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»Also darum Handelt es sich?" meinte die Gräfin, die sich schon verletzt gefühlt hatte, in schnell versöhnter Heiterkeit, „was dan anbetrifft, dürfen Sie sich keine Sorgen machen, wir sind ja froh, wenn sich, jemand sehen läßt. Ueberhaupt müssen Sie sich bei uns das steife Zeremoniell abg'wöhnen, das hat ja hier kein' Sinn."
,^Jch fürchte, daß mir das nie gelingen wird", erklärte Frau von Höchstfeld sehr gemessen.
Die Gräfin neigte den Kopf etwas zur Seite und sah sie mit nachsichtiger Geduld an.
„Ja, ja, leicht wird's Ihnen vielleicht nit fein", meinte sie dabei, „aber mit der Zeit werden Sie's auch zusammenbringen. Sehen 'S, tote i herunter geheirat' hab, da war war mir das alles auch putzig und fremd, und i hab' Mir g'sagt: Unter die Wilden hältst du's kein Jahr aus! 1— Na, und i hab's ;etz doch schon zweiundzwanzig Jahr ausg'halten, und i könnt' nit behaupten, daß ichs mir besser wünscht'. — Freilich, i bin ja a Wienerin, und wir Oesterreicher sind ja um a kleine Portion lebens- ustiger als die Herrschaften aus Norddeutschland, aber chließlich, i denk' mir, Kostverächter werden Sie auch nit ein. Und wenn S' erst dahinter kommen, welch ein treues, nederes Volk das ist, dann werden Sie's ebenso lieb g'winnen tote i."
Der Graf, der mittlerweile hinter den Stuhl seiner Gattin getreten war, sagte zu Fran von Höchstfeld:
,,Sis müssen schon entschuldigen, aber dafür verdient sie ihren Lohn und der darf ihr nicht vorenthalten werden", dann nahm er seine Frau beim Kopf, bog ihn nach aufwärts und gab ihr einen schallenden Schmatz.
H (Fortsetzung folgt.)
Ile «Herkunft unseres Hrinkwaffers.
Eine zeitgemäße Plauderei von Dr. Franz Wilke.
Die Notwendigkeit, zu jeder Zeit über eine hinreichende Menge guten Wassers zu verfügen, ist schon in den ältesten Zeiten erkannt worden; den wissenschaftlichen Nachweis dafür haben erst unsere Tage geführt. Man weiß, .daß die furchtbarsten ansteckenden Krankheiten^— in erster Linie Typhus und Cholera — am häufigsten durch das Trinkwasser übertragen wurden. Mau weiß auch, daß die Gesundheit der einzelnen Individuen, wie die ganzer Völker zur Vorbedingung die sofortige Zerstörung aller Gärungsherde hat, in denen die Mikroben sich xasch vermehren, und daß die strenge Reinlichkeit, die diese Zerstörung verlangt nur dadurch erreicht werden kann, daß man das Wasser in den Häusern tvic in den Städten reichlich verwendet. .Diese neuen Kenntnisse haben die Hygieniker zu viel strengeren Anforderungen hinsichtlich der Qualität des Wassers veranlaßt. Früher begnügte man sich meist mit Hessen gutem Aussehen und höchstens einer chemischen Analyse. .Heute untersucht man es außerdem nach etwaigen Mikroben.
Die Trinkwasser sind von sehr verschiedener Herkunft. Nach ihren hygienischen Eigenschaften bilden sie zwei genau unterschiedene Gruppen: die fließenden und die stagnierenden Wasser. Tie ersteren stammen aus Flüssen, Bächen und Quellen, die sie speisen. Die anderen sind den großen, natürlichen Reservoirs entnommen, die sich in den Depressionen des Bodens, den Seen und den Teichen bilden. .Das Wasser der Brunnen gehört zu dieser Kategorie. Endlich verwendet man in verschiedenen Oert- lichkeiten aus Mangel am besseren das Regenwasser, das man in Zisternen sammelt.
Tie stießenden Gewässer sind die besten, und unter ihnen Verdienen die Quellwasser den Vorzug. Sie sind (durchsichtig) klar, frisch, .angenehm zu trinken und von vollkommener Reinheit, ioenn sie an ihrem Durchbruchspunktc sorgfältig abgefangen oder geschöpft werden. Nichts ist verlockender als das durchsichtige Wasser kleiner Quellen, hie man in dem Walde findet, und die sich in der Vertiefung der Felsen und im Schutze großer Bäume verbergen. Dennoch haben sie nicht die ideale Reinheit jener, die in dem Boden selbst geschöpft werden, .weil sie die Berührung .mit der Lust erfahren haben und dem Staub und den Insekten ausgesetzt sind. Der Reichtum der Quellwasser variiert nach der Natur der geologischen Lagen, die sie durchquert haben, bevor sie an der Oberfläche des Bodens hervortraten. .Die aus Granitboden kommenden enthalten nur wenig, die aus Kalksteinlagen reichliche Mineralbestandteile.
, , Alle Quellwasser sind nicht von guter Beschaffenheit; die- tenigen, die in der Ebene emporqucllen, sind mit einem Ueber- fluß .an organischen Stoffen belastet. Diejenigen, die Gipsbänke durchzogen haben, sind derartig gipshaltig, daß man sie nicht trinken kann, und die aus torfhaltigem Boden haben einen so widerlichen Geruch, daß man sie instinktiv zurückweist. Man kann also nicht alle Quellwasser ohne Prüfung akzeptieren, aber dennoch haben sie im allgemeinen einen unbestreitbaren
Vorzug vor allen anderen, den nämlich, feine Mikroben zu enthalten, da es genügt, daß Wasser eine Erdlage von 2 Meter Dicke durchzieht, um von jenen vollständig befreit zu werden.
Wasser, Has aus Flüssen und Bächen stammt, hat bei weitem nicht die gleichen Eigenschaften: Seine Zusammensetzung variiert ebenso wie seine Temperatur und Klarheit. Gespeist von anderen kleinen Bächen, Gieß- und Wildbächen, .oder der Schnee- und Eisschmelze, wechselt es seine Natur, je nachdem das eine oder das andere dieser Elemente vorherrscht. Auf einem Boden von veränderlicher Zusammensetzung fließend, gibt es ihm Mi- neralstoffe ab, oder entnimmt solche; es nimmt alles auf, tvas ihm der Wind zuträgt, alles, was die an seinem Ufer wachsenden Pflanzen oder die Fabriken, die es treibt, ihm zukommen lassen. Da es endlich durch Städte fließt, so nimmt es allerhand Abfälle auf. Flüsse, die von den Gletschern herstammen, sehen ihr Volumen sich vermehren, und ihren Reichtum an Mineralstosfen, aus das Minimum herabsinken, zurzeit der Schneeschmelze. Bei den von kleinen Wasserläufen gespeisten Flüssen ist es umgekehrt; sie sind an.Mineralsalzen während der Sommerhitze reicher als zu der Zeit des Herbst- und Winterregens.
Flusse, bei denen Ueberschwemmungen üblich sind, und die dann die benachbarten Felder bedecken, nehmen, wenn sie in ihr Bett zurückkehren, bedeutende Mengen vegetabilischer Erde und Trümmer aller Art mit sich. Diese Stoffe setzen sich nur langsam ab; in Bordeaux mit dem Wasser der Gironde angestellte Untersuchungen haben ergeben, daß mehr als acht Tage nötig waren, ehe in den Reservoirs wieder die gewünschte Klarheit eintrat. Jener Schlamm ist ein großes Hindernis für die künstliche Reinigung des Wassers, weil er die Poren der Abzugskanäle und Filter verstopft. Immerhin sind die Fremdstoffe, die die Flüsse auf ihrem Durchzug durch die Felder wegführen können, bei weitem nicht so gefährlich, als diejenigen, die sie in den Städten erhalten.
Tie stagnierenden Gewässer können nur Hann als Trinkwasser betrachtet werden, wenn sie in großen Massen, in Seen, wie denen der Schweiz und Nordamerikas, vereinigt werden. Diese geräumigen Reservoirs werden durch die Regenmassen gespeist, die in den Gebirgen herabfallen. Die Gletscher schmelzen an ihrer Basis; diese wird durch die Erdwärme, die Pressionen und Reibungen erhitzt. (5)ie pulverisierten Trümmer vermischen sich mit dem fließenden Wasser nnb trüben es; aber wenn sie in die Seen fallen, so lagern sie sich nach und nach in deren Tiefen ab und die Wasser dieser großen Reservoirs sind flar und hell. .Man kann ihnen nur ihre sehr geringe Mineralisation vorwerfen; sie sind ebenso arm an Salzen wie die Gletscher und Schneemassen, die sie hervorgebracht haben. Sie schließen auch nur eine sehr geringe Quantität an organischem Stoffe ein; aber sie können Mikroben enthalten. Die Ober- läche des Sees wird durch die Winde aufgewühlt; die hinzu- trömenden Bäche sind auf dem Wege verunreinigt worden, und 'le erhalten die Abfälle der großen an ihren Ufern gelegenen Städte. .Ihr Wasser kann niemals die Reinheit des Quellwassers haben.
Das Wasser der Teiche und Sümpfe ist das ungesundeste Trinkwasser, wenn man ihm überhaupt diesen Namen geben darf. Es mnß schon die absoluteste Unmöglichkeit bestehen, sich besseres zu beschaffen, um cs als Getränk zu gebrauchen. Am Senegal trinkt man Sumpfwasser, in Bengalen das künstlicher Seen, die man auf Schritt und Tritt findet, in Tunis trinken Eingeborene Wasser aus Sümpfen, in denen ihre Heerden gewaschen sind, ihre Frauen die Wäsche waschen und oft das Haushaltungswasser werfen. .Natürlich.wimmeln diese Wasser von Infusorien und Mikroben, aber die Eingeborenen denken nicht daran, es vorher zu filtrieren oder zu kochen.
Große Vorsicht sollte auch gebraucht werden, wenn man gezwungen ist, Brunnenwasser zu trinken. In Afrika bilden Brunnen das einzige Mittel, sich Wasser zu verschaffen, und jeder kennt ihre Bedeutung in der Wüste. Das Wasser der Brunnen ist in den Städten gefährlich, weil sie häufig Infiltrationen erhalten aus Gruben, die nach Gutdünken in der Nachbarschaft angelegt werden. Auf dem Lande werden die Brunnen vielfach auf den Gutshöfen gegraben, neben der Düngerstätte, auf die man alle möglichen Abfälle wirft. Sie erhalten so direkt deren Abflüsse. Das Brunnenwasser ist im allgemeinen zu sehr von Mineralsalzen und unorganischen Stoffen belastet, Vorsicht ist ihm gegenüber sehr trat Platze.
Die artesischen Brunnen haben mit dem gewöhnlichen Brunnen die Analogie des Namens gemeinsam. Ihr Wasser stammt aus tiefen Quellen, denen man durch eine künstliche Bohrung einen Aus gang verschafft. Sie sind selten trinkbar. Ihre hohe .Temperatur, ihre Mineralisation nähern sie den Termalwassern. .Sie haben wie diese zum Ursprung die großen unterirdischen Wasserschichten, die durch geologische Lagerungen sich ziehen, und die man erst erreichen kann, svenn man in Tiefen von 500—600 Meter bringt.
Das Regenwasser ist das einzige Hilfsmittel einer großen Anzahl von Oertlichkeiten. Man trank in Venedig kein anderes, bevor man das Wasser der Brenta dorthin leitete. In Nordafrika ist es noch .heute das einzige Wasser, das man besitzt. Man kennt die alten Zisternen Karthagos, diejenigen Konstantinopels und die großartigen Arbeiten, die die Engländer in Aden


