Ausgabe 
3.10.1904
 
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ö® löte erkennen, ihre Wut an dem üüchstliegdNdeN Gegenstände mMafsen. Unsere Kinder schlagen ja auch einen Stuhl oder anderen leblosen Gegenstmid, an dem sie sich gestoßen haben.

Die Einführung der Doppelehe in Franken im 17. Jahrhundert.

lieber die Doppelehe des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen hat der protestantische Theologe SB. Rockwell ein größeres' Werk veröffentlicht. Rock­well zählt darinzu den interessantesten Musterungen der Un­sicherheit in der Beurteilung der Polygamie im 17. Jahrhundert" eine Kundgebung des im Februar 1650 zu Nürnberg versammelten Kreistages, auf welchem unter anderen: beschlossen wurde, daß zu Ersetzung der durch den dreißigjährigen Krieg abgegangenen Leute jeder Mannsperson erlaubt sein soll, zwei Weiber zu heiraten". Tieferwohl interkonfessio­nelle" Beschluß hat, dem französischen Schriftsteller Michiels zufolge, J>ie Zustimmung der Bischöfe von Bamberg und Würzburg gefunden. Tie Echtheit des Beschlusses wird von Rockwell nicht in Zweifel gezogen, da der ursprüngliche Text in einem älteren Werke genau mitgeteilt wird. Tas Fränkische Archiv, heraus­gegeben von Büttner, Kecrl und Fischer, Band 1 (1790), S. 155 f., bringt in der Tat folgendenAuszug aus einem merkwürdig cm Kveisschlnß vom 14. Februar 1650":

Zum 24 ten. Demnach auch die unumgängliche deß hehligen Römischen Reichs Notthürft erfordert, die in diesen: 30. Irrig, blndigen Krieg ganz abgenommene, durch das Schwerdt, Krank­heit und Hunger verzehrte Mannschafft widrrumb zu ersetzen und in das khünfftig allen desselben Feinden, beforders aber dem Erbfeind des christlichen Namen, dem Türckhen, desto statt­licher gewachsen zu sein, auf alle Mittel, Weeg und Weiß zue gedenkhen, als seinds uf reisse Deliberation und Derathschlagung folgende 3 Mittel vor die bequembste und beytrüglichste erachtet , und allerseits, beliebt worden: 1. Sollen hinfüro innerhalb den nechsten 10 Jahren von Junger Mannschafft oder Manß- persohncn, so noch unter 60 Jahren sein, in die Clöster ufzunem- men vcrbotten; vor das 2 te, denen Jenigen Priestern, Pfarr- Hern:, so nicht Ordenslenth oder auff den Stifftern Canonicatcn usw., sich Ehelich zu verheyrathen; 3. Jedem Manßpersohnen 2 Weyher zue heyrathen erlaubt sein: dabey doch alle und Jede Manßpersohn enrstlich erinnert, auch aus den Canzeln öffters ermanth werden sollen, S:ch dergestalten hierinnen zuverhalten und vorzusehen, daß er sick nöttig und gebürender Tiscretion und vorsorg befleiße, damit Er als ein Ehelicher Mann, der ihne 2 Weyber zue nemmen getraut, beede Ehefrauen nicht allein notwendig versorge, sondern auch under Ihnen allen Un­willen verhnette. Salvo Jure usw. . . . Tict. Norimb. d. 14. Febr. 1650."

Ein französischer Schriftsteller, Alfred Michiels, Redakteur des Sisclc, brachte in sejner 1859 zu Paris erschienenenGe- beimen Geschichte der östreichischen Regierung" den Beschluß des' fränkischen Kreistags wieder in Erinnerung. Michiels weiß noch zu berichten, der Nürnberger Beschluß sei unter Zustimmung derErzbischöfe" von Barnberg und Würzburg gefaßt worden.

In jüngster Zeit hatdie Wartburg" der: fränkischen Kreis- tagsbeschluß als ein Beispielkirchlicher Billigrrng der Doppel­ehe" anerkannt. Michiels, ein durchaus ernst zu neh- mender Forscher, berichtet, so ftihrt sie aus, mit Berufung aus vorliegende Akten, ein fränkischer Landtag habe am 15. Fe­bruar 1650 die Doppelehe gestattet, und zwar unter Zustimm­ung der Bischöfe von Slamberg und Würzburg. Sluf demselben Landtag, ist derWartburg" zufolge auch beschlossen worden: Alle Priester und Pfarrer, die nicht zu einem Mönchsorden oder einem Kapitel gehören, sind verpflichtet, unverzüglich zu hei­raten". Tie Tatsache ist nach demselben Blatte aufs beste bezeugt.

Von gewisser Seite wird dieser Beschluß stark angezweifelt schon mit Rücksicht auf das sonstige Verhalten eines dieser Bi- schöfe. Im Jahre 1650 war Bischof von Würzburg der Mainzer Kurfürst Johann Philipp von Schönborn. Ter neueste Biograph dieses Kirchenfürsten, G. Mentz, berichtet über dessen Tätigkeit in Würzburg:Gleich, nachdem der westfälische Friede geschlossen war, veranstaltete Johann Philipp in Würzburg mehrere Tiöze- smftynoden, um die Wstellung aller kirchlichen Mißstände anzu- bahnen . . . Vor allem waren es die in der Pfarrgeistlich­keit herrschenden Verhältnisse, die Johann Philipp ins Auge faßte. Allzu freie Lebensweise, Z n s a m m e n w o h n e n mit Weibern, lässige Verwaltung der geistlichen Güter waren die Mißstände, über die er zu klagen hatte".

Es ist nun aber doch sehr ioohl möglich, daß gerade dieser eifrige Kirchenfürst, um dem nicht kirchlich geweihtenZusammen­wohnen mit Weibern" zu steuern, den Priestern das Heiraten und den Laien sogar die Doppelehe erlaubt hat. Mit dieser graphischen Notiz wird also der Richtigkeit des Nürnberger Kreis­tagbeschlusses bestens Vorschub geleistet.

Vermischter.

DerSpiegelsinn" der Frauen. Daß die Franc» vor denHerren der Schöpfung" ..gar manche Fähigkeiten voraus haben, suchte der Professor Otis T. .Mason ans Washington m einen: Vorträge ausführlich zu begründen.Tie Frauen", so lauteten seine Ausführungen, .haben einen ganz besondere» Sinn, den man denSpiegelsinn"' nennen möchte,- weil er sie be­fähigt, sich auch ohne einen Spiegel selbst zu sehen und genau zu wissen, was' hinter ihnen Vorsicht. Sie haben sozusagen ein Sehverinügen in ihren Fingerspitzen; der Tastsinn ist für sie fast eine Form des Sehens. ..Frauen tun mit ihren kleinen Händen beständig.Wunder; sie, die so sehr dem Instinkt an-, heimgegeben sind, haben eine alt innewohnende Feinfühligkeit, Tausende von Generationen haben für sie ihre Hände gebraucht, die Nadel geführt und die Kuppen der Finger mit jenen feinsten Nervenfasern ausgestattet. So nimmt sie ihr Haar auf und schlingt es leicht und schön in einen wundervollen Knoten und erst nachher besieht sie im Spiegel, was sie vollbracht hat. Kein Mann könnte etwas .so schwieriges vollbringen. Für einen Mann ist die ganze Kunst .des Ansteckens oder Annähens von Dingen ein Geheimnis. Der Mann wird es in einer sorgfältigen und. wissenschaftlichen Weise versuchen, zwei Dinge ^usammen- zustecken oder zusammenzunähen; doch ohne rechten Erfolg. Titz Frau nimmt dieselbe Nadel und mit einer geschickten Handbeweg­ung einem schnell ausgeführten Tvppelstich hat sie fest zusammen­gefügt, was eben noch getrennt tonr."* Für das wichtigste weib­liche Instrument erklärt der Professor die Haarnadel.Tas ist das Lieblingshandwerkszeug der Frauen; wirklich ein ganzew Jnstrumentenkasten liegt in diesen Nadeln. In ihnen liegt der Zauberschlüssel, der alle mechanischen Probleme löst. Und kann der Mann dieses Instrument gebrauchen? Tie Kunst, die Haare aufzustecken ist für ihn uu erlernbar."Wie kommt es,- daß eine Frau einen Knoten auflösen kann im Nu, während der Mann hilflos davorsteht oder wie Alexander ihn durchhauen müßte?", das ist eine andere Frage, die dem 'Professor das Herz bedrückt. Mit den flinken spitzen Fingern weiß sie in dem wirren Knäuel eine Lockerung .vorzunehmen, und dann zieht sie die Fäden nach rechts und links, und der Knoten ist gelöst. Ein stets aufs neue staunenswertes Wunder ist es für mich, wenn ich die Geschicklichkeit sehe, mit der eine Frau einen Knopf an ein Kleidungsstück näht. Solche tvnnderbare Fähigkeit manueller Sen­sibilität und Geschicklichkeit läßt sich nur dadurch erklären, daß die Frauen in den Vergangenheiten die Industrie besorgten. Sie waren die ersten Schuster, .Weber, Schneider, während dem Mann die Pflichten des Krieges und der Jagd oblagen, wodurch er seine Finger nicht ansbliden konnte. So haben die fleißigen Hände der Urmütter von der Steinzeit an dazu gewirkt, daß dieFeenhände" der Enkelin nun so leicht und geschickt sind."

Liebesklänge.

Wenn der Aeolsharfe Seiten In der Lüfte Hauch ertönen. Klinget es wie Feeenlieder, Sänge aus dem Reich des Schönen.

Mannigfaltig, vielgestaltig,

Tönen sie bald laut bald leise, Und wir lauschen lustumfangen Ihrer unbekannten Weise.

Wenn zwei Seelen, die sich fanden, Gleichgestimmt au» tiefstem Grunde, Sel'ger Lust boll sich vereinten Zn der Liebe hei'l'gem Bunde,

Tann erklingen ihre Saiten In den reichsten Melodieen, Leise, unaufhörlich tönend Wie des Himmels Harmonieen.

Zaub'risch, wie die Aeolsharfe,

Von des Windes Hauch getrieben, Klingt's beständig in den Seelen, Wenn sich Zwei bon Herzen lieben.

Ai Ammann.

Auszählrätsel.

(Nachdruck verboten.)

RIADNNOIEMK

Vorstehende Buchstaben sind mit einer bestimmten Zahl aus» zuzäblen, indem immer mit dem ausgezählten Buchstaben wieder zu zahlen begonnen wird. Die ausgezählten Buchstaben bezeichnen im Zusammenhänge einen geistlichen Orden.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Redaktion: August Goetz. Rotationsdruck Und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R.Lange. Gießen.