— 76
Vermischte».
*WiedieHanauerBürgerWachtdienst taten. Wie die „Han. Ztg." erzählt, bezvgen in den Kriegsjahren 1870—71, als alles Militär von Hanau fort war, zur Sicherung der Stadt täglich zwölf Mann der freiwilligen Feuerwehr die Hauptwache. Obgleich die Ordnung im Ablösen der Posten und Patrouillen ganz streng gehandhabt wurde, sand man sich doch nicht so recht in den militärischen Ton, man faßte die Sache eben als Bürger und gemütlicher auf. Auch zwischen Kommandeur und Wachtmannschaft herrschte mehr ein gegenseitiges mitbürgerliches Einvernehmen, als die Strenge der Disziplin. Es war an einem zienclich kalten Oktoberabend des Jahres 1870. Auf dem Paradeplatz stand ein großer Fahrpark mit zum Teil schon beladenen Bauernwagen, die bestimmt waren, Montierungsgegenstände den Trnppen nachzufahren. Es trieben sich damals ziemlich viel „lichtscheue Individuen" in der Stadt herum; Polizei und Nachtwächter waren zu schwach, um auch noch auf diese Wagen achtgeben zu können, und so fiel es unserer Wachmannschaft zu, zur Sicherheit der betreffenden Wagen halbstündige Wachen auszusenden. Um ein Uhr nachts kam eine Wache zurück und meldete, daß unter einem der sehr dicht stehenden Wagen ein Mann liege und nicht herauszubringen sei. Der Patrouillenführer meldete: „Ich hab schon alles Meegliche browiert, er geht net eraus." Da sagt der Wachthabende: „Habt Ihr denn net gesagt, Ihr deht schieße?" „A freilch hawe ma des gesagt, er glaabts awer net; er seegt: Geht haam un legt Euch in Euer Bett, Ihr Sprenggenkel!" „No, un da seid Ihr fortgange?" hat da der Wachthabende gesagt. „Ei nadierlich." „Wie hääßt dann der Kerl?" freegt da der Kommandant. „Mir wisses net gena; ich glaab aber sicher, daß 's die Pfeffernuß is." „So, die Pfeffernuß is es", seegt da der Ernst, des war der Wachthabende. „Gebt emal acht, wie schnell ich den naus hab." Der Ernst is hingange, ohne Säwel un ohne Gewehr, un hat unnern Wage gernffe, wo der Kerl gelege hat: „Pfeffernuß, bist Du's?" A freilich I" seegt da die Pfeffernuß. Da seegt der Ernst: „Hie hast en Grosche, komm eraus." „Was gibst De?" freegt da die Pfeffernuß mißtrauisch. „En Grosche kriegst De." Da war mei Pfeffernuß wie der Blitz raus, hat sein Grosche in Empfang genomme un is abgeschowe. Wie die Wachtmannschaft die Pfeffernuß abschiewe hat sehn, war se ganz baff, daß ihr Wachthabender mit so em gefährlichen Kunne, wie die Pfeffernuß war, so glatt fertig is worn. Ter Ernst awer is mit triumphierender Miene zurück uff die Wachtstub gekomme, hat sich in die Brust geworfse, un hat gesagt: „Ihr kennt etoe kaa Mensche behannele, Ihr kennt Seite Leut net imponiere."
Aus Anlaß des Geburtstages Ihrer Majestät der Deutschen Kaiserin hatte die Münchener Firma Kathreiners Malzkaffee-Fabriken ein Glückwunschschreiben an die hohe Frau gerichtet und gleichzeitig sich bereit erklärt, eine Anzahl der unter dem Protektorate Ihrer Majestät stehenden Wohltätigkeitsanstalten auf die Zeitdauer von einem Jahr kostenfrei mit Malzkasfee zu versorgen. Vor einigen Tagen traf nun ein Schreiben aus dem Kabinette der Deutschen Kaiserin bei der genannten Firma ein, in welchem Ihre Majestät für die übersandten Glück- und Segenswünsche Ihren Tank ausspricht und zugleich 15 Wohltätigkeitsanstalten namhaft machen ließ, für welche die Zuwendung der Kathreiners Malzkaffee-Spende erwünscht wäre.
Wenn Gelegenheit gegeben wird, Milch statt Bier zu erhalten, wird der Bierkonsum bedeutend sinken. Das beweist ein Versuch der k. k. Staatsdruckerei in Wien, die in ihrem Betriebe etwa 1500 Personen beschäftigt. Auf besonderen Wunsch von 300 Angestellten wurde in der Hausküche der Milchausschank eingeführt. Es liegen jetzt die Zahlen über das Berichtsjahr 1902/03 vor, aus denen sich ergibt, daß der Milchkonsum in jenem Jahr von Null auf 163 Hektoliter gestiegen, der Bierkonsum aber gleichzeitig um 120,25 Hektoliter gefallen ist. Hoffentlich findet dieses Vorgehen in allen deutschen Betrieben Nachahmung; denn die Gesundheit und damit natürlich auch die Leistungsfähigkeit des Arbeiters wird dadurch nicht unwesentlich erhöht.
Literarisches.
— Im Verlage von Ad. Haußmann, Berlin SW. 12, ist soeben eine neue illustrierte Monatsschrift „Tie Gesundheit in Wort und Bild" erschienen. Tie Zeitschrift ist für Familie und Haus bestimmt; sie wird unter der Redaktion von Tr. Weißbein und Dr. Lipliawsky in Berlin herausgegeben. Nach einer kurzen Einleitung, die die Aufgaben und Ziele der neuen Zeitschrift schildert, folgen Aufsätze, so: Tie Nahrung des Kindes, von Pros. Tr. Max Kassowitz-Wien. — Der Geisteskranke vor Gericht, von Geheimrat Prof. Tr. Pelman-Bonn. — Wie sollen wir leben, um einer Erkrankung von Nierenoder Blasen st einen vorzubeugen? von Prof. Tr. L. Casper-Berlin. — Tie Lebensbedrohung des Fettleibigen, von Prof. Tr. E. Heinrich Kisch in Prag-Marien- bad. --- Tie Heilkraft der Könige, von Dr. Eugen Holländer-Berlin. — Wie kann man einem frühzeitigen Haarausfall Vorbeugen? von Tr. Max Joseph-Berlin. — Tie Pflege der Gesundheit auf den deutschen Hochschulen, von Tr. Otto Knörk-Berlinüc. Das Verständnis des Inhaltes wird an der Hand von Illustrationen erleichtert. Mir sind überzeugt, daß sich die Monatsschrift einbürgern wird, zumal der Preis 40 Pfg. pro Monat beträgt.
„An die Schönheit" von Max Klinger ist rm neuesten Heft des Magazins für Literatur reproduziert. Tie Radierung zeigt eine junge Menschengestalt, die im Anblick der großen Natur und ihrer Schönheit in die Knie sinkt und ein Gebet stammelt. Ein Aufsatz des verstorbenen Hans Merian, der die Geschichte von Reis aus Eden erzählt, behandelt in der gleichen Stimmung wie Klingers Radierung den Wert und die Wucht der Schönheit. In demselben Heft berichtet Arthur Moeller-Bruck über die Entwicklung der Aesthetik. Paul Leppin würdigt die Kunst des Oester- reichens Karl Haus Strobl, während Richard Schaukal seinen Gegnern in dem Aufsatz zur Psychologie des Rezensenten an den Leib rückt und Jacques Hegner von Kellermanns neuem Roman Yester und Li spricht. Mit belletristischen Beiträgen sind der zärtliche Hans Bethge, der bizarre Ernst Schur, August Str in d berg, Karl Hans Strobl und mit Tiersabeln Theoder Etzel vertreten. Zu erwähnen ist noch ein Artikel über Walter Crane, der dem großen Engländer an der Hand von Bildermaterial gerecht wird, ferner Gedichte. Moderne Leser werden dem mit diesem Heft in den 73. Jahrgang eingetretemu und doch jugend- frischen Magazin für Literatur ihr Interesse entgegenbringen.
Hrpokics HL zcpt.
Linsensuppe mit Wildpretkäse (für sechs Personen). Etwa 250 Gramm übrig gebliebenen Hirsch-, Reh- oder Hasenbraten verwiegt man ganz fein, rührt ihn mit einigen Eßlöffeln Wildpretsance, etwas schwacher mit 8 Tropfen Maggis Würze versetzter Kochbouillon und vier ganzen Eiern zu einem Brei, salzt ihn angenehm und streicht ihn durch ein Haarsieb. Dann füllt man ihn in eine mit Butter ausgestrichene Kasserolle, stellt ihn in ein nicht zu heißes Wasserbad und kocht ihn darin zu einer festen Masse, Unterdessen hat man drei Würfel Maggis Linsen-Suppe zerdrückt, in kaltem Wasser zu dünnem Brei angerührt und in zwei Liter siedendes Wasser gegossen. Nach dem Aufkochen läßt man die Suppe bei kleinem Feuer 20 Minuten sieden, stürzt den Wildpretkäse, schneidet ihn in hübsche Würfel, gibt diese in die Terrinne und richtet die fertige Linsensuppe darüber an.
Logogriph.
(Nachdruck verboten.)
Mit Kops dients einem Gast zur Speise, Der ist in einem Häuschen eingeschlossen. Kopflos, ba flieht mans, kommt es zischend Ans dürrem Laub hervorgeschossen.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Gleichung in vor. Nr.:
Nheinwein (a Ruhr, b Ur, c Gastein, ä Gast, e Weiher, k her, g Born, h Bor).
Redaktion: August Eötz. — Rotationsdruck und Berlag der Brühl'schm UuiversttLtS-Tuch- und Ctciudruckcrei. R. Laune. Gießen.


