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1904» -- Wr. IbO
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Das Testament des Bankiers.
Kriminalroman von A. M. Barbour.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
erwiderte sie mit spöttisch gekräuselten Lippen. „Er hat den Verwandten statt der Erwartungen für die Zukunft die Erfüllung ihrer Wünsche gebracht."
„Es läßt sich in keiner Weise annehmen, daß auch nur einer von ihnen das schreckliche Ereignis in diesem Licht betrachtet", entgegnete er scharf.
„Mag sein", gab sie leichthin zu, „mir jedoch erschien es, als ob wenigstens einem von ihnen die Freude an der verheißenen Erbschaft durch den Gedanken an das voraussichtlich noch lange Leben des Testators beeinträchtigt wurde."
„Von wem sprechen Sie", fragte er barsch.
„Es ist unnötig, Namen zu nenneu", antwortete sie kühl, „aber hätten die Londoner Mainwarings gewußt, was ich weiß, würden sie niemals über das Wasser gekommen sein, um eine Rolle in der Posse zu übernehmen, die gestern hier in Szene gesetzt wurde. Es gibt Mainwarings, wie Sie bald erfahren werden, die bessere Rechte und Ansprüche auf das Erbe haben."
Tas alles sprach Frau La Grange in einem hochfahrenden, fast gehässigem Tone; ihre ganze Art und Weise zeigte, daß sie au'ch nicht die Spur eines Mitgefühls oder Interesses für den Toten empfand.
Ter Anwalt schien die versteckte Drohung in ihren letzten Worten völlig überhört zu haben; er fragte plötzlich ganz unvermittelt: „Wann sahen Sie Ihren Herrn zum letzten Male, Frau La Grange?"
Sie wollte eben antworten, als Skott aus dem Turmzimmer trat. Bei seinem unerwarteten Erscheinen imb durchdringendem Blick, mit dem er sie ansah, glitten in schneller Folge Schatten der Ueberraschung, der Furcht und des Trotzes über ihr Gesicht. Sie zögerte einen Augenblick, dann antwortete sie nachlässig: „Gestern abend, ziemlich spät."
Ter Anwalt war im Begriff, weiter zu fragen, wurde jedoch durch Herrn Thornton unterbrochen, der in der Tür erschien und sagte:
„Ich muß leider stören, aber der Coroner mit seiner Begleitung ist eingetroffen, und ich möchte Sie bitten, Herr Whitney, die Herren zu empfangen, da Sie diese wohl alle kennen."
„Gewiß — Bitte, Herr Skott, erwarten Sie uns hier."
Frau La Grange schien zu überlegen, ob sie bleiben oder srch entfernen solle. Ta sie jedoch in den auf sie gerichteten Augen des Sekretärs instinktives Mißtrauen las, .verließ sie mit einer bochmütigen, leichten Neigung des
Kopses gegen den jungen Mann das Zimmer. In demselben Augenblicke hörte man die Herren nahen.
Wichtige Entdeckungen.
Herr Whitney traf die An gekommenen auf der zum zweiten Stock führenden Hanpttreppe. Er begrüßte zuerst; einen jüngeren Herrn, Dr. Hobart, den Arzt unb intimen! Freund Hngh Mainwarings. Diesem folgten die Herren! Elliot und Chittenden von der Firma Mainwaring & Co. Ten Schluß bildete der Koroner mit einem kleinen Herrn! von unscheinbarem Aeußern, den der Anwalt mit großer Herzlichkeit begrüßte und später den Familienglied-ern als „Herrn Merrick" vorstellte. Er führte die Ankömmlinge sogleich nach der Bibliothek, in der sich einen Augenblick darauf auch Ralph Mainwaring und sein Sohn einfanden. Na^ch gegenseitiger Bekanntmachung und dem von Ralph einem Diener erteilten Befehl, niemand einzulassen, berichtete Herr Whitney kurz über die Entdeckung des Mordes/ und dann begaben sich alle nach dem Turmzimmer.
Tr. Hobart beugte sich sogleich traurig über die in' unveränderter Lage gelassene Leiche. Der Millionär war! einer seiner ersten Gönner gewesen, und dieses Verhältnis hatte sich, trotz der Verschiedenheit ihres Alters, bald zu einem freundschaftlichen gestaltet. Nach einem langest Blick in das Gesicht seines Freundes untersuchte er mit dem Coroner zusammen die Wunde. Der kleine Manns, der den Coroner begleitet hatte, sah schweigend zu.
Es stellte sich heraus, daß die Kugel gerade über dem rechten Auge eingedrungen war, in etwas gesenkter Richtung das Gehirn durchbohrt und am Hinterkopf in der. Nähe des Nackens ihren Ausgang genommen hatte. Ungeachtet der sorgfältigsten Nachforschungen gelang es aber nicht, die Kugel aufzufinden. Tie Besichtigung wandte sich nun dem neben der rechten Hand des Toten liegenden Revolver zu. Er trug den Stempel der Firma Smith & Wesson, Kaliber 32, und zeigte nur eine leere Kammer. Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte diese also die verhängnisvolle Kugel enthalten.
Ter Coroner hielt den Revolver empor. „Weiß einer der Herren, ob die Waffe dem Verstorbenen geb hörte?"
Es entstand eine Pause; dann sagte Herr Whitney r „Einen Revolver besaß Herr Mainwaring, ob das aber der f einige ist, weiß ich nicht, da ich ihn nie gesehen habe. Vielleicht vermag Herr Skott ihn zu erkennen."
„Nein. Mir ist er auch nur insoweit bekannt, als ich ihn gelegentlich in dem Pult Herrn Mainwarings liegen sah. Ich habe ihn niemals so genau betrachtet/ um ein Urteil abgeben zu können."
„Wenn er sich immer im Pult befänd, scheint mir das einfachste", bemerkte Herr Whitney, „wir überzeugen uns, o_b er^noch da ist. Sie haben ja wohl den Schlussel, Herr
„Gewiß; wir können sogleich nachsehen."


