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Im allgemeinen Interesse muß zunächst festgestellt werden, daß es sich bei dieser Vergiftungsaffäre keineswegs um eine Vergiftung handelt, die durch die Konservenbüchse als solche hervorgerusen wäre. Es Hst demnach auch voll- kominen unberechtigt, aus den Darmstädter Ereignissen heute etwa folgern zu wollen, daß der Genuß von Büchsenkonserven zu irgendwelchen Bedenken berechtige. Es handelt sich in diesem Falle fraglos um eine Speisevergiftung in dem Sinne, daß eine sonst zu Ernährungszwecken dienende Speise infolge von Verunreinigung »giftig wurde. Wie schon oben angedeutet, dürfte es sich um die Bildung sogen. Ptomaine handeln. Mit dem Namen Ptomaine, richtiger gesagt: Ptomatin, bezeichnen wir die Stoffwechselprodukte der Mikroorganismen, welche stickstoffhaltig und basisch sind. Man bezeichnet sie, soweit sie als Gifte wirken, wohl auch mit dem Namen Toxine. Diese Körper, welche an Giftigkeit alle sonst uns bekannten Gifte zu übertreffen scheinen, entstehen als Stoffwechselprodukte der Spaltpilze, wenn diese tierisches Material als Nährstoff verarbeiten. So bilden sie sich in jeder Leiche, in jedem toten Stück Fleisch unter bestimmten Voraussetzungen, nämlich; unter der, daß Mikroorganismen vorhanden sind. Tie bekannteste Form der Ver- giftung dieser Art ist die sogen. Wurstvergiftung, der Botulismus oder die Allantiasis. Tie Vergiftung entsteht durch ein Stoffwechselprodukt des Bazillus botulinus und gehört mit zu den schwersten Vergiftungen, die wir überhaupt kennen. Wenn sie auch ihren Namen von der Fleisch- präparation hat, die man gewöhnlich als Wurst bezeichnet, so kommt sie audji bei allen möglichen anderen Fleischformen vor. So wurde beispielsweise eine leichte Vergiftung mit Wurstgift bei einem Manne beobachtet, welcher eine in einer Blechbüchse konservierte Krickente verzehrte. Mit anderen Worten ansgedrückt: man kann bei jedem Fleisch und bei Fleischresten unter Umständen die Bildung des Botulismusgiftes befürchten, da man die Anwesenheit jenes Bazillus nicht absolut ausschließen kann. Allerdings gilt das nur für Fleische und Leichenteile, die einer geeigneten Behandlung nicht unterworfen worden sind. Ja, man tarnt glücklicherweise sagen, daß jener Bazillus so ungemein anspruchsvoll in seinen Lebensbedingungen ist, daß er nur höchst selten zur Entwicklung gelangt. Dies ist auch der Grund, daß wir so relativ wenige Fälle von Wurstvergiftung kennen. Es ist mitt natürlich nicht gesagt, daß sich bei Speisenvergiftungen im genannten Sinne nicht auch andere Ptomaine bilden können. Es sei möglich, daß auch andere Spaltpilze, welche bei der Fäulnis ja in reicher Zahl vorhanden sind, derartig hochgiftige Stoffe erzeugen. Die sichere Vermeidung ist leicht durch ein energisches Kochen der zu konservierenden Fleischsorten zu erreichen. In dem uns beschäftigenden Fall nun scheint sich das totbringende Gift in den Resten irgend einer Fleischsorte oder eines Fleischpräparates gebildet zu haben, und- derartige Fälle werden ja, wie man zugeben muß, zu den allergrößten Seltenheiten gehören. Tie Lehre nun, welche man aus diesem traurigen Ereignis ziehen muß, ist die, daß die Herstellung der Nahrungsmittel- konserven durch Laien und im privaten Leben immerhin ein gewagtes Stück ist. Man überlasse das den mit allen hygienischen Einrichtungen wohl ausgestatteten, der gesundheitspolizeilichen Ueberwachung ausgesetzten Fabriken. Tes weiteren aber begehe man weder den recht traurigen Heroismus noch die bei weitem bedenklichere Sparsamkeit, eine Speise für gut zu halten, vor deren Gebrauch der Unbe- faugene durch Geruch und Gesicht gewarnt wird. De mor- tuis nil nisi bene. An diesen Spruch will ich gern denken, und doch trifft die verstorbene Leiterin der Kochschule eine schwere Schuld, und es ist unfaßbar, daß diese augenscheinlich nicht normalen Bohnen trotz der Warnung ihrer Schülerin verwandt wurden. Tie von Herrn Geheimrat Gaffky porzunehmende amtliche Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen, wird aber sobald wie tunlich der Oeffentlichkeit übergeben werden. Tie Bevölkerung darf aber, wie schon eingangs betont, keinesfalls aus dem Ereignis den Schluß herleiten, daß der Gebrauch von Büchsenkonserven gefährliche sei, vorausgesetzt, daß sie aus gut eingerichteten Fabriken stammen. Was allerdings in Privathäusern hier und da als Konserven produziert wird, dürfte immerhin mit flrößerer Vorsicht aufzufassen sein. Der ungemein lang- ame Verlauf der Erkrankung, welche erfahrungsgemäß die Gefahr eines tötlichen Ausganges kaum vor Ablauf von
14 Tagen ausschließt, läßt leider auch heute noch die ernstesten Befürchtungen für die acht am Leben befindlichen Erkrankten hegen. Hoffen wir, daß es der Kunst der Aerzte gelingt, sie dem traurigen Geschick ihrer Vorgänger zu entreißen. ____________
Literarisches.
— Der „Tiger des Meeres". Diesen Beinamen führt nicht mit Unrecht der Schwertwal (Orca gladiator), der gefürchtetste Feind der Seehunde und der Schreck der Riesenwale. Er frißt Robben und greift in Gesellschaft die gewaltigsten Grönlandswale an, überwältigt und zerfleischt sie. Ter berühmte dänische Walforscher Eschricht untersuchte ein fünf Meter langes Exemplar dieser „Mörder" (killer), wie sie die englischen Seefahrer nennen, und fand in seinem Magen 14 Seehunde und 13 Braunfische! Ein halbes Tutzend Schwertwale soll imstande sein, den größten Grönlandswal zu zerreißen, wie Pros. Tr. W. Marshall in der soeben ausgegebenen 22. Lieferung seines volkstümlichen Prachtwerkes: „Tie Tiere der Erde" (Stuttgart/ Deutsche Verlagsanstalt) mitteilt. Diese Lieferung bringt den Schluß des die Paarzeher behandelnden Abschnittes und beginnt dann den über die Waltiere; der beigegebene prächtige Farbendruck stellt Hausrinder aus den schottischen Hochlanden dar. Sämtliche Abbildungen dieser populären Tierkunde sind ausnahmslos nach photographischen Aufnahmen lebender Tiere hergestellt, wodurch sie in illustrativer Hinsicht ganz einzig dasteht. Die Ausgabe erfolgt behufs Erleichterung der Anschaffung in 50 Lieferungen zu je 60 Pfg.
Cotta'scheHandbibliothek. Hauptwerke der deutschen und ausländischen schönen Literatur in billigen Einzelausgaben. Stuttgart und Berlin, Verlag der I. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger G. m. b. H. Tie „Cotta'sche Handbibliothek", das neue Unternehmen des Cotta'schen Verlags, hat eine weitere wertvolle Bereicherung erfahren. Tie Vorzüge dieser in Druck und Papier trefflich ausgestatteten Sammlung treten auch in den neuen Bänden zutage. Namentlich wird es freudig begrüßt werden, daß wieder verschiedene Werke, deren ausschließliches Verlagsrecht der Cotta'schen Buchhandlung zusteht, Aufnahme gefunden haben. Tas Gedächtnis Herders, dessen hundertster Todestag int Dezember v. I. begangen wurde, frischt eine Neu-Ausgabe der Volksliedersammlung: „Stimmen der Völker in Liedern" auf. „Lessings Leben" von Hugo Göring wird als biographisches Denkmal den Wünschen Vieler entgegenkommen. Werke von Jean Paul/ Otto Roguette, dem alten Darmstädter, u. a. vervollständigen die Reihe der bedeutenden Schöpfungen, welche für die Sorgfalt und Gediegenheit Zeugnis ablegen,~ mit der die Cotta'sche Handbibliothek zusammengestellt ist.
Kleine praktische Maischläge.
Wenn Pflanzen von der Kälte überrascht wu r d e n, ist es am besten, sie möglichst langsam auftauen zu lassen. Topfpflanzen bringt man daher, wenn man sie in ihrem bisherigen Lokal nicht vor weiterer Kälte schützen kann, vorsichtig und ohne die Pflanzen selbst zu berühren, in einen möglichst dunklen, kühlen Raum, z. B. einen Keller, wo es nicht friert. Im Freien bedeckt man die Pflanzen einfach mit Tüchern, Matten oder stülpt ein Faß oder eine Kiste darüber.
Gleichung.
Nachdruck verboten.
(a—b) (c-d) + (e—f) + (g—h) --- x a Krankheit und deutscher Fluß b biblische Landschaft und ausgestorbenes Wild, c bekannter Badeort d Freude des Wirtes e Gewässer f Fürwort g Gewässer h chemischer Stoff
z edles Getränk. Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Zahlenrätsels in vor. Nr.i Maskenball, Alma, Salm, Kabel, Elbe, Rast, Ball, Alk, Lama, Laban.
Redaktion! August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttütS-Buch- und Steindruckerci. R. Lange, Gießen.


