Ausgabe 
4.6.1904
 
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Die Augen gewisser Tiere besitzen die Eigenschaft, sich zu ent­flammen und wie ein Feuer in der Dunkelheit zu leuchten."

Auch bei Menschen wollte man Leuchten und Funkensprühen der Augen beobachtet haben. Hierauf fußt die Erzählung von der Bärenjagd des Freiherrn von Münchhausen, welcher in seiner bekannten Geistesgegenwart seine körperlichen Fähigkeiten in jeder Weise auszunutzen verstand. Als er sich von einem Bären verfolgt sah und mit Schrecken bemerkte, daß er den Feuerstein zu seiner Flinte verloren hatte, fiel ihm noch rechtzeitig das Leuchten seiner Augen ein; er legte auf den Bären an und schlug sich mit der Faust aufs Auge, daß es Funken sprühte und das Pulver in der Flinte entzündete.

Selbst in ärztlichen Kreisen herrschten früher ganz abenteuer­liche Vorstellungen. So wird berichtet, daß der durch seine medi­zinischen Uebersetzungen berühmte Leipziger Arzt Dr. C. F. Mi­chaelis mehrere Jahre vor seinem Tode sehr oft abends sowohl als des nachts in Zwischenräumen Lichtausströmungen aus den Augen gehabt habe, welche bei ihm so stark waren, daß er dabei die kleinste Schrift habe lesen können und die nächsten Gegenstände rings herum erleuchtet erschienen.

Wissenschaftlich vorsichtige Gelehrte freilich glaubten auch bei diesem Phänomen nur das, was sie sahen. So erzählt Professor Ernst Brücke i. I. 1847:Als ich vor kurzem eines Abends in dem Sprechzimmer der hiesigen (Berliner) Universität zwischen der daselbst besindlichen Hängelampe und der Tür stand, sah ich die Pupille eines jungen Mannes, der eben hinausging, als er sich umwandte, um die Tür zu schließen, mit lebhaft roter Farbe leuchten. Es fielen mir sogleich die vielen Erzähl­ungen von dem Leuchten der Augen einzelner Personen ein, die ich immer für Fabel gehalten hatte, indem ich glaubte, daß nur die Augen von Albinos in derselben Weise wie die der weißen Kaninchen leuchten könnten. Der junge Mann aber, dessen Augen ich soeben hatte leuchten sehen, besaß dunkles Haar, und mithin war an Albinismus nicht zu denken."

Wissenschaftliche Untersuchungen haben nun ergeben, daß ein selbständiges Lichterzeugen, einPhosphoreszieren" der Augen bei Menschen wie bei Tieren niemals eintritt.Augenleuchten" kann nur durch Zurückwerfen, Reflektieren, der in das Auge von außen einfallenden Lichtstrahlen stattfinden. Auch die Augen der Katzen können bei absoluter Dunkelheit der Umgebung niemals leuchten, sondern höchstens noch in der Dämmerung, wo immerhin noch ein wenig Licht in die Augen gelangt und von ihrem Hinter­gründe wieder zurückgeworfen wird, wodurch die Pupille hell, d. h. erleuchtet erscheint. Bei diesen Tieren genügt hierzu schon sehr wenig Licht, denn sie haben in ihrem Augenhintergrunde eine glänzende, schillernd gefärbte Haut, das sogenannte Tapetum, welches einfallendes Licht lebhaft zurückwirft. Auf unseren Haus­böden, wo es oft so dämmrig ist, daß man sich nur schwer

zurecht findet, dringt doch in das Katzenauge genügend Licht,

um seinen glänzenden Hintergrund hell erscheinen zu lassen. In

noch größerem Maße ist dies der Fall, wenn wir mit einem

Lichte einen ganz finsteren Raum betreten, in dessen Hintergrund eine Katze hockt, deren Augen nun die aufgefangenen Licht­strahlen wieFunkensprühen" zurückwerfen. Löschen wir aber das Licht ganz aus, so wird es auch in den Katzenaugen dunkel, von einem Erleuchten des Raumes durch dieselben kann gar keine Rede sein.

Aber auch beim Menschen, der kein Tapetum besitzt, können die Augen leuchtend erscheinen und zwar besonders bei den soge­nannten Albinos, welche, wie die weißen Kaninchen, weder in Haut, Haare, noch Augen irgend welchen Farbstoff, Pigment, besitzen. Während nun bei gewöhnlichen Menschen alles Licht, welches die sogenannte Lederhaut des Auges trifft, von dem Pigment am Vordringen ins Innere zurückgehalten wird, kann bei den Albinoaugen viel Licht außer durch die Pupille auch durch die pigmentlose Lederhaut eindringen, sodaß das Augen­innere rötlick erleuchtet erscheint, was wohl schon jeder, wenigstens bei weißen Kaninchen, gesehen hat.

Ein Leuchten des menschlichen Auges kann auch bei gewissen Abnormitäten desselben stattfinden, von denen dieUebersichtig- keit" am häufigsten ist. Hieran litt jedenfalls auch der von Professor Brücke beobachtete junge Mann. Ebenso sind die Katzen­augen, an denen man das Leuchten so schön wahrnimmt, von Natur ausübersichtig". Näher auf diese Abnormitäten ein­zugehen, würde hier zu weit führen und sich auch schwer all­gemein verständlich darstellen lassen.

Unser Karten im Juni.

Der Anfang des Juni ist noch vorzüglich geeignet, um überall dort, wo sich leere oder lückenhafte Blumenbeete finden, durch Nachpflanzung hübschen Flor zu erzielen. Man lernt int Juni so recht den Wert der Reservepflanzen kennen, denn wer sie besitzt, kann _ ohne Schwierigkeiten die größten Lücken aussüllen. Wer fte mcht hat, muß zu den jetzt allerdings billigeren Angeboten der Gartnereren grerfen.

ist notwendig, int Juni diejenigen Sträucher, welche ab- giwluht haben, zurückzuschneiden, damit sie im nächsten Jahre toteber krafttg blühen.

ist notwendig, Erdbeeren zu entranken, für den der Treib- erdbeeren ziehen will, Ranken in Töpfe zu leiten. Es ist not­

wendig, die Kernobstbäume gegen Fusikladium mit halbprozentiger Kupferkalkbrühe zu spritzen, die Früchte, da wo sie zu dicht hängen, auszudünnen. Eine der wichtigsten Arbeiten besteht aber darin, daß wir den reichen Fruchtansatz ausnutzen. Wir dürfen nicht durch Trockenheit den größten Teil der kleinen Früchte verlieren, sondern müssen gießen und abermals gießen, damit sie sich erhalten und kräftig wachsen können. Sehr häufig wird das Gießen mit Spritzen verwechselt, insofern, als man nur die oberste Erdkrume benetzt. Solches Gießen resp. Spritzen ist ja erquickend, aber es ist nicht wachstumfördernd, denn das Wasser dringt nicht zu den Wurzeln. Und weil es nicht zu den Wurzeln dringt, können diese das Wasser nicht (tuffcttigert und vermögen sie es nicht in die Bäume zu pumpen. Neben dem Gießen ist aber auch das Düngen äußerst wichtig. , Düngen und Gießen können wir int Juni vereinen, wir gießen statt mit Wasser mit Dungwasser. Solches Düngen macht sich schon int Herbst bezahlt, weil es direkt zur Ausbildung der Früchte beiträgt und noch nicht die Gefahren späteren Düngens in sich birgt, die int ungenügenden Ausreisen des Holzes bestehen können.

Wir machen Folgeaussaaten, von Radis, Salat, Kohlrabi. Wir pflanzen Winterkohl, Weißkohl, Wirsing und Rotkohl. Wir säen Winterrettig und Endivien, wir säen noch Buschbohnen, schneiden die Tomaten und geizen den Weinstock. Außerordentlich wichtig ist der Grünschnitt am Formbaum, wie er in Pekrun mit seinen 150 Abbildungen (Preis 1.20 Mk. mit Porto) gelehrt wird. Der Grün­schnitt ist nicht allein maßgebend für eine gute Garnierung der Zweige, sondern er ist maßgebend für die Ausbildung von richtigem Fruchtholz. Wer es nicht versteht, den Grünschnitt auszuführen, wird fich am Formbaum niemals zurechtfinden und wird immer und immer wieder Fehler machen, die seine Form schänden und seine Arbeit nutzlos werden lassen.

Die Aussaaten von Primeln, Cinerarien, Calceolarien können im Juni gemacht werden. Ende Juni säen wir auch Stiefmütter­chen, Vergißmeinnicht und Hornveilchen aus. Wer noch nicht Gelegenheit gehabt hat, die prächtigen Wirkungen zu bewundern, die man mit dem Vergißmeinnicht erzielt, wenn es in Massen an­gepflanzt ist und die man mit Stiefmütterchen und Hornveilchen erzielen kann, sobald sie durch zeitige Aussaat zu kräftigen Pflanzen heranwachsen, dem kann nicht genug empfohlen werden, sich Massen vom Vergißmeinnicht, Hornveilchen und Stiefmütterchen hcranzu- ziehen, er wird feine Freude im nächsten Frühjahr haben.

Die im April und Mai gemachten Staudenaussaaten werden auf Beete gesetzt, zur Not auch noch Staudenaussaaten von den­jenigen Stauden gemacht, welche nur kurze Zeit zum Keimen bedürfen.

Am 24. Juni soll das Spargelstechen aufhören. Von diesem Zeitpunkt an soll der Spargel Laub und Schosse bilden und Kräfte sammeln für die nächstjährige Saison. .Zum Kräftesammeln ge­hört Nahrung und deshalb ist es dringend notwendig, daß wir unsere Spargelbeete, nachdem das Stechen aufgehört hat, mit künstlichen Düngern düngen und ihnen Jauche geben, soviel wir eben haben. Von künstlichen Düngern sind U/z Zentner Chilisalpeter pro 2500 Quadratmeter, 1 Zentner 40 prozentiges Kalisalz für die gleiche Fläche empfehlenswert. Aber gleichmäßig dünn sollen diese Dünger ausgestreut werden. Sie sind deshalb zuvor mit dreifacher Menge trockener Erde oder Torf innig zu mischen. Haben wir bis zum 24. Juni nun dafür Sorge getragen, daß unsere jungen Spargelbeete verschont geblieben find vom Spargelkäfer und seinen Maden, so müssen wir jetzt daraus sehen, daß wir Käfer und Maden auch von den alten Beeten abhalten. Wir müssen ferner die Ver­mehrung der Spargelfliege Hintertreiben und müssen schließlich durch Bespritzung mit Kupserkalkbrühe den Spargelrost nach Kräften bekämpfen. I. C. Schmidt, Erfurt.

Vermischte».

* Millionärstöchter und abgelegte Fürsten- kleid er. Aus London wird derVoss. Ztg." geschrieben: Zwi­schen der großen Republik in Nordamerika und den monarchischen Staaten desabgelebten Europa" scheint eine Art Tauschhandel zu bestehen, über dessen Ausdehnung und Wert weder amtliche Blaubücher noch Berichte der Handelskammern Auskunft geben, obschon man gelegentlich in der Tageschronik und in internatio-' nalen Klatschblättern darüber Auskunft findet. Die jugendfrische amerikanische Republik führt Millionärstöchter nach Europa aus und nimmt int Tauschhandel abgelegte Kleider, Schnürleibchen und Schuhe europäischer Königinnen und Königstöchter an. England hat in den letzten Jahren so viele amerikanische Millionärs- töchter in seinen Adel ausgenommen, daß im auserlesenen Kreise der Herzoginnen sich eine Art Auflehnung gegen die letzte Einfuhr, die schöne und geistreiche Herzogin von Roxburghe, bemerklich gemacht hat. Die junge Herzogin hat jüngst mit zwanzig Millionen Dollars in der Tasche an der Seite ihres Gatten in dessen Ahnenschloß Floorscastle bei Kelsoe in Schottland ihren Einzug gehalten und jetzt flüstert man sich zu, daß die englischeu Herzog­innen, unter denen sich bekanntlich schon drei Amerikanerinnen befinden, dem letzten amerikanischen Eindringling die Türen ihrer Salons verschließen wollen. Und doch hat die ehemalige Miß Goelet vier Prinzen mnd einem königlichen Herzog Körbe ge­geben, um mit ihren Millionen das Wappenschild der Herzoge von Roxburghe neu zu vergolden, deren Ahnenschloß seit dem