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Augen scywmrml ent frennmendes Abendrot, sodaß ich vor Gluten nichts mehr sehen konnte. Sonst hätte ich auch das dritte weiße Mäuslein gerichtet.
*
Alle Dinge wachsen und wachsen!
Selbst die Blumen schießen bis zum Himmel empor.
Ich kann mich zwischen den gewaltigen Blütensäulen gar nicht mehr regen.
Die Menschen haben Riesenleiber. Ihre Stimmen dröhnen, daß es mir durch Mark und Bein gellt. Nur die fremde Frau in ihren lichten Gewändern lächelt noch immer, obgleich sie dabei blutige Tränen weint.
Sie weint ein blutiges Meer, darauf ihr Lächeln wie eine bleiche Blume schwimmt.
Die Campagna behängt sich für mich! mit Geschmeide. An ihrem Leibe leuchten Juwelenfelder. Wenn die Sonne untergeht, fluten Rubinen auf sie herab.
Heute sprachen in meinem Zimmer die Genien mit mir. Von den Wänden flatterten sie zu mir nieder, häuften alle ihre Blumen um mich zusammen, rauschten mit ihren weißen und Mauen Fittichen wie ein Flug schimmernder Vögel um mein Haupt und sangen mir zu:
Vor vielen vielen hundert Jahren hätte ich schon ein- ; mal in der Villa Falconieri gelebt. Ich hätte ein leuchten- ’ des Gewand getragen, hätte strahlende Locken gehabt, einen J Rosenkranz auf dem Haupte und wäre in Schönheit dahin- geschritten . . .
Nur die Frühlingsgöttin bleibt immer noch stumm und ! will mir von ihrem ganzen Lenz nicht ein einziges Knösplein abgeben.
Ich erlebe Wunder, Wunder!
Ich arbeite, dichte!
Jeden Tag schreibe ich ein Werk!
Die Gedanken kommen über mich wie Föhnssturm, rauschen und brausen.
Und jeder Gedanke wird zur Gestalt.
Ich schaue eine Fülle von Gesichtern.
Es drängt und wogt herbei.
Immer mehr und mehr!
Um mich ist ein Gewimmel von Geschöpfen — von meinen Geschöpfen!
Sie sprechen zu mir, sind Geist von meinem Geist, nennen mich ihren Herrn und Meister.
Ich dichte — dichte — dichte!
Es geht so leicht, wie ein Vogel fliegt.
Also habe ich mir doch noch Unsterblichkeit errungen!
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Ich diene keiner Gottheit Lohnes willen.
Vom Flammenpurpur laß ich mich umhüllen'
Und meiner Seele heißes Sehnen stillen.
Mcht folge ich dem Gottessohn, dem blassen!
Die Siegespalme will ich freudig lassen. Mit beiden Händen nach den Dornen fassen. *
Es duftet nach weißen Lilien!
Allüberall weiße Lilien!
Sogar aus dem Haupte von Michel Angelos Sterben- pem wachsen sie auf.
Und aus meinem Herzen.
Ihr Duft erstickt mich.
Hilfe!
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Wie gut! O wie gut das tut!
Ich leide nicht mehr, ich fühle nichts mehr. Dabei keine Sp" ■ von Wahnsinn.
Heute habe ich sogar meine Grabsch-rift gemacht — eben weil ich lange, lange so selig leidlos leben will. Wer einst meine Grabschrift liest, wird darauf schwören, daß üch Btt gesunden Sinnen gewesen. Ich las sie Michel Angelos Sterbendem vor und der war auch meiner Meinung. Grabschrist für den vergessenen Dichter Cola
Campana
Er gab zu sehr sein Herz, sein lebensheißes.
Sein übervolles! Uebervoll an Sehnsucht
Nach andrer Herzen liebensmächt'gem Schlage;
Gewaltigen Verlangens übervoll,
Hinaus zu jubeln alle seine Wonnert, Hinaus zu stöhnen feine ganze Qual.
Der Mensch genügte nicht — die Menschheit wollt' er!
Sie sollte lächeln, wenn erlächelte, Cie sollte Tränen haben, wenn er weinte. Und ihm für sein Herz geben von dem ihren. Es will die Welt von deinem Herzen nichts; . Und drängst du's ihr gewaltsam auf — sie nimmt's Und wirft es wieder hin und läßt's zertreten.
Tu, heil'ge Erde, öffne deinem Sohn Ten mütterlichen Schoß, und spend' dem Müden Das höchste Gut des Lebens: Grabesfrieden
*
Dabei fällt mir Maria ein —
Ich kenne sie. Plötzlich erkenne ich sie!
In i hrer ganzen himmlischen Güte steht sie vor mtr.
Auch Maria will ich die Grabschrift schreiben, damit auch Maria noch ein langes Leben habe.
Auf ihrem Grabstein soll zu lesen stehen:
Maria.
Sie, die hier ruht, war gütig wie der Tag. Ihr leuchtend Leben kannte nur die Schatten, Die den umdunkelten, den . sie geliebt, Wie lichte Geister arme Seelen lieben.
Ich riß in meine Nacht sie . . . Ihren Glanz Vermochte erst die Finsternis zu löschen, Tie feierlich sie hier umfängt. Sie war Ein starkes Weib und zartes Kind zugleich. Tie Trösterin war sie, der Hort des Mannes, Ter auf der Welt nur eine Stätte fand, Weil sie dort weilte, 's war kein Tag zu trüb', Daß ihre Stimme nicht wär' hell ertönt. Dem Vogel gleich, der in den Zweigen wohnt Und auch bei Sturm sein Liedlein eifrig singt. Sie hätte sterbend leise leis' gesungen, Damit ihr Gatte denken sollt': sie leb' noch!
Was andre erst in sel'gen Höhen werden: Des Himmels Engel, tvar sie schon auf Erden.
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IN meinem Kopfe geht die Sonne auf.
In meinem Kopfe wird es heller und immer heller! Evos Phöbus Apollon !
Tag!
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Ich lag in meinem lieben Zimmer, war eingeschlafen und träumte.
Im Traume kam meine erste Liebe zu mir. Sie leuchtete wie der Morgen. In ihrem Strahlenkleide trat sie zu mir und küßte mich leise leise aus die Stirn.
Ich erwachte.
Und siehe! Aus dem rosigen Gewölk schwebte die Frühlingsgöttin zu mir nieder. Sie griff in den Korb voll Blüten, den ein Engel ihr hinreichte, nahm eine weiße Narzisse heraus, warf sie auf mich, lächelte und sprach:
„Frühling! Frühling!"
Da erstand mein Geist vom Tode.
Ich bin aufgestanden, habe dieses letzte niedergeschrieben, schreite jetzt hinaus aus meinem leuchtenden Hause in die feierliche schweigende Nacht.
(Schluß folgt.)
Mandereien aus der Kailerkadt.
(Nachdruck verboten.)
Das Opernhaus und der Volkswih. — Die alte Kommode und ihre Inschrift. — Ein unschuldig verdächtiger Gelehrter.
Am Dienstag, den 1. März, endlich hat man die Königliche Oper aus ihrem Notquartier bei Kroll wieder in die alte Heimstätte zurückgebracht. Tie Umgestaltung, die der Kaiser infolge der Chikagoer Brandkatastrophe so energische in Angriff nehmen ließ, ist vollendet. Gänge, Türen, Treppen und Treppchen sind in Hülle und Fülle geschaffen, und ein Opfer an Menschenleben wird ein Brandunglück während der Vorstellung nunmehr nicht fordern, d. h. wenn das Publikum nur einigermaßen vernünftig ist. Daran hapert's freilich^, bei solchen Anlässen in der Regel. Sicherlich trifft aber die Verwaltung und ihren hohen Schirmherrn nunmehr auch nicht die geringste Verantwortung. Gin merkwürdiges Gesicht bat der alte


