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^Fch Mmdere mich, Mainwarkrg, daß Du daran nicht schon Mbst gedacht hast."
Inzwischen hatte Stott das Putt geöffnet. Gleich der erste Blick ließ ihn erkennen, daß oas Dokument nicht mehr auf der Stelle lag, auf der er es zuletzt gesehen hatte. Er begann zu suchen und durchstöberte alle vorhandenen Fächer. Endlich die Vergeblichkeit ferneren Suchens einsehend, drehte er den schon ungeduldig werdenden Herren oas Gesicht zu und sagte verstört:
„Ich finde das Testament nicht; es ist verschwunden !" Diesen Worten folgte eine beinahe unheimliche Stille, nur der Anwalt sprach-, indem es in seinen Augen wie von! einer erhaltenen Genugtuung leuchtete;
i: „Tas habe ich mir . gedacht!"
I vk'iu ... . (Fortsetzung folgt.)
Ernst und Kumor im Kinderspieheug.
Das Kinderspielzeug ist immer eine bald versteckte, bald offene Nachahmung der Wirklichkeit. In dieser Tatsache steht Hunwr und Ernst dicht beieinander. Und fast noch enger verschmolzen liegen beide in dem Gedanken, daß alle Jahre Hundert- tauiende von ausgewachsenen Händen, schwieligen und wohlgepflegten, sich regen, um die Werkzeuge für dieses kindliche .Nachahmungsspiel, das Spielzeug herzustellen, daß zahllose Fabriken bei dieser Arbeit bestehen und zahllose Köpfe Jahr aus Jahr ein darüber nachsinnen, wie sie bem Geschmack der kleinen Welt gerecht werden und wie die Errungenschaften der großen Welt in jene kleinen übertragen werden können. Ter Erfolg ist Nicht ausgeblieben. Unsere Spielwarenindustrie hat es in der Nachbildung der Wirklichkeit zu einer Vollendung gebracht, die ast mehr den Erwachsenen als das Kind selbst in Erstaunen fitzt, und unsere Spielwarenläden sind zu Sehenswürdigkeiten 1 reworden, an denen niemand mehr vorübergeht. Und selbst darin findet siH ein Körnchen Humor und ein vielleicht noch größeres Quantum Ernst.
Aber wir wollen nicht vor dem Schaufenster stehen bleiben, sondern eintreten und einigemale zwischen den Puppen, Tieren, Puppenstuben, den Rüstungen und Mordwaffen, den Baukasten und den anderen Herrlichkeiten einherwandern. Merkwürdig, wie sich doch die Neigung eines Volkes selbst in harmlosem Spielzeug zu erkennen giebt! Daß wir im Zeitalter der Industrie leben, merkt man an den zahllosen Dampfmaschinen und Lokomotiven, aber nichts von allem, was man sieht, erinnert daran, daß in unfein Tagen sich "politische Ereignisse abspielen, deren Hauptfiguren sich für Puppenmodelle vorzüglich eignen. In anderen Ländern ist man anders darin. Doch nein — so unpolitisch, wie es scheint ist auch der Deutsche nicht; nur daß jer seine politischen Anwandlungen bescheiden in den Soldaten.schachteln verbirgt. Dort intzen findet man heute das Neueste vom Neuen, nämlich den russrsch-japanischen Krieg und den Aufstand in Südwest-Afiika. Diesen in breitester Ausführlichkeit snit gefallenen Rindern/ niedergerissenen Häusern, käncpsendeN Farmern und bogenschießenden Herero. Daß die Flachfigur vielfach dem Vollsoldaten gewichen ist, gehört zwar nicht zum Neuesten, hat aber die Folge gehabt, daß man den Gesichtern, die Züge lebender Personen beizulegen beginnt. Die deutschen Fürsten und besonders die Mitglieder des Kaiserhauses müssen dabei mit ihren Porträts herhalten. Ms gute Deutsche jedoch vergessen wir heute auch die Schwärmerei für die Antike und die Ritterzeit nicht, und ehe noch unsere Herren Söhne im gött- lichen Homer vom männermordenden Achill lesen, können sie schon mit Bleifiguren die „Zerstörung Trojas" spielen, den Streitwagen Hektors und die Schönheit der Hellenen bewundern, und ehe sie noch in der Schule die Kreuzzüge „gehabt haben",, können sie schon auf ihrem Spieltisch die Geharnischten gegen die „Türken- Kunde" losziehen lassen. Sie können auch selbst zu Schwert und Lanze greifen, die Rüstung anlegen und sporenklirrend zum Schrecken aller Feinde in den Straßen einherstolzieren, obwohl, wie die Tageschronik zu berichten weiß, die jüngste Schlacht an den Rehbergen ohne Brustpanzer und Beinschienen geschlagen worden ist; sie können sich auch in einen Lohengrin verwandeln, und wenn die kleine Schwester, an der eigentlich ein Junge verloren ist, gern mitspielen möchte, dann hat sie heute die Möglichkeit, sich ä la Jungfrau von Orleans oder Walküre zu wappnen.
Solange noch kein Rezept gefunden worden ist, das den Weltfrieden herbeiführt und sichert, wird auch die Lust zum Kriegspielen im Jungen leben. Weit mächtiger aber noch als sie ist im Kinde der Drang zum Bilden und Schaffen, und jedem, der menschlichen Fleiß und Schaffenstrieb für nichts besseres Kält als die Folge einer bitteren Lebensnotwendigkeit, soll man ein Kind zeigen, das ohne Absicht und Aussicht auf Gewinn und ohne durch äußere Notwendigkeit beeinflußt zu sein, sich stundenlang mit seinem Baukasten zu schaffen macht. Läge der Trieb "zum Schaffen nicht im Menschen, dann wäre es unerfindlich, warum gerade der Baukasten, dieses edelste aller Kinderspieleuge, eine geradezu ans Fabelhafte grenzende Vervollkommnung erfahren Kaf. Einst — ach einst waren wir verwundert, wenn wir außer
den glatten Holzklötzen zwei bunte Fenster und einige Säulen im Baukasten vorfanden; heute hat sich schon fast wieder der Anker- Steinbaukasten überlebt. Sein Kollege mit den Mzernen Klötzen ist aus seinem Grabe auferstanden, aber sein neues Leben hat einen glanzvollen Inhalt bekommen. Heute begnügt man sich nicht mehr mit schlichten Fassaden, Giebeln und Wänden; heute entsteigen demselben Baukasten die Akropolis von Athen, eine indische Pagode, ein altrömisches Wohnhaus, eine Ritterburg; heute baut das Kind arabisch, maurisch, im Stil der Renaissance und der Rokokozeit; ja sogar Schiffe, Eisenbahnwagen und Festungen lassen sich heute aus Bauklötzen zusammenfügen, imd wer einmal ein Ingenieur werden will, schlägt schon als Junge mit Hilfe seines Baukastens eine Brücke über einen imaginären Fluß.
Was dem Knaben der Baukasten ist dem Mädchen die Puppe. Wenigstens in Deutschland ist es so, und die deutsche Puppe hat, soweit Schönheit der Formen in Frage kommt, längst Weltruf erlangt. Tie Nachbildung der Wirklichkeit hat bei ihr, so möchte man annehmen, das Mögliche erreicht, denn unsere Puppen schlafen und schreien nicht nur, sie können sogar gehen, und vielfach hat man es schon fertig gebracht, einen Phonographen in ihr Inneres zu versenken, so daß sie auch reden können. Aber alle Vollkommenheiten, zu denen es heute die Puppeutechnik gebracht hat, bleiben belanglos neben der rührenden Liebe und Sorgfalt, mit der das Kind seine Puppe, die schöne tote die häßliche, die vollkommene wie die unvollkommene, pflegt und hegt. Kein Spiel zieht das Gemüt des jungen Menschenkindes so in Mitleidenschaft tote das mit der Puppe; Humor und Ernst paaren sich nirgends im Kindesleben so anmutig tote dort, too ein kleines Hausmütterchen an seinem aus Wachs geformten Ebenbild mütterliche Pflichten übt.
Von dem Maschinensfnelzeug zu reden, ist eigentlich überflüssig. Daß die Technik hierin Vollkommenes leistet, daß sie ihre kleinen Lokomotiven und Dampfmaschinen den Riesenmodellen bis ins einzelne getreu nachbildet, ist kein Geheimnis mehr. Sie findet alle Jahre Neues, und in diesem Winter ist sie selbst den lokalgefchichtlichen Ereignissen vorangeeilt^ denn, wie man in dem Schaufenster eines unserer größten Lpielwarengeschäfte sehen kann, hat sie sogar schon eine Miniaturschwebebahn auf den Weihnachtsmarkt gestellt.
Ernst und Humor soll im Kinderspielzeug seinen Ausdruck finden, wenn es das Kind bei der Nachahmung der Wirklichkeit, wirksam unterstützen will. Ob das technisch vollendete Spielzeug da das richtige ist, ob es nicht vielmehr den Ernst der Wirklichkeit auf Kosten des Humors zu stark hervorhebt und der Phantasie und selbständigen Schöpferkraft des Kindes allzu weit vorgreift, ob die bekannte Redensart, daß es keine Kinder mehr gibt, auf den Weg der technischen Vervollkommnung hingewiescn hat, oder ob gerade der Realismus im Spielzeug mit daran schuld ist, daß jene Redensart entstehen konnte — alle diese Fragen sollen hier nicht beantwortet werden. Aber alle, die Kinder beschenken wollen, haben sich jetzt darüber zu entscheiden. Sie werden es tun, und dann werden sie in die Spielwarengeschäfte gehen, dort prüfen, staunen und wieder staunen, und schließlich —. alle ihre Vorsätze vergessen.
VerMischte».
* Der feste Schlaf der Jugend. Vor einiger Zeit stießen die Dampfer Goolistan und Inventar während eines dichten Nebels int nordatlantischen Ozean, dicht vor Vigo, zusammen. Beide Schiffe waren beschädigt; der Goolistan. aber so ernstlich, daß man voraus sah, daß er sinken werde. Infolgedessen ging die Mannschaft in die Boote. Eines der Boote kenterte und sieben Matrosen ertranken. Der Rest der Mannschaft wurde an Bord des Inventar genommen.. Ter Kapitän des Goolistan glaubte als letzter das sinkende Schiff verlassen zu haben. Als aber am folgenden Morgen das Schiff immer noch schwamm, gingen einige Leute wieder an Bord zurück, um zu sehen, ob sie noch etwas von ihrem Eigentum reiten könnten. Ihr Staunen war groß, als sie den Schiffsjungen festschlafend in seiner Hängematte fand-en. Er hatte den ganzen Zusammenstoß und die Räumung des Schiffes überschlafen, während jeder davon überzeugt war, daß er einer der Ertrunkenen gewesen sei.
* Zusammenlegbare Kinder-Sitzwagen. So zweckmäßig und elegant die Kinder-Sitzwagen neuerdings ausgeführt werden, es läßt sich doch "nicht verkennen, daß sie insofern recht unbequem sind, wenn es sich darum handelt, sie auf der Bahn usw. mitzunehmen. Der in solchen Fällen verhältnismäßig große Raum, den sie einnehmen, hindert die Benutzung von Straßenbahnen und Omnibussen. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, ist ein zusammenlegbarer Kinder-Sitzwagen konstruiert worden, der während des Nichtgebrauches so zusammengeschoben werden kann, daß die Räder dicht nebeneinander zu stehen kommen. Ein derartiger Kinderwagen hat den Vorteil, in der Wohnung verhältnismäßig wenig Raum fortzunehmen; dann läßt er sich mit Leichtigkeit die Treppen herunter und hinaus tragen; endlich dürfte seine Mitnahme auf den Stehplätzen der Straßenbahnwagen und der Omnibusse sehr gelegen kommen. Tas Gewicht eines Wagens dieser Art beträgt rund acht Kilo, so daß er das Gewicht der gewöhnlichen Wagen für Kindertransport nicht übertrifft. Diese praktische Neuheit dürfte namentlich für die Ba-


