Ausgabe 
3.10.1904
 
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Aus Ließe.

Nomau von M. u. Eschstruth.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 3. Kapitel.

Es war beinahe ein Jahr, daß Harro und Jutta ge­heiratet hatten. Der junge Ehemann und seine junge Frau saßen behaglich in deren Boudoir. Er ruhte auf den Lor­beeren seines morgendlichen. Eskadron-Reitens und rauchte eine gute Zigarre, sie schnitzte ein wenig an einem Stückchen Holz herum, das einen Rahmen um ihre Photographie für Papas Geburtstag geben sollte. Dabei plauderten sie ab und zu, machten Pläne für die Vergnügungen der Saison. Der Burschte kam herein und brachte auf silbernem Teller einen Brief in dünnen: Umschlag von gelbem Stroh­papier.Liebesbrief", meinte Harro launig. Seine Züge längten sich jedoch, als er die Geschichte inspizierte. Der Fleischer erinnerte sehr höflich, daß er seit Monaten nicht bezahlt worden sei. Und nur um spätere Irrtümer zu vermeiden, und weil die Mouatsrechnnng bei ihm üblich war erlaubte er sich diese Rechnung zu schicken. Diese, das heißt die Schuld der letzten vier Monate, belief sich auf dreihundert Mark.

Harro war an Ordnung in Geldangelegenheiten ge­wöhnt. Seine Eltern hatten sich nur so halten können, und auch er hatte seinem Kater versprochen, niemals Schulden zu machen. Der Kater hatte ihm freilich wie das oft der Fall ist, nach Weise der Eltern, die, weil es bei ihnen knapp bemessen war, nun die Kinder schadlos an den eigenen Entbehrungen halten wollen, eine ziemlich reich bemessene Zulage gewährt.Aber, Jutta", sagte der Hausherr jetzt,wie kannst Du das so lange stehen lassend Die junge Frau neigte das Köpfchen und sah lächelnd zu dem Gatten auf.Auch scheint mir, das ist ein ivenig viel", meinte er weiter, indem er sich erinnerte, wie er als Knabe seinem Mütterchen zuweilen Wirtschaftsposten zusammengezählt hatte. Jutta zuckte die feinen Schultern: Sophie sagt, es ist alles teuer. Wir haben viel Besuch Und Du Tu issest doch auch! am liebsten Zunge und Filet." Harro lächelte versöhnt.Na, dann begleich aber die Geschichte sofort."Gern" Jutta hielt dem Gatten die feine kleine Hand eNigegem

Er küßte die zarten Finger, die rosig schinimernden Nägel.Nein", lachte sie.Diesmal möchte ich Geld haben." Wieder lachte auch er.Da kommst Tu übel an, bei mir ist Ebbe. Dachte schon an eine Anleihe bei Dir." Ernster dann klang es:Der Mann aber muß bezahlt werden, heute noch!"Ich glaubst, Du bist doch bet Kasse." Jutta nahm die Sache leicht. Möglicherweise meinte sie auch, es ser hier die beste Gelegenheit gegeben, um einen Fall W erledigen, der ihr, wenn sie daran dachte, ein bißchen fatal erschien. Anmutig schwebte sie über den blauen

Teppiche und dessen stilisierte Rosen zu einem kostbaren' Schränkchen, eigentlich "nur einem Nippes von Mahagoni und Bronze, und drückte hier auf den in seiner Mitte be­findlichen Knopf.Eine von Arabesken umgebene Klappe, wich zurück, zierliche Fächer wurden sichtbar, darinnen zer­knitterte Blätter. Juttas Hand griff danach Dann schiebt«' sie zurück und streute die Blätter vor ihrem Gatten auf den Tisch: ,Mlles Liebesbriefe

Harro traute seinen Sinnen nicht. Er Nahm die Blätter einzeln auf:Da mußt Tu ja noch viel Geld haben", begann er, sich gleichsam damit beruhigend. JNtta war ein Kind in solchen Dingen. MerMals zuckte sie die Schal­tern, lief wieder zu dem Schränkchen hin uird entnahm demselben eine prächtige, kleine Schale, auf deren Gold­grund ein Zwanzigmarkstück und ein paar Silbermünzest lagen. Schelmisch mixend präsentierte sie dieselben dem Gatten.Omnia mea mecum. Das ist immer so um diese Zeit. Doch damit wollen wir uns die Laune nicht ver­derben." Sie machte Miene, all die Papiere wieder in dem Nippes von Mahagoni und Bronze' zu verschließen. Nein!" Harro legte die Hand darauf und nun wurdest seine Züge immer ernster. Zuletzt, nach kurzem Einblick, fand er, daß sie ihr Budget bereits mindestens um 1800. Mark überschritten hatten. Jutta konnte solchp ernste Miene nicht vertragen. Ebensowenig verstand sie die Lage.Ist' zwei Tagen ist der Erste, dann gibt cs Gehalt", meinte sie tröstlichFünf Mark heraus." Harros launiger Ton klang zum erstenmale bitter, tote die Ironie der Tatsache hier.Nun, toir kriegen unsere Zulage urcd haben eine Masse Geld."

Zweitausend Marr." Er rechnete. Bleibt nicht viel mehr als Null für das nächste Quartal!" Jutta ließ sich jedoch so leicht nicht herabstimstren:Dann bittest TN Papa"Papa nein", entschied er schnell.Da sind noch Hans und Georg mit ihrer Zulage, die Schwester, für die gesorgt werden muß. Nein, Papa darf ich; nicht kommen. Er hat es mir freilich nahe gelegt, da ich um Dich warb. Ich aber meinte,' wir wir würden ans- kommen Du meintest es auch" Nun neigte die junge Frau etwas kleinlaut das Köpfchen. Achs, sie hatte ja keine Mnung gehabt, was das Leben kostet; sie hatte ja nur gelebt, wie sie zu Hause gewohnt war. Auch er hatte nicht daran gedacht, daß es sich seiner Ehe zuliebe in den ge­wohnten Ausgaben beschränken hieß, und weiter gelebt^ wie er meinte, daß es standesgemäß sei. Sie hatten beide keine Mnung davon, wie man sich einrichsueN' kann, und kamen plötzlich zu dem betrüblichen Resultat, daß ihre Einnahnren und Ausgaben nicht stimmten.

Wir müssen doch leben", begann Jutta endlichDeist Papa muß uns eine Zulage geben."Laß Papa aus dem. Spiel." Harro wurde heftig.Ich gab ihm mein Wort, daß ich ihn nicht behelligen wollte und auch keine Schuldest machen würde. Wir müssen also sparsamer werden und häuslich sein. Das schadet auch nichts. Wir haben Uns