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man bei der heutigen Entwertung des Geldes, den ge­steigerten Preiesn und der noch größeren Steigerung alter Ansprüche mindestens dreimal so viel Geld als früher be­darf. Bor allem aber hatte sie, noch aufgewachsen in der Tradition der häuslichen Wirtschaftlichkeit, zu wirtschaften verstanden, während sie die Töchter nie zu etwas anderem! ungehalten hatte, als das Leben zu genießen, gewisser­maßen uachzuholen, was sie und ihr Alfred versäumt hatten. Nichtsdestoweniger nahm Mama an, die Sache müsse gehen. Harro und Jutta mußten schon zufrieden sein, daß Mama den 'Ausfall für das Quartal beglich sich darein finden, künftig auf etwas anderem Fuße zu leben.Das geht alles", hatte der Kommandierende abermals beim Abschied dem Sohne erklärt und ihm den Rat gegeben, sich auf die Kriegs-Akademie vorzubereiten. Es war ein fehr anständiger Grund, sich aus der Gesellschaft zurückzuziehen, und brachte ihn vorwärts.Ja, sie hätten sich lieb", wiederholte das junge Paar; ein wenig betrübt sahen sie aber doch drein bei dem neuen Lebensplan. Es dauerte aber nur einen Augenblick, dann sahen sie sich selber an, und waren glücklich tote Papa gesagt, erst recht!

(Fortsetzung folgt.)

Tiere in Wut.*)

Von Tr. Th. Zell.

Ein anscheinend seltsamer Vorfall wurde kürzlich von den Zeitungen gemeldet. In einem Vororte Berlins waren zur Nacht­zeit Einbrecher tätig gewesen, wurden jedoch bei ihrerArbeit" von den Hausbewohnern überrascht. Einer von diesen wollte mit Hilfe seines großen Bernhardinerhundes die Einbrecher stellen; das gelang ihm jedoch nicht, da das Tier in seiner Aufregung den eigenen Herrn nicht ungefährlich biß.

Eine solche Meldung erscheint manchem unglaubwürdig.Ein Hund wird doch nicht seinen eigenen Herrn beißen!" werden zahllose Eigentümer von diesem treuesten Genossen des Menschen ausrusen. Ich glaube jedoch, daß diese Ansicht irrig ist, und möchte im nachstehenden die Gründe für meine entgegengesetzte Meinung auseinandersetzen, wobei ich eben annehme, daß die Zeitungsmeldung richtig ist, daß sich der Hund in größter Auf­regung befunden habe.

Eigentlich sollte jeder Besitzer eines großen Hundes wissen, wie vorsichtig man sich verhalten muß, wenn das Tier wütend ist, z. B. sich in einen anderir Hund verbissen hat. Selbst wenn das Tier ihm sonst sehr treu, und zugetan ist, riskiert er es, daß er unter solchen Umständen einen Biß erhält. Erst vor einigen Jahren kam in Berlin folgender Fall vor. Auf einem Kohlen­platze hatten sich die beiden vor einen Wagen gespannten Zieh- hünde ineinander verbissen. Ihr Herr wollte sie trennen, ver- frihr jedoch dabei unvorsichtig, und im Nu war ihm von einem der wütenden Hunde ein Finger abgebissen. Aus Thüringen wurde folgender Vorfall berichtet. Ein Herr wanderte zur Nachtzeit mit seiner treuen Tvgge durch einen unsicheren Wald. Plötzlich wurde er von zwei Räuberit überfallen. Das riesige Tier stürzte sich jedoch auf beide und zerfleischte sie. In seiner Wut, die durch den Blutgeruch aufs höchste gesteigert war, griff es hierauf blindlings den eigenen Hern: an, und brachte ihm so schwere Wunden bei, daß er daran starb.

Woher kommt es nun, daß der sonst so intelligente Hund in feiner Aufregung so leicht Personen verwechselt? Dafür lassen sich^zwei Gründe anführeu, der eine liegt in seiner anders gearteten Sinnesorganisation. Wie ich schon an anderer Stelle wiederholt dargetan habe, ist der. Grundsinn vieler Tiere die Nase, während es bei den Menschen, Affen, Vögeln usw. die Augen sind. Weil sich eben der Hund nach der Nase richtet, so ergibt sich hieraus, wie töricht es ist, wenn eine Dame als Eigentümlichkeit ihres Hundes folgendes meldet: Sie habe einen sehr gelehrigen Pudel, der aber zu ihrem Erstaunen gar nichts vom Spiegel wissen wollte. Tie Erklärung ist sehr einfach: das tun wohl alle witternden Tiere. Sie trauen ihren Augen nicht und ^orientieren sich mit der Nase. Dem Pudel kommt es so vor, als sei dort noch ein anderer Pudel, aber seine treue Nase sagt: das ist Schein, ich merke keine Ausdünstung von einem anderen Tiere. Tiefer Zwiespalt seiner Sinne ist ihm unangenehm, er guckt deshalb höchst ungern in den Spiegel. Tem Hunde ist ein Spiegelbild genau so unangenehm, als wenn wir Geisterstimmen hören,, ohne die Person des Sprechenden erblicken zu können.

Da der Grundsinn des Hundes der Geruch, der unsrige das Sehen ist, fo, ergeben sich daraus noch andere Verschiedenheiten. Es dauert nämlich das Wahrnehmen durch die Nase entschieden länger als durch die Augen. Kürzlich sah ich aus dem Fenster

*) .Wir entnehmen diese Ausführungen einem Aufsatz aus der interessanten und vielseitigen illustriertet: WochenschriftW e l t und Haus" (Leiter: Tr. Karl Weichardt, Verlag der G. m. b. H.Welt und Haus" in Leipzig), deren Nummer 37 u. n. noch größere Beiträge von H. S. RehmDas Theater der Japa- tter", K. Jürgens, sowie viele kleinere Berichte enthält. D. Red.

und gewahrte ein Eselsgespaun, das vor dem gegenübcrliegendei: Hause hielt. Ein in der Nähe befindlicher Dachshund hatte wohl noch niemals einen Esel gesehen, kurz und gut. er beroch das Grautier tioit allen Seiten, wie wenn wir einen Gegenstand ganz genau beschauen. Tas dauerte wohl zwei Minuten, ehe er hinreichend orientiert war, llcbrigens braucht man bloß auf­zupassen, wenn eilt Herr mit seinem Hund: spazieren geht. Letzterer verläßt sich im Zweifel mir auf die Nase und beriecht seinen Herrn.

Nun ist es eine bekannte Sache, daß wütende Menschen wie blind sind und oft Personen treffen, denet: sie gar kein Leid zufügen wollten. Fast jede Schlägerei liefert hierfür be­redten Beweis. Daß wütende Hunde viel leichter Gefahr laufen, sich in ihrer Aufregung zu irren, ist also durchaus ein­leuchtend.

Ter zweite Grund liegt darin, daß der Hund früher ein Raubtier war. Alle Raubtiere mit scharfem Gebiß, wie über­haupt alle Tiere, die sich mit den Zähnen verteidigen, neigen zum Beißen selbst da, wo unserer Ansicht nach kein Grund vorliegt. Besonders ist das der Fall, sobald sie irgend ein Ungemach em­pfinden. Aus diesem Grunde muß sich bei Hunden selbst der eigene Herr vorsehcn, wenn er eine Operation vornehmen will.

Weil wütend: Tiere unberechenbar sind, so muß ich gestehen, daß ich neulich, als ich der Vorstellung der bekannten Löwen­bändigerin Claire Heliot zuschaute, besorgt um ihr Leben ge­wesen bin, als plötzlich zwei von den Löwen in Wut gerieten und sich ineinander verbissen. Tie Panik, die im Publikum ausbrach, schien mir durchaus begreiflich. Glücklicherweise gelang es der Bändigerin mit Unterstützung ihres Gehilfen, die beiden Bestien in den Käfig zu treiben.

Besonders beißlustig sind Paviaite, deren Gebiß dem eines Raubtieres ttichts nachgibt. Nah den vorstehenden Ausführungen wird nachstehender Bericht von Brehm durchaus verständlich sein: Ein gefangener Pavian, den ich pflegte, litt an einem 'unbe­deutendem Ausschläge, der namentlich auf einem seiner Bente hervortrat; es war aber unmöglich, ihm zu helfen, weil es nach einem mißglückten Versuche uiemaud mehr wagen wollte, ihn mit dem Sackuetze einzufangen und festzuhalten. Ter Ausschlag mochte ihm zuweilen ein heftiges Jucken bereiten; denn er zuckte oft mit dem einen Beine und begann sodann heftig sich zu kratzen. Ties verursachte ihm endlich Schmerzen, und darüber wurde er allgemach so wütend, daß er das Bein mit beiden Händen packte und wütend in dasselbe biß, als habe er cs mit einem tödlich gehaßten Gegner 511 tun."

Aber auch unsere Rinder neigen als wehrhafte Pflanzen­fresser in ihrer Wut zu Kämpfen, die Pcrty unter denmysti­schen Vorgängen" anführt, indem er folgenden Bericht von Tschudi bringt. Nachdem dieser der Anarchie unter bett Kuhherden bei nächtlichen Gewittern gedacht hat, sagt er:Eine andere Anarchie unter den Herden ist weniger bekannt und schwerer zu erklären. Wenn nämlich eine Kuh in der Alp tot fällt oder sonst geschlachtet wird nnd man die Unvorsichtigkeit begeht, das halbverdaute Futter int Magen und den Inhalt der Gedärme auf den Boden zu schütten, so wird diese Stelle zum allgemeinen Kampfplätze. Nach sehr kurzer Zeit erscheint sicherlich hier eine Kuh, die vielleicht noch eben in der Ferne geweidet hat, mit allen Zeichen höchster Aufregung und treibt sich scharrend, und brüllend um die Stelle, oft wie toll geworden den Jöobcn mit den Hörnern anfwühlend. Ties ist das Signal der Samm­lung für die ganze Herde. Mit dumpfem Gebrüll eilen die Tiere herbei, und nun beginnt ein Hörnerkampf, von dessen Heiligkeit und Hartnäckigkeit mau sich schwerlich einen Begriff macht, und dessen Ende trotz aller Anstrengung der Serinen nicht selten schwere Verwuitduttg oder Tod einer Kuh ist. Selbst wenn der Inhalt jener Eingeweide rein weggekehrt oder suß- tief int Boden vergraben worden ist, so wird doch jede Kuh der Herde diese Stelle nur mit der größten Unruhe berühren.. Tas sind Tatsachen, die sich mit der größten Regelmäßigkeit wieder­holen, aber natürlich mit aller Sorgfalt vermieden werden."

Ist dieser Vorfall wirklich so mystisch? Ich glaube das bet» Keinen zu müssen. Tab die Rinder einen verscharrten Genossen wittern, ist kein Wunder, da sie zu den Nasentieren gehören. Ich möchte hier nur daran erinnern, daß Rinder häufig nicht einen Schlachtraum betreten wollen, weil ihre seine Nase den Blutgeruch getöteter Artgenossen schon von weitem wittert. Ferner haben Rinder als Herdentiere die Eigentümli: i:it, sich gegenseitig Beistand zu leisten. Sie sind her Ansicht, ein Feind habe einen Gefährten getötet, geratet: darüber in Wut und suchen ihn mit Ingrimm. Ta sie nun einmal von höchster Kampflust beseelt sind, so kämpfe:: sie in Ermangelung eines Feindes unter­einander.

Liegt aber darin etwas so Unerklärliches? Was tun denn wütende Menschen? Schlagen sie nicht oftmals grundlos alles kurz und klein? Gibt es nicht Eltern, die ihre Kinder nur dann prügeln, wenn sie wütend sind? Lehren uns nicht, die Gerichts­verhandlungen, daß es :n:zählige Raufbolde gibt, die unter allen Umständen sich schlagen wollen und krampfhaft nach einem Anlaß dazu suchen, und sollte er auch noch so lächerlich sein?

Ich meine also, wenn Menschen in Wut höchst unvernunsttg handeln, so kann man sich nicht darüber immbent, daß Tiere, die den Zusammenhang von Ursache und Wirkung viel schwerer