herzens, stillen Blickes Teilt er Licht und Schatten aus —: Meister jeglichen Geschickes,
• Schloß gelassen er das Haus!"
* Der „Eheklub G. m. b. H." Aus London wird berichtet: Die neueste Art von Vereinen ist einer, der es sich zur Ausgabe gestellt hat, junge Männer und junge Mädchen zwecks He.rat zusammenzubringen. Das Unternehmen hat sich nun als „Eheklub G. m. b. H." aufgetan. „Ich habe mich nur daran beteiligt' , sagte einer der Gesellschafter in dieser romantischen Vereinigung, „weil ich es für eine gute Kapitalsanlage halte und schone Dividenden zu erhalten hoffe". Ein anderer aber erging
sich in begeisterter Rede Wer den Nutzen und die Segnungen dieses neuen Instituts in sozialer und sittlicher Beziehung. „Tie Wege Cupidos sind häufig verschlungen und kraus und in diesen Irrgärten laufen gar ost die aneinander porbei, die am besten für einander passen. Da muß man denn die Bahn ein bißchen ebnen und die schüchternen Hernen den Pfeilen des kleinen Ecttes schußgerecht nahe bringen. So sollen denn Picknicks arrangiert werden, Tanzkränzchen, .Radausflüge, Theateraufführungen, ja bis in die Konservatorien und die Ateliers wird sich die Fürsorge und die leitende Hand der Gesellschaft erstrecken. Wir werden den blinden Burschen Cupido, der bis dahin so aufs Geratewohl dahcrgetappt ist, bei der Hand nehmen und er wird uns schon Hilfe leisten, wenn er auch bei dem Unternehmen nicht als Gesellschafter beteiligt ist."
Sprachecke.
— Fremdwendungen. Etwas den Fremdwörtern Aehnliches sind in deutschem Gewände einhergehende Fremdwendungen, die, wenn sie dem Französischen nachgemacht sind, gewöhnlich Gallizismen —> richtiger und auch genügend wäre Gallismen —, wenn dem Englischen, Anglismen, wenn dem Lateinischen, Latinismen genannt werden. Häufige Wendungen aus dem Lateinischen, sind der Gebrauch des zweiten Mittelwortes statt eines Hauptwortes: „Der Bries wurde schon gedruckt, nur mit weg- gelassener Unterschrift". Das Lächerliche dieser Wendung springt in die Augen. Um es zu vermeiden, mußte man sagen: „nur unter Weglassung der Unterschrift". Nicht minder ist es lateinische Art zu sagen: „Seine Maejstät wird die Umsturzbewegung und ihre Anhänger verfolgen, bis sie völlig ausgexottch sein werden;" in einer deutschen Zeitung sollte sprachlich besser freilich auch sachlich der Mund nicht so voll genommen werden. In der Form „bis sie ausgerottet sind" wäre dieser Fehler wenigstens sprachlich) vermieden. — Gallismen liegen vor in Wendungen wie: einen Brief für (statt: nach) Paris zur Post geben; es war kein Schiff für (statt: nach) Triest in Mmini; dafür (statt: so) angelegt sein; für (statt: aus) acht Tage verreisen. ' Besonders häßlich ist die Satzform, die sich immer breiter macht: „Das FrÄer war nur noch ein leichtes". Denn hier liegt doch ersichtlich- nicht die Absicht vor, eine Klasse, Gattung, Art zu bezeichnen, durch die sich die Hinzufügung des Geschlechtswortes und die Beugung des Eigenschaftswortes allein rechtfertigen würde; aber die Ausdrucksweise hat einen starken Rückhalt in einer fremden Sprache, dem Englischen. Ist doch z. B. im Muret- Sanders (große Ausgabe) 1. Teil S. 1486 das Beispiel: his House is a small one auch übersetzt: sein Haus ist ein kleines!! — Fremde Wörterbuchverfasser vergessen die Rücksicht auf ihre Heimatsprachr gewiß nicht so!
LLtevarLsehes.
— Bor allem andern interessieren augenblicklich die Damen- welt kleidsame Reise- und Badetoiletten. Und hauptsächlich ist es da die „G r o ß e M o d e n w e l t" mit bunter Fächervignette, Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 85, die zu Rate gezogen wird. Das Blatt bezweckt nicht mit Bildern das Auge zu bestechen, es will ein praktisches Modenblatt sein, und nach dieser Seite ist die Lieferung von Extraschnitten nach Körpermaß nutzbringend. Außerdem dient der Schnittmusterbogen (zu jeder vierzehntägigen Nummer) deinselben Zweck. Der Modenteil, die Rubrik: „Neuestes aus Paris", .eine illustrierte Belletristik mit Roman und eine Extra-Handarbeitenbeilage, ein Modenkolorit zeugen von dem reichen Inhalt des Blattes. Monnements auf „Große Modenwelt" mit bunter Fächervignette zu 1 Mark vierteljährlich nehmen sämtliche Buchhandlungen entgegen.
Magisches Zahlenquadrat.
______________ Nachdruck verboten.
M In die durch schwarze Felder bezeichnete Querreihe
————- sollen 4 in Zwischenräumen von 5 auseinander- folgende Zahlen (z. B. 1—6 — 11 — 16, 2—7 —------gfK--- —12—17 usw.) eingesetzt werden, die zusammen
W 90 ergeben. Sodann fetze man in die übrigen Felder andere Zahlen, die jedoch zwischen der _______________ linken oberen und der rechten unteren liegen müssen, sodaß jede senkrechte, jede wagerechte und auch die andere Querreihe die Summe von 90 ergibt.
Auflösung in nächster Nummer.
Ausiösnng des Scherzrätsels in vor. Nr.: Schlittschuh.
Nedaktivn: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Drühl'sckcn llniversttats-Tuch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
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