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ja Ihre Produkte so verteuern, daß sie gar nicht konkurrenzfähig wären."
... ,/diun, einmal wird die Regierung doch auch etwas für diesen Landesteil tun müssen."
„Es fragt sich nur, ob wir das noch 'erleben!" setzte der Graf seinen imaginären Hoffnungen einen Dämpfer aus. „Aber angenommen, Sie behielten auch darin recht, so würde sich Ihre Brennerei schon deshalb nicht rentieren, weil wir hier den viel billigeren Pflaumenschnaps haben, welchen sich die Leute selbst Herstellen, und Ihre Zucker- sabrikation würde daran scheitern, daß unsere Rüben viel zu wenig zuckerhaltig sind."
Ein überlegenes Lächeln spielte um des Majors Lippen.
„Run, was das betrifft", sagte er, „so bin ich schon beruhigt. Mein Gutsinspektor hat hier im Lande gezogene Rüben analysieren lassen, wobei sich das Gegenteil herausstellte."
Der Graf sah ihn verdutzt an.
„Das nimmt mich Wunder", meinte er bedächtig, „denn auch ich habe vor Jahren Versuche angestellt, die aber keine Rentabilität versprachen." — Dann schoß ihm ein eigentümlicher Verdacht durch 'den Kopf, und er fragte • »Sw haben schon einen Gutsinspektor? Wer ist es denn?"
„Ein Herr von Szabo, der lange Jahre Generaldirektor der gräflich Jülöpschen Herrschaft war."
Graf Stepenaz schnellte mit einem Satz in die Höhe. „3a, dann begreife ich freilich das günstige Resultat", sagte er, „Szabo wird sich hüten. Ihnen reinen Wein einzuschenken — das wäre doch gegen sein Interesse."
„Wieso?" fragte der Major, sich gleichfalls erhebend. Einen kurzen Moment überlegte Graf Stepenaz, dann entgegnete er:
^ch weiß nicht, wie Sie gerade zu dieser Akquisition gekommen sind, aber ein Freund kann es nicht gewesen sein, der ihn Ihnen empfohlen hat. Szabo ist ein Mensch, der sich, obgleich man ihm nichts Bestimmtes nachweisen kann, eines nicht sehr günstigen Rufes erfreut. Soviel ist jedenfalls sicher, daß er alle die Güter, wo er freie zum Wirtschaften hatte, in kürzester Zeit an den Bettelstab brachte, und zwar ausschließlich durch die unsinnigsten Neuerungen, die ein Heidengeld verschlangen, und von ^dem wohl ein reichlicher Teil in seine eigene Taschje
Mit seltener Ruhe hörte Herr von Höchstfeld diese Be- schuldigung an. Ihm war sofort Kar, daß dies der erste Angriff auf den „Fremden", auf den „Eindringling" war. „Hm, machte er deshalb gedehnt, „wenn dem tatsächlich so wäre, dann müßte er doch über ein Vermögen verfügen und brauchte nicht mehr in Dienst zu gehen."
„Für dieses Rätsel gibt es eine ganz einfache Lösung", entgegnete Graf Stepenaz, „er ist ein notorischer Spieler! Und nun, da ,ch Sie, wie ich es für meine Pflicht hielt, aufklarte, können wir wohl dies Thema für heute fallen lasten, um endlich das Bilikum zu trinken."
Auf seinen Wink stürzten die beiden Brüder, die bisher aus respektvoller Entfernung Erna mit scheuer Bewunderung und unter mehrfachem Erröten angestarrt hatte, davon. Es währte nicht lange, so kehrten sie mit dem Bilikum, einem hölzernen, kunstvoll geschnitzten Gefäß, das mindestens zwei Liter faßte, nnd mit einigen Flaschen Wem zuruck.
„Die heilige Sitte unseres Landes verlangt es" sprach nun der Graf mit feierlichem Ernst, „daß wir dem Gast- jreund, der zum ersten Male unsere Schwelle überschreitet, das Bilirum bringen", — dann, nachdem er eine ganze flasche emgegossen hatte, umfaßte er den Holzkrug mit fielen Händen, ttef: „Zivila obitelj Höchstfeld — es lebe die Familie Hochstfeld!" — setzte an und trank den Inhalt, ohne ein einziges Mal abzusetzen, aus.
Mit starrem Staunen hatte ihm Herr von Höchstseld zugesehen, doch als er nun selbst mit demselben Quantum — auch der heiligen Sitte des Landes gemäß — nachkommen sollte, da erfaßte ihn ein gelinder Schauder, und ent- schuldigend bat er:
„Ich möchte nicht gern unhöflich erscheinen, aber das übersteigt doch wirklich meine schwachen Kräfte."
Die Zwillinge, ganz rot vor Schadenfreude, stießen sich gegenseitig in die Rippen.
„Ich habe ja nur eine einzige Flasche hineingegossen">, rstoi Stepenaz M, „von Rechts wegen müßte das Bilikum voll fein — das wären drei Flaschen!"
trink doch nur, Papa", ermunterte ihn Erna —i ,/ui) helfe Dir." Der Graf kniff sie in die Wangen.
. , »Sw sind ein kleiner Mordskerl, doch das geht nicht, das Bilikum darf nur ein Mann leeren", — dann wandte stch.an den Major und sagte: „In Anbetracht dessen, daß Sie als Fremder noch nicht mit den Gewohnheiten unseres Landes vertraut sind — also auch nicht mit dein Trinken, und da es für einen Schwips auch noch zu früh wäre so wollen wir erlauben, daß Ihr Herr Sohn den Trunk mit Ihnen teilt." ’
, a Mit verlegenem Lächeln ergriff Herr von Höchstfeld rief auch: „Es lebe die Familie Stepenaz", schluckte ein-, zweimal und reichte es dann Erich, der nun zusehen mochte, wie er damit fertig wurde.
Doch Erich zog sich fein aus der Affäre.
„Zivila obitelj Stepenaz", sagte er, sich vor der Gräfin H. bem (Grafen höflich verneigend, dann schaute er Lsubiza fest ui die Augen und — .gluck, gluck, gluck' — rann das feurige Naß ölglatt hinab.
„Bravo, bravo, das geht ja ganz famos!" belobte ihn der Gras, „noch ein paar Versuche gemacht, und Sie leeren es auf einen Zug!"
., »Es wäre mir schon lieber, wenn er es in dieser Kunst "icht zu solcher Virtuosität brächte", rief Fran von Höchstfeld mit schwer berneisterteni Entsetzen.
„Aber warum denn, meine Gnädigste?" ereiferte sich Stepenaz, „das gehört doch mit zum Leben!"
„Wir haben eine andere Auffassung vom Leben", ent- gegnete sie ihm ernst, und Herr von Höchsifeld beeilte sich rasch hinzuzusetzen: 1
„Jawohl, bei uns muß es heißen: Und war es köstlich gewesen, so war es Müh' und Arbeit gewesen."
„. "NU' du mein Gott, Müßiggänger sind wir doch eigent- d/r Graf lächelnd. „Ich sage nur:
»Eui bißchen Arbeit schadet ja nichts, doch darf man es nicht ubertteiben."
„Und was sagen Sie?" fragte Ljubiza Erich, der in nervöser Unruhe die Eltern beobachtete.
„Mir steht noch keine eigene Meinung darüber zu", ent» gegnete dieser in leichter Verlegenheit. „Bisher habe ich nur Rekruten gedrillt, was freilich oft genug eine Schinderei, aber doch feine eigentliche Arbeit ist — die werde ich wohl erst hier kennen lernen."
Sie sah ihn schelmisch von der Seite an.
„Hoffentlich vergessen Sie dabei nicht", meinte sie ganz ungeniert, „daß wir recht oft auf Ihre Gesellschaft rechnen", dann hielt )ie ihm die Hand hin und bat: „versprechen Sie mir, mindestens einmal wöchentlich zu kommen. Ich brenne ordentlich darauf, von Ihnen etwas über Deutschland und über das dortige Leben zu hören. Sie glauben ja gar nicht, wtt vereinsamt man sich hier fühlt. Immer vstd immer dieselben Gesichter und immer und immer dieselben Geschichten von Hinz und Kunz. Es ist wirklich znm Sterben langweilig."
„Ich hörte aber doch, baß man hier sehr gesellig zu leben versteht", meinte Erich.
„Das schon, gab sie zu, aber wie oft trifft man sich denn? Freilich, wenn man einmal zusammenkommt, dann wird es meistens ein Dauervergnügen, dafür muß man aber auch eine Ewigkeit daran zehren — und im Grunde genommen ist es doch immer dasselbe."
Eine etwas lebhaftere Unterhaltung von der andern Seite des Saales ließ sie aufhorchen.
„Nein, nein, wir müssen aufbrechen", protestierte eben Frau von Höchstfeld, „wir haben unfern ersten Besuch ohnehin Jdjon länger als schicklich ausgedehnt."
,/,Aber das gibts ja gar nit", ereiferte sich die Gräfin, „bei uns bleibt man so lang', so lang's einem gefallt. Freilich, wenn Sie sich hier nit Wohl fühlen, dann —"
Frau von Höchstfeld war in tausend Verlegenheiten. Am liebsten wäre sie natürlich auf der Stelle aufgebrochen — ihr war es in dieser Atmosphäre unheimlich — aber durste sie es nach dieser dringenden Einladung tun, wäre es Nicht geradezu unartig gewesen? Vergeblich erhoffte sie von ihrem Gatten Beistand. Oh, sie kannte ihn, er wurde jetzt kein Wort sprechen, um nur. später die Schuld auf sie schieben zu können.
Nach einer Pause, die schon beinahe ziemlich lange gedauert hatte, sagte sie endlich in leichter Verlegenheit-
,^Wenn wir nur wüßten. Sie nicht zu 6er an gieren, wurden wir ja gerne noäb. ein Weilckwn bleiben, indes —"


