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Verinrschtes.
* Vom Hering. In einer „pikanten" Studie über den Hering von Dr. Eduard Maria Schranke, welche die Wochenschrift „Küche und Keller" veröffentlicht, finden wir folgende hübsche Einzelheiten über die Beziehungen des allbeliebten Fisches zur Literatur und Dichtung. „Ueber. den Heringsfang ist schon sehr viel geschrieben worden, ein Aufsatz von Theodor Mugge gilt geradezu als klassisch, und besonders nennenswert ift ein Artikel von Karl Krantz unter dem Titel „Ernten des Meeres", recht bezeichnend für diesen Segen des Meeres. Aber auch den Malern hat die Hcringsfischerei schon als Sujet gedient. Ich nenne nur „Tas Heringsschiff in der Brandung", Gemälde von R. v. Möller, und „Heringsräuchereien" von Franz Skarliwa. In einem Kinder- niärchen „Ter Fischer und seine Frau", von Arthur Fitger fürs Theater eingerichtet, tritt auch ein Chorführer der Heringe auf, und „Neue Heringe" betitelt sich ein einaktiger Schwank von Talatkewicz. Taß sich auch die Poesie des Herings bemächtigt, ist selbstverständlich. Ja, nach Simrocks Ueber- setzung der Edda sagt Thor bei einer Ostfahrt in den Sund: „Eh' ich ausfuhr Ast ich in Reih
Hering und Habermus."
Von den Neueren erwähne ich nur Ludwig Foglars Poem „Ter Heringfischer", ein ernstes Gedicht. Zumeist bemächtigt sich der Humor des Herings und zwar auch oft im Tialekt. In allerlei Varianten finden wir das Rezept:
„Für Katerschmerz dient aus Erfahrung Der Sauerstoff mit einem Harung." „A Aff' und a Kater und a Harung dabei, Tos is die Naturg'schicht von der Bierbrauerei."
Nach einem Studentenliede soll schon Noah den Hering gekannt haben:
„Ta griff der Herr ins Himmelreich Und gab ihm einen Hering gleich. 5U§ den der fromme Noah roch, Ta sprang er gleich vor Freuden hoch, Und aff ihn aus ganz uiwerweilt, Und war von aller Pein geheilt'"
Scheffel läßt seinen Fürsten von Rodenstein ausrufen: „Herr Wirt ein Kännlein dünnes Bier Und einen Harung im Salze;
Ich hab' von vielem Malvasier Tas Zipperlein im Halse."
Und wer kennt sie nicht, Scheffels köstliche ober, tragische Liebesgeschichte vom Hering und der Auster?
Auch Eckstein bricht im Katzenjammer in die Verse aus: „Bring', Teure, immer den Harung, Gesalzen und gebeizt:
Das ist die rechte Nahrung, Die selbst Vergrämte reizt I Mil Essig, Lauch und Zwiebel, Wie lobt er opulent I Es feitert mich horribel, Es fntert mich horrend 1"
* Auf der Hochzeitsreise. Er hat sie in Wien kennen gelernt, wo sie bei Verwandten zu Besuch weilte, um sich in der deutschen Sprache zu vervollkommnen. Sie ist Die Tochter eines Moskauer Kaufmanns und erhält hunderttausend Rubel Mitgift. Er ist Teilhaber eines kleinen Münchener Unternehmens, für das er öfter auf Reisen geht, — in seinen Mußestunden aber sieht er wie ein Gardeleutnant in Zivil aus: schneidig, forsch, elegant, — Weltmann mit Monocle und „Es ist erreicht". In Wien haben sie sich nun kennen gelernt; als er von den hunderttausend Rubeln hörte, dachte er in seinem Sinn über das Rollen dieser Rubel nach und wurde sich sehr bald darüber klar, daß er in sie sterblich verliebt sei. Er machte ihr also einen ^Heiratsantrag, sie nahm diesen an, der reiche Vater wurde aus Moskau heraustelegraphiert, — der reiche Vater kam und brachte gleich seinen Segen mit. Die geschäftlichen Punkte werden bald erledigt, — zwei Wochen nach der Verlobung fand die Hochzeit statt. Sie wurde in Wien gefeiert; die Hochzeitsreise ging natürlich nach Rußland. In Warschau, berichtet die „Münch. Ztg.", stieg das junge Paar im Hotel Bristol ab. Nach russischem Polizeigesetz
mußte er sofort bei seiner Ankunft dem Portier den Paß abgeben; wie erstaunte er nun, als er am kommenden Tage von einem Gordowoj (Polizist) abgeholt wurde, diesem auf den Utschostek (Polizei-Bezirksstation) zu folgen. Mit Hilfe des Hoteldirektors vom „Bristol", der als Dolmetsch fungierte, wurde ihm der Wunsch des Gordowoj klar gemacht. Es blieb unserem Münchener nichts übrig, er mußte mit auf die Polizei, wo ihm nach endlosem Hin und Her eröffnet wurde, er habe sich sehr schwer gegen das russische Gesetz vergangen, da er als römischer Katholik eine „Prato oslawna" („Rechtgläubige" — griechisch-orientalische) geheiratet hätte, was in Rußland nicht gestattet ist. Die Sache begann für unseren Münchener recht kitzlich und unangenehm zu werden; da erstand ihm ein Retter in der Person des Direktors des Hotel Bristol. Ter weltgewandte Mann fand den einzig richtigen Ausweg, — er wandte sich an einen befreundeten Popen und bestimmte diesen, unseren Münchener griechisch-orientalisch zu taufen! Unter großartiger Zeremonie wurde nun diese Taufe vor einigen Tagen vollzogen, wobei unser Münchener, nun ein pra- woslawnyi Altrusse, im Hotel Bristol ein opulentes Mahl zum Besten gab, zu dem selbst aus dem fernen Moskau Gäste herübergekommen waren. Wie wird nun die Sache, wenn der gute Mann, der in Oesterreich geheiratet hat, nach Bayern zuständig ist, in Rußland sich taufen ließ, jetzt nach Bayern zurückkommt?!
Literarisches.
Das 11. Heft der Familienzeitschrift „Ueber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt) bringt u. a. Professor Th. Fischers interessante Lösung des Problems eines „D o pp e l th e a t er s"; ferner „Elsässische Frauentrachten", „Winterfeste im Harz", „Winter-Kuren im Hochgebirge" und „Von der Apfelsinenernte". Der belletristische Teil bringt die Fortsetzung von Klara V i e b i g s meisterhaft durchgeführtem Ostmarkenroman: „D as schlafende Heer", eine Skizze „Friedas Verlobung" von Marie von Bunsen und die stimmungsvolle Erzählung „Sein System^ von A Supper.
— Von dem Werke Friderichs Naturgeschichte der deutschen Vögel erscheint gegenwärtig im Berlage für Naturkunde (Sprosser u. Nägele) in Stuttgart die fünfte Auflage, neu bearbeitet von Alex. Bau. Aus den vorliegenden 8 ersten Lieferungen ist ersichtlich, daß neben sämtlichen deutschen Arten überhaupt alle Vögel Europas, sowie viele im angrenzenden Westasien und in Nordafrika heimische Vogelarten beschrieben und teilweise abgcbildet wurden. Friderichs Naturgeschichte der Vögel zeichnet sich durch populäre Schreibweise und durch die eingehende Schilderung der Lebensweise, des Gesangs, der Wanderungen, des Nestbaus re. :c. der Vögel aus; die vorliegende neue Auflage (24 Lieferungen ä 1 Mk.) verdient allen Naturfreunden, Forstleuten, Jägern, Landwirten, Gartenbesitzern zur Anschaffung' warm empfohlen zu werden.
Preisrätsel.*)
Nachdruck verboten.
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= Stadt.
= Fluß.
— Eine veriehmte Neuigkeit.
== Stadt in China.
= Stadt auf der Balkanhalbinsel.
— Zeit der Fruchtreise.
— Ein Gerät.
== Säugetier.
= Klimatische Heilstätte.
Von oben nach unten die Anfangsbuchstaben und von unten nach oben die Endbuchstaben gelesen, ergeben etwas unfern Lesern nicht Unbekanntes.
*) rösuuge« find mit Aufschrift: ,,PreisrSts<l»8ösu«p"" versehen innerhalb ackt Tagen an die Redaktion der „Gießener FamiliendilSIter" einzusenden.
Auflösung des Kapselrätsels in vor. Nr.: Gedanken sind zollfrei.
Redaktion- August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univerfitöts-Buch- und Etcindruckerei. R. Lange, Gießen.


