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efttet bettuiivütiiinjen soepörbe. Heber bie flelieferteit ®inge tttufe eine Quittung ausgestellt, und. bei der Ausführung der Requl- fition mutz Ordnung und Disziplin gewährleistet werden., Mlli- türische Gewaltmatzregeln dürfen nur im Falle der Weigerung der Ortsbehörden angewandt werden. Wenn aber eine städtische Behörde die betr. Forderungen bewilligt, und dann trotz alledem die Soldaten die Türe n mit Texten einschlagen, wie mail das bei Herrn Gaudillon, Herrn Ursin u. a. getan hat, wenn die Soldaten alle Waren, die ihnen gefallen, wea- schleppen, ohne eine Quittung bafür zu geben, .wenn sie in die Keller eindringen und über dre Weme und Liköre herfallen, wenn sie in den Tabakniederlagen die Z i g a r r e n w e g n e h w en wenn sie gewaltsam Schränke erbrechen und sich opulente Diners servieren lass en — so sind das alles Dmge, die mir unter den Begriff der Plünderung zu fallen scheinen, sowie er durch die Gesetze aller zivilisierten Rationen festgestellt ist, .Tinge, die auf keinen Fall irgend ettoas mit Requisitionen zu tun haben." , , . , , ,
Daß nun am 13. November eine solche Plünderung m Sens stattgefunden hat, darüber sind alle von Welter benutzten Quellen einig, wie denn auch am 12. Januar 18 <1 der Maire der Stadt, Robert, dem damaligen preußischen Etappenkomman- dant anlätzlich einer geforderten Requisition ausführlich über die Plünderung Bericht erstattete, und ihm die Beweisstücke dafür vorlegte. Welter teilt eine Reihe von Schabensberechnungen der ausgeplünderten Bürger mit, von denen einige ihre Verluste auf mehrere tausend Franks berechneten. Es finden sich darunter Lederhändler, Hoteliers, Weinhändler, Tabakhändler, Charcutiers, Friseure, Cafetiers, Limonadenverkäufer usw. Tie von ihm mtt- geteilte Liste ist aber, wie er sagt, .absolut nicht vollständig und stellt nur ein Minimum der wirllichen Zahlen dar; denn es fehlen darunter gerade Namen von Leuten, bei denen nach anderen Berichten die preußischen SoDaten besonders bös gehaust haben.
' In dem Tagebuch des schon einmal erwähnten Dauphins heißt es unterm 14. November: „Man unterhielt sich aus den Stratzen von den S ch r e ck e n und den Gewalt! ä t i g k e r t e n des gestrigen Tages ch man hörte, daß man bei Herrn Ursm ebenso wie bei Herrn Gandillon die Türen mit der Axt eingeschlagen und ihr Leder gestohlen, dah Offiziere (I?) und Soldaten in verschiedene Läden eingedrungen sind, so bei den Herren Berthoud, Bonneau, Cheva'llier, .Delajon, Jullien, Sicard, Thouard und Thouö, und dort Wein, Liköre, Fleischwaren, Pomade, Handschuhe usw. mitgenommen haben."
Es liegt der Gedanke nahe, daß diese Wegnahme wenigstens der Lebensmittel doch mit den der Stadt aufgelegten Requisitionen znsammenhänge, so daß es sich vielleicht doch nur um eine etwas harte Art Requisition gehandelt habe. Welter
hat sich aber die Mühe q i;t, auch die wirklichen Reqmsltions- qnittnngen genau zu prüfen, und daraus geht hervor, daß dieselben von den Schadensberechnungen wohl zu trennen smd. Obwohl nun Welter jtur eine summarische Zusammenstellung der einzelnen Posten veröffentlicht hat, so zeigt auch diese schon, daß die Requisition eine ganz außerordentliche Höhe erreichten. Wir wollen nur einige Posten davon erwähnen: Fourage für 624 Fr., Kaffee für 1877 Fr., Spirituosen für 1567 Fr.,*) Verpflegung am Ort, Fletsch- und andere Eßwaren für 677 Fr., Leder und Schuhzeug für 42 657 Fr. (!!), Handschuhwaren für 232 Fr., Tabak und Zigarren für 168 Fr., bare Kriegskontribution 7600 Fr. Welter berechnet als Minimalbettag der. Requisitionen eine Summe von rund 56 000 Fr., gewiß reichlich viel für die Heine Stadt und noch reichlicher für das Heine Detachement von 1200 Preußen, das „requirierte".
All dies läßt nur zu sehr begreifen, wie Kretschman schreiben konnte, daß die Stadt „in Unglaublicher Weise mitgenommen" und „total aüsgeplündert" worden sei.
Was nun Kretschmans Erzählung über den Raub eines Pferdes und die Erschießung desGa st Wirtes anlangt, so sind diese beiden Affären zwar auch nicht ganz aus der Luft fegriffen, aber doch .zum Glück übertrieben. Welter hat auch irr die wirklichen Vorgänge ermitteln können. Ter Held der ersten Geschichte war ein Munizipalrat von Sens, A. Billebeault, der sein Erlebnis wie folgt erzählt: „Als ich am' 13. November zum Hotel de l'Ecu zurückkehrte, umringte mich eine Menge Menschen der verschiedensten Chargen, nahmen mich buchstäblich vom Pferde herunter und wollten es mir wegnehmen. Widerstand war zwecklos, .die.Menge hätte mich erdrückt, da ging ich direkt auf die Offiziere, .die beim Essen saßen, los und sagte zu ihnen: Meine Herren, ich "wußte, chaß Sie große Sieger waren, aber ich hätte nie gedacht, daß Sie Diebe wären; man nimmt mir mein Pferde weg. — Einer von den Offizieren, ein Graf von Bellegrade, ließ es mir darauf sofort wieder zustellen, das hinderte jedoch einige Spitzbuben (maltotiers) von ihnen nicht, Mir Sattel und Zaum wegzunehmen." Dieser Sattel und Zaum figuriert, wie Welter bemerkt, jtt den Akten des städtischen Archivs
*) Diese neben der Zahl für die Eßwaren unverhältnismäßig hoch erscheinende Zahl gibt vielleicht eine Erklärung für die anderen Ausschreitungen.
als „requiriert durch .einen Offizier". .Jedenfalls eine eigentümliche Form der Requisition. c
Noch eigentümlicher war die, dre zu der Legende von der Ermordung -es Wirtes Veranlassung bot. Die Geschichte spielte im Hotel de Paris und wird in Tauphirws Tagebuch sowie von dem noch lebenden Besitzer des Hotels Übereinstimmend mitgeteilt. Der Hotelier Bourgenot und seine Frau erzählen: „Als unser Hotel Sonntag den 13 November, 6 .Uhr abends überfallen wurde, da wollten Soldaten und Chargierte (gradss) sich einen Schrank öffnen lassen unter -em Borimrnd, eine Untersuchung vornehmen zu müssen. In dem Schrank stand em Handkoffer, der einem Reisenden gehörte und Schmucksachen, imitierte und stark vergoldete, enthielt. Der Koffer war dem Hotelierdiener anvertraut, einem alten Mann von 60 Jahren namens Cadet. Ms dieser den Soldaten nicht schnell genug gehorchte, wurde er zu Boden geschlagen und mit Füßen getreten. Ms er wieder aufstand, waren ihm zwei Zähne eingeschlagen und ein Handgelenk verrenkt." r, ,
Aus dieser rohen Heldentat hat sich dann offenbar die Legende von der Ermordung des Wirtes entwickelt, die in dieser übertriebenen Form dem General Kretschman überbracht und von ihm weiter erzählt worden ist. Die Ereignisse des für die Stadt so denkwürdigen 13. November wurden ja natürlich damals viel besprochen. Dazu kam, daß am Montag, dem 14., Markttag in Sens war, und viele Bauern aus der Umgebung in die Stadt kamen. Dadurch wurde die Kunde von der Plünderung des Städtchens schnell und weit in der Nachbarschaft verbreitet und war in dem wenige Kilometer entfernten Teil längst bekannt, als Kretschman am 15. daselbst eintraf. , .
bleibt nur noch die Frage übrig, wie es möglich war, daß Kretschman die Ausschreitungen der preußischen Soldaten gerade den „hessischen Bundesbrüdern" in die Schuhe schob, an deren Unschuld und musterhafter Aufführung nach den deutschen und französischen Untersuchungen auch nicht der leiseste Zweifel b e st e h e n k a n n. Tie Erllärung ist ganz einfach. Die guten Einwohiier von Sens habm offenbar selber geglaubt, daß ihre Bedrücker Hessen gewesen seien. .Mau verwechselte einfach die preußischen uNd die hessischen Jäger. Die hessnchen Jäger waren die ersten deutschen Soldaten, die das Städtchen betraten. Man hatte erfahren, daß das Hessen und keine Preußen seren, und als dann wenige Stünden später wieder Jäger einrückten, da wurden die natürlich gleichfalls für Hessen gehalten. Daß die französischen Kleinstädter kein Auge für die Unterschiede . nt Uniform und Abzeichen hatten, wird man ihnen gewiß nicht Übelnehmen können. Ihr Irrtum wurde durch die später, emtreffen- den preußischen Truppen vielleicht noch bestätigt. Wir zweifeln nicht an der Gutgläubigkeit des Generals von Kretschman; er hat, als er seiner Frau schrieb, gewiß selbst geglaubt, daß die Hessen Sens geplündert hätten. Für sein preußisches Herz war es sicher eine gewisse Befriedigung, datz nicht seine Landsleute,, sondern die „Bundesbrüder" die Attentäter gewesen seien. Darum hatte er auch nichts eiligeres zu tun, als den Franzosen den Unterschied zwischen Preußen und Hessen klarzumachen und aus seiner Entrüstung über das vermeintliche Vorgehen der letzteren keinen Hehl zu machen.
Vermischtes.
* Nasenkorsetts. Wie erfinderisch ist doch der menschliche Geist, der Natur nachzuhelfen, sie zu verbessern! Was sm- alle Schminken und Salben, all bie kleinen gewöhnlichen Mittelchen, mit denen man sich schöner macht, gegen das, allerneueste Kunststückchen, dessen Bedeutung aus der Annonce enter großen Pariser Frauenzeitschrift .enthüllt: „Apparat, dre Formen der Nase beliebig zu modifizieren. Nasen werden schmaler und Hemer gemacht, Modelle auf Verlangen zur Ansicht". So, wird der Toilettentisch der Frau um einen neuen Apparat bereichert wer- den, der ähnlich dem Korsett, „schmaler und dillmer macht. Was für ein Unglück für den köstlichen Cyrano de Bergsrac, i>aR zu seiner Zeit diese Erfindung noch nicht existierte.
Silbendiarnartt.
(Nachdruck verboten.)
1—2 Verwandte.
2—3 Hohe Körperschaft.
3—4 Land in Afrika.
4—5 Zeitbestimmung.
1—3 Teil von Kngarn.
1—4 Heidnischer Gott.
4—1 Spanischer Feldherr.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nrr Zum Lernen ist man nie zu alt.
Redaktion: Anaust Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schcn Universitäts-Buch- und Ctcindruüerei. R. Lange, Gießen.


