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Hildegard öffnete die Lippen, bann schüttelte sie den Kopf. Vielleicht dachte sie, daß Schweigen hier besser am Platze wäre, denn eine Gegenrede, die ihn nur eifriger noch in solch schlimme Beteuerung hineintreiben würde. Und, kleine Diplomatin, die sie doch, als zu bent sogenannten schwachen Geschlecht gehörig, war, goß sie den kalt gewor­denen Tee aus Harros Tasse fort, füllte diese von neuem, legte ihm noch eine Schnitte Brot mit Schinken auf den Teller und bat:Du mußt nun wirklich etwas' zu Dir nehmen, sonst denke ich, es genügt Dir nicht, was ich bieten kann." Da mußte er wohl oder übel gehorchen. Und der verwöhnte Offizier meinte bald, daß ihm selten etwas so köstlich gemundet habe. Er empfand jeden Schluck warmen Tees, jeden Bissen Brot wie eine leib- und seelen­stärkende Wohltat nach den letzten Tagen.

(Fortsetzung folgt.)

Am Fuße des letzteren wurden meine

Hügel.

, Meine Hoffnung betrog mich nicht. Herr Himly in Wiesbaden, em berühmter gelehrter Sinologe, hat diese Urkunden entziffert und mir mitgeteilt, daß die meiflen von ihnen aus den Jahren 264270 nach Christi Geburt stammen, also aus der Zeit der

*) Aus: Hedin, Abenteuer in Tibet. Reich illustriert, cleg. geb. 6 Mk. Verlag von F. A. Blockhaus in Leipzig.

Kedm in der verschütteten ISüstenstadt.*)

Mit der ganzen übrigen Karawane und neun bis an den Rand mit Eis gefüllten Säcken begab ich mich am 2. März in die Wüste hinunter und fand nicht die vorigjährigen Ruinen und auch nicht die von Oerdek beim Suchen des vergessenen Spatens entdeckten alten Häuser, sondern ein drittes altes Torf oder eine Stadt, den größten Ort, den wir sahen. Neunzehn Däuser standen hier noch zum Teile und konnten leicht gemessen und in ihren Rissen ausgenommen werden. Tie ganze Gegend beherrschend, erhob sich am Nordrande des Torfes ein 9 Meter hoher Lehmturm auf einem gleichfalls 9 Meter hohen, vorn Winde ausmodellierten Hügel. Am Fuße des letzteren wurden

(x , , , * " 4-1 D u JUlH-Ut-ll Hl v litt-

flirte und das Zelt der Leute am Morgen des 4. März auf» gesttstagen und der Eisvorrat unter einem geschützt liegenden Lehmgewolbe in den Schatten gelegt.

Sobald die r - -

v, - ' .fleben Kamele sich etwas verschnauft hatten, erj-telt St Soje den Befehl, sie nach der Quelle zurückznsühren: dort sollte er zwei Tage bleiben und dann in zwei weiteren Tagc- reifen mit Chodai Vardi, den Pferden und allen Kamelen, die sämt­lich mit soviel Eis, wie sie nur irgend ttagen könnten, beladen werden mußten, zu den Ruinen zurückkehren; denn dann galt es, die ganze Wüste noch einmal bis an die Kara-koschun-Süinpfe zu durchqueren. Am 9. März sollten wir wieder zusammeiitreffen. Wir wurden zu ihrer Orientierung ein gewaltiges Feuer auf dem Dugel unterhalten.

Wir machten uns schnell an die Arbeit und gruben und stöber- H, ut den . Hauieru. Wir fanden dort allerlei Hausgeräte, 4Nunzen, Gefäße und dergleichen. Vielleicht barg der Turm, gleich einer indischen Stupa, einem Grabdenkmale, ein Geheimnis in Wir gruben auf seiner Plattform ein Loch, aber eg stellte sich heraus, daß er durch und durch massiv war. Ein großes Stuck semes obersten Teiles mußte jedoch erst mit Seilen Mgen abgerissen werden. Es siel herab wie ein donnernder n Utt^ wirbelte ganze Wolken schwarzbraunen Staubes auf.

ittorC eS war, spät abends noch irgend

Mnr evenr M te' hegten wir am Fuße des Turmes riesenhafte Scheiterhaufen von den dort massenhaft umherliegen- den Balken und Sparren, den Ueberbleibseln ehemaliger Häuser, anzuzunden. Es war etn außerordentlich phantastischer Anblick, ^urm ill feuerroter Beleuchtimg dastand, während der Mond weiß und kalt am Simmel schien. Ticke Rauchwolken und Me geueitterte^on Funken flogen über die Wüste Hin. Ein Elches Feuer mußte in sternklarer Nacht schon in sehr großer ^bar fein, und ich hoffte, daß wir Sofia Ahuns beraBre&eteg ti-euer am Ufer des Kara-koschun finden würden. , Wahrend der folgenden Tage durchstreiften wir die Gegend und fanden dabei Oerdeks Rumen wieder, in denen wir Bruchstücke s,ÄubJfrten ^binen Tempels, mehrere geschnitzte Bretter mit Buddhabtldern und verschiedene Kleinigkeiten ent­deckten. ^vas Allerwichtigste aber war ein kleines Brettstück mit snmfianrltten Schriftzeichen. Schagdur fand es linb errang °.lso me Belohnung von zehn Liang (33 Mark), die ich dem Finder versprach ni'hatu^' ent^teIte e8 auch nur ein einziges Wort, Nachdem ich dieselbe Belohnung für einen derartigen Fund twa} einmal ausgesetzt hatte, arbeiteten alle mit verdoppeltem Eifer Sie ließen sich kaum Zeit zuul Essen und Schlafen. Ihre Bemühungen wurden mit größerem Erfolge gekrönt, als ich zu hosien gewagt hatte Erst brachte mir Mollah einen Papierfetzen chmesischen Buchstaben, und bann wurden Hunderte von kleinen, vollgeschnebenen PapierstÜcken gefunden. Tiefer Fund war ein konnte man vielleicht Schwarz auf Weiß erfahren, batte! blE 6 Altertümer waren und wie der Ort früher geheißen

chinesischen Kaiser UÜan-Ti und Wu-ti. Wir erfahren auch, daß die Stadt Löu-lan hieß, und daß die Bewohner Ackerbau trieben und mit mehreren anderen, in Dokumenten erwähnten chinesischen Städten in Verbindung standen; es ist die Rede von einem ganzen Kriegsheere, das emquartiert werden soll, von Beamten, von. alltäglichen Angelegenheiten, die sich in L6u-lan zugetragen, von Jagd- und Getreidelieferimgeil. Tie gerettete Sammlung bringt mit einem Worte ungeahntes Licht in die politische und physische Geographie des innersten Asiens während der ersten Jahrhunderte nach Christus. Welch kolossale Veränderungen sind in diesen 1600 Jahren hier vor sich gegangen! Damals gab es hier fruchtbare Felder, grünende Wälder, rauschende Kanäle, freuiidliche Dörfer, buddhistische Tempel und lebhafte Verkehrs- straßen längs des großen Sees Lop-nor. Und jetzt! Nur un­zählige Grabmale all dieser Herrlichkeit! Man kann sich kaum ein öderes Panorama denken als das, welches sich aus den Zinnen des Turmes vor dem Blicke aufrollt. Nicht eine Spur von organi­schem Leben in irgendwelcher Gestalt; die Gegend liegt so still und düster da wie ein Friedhof, der sich bis an den Rand des Horizontes erstreckt. Und weshalb ist diese Veränderung einge­treten? Einfach deshalb, weil der Tarimfluß, der früher nach Osten strömte und sich in den Lop-nor ergoß, seinen Sauf nach Südosten und Süden nahm und ben See Kara-koschun bildete, während der Lop-nor austrocknete. Als das Wasser verschwunden war, starb auch die Vegetation aus, und die Dörfer wurden von ihren Bewohnern verlassen. Ter Leser kann sich gewiß denken, tote erfreut und glücklich ich war, diese alte Kultur der Vergessen­heit entreißen und dem menschlichen Wissensdurste schenken zu können.

verinUchte».

""Bauernregel im November. November hell und klar, ist übel fürs nächste Jahr. November trocken und klar, bringt wenig Segen fürs nächste Jahr. Schwacher Balg beim Wilde zeigt an des Winters Milde. Tummeln sich die Haselmäuse, ist's noch weit mit Winters Eise. Kommen des Nordens Vögel an, so folgt starke Kälte dann; siehst du noch Zippen im Waldgehege, hat's mit der Kälte noch gute Wege. Find'st du die Birke ohne Saft, kommt bald der Winter mit voller Kraft. Wenn die Bäume den Schnee halten, werden sich im Frühjahr wenig Knospen ent­falten. Wenn's zur Allerheiligen (1.) schneit, mache deinen Pelz bereit! Zu Allerheiligen Reif, zu Weihnachten weiß und steif. Allerheiligen klar und hell, sitzt der Winter auf der Schwell.' Allerheiligen Sommer für alte Weiber, ist des Sommers letzter Vertreiber. Soll der Winzer glücklich sein, so tritt Allerheiligen Sommer ein. Wieviel Tage vom ersten Schnee bis zum Neumonde fallen, so soll im Winter der Schnee auch ballen (tauen). Ist der November kalt und klar, ist mild und trüb der Januar. Wenn im No­vember Donner rollt, roitb dem Getreide Lob gezollt. Wenn im November Bäume blühn, ivird sich der Winter lang 'nausziehn. Ist am Allerheiligen der Buchen- und Birken­span trocken, wir im Winter hinter dem Ofen hocken; ist aber der Span naß und nicht leicht, so wird der Winter statt kalt, lind und feucht. Fällt der erste Schnee im Dreck, bleibt der ganze Winter ein Geck. Am Martini (11.) Sonnen­schein tritt kalter Winter ein. Ist's um Martini hell und falt, dann auch der Winter lang anhalt. Wenn um Mar­tini Nebel sind, so wird der Winter meist gelind. Ist zum Allerheiligen die Birke schon trocken, müssen wir im Winter hinter dem Ofen hocken; ist er aber naß, nicht leicht, wird der Winter statt trocken feucht. Wenn die Gänse zu Martini ans dem Eise stehn, müssen sie Weihnachten im Kote gehn. Martinstag trüb, macht den Winter mild und lieb, ist er aber hell, bringt er bald die Schell'. St. Elisabet (19.) sagt an, was der Winter für ein Mann. Hocken die Hühner in den Ecken, kommt bald des Winters Frost und Schrecken. Zieht die Spinne ins Gemach, kommt gleich der Winter nach. Katharinenwinter (25.) Plackwinter. - Im November viel naß, auf den Wiesen viel Gras. Baumblüte spät im Jahr, mir ein gutes Zeichen war. Sankt Martini setzt sich schon mit Dank, am warmen Ofeui auf die Bank.- Der heilige Martin, verlangt Feuer in den Kamin. Wie's um Kathrina (25.) trüb oder rein, so wird auch der nächste Hornung sein. Haben die Hasen eil* dickes Fell, so wird der Winter ein harter Gesell.

Binger M o st. TieMagdeb. Ztg." veröffentlicht fol­genden feucht-fröhlichen Herbstbrief: ..Sehr geehrte Redaktion!