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1904
Areitag den 5. August. f\
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Mn angenehmes Kröe.
£< cs ; Humoristischer Roman.
Von Victor von Reisner.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Frau von Höchstfeld hingegen war im höchsten Zweifel, wie sie die Worte der Gräfin auffassen sollte, ob sie nicht eine Malice dahinter verberge. Und nachdem sie für die durch Erna verursachte Aufregung um Entschuldigung gebeten und auch ihren Dank für die ihr zuteil gewordene Sorge ausgesprochen hatte, sagte sie schwer beklommenen Herzens:
„Ach Gott, was müssen Sie über meine Erziehung gedacht haben! Das Kind macht mir aber auch zu vielen Kummer, ich komme ihretwegen gar nicht aus der Angst und Aufregung heraus!"
„Mama!" wagte Erna vorwurfsvoll zu lispelu.
„Sa, ja", seufzte diese, „da ist kein Geheimnis mehr zu machen. Du hast Dich ja gestern selbst gleich so vorteilhaft hier eingesührt."
Die Gräfin sah sie ganz verwundert au. Endlich sagte sie: „Ja, t hab erst denkt, daß Sie Spaß machen, aber wenn das Ihr Ernst ist, dann begreif i Sie wirklich nit. Jesus nein, so seins doch froh, daß das Kind a bisserl Blut in den Adern hat."
,,Aber Sitte und Anstand müssen doch gewahrt werden!"
„Das schon, das schon", pflichtete ihr die Gräfin bei, „i wüßt aber wirklich nit, wie sie sich dagegen verfehlt haben sollt?"
„Sie scheinen nicht zu wissen, Frau Gräfin, daß sie mit Ihren Söhnen — mit Ihren männlichen Söhnen durchs Wasser watete!"
Die Gräfin fing herzlich zu lachen an und trotz des auf sie gerichteten strengen Blickes ließ sie sich darin nicht beirren.
„Meine liebste Frau von Höchstfeld", nehmen Sie»mirs nit übel, aber dabei kanNj i nit ernst bleiben", sprudelte sie zwischendurch, „Sie sind darin wirklich a kleins bisserl — aber nit bös sein — komisch."
„Ich verstehe Ihre Heiterkeit nicht", erklärte Frau von Höchstfeld mit abweisender Gemessenheit.
„Und t kann Sie nit verstehn, denn erstens sind meine zwei Buben noch lange keine Männer, und dann wüßt t auch wirklich nit, was die Kleine hätt anfangen sollen? I bitt Sie, sie könnt doch unmögliche über Nacht im Kahn sitzen bleiben und die Stern anbeten! Na, i dank, heut hätt' 's ein schönen Schnupfen weg."
Frau von Höchstfeld fühlte, daß sie gegen diese Auffassung nicht anfkommen konnte, und da sie den Gegenstand nicht auf die Spitze treiben wollte, so sagte sie nur seufzend:
^,Sie kennen Ernas unruhigen Geist nicht, sonst würden Sie meine schwere Sorge begreifen. Ihre Kinder haben wahrscheinlich ein gefetzteres Wesen."
„I bewahre", rief die Gräfin lachend, „i könnt mich auch gar nit sreun, wenn 's solch Duckmäuser wären. Zum Stillsitzen haben 's Zeit, bis 's alt sind. — Jugend muß aus toben/'
Frau von Höchstfeld sandte einen verzweifelten Blick zu ihrem Gatten hinüber, der sich in einer anderen Ecke des Zimmers mit dem Grafen niedergelassen hatte und ihm seine Pläne über die gründliche Umgestaltung des Gutes auseinandersetzte.
„Wie es bisher ging, darf es keinesfalls weiter gehen", schloß er eben, „denn das war die reine Hottentotten- wirtfchaft!"
Der Gras hatte ihm mit höflicher Aufmerksamkeit, hie und da ein heimliches Lächeln iM Keime erstickend, zugehört.
„Ihre Intentionen sind jedenfalls sehr lobenswert, mein lieber Herr Major", sagte er endlich, „nur lassen sie sich bei uns leider nicht verwirlichen."
„Und warum nicht?!"
„Aus verschiedenen Gründen. Erstens brauchten Sie zu der von Ihnen geplanten Brennerei und zu der Zuckerfabrik einen Stock geübter Arbeiter."
„Die verschreibe ich mir von außerhalb."
„Unser Bauer wird sich aber nie dazu abrichten lassen."
„Er wird schon", sagte Herr von Höchstfeld zuversichtlich, „wenn er nur erst sieht, wie viel mehr er in der Fabrik verdient."
„Nein, er wird es nicht", widersprach ihm der Graf, „Sie werden sich bald genug selbst davon überzeugen, wie wenig unseren Leuten am Gelde liegt. Wenn sich so ein Kerl einen Gulden verdient hat, dann ist er die ganze Woche vorm Verhungern geschützt und arbeitet nichts mehr. Dann legt er sich mit seiner Schnapsflasche, einem Renten Maisbrot und einigen Zwiebeln in ein sonniges Winkelchen, läßt unseren lieben Herrgott einen guten Mann sein und tauscht mit keinem König."
Den Major belief ein leiser Zweifel an der Ausführbarkeit seiner Ideen, dann aber erinnerte er sich Herrn von Szabos Rede, der ihm ausdrücklich prophezeit hatte, daß er in der Indolenz der Gutsbesitzer und Geistlichen, welche die Bauern absichtlich in Faulheit und Dummheit ließen, die ärgsten und gefährlichsten Widersacher finden würde.
„Na, es wird sich ja zeigen, wer recht behält", meinte er deshalb schmunzelnd.
„Sie scheinen meine Warnung nicht für berechtigt zu halten", sagte der Graf mit leichtem Stirnrunzeln, „das würde mir in Ihrem Interesse schon insofern leid tun, da es Sic ein schweres Lehrgeld kosten wird. Doch nun zum zweiten Grunde. Wie denken Sie sich denn den Transport auf unseren grundlosen Wegen? Die Fracht würde


