Ausgabe 
3.9.1904
 
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1904.

Gin angenehmes Krke.

Humoristischer Roman.

Von Victor von Reisner.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Auf dem Rückweg kam ihm der glückliche Gedanke, wie er sich wenigstens eine kleine Genügtuung verschaffen konnte, deren Erfüllung Stepenaz immerhin peinlich! sein mußte.

Ich möchte an des Grafen Erklärung eine Bedingung knüpfen", wandte er sich, im Zimmer angekommen, an die Heiden Herren.Wie Sie wissen, wurde ich mit zwei Zigeunerinnen zusammengesperrt es liegt mir also daran, daß mir auch in ihrer Gegenwart Genugtuung gegeben wird."

Ich glaube kaum, daß Graf Stepenaz dagegen etwas einzuwenden haben wird", meinte der Oberst und mit be­häbigem Schmunzeln setzte er hinzu:Es fragt sich nur, welche Gegend die beiden Damen augenblicklich unsicher machen ob sie überhaupt noch einzufangen sein werden."

Seien Sie versichert, Herr Oberst", nahm sich Herr von Höchstfeld seiner Schützlinge an,es handelt sich keines­wegs um gewöhnliches, lichtscheues und diebisches Ge­sindel. Es sind zwar ein paar arme, aber grundehrliche Weiber, deren Schicksal, das sie mir in unserer gemein- samen Haft wahrheitsgetreu erzählten, mich auf das tiefste erschütterte. Ich nahm sie deshalb auch zu mir haben sie mit mir das Leid geteilt, so sollen sie fortan auch die . . ."

Im selben Moment ging die Tür auf und schreckens­bleich stürzte Frau von Höchstfeld herein.

Verzeihen die Herren", entschuldigte sie sich, atemlos, aber großer Gott ich wollte eben decken lassen Erwin das ganze Silber ist gestohlen!"

Herr von Höchstfeld blieb vollkommen gelassen.

Das ist ja nicht möglich, Du wirst es in Deiner über­triebenen Vorsicht wahrscheinlich derartig gut versteckt haben, daß Du es nun selber nicht findest."

Nein, nein, es 'ist weg", stöhnte sie.

Aber wer sollte denn bei uns stehlen, Du denkst doch Nicht etwa gar

Die Zigeunerinnen", rief gleichzeitig der Oberst vom Fenster her,Ihr Herr Sohn bringt sie eben zurück!"

Und tatsächlich ivar es so. Im Schritt durch den Wald reitend, hatte Erich noch rechtzeitig bemerkt, wie sie sich vor ihm zu verbergen suchten, und da ihm die Geschichte sofort verdächtig vorkam, so hatte er sie kurzer Hand vor sich hergetrieben.

Sie leugneten und wollten von dem Silber absolut Nichts wissen.

Da erinnerte sich der Major des ihm von dein Pfarrer angerateneu und von dem Grafen sogar völlig grundlos

angewandten Radikalmittels, und nach kurzem Widerstreben befahl er :

Gebt Ihnen Fünfundzwanzig."

Dies half, und unter Tränen und sich gegenseitig der Verführung beschuldigend, gaben sie das Versteck an.

Der Oberst nahm' nun Herrn von Höchstfelo zur Seit«. Wie ist es", fragte er schwänzelnd,bestehen Sie noch immer darauf, daß die Erklärung vor diesen armen, aber grundehrlichen Weibern stattfinde?"

Verlegen zwirbelte Herr von Höchstfeld an seinen Bart­enden, dann gab er dem Oberst die Hand und bat:

Bitte, lassen Sie das unter uns bleiben' ich brauche überhaupt keine weitere Erklärung, Mir genügt die vost Ihnen abgegebene vollkommen."

11.

So viel Stoff zur Unterhaltung, und' Nüchher zur Ent­rüstung hatte es sm Komitat noch gar nie gegeben.

Des Majors nächtliches Abenteuer und sein so schnell in die Brüche gegangenes Freundschaftsverhältnis mit den beiden Zigeunerinnen wurden weidlich! belacht und nach allen Seiten bespöttelt. Die Uebermütigsten, die gleich jedest Unsinn auf die Spitze treiben wollten, schlugen sogar vor, demnächst aus Dolina im Zigeunerkostüm vorzufahren, um des Hausherrn offenkundige Zurückhaltung vielleicht da­durch zu besiegen.

Das plötzlich in der Luft schwirrende Gerücht von deK Pfarrers Beschimpfung erweckte aber geradezu einen Sturm der Entrüstung und verscheuchte gar schnell den letzten Rest von Wohlwollen, welchen man noch dem ohnehin nicht sonderlich Beliebten bewahrte.

Jeder einzelne empfand die dem Vater Adame an­getane Schmach als persönliche Insulte und nur dem energischen Eingreifen des Pfarrers selbst war es zu danken, wenn es nicht in diesen Tagen auf Dolina von Forder­ungen regnete.

Von Gutsyof zu Gutshof fahrend, bemühte er sich, die erregten Gemüter zu beschwichtigen. Es war dies keines­wegs eine leichte Aufgabe, und wenn er nicht in dest Damen, welche mit Frau von Höchstfeld und Erna Mitleid empfanden, Verbündete gefunden hätte, wäre es ihm auch nicht überall gelungen.

Die aufrichtige Liebe und Verehrung, die aber aus all. dem sprach, war in dieser Zeit ein wohltuender Balsam für sein gekränktes Herz und richtete ihn in' seiner nur zu begreiflichen Bitterkeit teilweise wieder aus.

AM meisten erfreut, ja, geradezu bis zu Tränen ge­rührt hatte ihn aber Erichs offenes, mannhaftes Auf­treten, welches er auch überall gebührend hervorhob, so. wenigstens dem Jungem dessen Schicksal er tief beklagte, die allgemeine Sympathie sichernd.

Erich, der seit Beginn des FabrMaues oft in der Stadt zu tun hatte, befand sich nun iu der peinlichsten Situation. Er konnte dem dort verkehrenden Landadel und»