Ausgabe 
4.6.1904
 
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Tode des letzten Herzogs geschlossen war, weil die verarmte Fa­milie nicht die Mittel hatte, in dem weitläufigen Gebäude ftandes- gemäß zu leben, lieber die Ausfuhr von Fürstenkleidern nach Amerika gibt eine englische Händlerin Auskunft, die in vielen europäischen Ländern Vermittlerinnen hat, welche die abgelegten Kleider von Königinnen und Königstöchtern ankaufen und als getragene Ware zollfrei in die Staaten einführen. Da ist z. B. eine junge Dame in Chicago, die bei ihrem Eintritt in die Gesellschaft ihren Freunden und Gespielinnen in einer Gewandung vorgestellt wurde, in der jedes Stück vorher von einer Königin oder min­destens von einer Prinzessin getragen worden ist. Der Vater dieser jungen Dame verfiel auf den Gedanken, seine Tochter in könig­liche Gewandung einzukleiden, und hat der englischen Händlerin den Auftrag gegeßen, ihm beglaubigt abgelegte Kleider von König­innen zu verschaffen, und der Vermittlerin in Bezug auf den Preis freie Hand gelassen. Mit einer Auslage von ungefähr 4000 Mk. hat diese den Auftrag des Schweinemetzgers von Chicago erfüllt. Auf der eingereichten Rechnung, die mit dem in Amerika üblichen Zartgefühl sofort den Zeitungen zur Veröffentlichung übergeben worden ist, findet man folgende Posten: Ein Seidenkleid 2000 Mark, zwei Unterröcke von Seide und Spitzen zusannnen 800 Mark, ein Schnürleibchen 200 Mark, Leibwäsche aus feinstem Schleier­tuch mit Spitzen 700 Mark. Strümpfe 100 Mark das Paar, die aus weisem Atlas verfertigten prächtig mit Goldfäden und falschen Perlen bestickten Schuhe sind mit 420 Mark und die Handschuhe mit 60 Mark eingetragen. Andere Amerikanerinnen kaufen der­gleichen Plunder nicht zum Tragen, sondern für ihre Sammlungen. Die genannte Händlerin hat unter ihren Kunden eine amerika­nische Dame, die eine große Sammlung von getragenen Korsetts hat, unter denen sich eins von nur 16 Zoll Umfang befindet, das von der ermordeten Kaiserin von Oesterreich getragen worden ist. Ein anderes Schnürleibchen gehörte der kleinen Königin von Holland an, ein drittes aus weißem Atlas mit Spitzen wurde einst von der Königin von Italien getragen, und die Kaiserin von Rußland ist durch ein seidenes Schnürleibchen vertreten. Auch Schuhe, Strumpfbänder und Strümpfe von noch lebenden und von verstorbenen Fürstinnen enthält die genannte amerikanische Samm­lung.

* Schönheitspflege bei Kindern. Je früher die Erziehung zur Schönheit bei Kindern beginnt, desto besser ist es. Fürchte niemand, dadurch eitle kleine Wesen zu züchten! Die Sache muß so gehandhabt werden, daß die Kleinen nichts davon merken, nicht einmal den Erfolg. Wenigstens nicht in dem Sinne, daß sie eitel und selbstgefällig dadurch werden. Da aber die Schönheit, die edle Formenschönheit des Körpers ein Freibrief fürs Leben ist und nicht ohne Gesundheit des Leibes und der Seele gedacht werden kann, sollte jede Mutter vom ersten Tage an ein wachsames Auge auf den Körper ihres Kindes haben. Die Glieder eines jungen Kindes sind so biegsam. Eine schlechte Sage, unordent­lich gelegte Bettstücke können schor: auf eine Mißbildung und Ver­krümmung hinwirken. Die Art, wie ein Kind getragen wird, ob immer auf dem rechten oder auch zuweilen auf dem linken Arm, hat entschieden Einfluß auf seine körperliche Entwicklung. Der schielende Blick hängt zuweilen, natürlich nicht immer, von den Gardinen des Wagens ab, die das Kinderauge verführen, nach ihnen hinzusehen, oder von Tupfen im Schleier. Das sind Kleinig­keiten, die vermieden werden können. Wird ein Kind immer nur auf deu Rücken gelegt, so erhält sein Köpfchen oft eine häßliche, platte Form, und bauschen sich zum Ueberfluß seitlich die Enden des Kissens auf, so entstehen abstehende Ohren. Darum ist es angebracht, das Kind öfters mit seiner Sage wechseln zu lassen. Zeigt sich eine angeerbte Neigung zu abstehenden Ohren, so muß ein kleines, luftiges Mützchen getragen werden, damit diesem Bestreben entgegengewirkt wird. Niemals reiße man Kinder an den Ohren oder steche ihnen gar Ohrlöcher. Der kleinen Nase kann durch sanftes Streichen oft noch, selbst wenn die Natur sie zu einer Stnmpfnase bestimmt zu haben scheint, eine sehr gute Form gegeben werden. Auf alle Fälle müssen Kinder daran ge- Ij-ittbert iverbett, aus Spielerei ihre Nase zu drücken und zu quet­schen. Auch das einseitige Schnauben dient dazu, die Nase schief zu machen. Es ist natürlich unmöglich, einen großen Mund klein zu machen. Aber man kann von klein auf für eine gute Zahn­bildung wirken. Erst vorbereitend durch größte Sauberkeit und später, wenn die Zähne im Wechseln begriffen sind, durch auf­merksamstes Reinhalten. Sehr viel trägt zur Linienbildung in einem Kindergesicht die schlechte oder gute Laune bei. Ein Kind soll so viel toie möglich zur Heiterkeit und Freude erzogen werden, zu einem edlen Gleichmaß aller Gefühlsäußerungen. Die Gegen­stände, auf denen ein Kindesauge beim Erwachen und Wachsen seiner kleinen Seele ruht, sollen schön und sinngemäß feilt. Mit ganz einfachen Mitteln kann dies erreicht werden. Eine Mutter achte darum mit peinlichster Sorge auf die Umgebung ihres Lieb­lings von klein auf. Die Augen und die Ohren sehen und hören bewußt und unbewußt so manches, was schädigend nachher von innen heraus sozusagen auf die Fortentwicklung der kleinen Menschenpflanze wirken kann. Auch der Pflege der Hände und Füße muß von früh auf Beachtung geschenkt werden. Weiche, geschickte Hände nnd feste, gut ausgebildete, in ihrer Entwicklung nicht gehemmte Füße sie tragen mehr zum Glück und zum

Wohlbefinden eines Kindes bei, als man sich vorstellen kann. Und dann - der Rücken! Kein Korsett, keine Schnürung hemme ihn oder die Brust in ihrem Wachstum. Ueberhaupt fort mit allen unnützen Stützen und überflüssigen Hüllen. Eine gute Hautpflege, eine sinngemäße Gymnastik, eine richtige Ernährung und gesunde Kleidung und die Erziehung zur Schönheit wird erreicht werden.

* Ämerikanisches Frauenleben. Unter dem Namen Gesellschaft verheirateter Männer gegen das Euchrespiel und zur Erhaltung des Heims, haben 21 Ehemänner in Boyonne, eine Organisation gegründet. .Sie erklären, daß es höchste Zeit sefi ihre Fraenn und die Frauen anderer Männer von dem unter dem NamenProgressive Euchre" (ein Kartenspiel) bekannten Laster zu befreien und fügen hinzu, daß sie es in dieser Richtung an energischen Anstrengungen nicht fehlen lassen werden. Ein Herr Kicks wurde zum Präsidenten der Gesellschaft erwählt. Er sagte:Es ist die höchste Zeit, daß wir unsere Manneswürde wahren nnd einen Versuch machen, diese Untugend zn beseitigen, welche unsere Häuslichkeit zu einer leeren Phrase macht. In vielen Nächten mußte ich mit dem Baby auf dem Arm auf und ab gehen und häufig bis3Uhr morgens warten, bis meine Frau nach Hause kam. Es ist schon so schlimm geworden, daß die Klubs nicht nur nachmittags, sondern auch abends zusammen kommen und jetzt sogar davon sprechen, auch an Sonntagen zu spielen."

ImVerlag für Naturkunde" Sprösser & Nägele1 Stuttgart erscheint gegenwärtig die dritte Auflage von H e r nt. Wagners Illustrierter deutscher Flora, nach der von Dr. Aug. Garcke besorgten zweiten Auflage neu durchgesehen und verbessert. Mit ca. 1550 Pflanzenabbildungen. 16 Liefer­ungen ä 75 Pfg. In der nicht gerade armen Literatur über die Flora Deutschlands und der angrenzenden Gebiete ragt das Wagner- sche Werk durch seinen Reichtum an instruktiven Abbildungen her­vor. Fast alle besprochenen Pflanzen werden sowohl in ihrer ganzen Gestalt als auch in vergrößerter Wiedergabe der charakteristi­schen Teile abgebildet, womit dem Anfänger und Liebhaber die Arbeit des Bestimmens sehr roefentließ erleichtert wird. Das Werk will auf solid wissenschaftliche und doch leicht faßliche Weise Studierenden, praktischen Forstleuten, Lehrern, La ndwirten,Gärtnern und der großen Schar der N a t ur- freunde als Führer beim Studium der Pflanzenwelt dienen. Es bringt nicht nur die notwendigen trockenen Bestimmungstabellen und Beschreibungen, sondern auch Angaben über, den Anbau, die technische und pharmacenttsche Verwendung der Pflanzen und sucht sich ferner durch Aufnahme einer großen Anzahl kultivierter Zier- und Gartenpflanzen den Gartenfreunden, nützlich zu erweisen. Jn- sekten-Sammler, welche die Botanik als Hilfswissenschaft nicht ent­behren können, werden die korrekt gezeichneten Pflanzenporträts mit Freude begrüßen, um sich rasch mit den für sie in Betracht kommenden Nährpflanzen der Insekten und ihrer Larven bekannt zu machen. Für den Anfänger werden in der, Einleitung die not­wendigsten Belehrungen über Pflanzenanatomie, botanische Kunst­sprache, Pflanzen-Sammeln und -Präparieren nsw. gegeben wer­den. Die Anordnung des Ganzen ist nachdem zurzeit meist ge­brauchten Englerschen System getroffen. Der Preis von 75 Psg. für das 3 Bogen starke reich illustrierte und durchweg solid und gut ausgestattete Heft im großen Oktav-Format ist gering. Er­schienen sind bis jetzt 8 Lieferungen; das We« stwird voraus­sichtlich noch vor Schluß des Jahres vollständig.

Magisches Dreieck.

(Nachdruck verboten.)

A

A

C

I

K

Die Buchstaben sind in die Felder des Dreiecks derart zu fetzen, daß die drei Außenreihen, sowie die drei wagerechten Mittel­reihen Wörter folgender Bedeutung ergeben:

1. Stadt in der Schweiz.

2. Teil des Körpers.

3. Physikalischer Begriff.

4. Flächenmaß.

5. Haustier.

6. Dichtung.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Telegraphenrätsels in vor. Nr.r

Wie gewonnen so zerronnen.

Redaktion: Auaust Götz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Cteindruckerei. R. Lange, Gieße«.