Ausgabe 
2.12.1904
 
Einzelbild herunterladen

Rinuecini, wozu Heinrich Schütz die Musik komponiert hatte. Auch diese Ehe nahm einen glücklichen Verlauf und war mit Kindern gesegnet. Georg II., dem seine Sprachenkenntnis den BeinamenTer Gelehrte", erwarb und- der auch das Darmstädter Gymnasium schuf, mutzte freilich mit seiner Familie lange Zeit der Residenzstadt fernbleiben und, nach zweijährigem Aufenthalt im Lichtenberger Schloß, infolge des Krieges nach Gießen flüchten. Tort wohnte er 18 Jahre im Universitätsgebäude, und dort er­blickten auch die meisten Kinder des landgräflichen Paares das Licht der Welt. Von seinen Söhnen wurde Erbprinz Ludwig einer der hervorragendsten Fürsten seiner Zeit, und unter den Töchtern ist die fromme und gelehrte Prinzessin Anna Sofie, die spätere Aebtistin von Quedlinburg, als Dichterin geistlicher Lieder bekannt. Tie Liebe Georgs zur Wissenschaft, die er seinen Kindern einpflanzte, war aber auch seiner Gemahlin in hohem Grade eigen und in ihren Personalien heißt es:Sie war eine große Liebhaberin von allerhand Büchern und Bibliotheken, wie denn am Tag, mit was vor großer Mühe, Sorg und Kosten sie eine sehr ansehnliche, hochschätzbare Bibliothek deß Ort gezeugt und hinterlassen hat". Von ihren Werken befindet sich in Darm­stadt ein Andachtsbuch, welches die von Sofie Eleonore nach Georgs II. Tod (1661) eigenhändig niedergeschriebenen Gebete and religiösen Betrachtungen enthält. In allen offenbart sich l>er unendliche Schmerz um den Verlustihres liebsten uud iiesten Schatzes, ihres herzallerliebsten Herrn".

Somit dürfte der Name Eleonore auch für die künftige Mutter des Hessenlandes von guter Vorbedeutung sein.

Ein großer Erfolg moderner Wohunngsknnst

ist auf der Weltausstellung in St. Louis errungen worden. Ta diese hochwichtige Tatsache in den Nusstellungsberichten im all- gemeinen nicht genügend hervortrat, so haben wir es für angezeigt erachtet, einiges au3' den Darlegungen zu reproduzieren, welche eine der ersten Autoritäten auf dem Gebiete moderner Gewerbe­kunst, Tr. H. Mnthesius, kgl. preuß. Regierungsrat im -Ministerium für Händel und Gewerbe, hierüber veröffentlicht .hat. Muthesius setzt dieselben nunmehr in detaillierterer Weise im Dezemberheft der bei Koch in Darmstadt erscheinendenDeut­schen Kunst uud Dekoration" sort. Er betont wiederum, daß die Deutschen in kunstgewerblicher Beziehung an erster Stelle stehen und unter den Deutschen seien es die Münchner, die wieder allen voran schritten. Er sagt:Von diesen deutschen Zimmern erhebt sich, was Vollendetheit des künstlerischen Eindrucks an- belaugt, ein kleines Zimmer bon Bruno Paul zu erster Höhe. Tie herrlichen grauen Kacheln von Scharvogel steigern dessen Wirkung. Tas Bruno Panische Zimmer ist ein Museumsstück; es zeigt das, was wir wollen und erstreben, in der Vollendung. Ferner nennt Muthesius unter den Leistungen ersten Ranges Räume von Riemerschmid-, Dnlfer, Pankok, Gebr. Rank, Bertsch und Niemeyer usw., auch dieBereinigten Werkstätten" seienan allererster Stelle zu nennen". Bon den übrigen Bahn­brechern moderner Wohnungsknnst, welche zu diesem für Deutsch­lands Stellung im kulturellen Weltverkehr höchst bedeutungs­vollen Siege in hervorragender. Weise beigetragen, werden ge­nannt : O l b r i ch, die Magdeburger Gruppe, Peter Behrens Länger, Billing, Kreis, Möhring und die Wiener.

Sehr richtig weist Muthesius auch darauf hin, daß die angewandte Kunst mit ihren Erfolgen. der Schrittmacher für die Malerei ist, indem sie das Publikum zum guten Geschmack er­zieht und somit das Verlangen nach anständig gemalten Bildern erweckt. Als Beweis dient der Eindruck, den die Bilder von Till als Wandschmuck in einem Raume von Läuger hervorriefen. Sein Gesamturteil faßt Muthesius dahin zusammen:Tie Aus­stellung bedeutet eine« Wendepunkt für das künstlerische Ansehen Deutschlands nicht nur im amerikanischen Publikum, sondern in der Schätzung aller Völker."

WeiHnachLsöücher.

Große Kinder-Bor stellung im Zirkus. Ein neues künstlerisches Bilderbuch mit 12 Farbdrucktafeln von Fedor Flinzer und Reimen von Karsten Brandt. Groß Quer- quart. Ausgabe auf Papier, eleg. geb. 2.50 Mk. Eine Novität von Flinzer ist wohl, imstande, allenthalben größtem Interesse zu begegnen. Soll hoch nach den heutigen Anforderungen das Bil­derbuch ein kleines Kunstwerk sein, edel durch seinen Gehalt, frisch an Humor, geeignet, den lautesten Widerhall in der Kinder- scele zu wecken. Wenn daher dieser berufene Künstler eine Reihe köstlicher Zirkusbilder zu«: Gegenstand seiner neuesten Tarstell- ung wählt, so ist hinsichtlich einer originellen Wiedergabe der Tiercharaktere etwas Vollendetes in jeder Beziehung geboten. Tas Buch darf Anspruch auf Beachtung erheben. Die photo-litho­graphische Reproduktion in neun Farben ist vorzüglich. (Loewes Verlag Ferdinand Carl in Stuttgart.)

Lislott. Eine Erzählung für Mädchen im Alter von 914 Jahren von Martha Giese. Mit 4 Tonbildern. Ein eleganter Oktavband. 3 Mk. Martha Giese weiß in diesem Buche den jungen Mädchen ideale Anregungen, rechte Sonne für ihre Entfaltung zu vermitteln. Was sie hier schuf, wirkt vor­bildlich erzieherisch-, ohne aufdringlich zu predigen: Gesunde

716

Tüchtigkeit, die sich übt, frisch zugreifend mit den Aufgaben des Lebens übereinzukommen, und echte Herzensbildung das ist's, was sie tut Auge hat, und was iinsere Zeit zu betonen Anlaß bietet. Sprache und Darstellung ist feinfühlige, gewissenhafte Arbeit, voll intimer Natur- und Lebensbeobachtung. Möge die Mle Entwicklungsgeschichte der tapferen Lislott und ihrer Freund­schaft mit dem armen Ziehkind Esther, die mit beider Koufir- matiou abschließt, die Freunde der Verfnsseriii erfreuen und thr recht viele neue erobern. Seit dem Tode Spyris gibt es raum eine berufenere Nachfolgerin als Martha Giese. (Loewes Verlag Ferdinand Carl in Stuttgart.)

Junge Heldeu. Vier Erzählungen ans der Jugend- welt von Julms Pederzani-Weber. Mit 4 Buiitbildern. Oktav, feteg. üeb. 2 Mk. Schönes und Gutes erzählt den jugendlichen' Lesern dieses Buch von heldenhaften Männern' Ihre Taten wecken m der Jugend den Wunsch, auch 'so ein Mann zu werden'! Diese Manner wären niemals die von Mit- und Nachwelt be­wunderten Helden geworden, hätten sie nicht schon als Knabe st ern gutes, mutiges Herz besessen, und so schildert denn der Autor m lebenswahren Bildern einige blütenjunge Mensche«, d>e trotz ihrer körperlichen Schwäche und geistigen Unreife in ihrem ganzen Wesen Gottvertrauen, Nächstenliebe, eiserne« Wille« und Treuei« der Pflichterfüllung betätigen. Dieses Buch darf mit. Rücklicht auf seinen erzieherischen Wert als hervorragend bezeichnet werden, zumal cs sich in stattlichem Gewände präsentiert. (Loewes Verlag Ferdinand Carl in Stnttgart.i

Ein armes Großstadtkind. Ein Jugendleben. Kindern und Eltern erzählt von Eduard Wahl. Mit 4 Farb­druckbildern. Oktav. Eleg. geb. 3 Mk. Tie Frankfurter ^ugendlchriften-Kommission ist einstimmig zu der Ueberzeugung gelangt, datz dieses Buch eine wertvolle Bereicherung unserer Jugendliteratur bedeutet, und mit Recht verdient, in die Reihe empfehlenswerter Jugendschriften ausgenommen zil werden. Möge das Buch vollen Erfolg haben!

r. r ~ Ter Verlag von E. Nister in Nürnberg ist mit zwei treff­lich ausgestatteten Neuigkeiten auf den Markt getreten. Tie eine nennt sich Schöne alte Kinderlieber und will ein deut­sches Hausbuch sein (4.50 Mk.), die andere erzählt Meister Lampes lustige Streiche uud Abenteuer (3 Mk.). Beide Werkchen haben Martin Boelitz 'zum Herausgeber bezw. zum Verfasser. Es siud großenteils liebe alte Bekannte, die in dem Kinderliederbuch ängetrosfen werden. Tie schwarzen Bilder in Holzschnittmanier von Wolf Jöhnsse« zeichnen sich durch rechte Natürlichkeit und Einfachheit aus, wie Kinderbilder sein sollen, und die bunteil ganzseitigen Illustrationen sind von außerordentlicher Feinheit in Zeichnung und Ausführung. Auch, das Werkchen von Meister Lampe, das der verständigen Forderung, in der Jugenderziehung beit Humor nicht zu kurz kommen zu lassen, gerecht loerden will, zeigt gute Illustrationen nach Tnsch- zeichnungcn von Maximilian Liebenwein. Tie Menteuer sind frisch und naiv erzählt und werden als kurzweilige Lektüre manches phlegmatische Kindertemperament wohl in erfreulicher Weise aufrütteln.

A» die Rationalisten.

Euch lächelt unser närrisch Tichterleben? O lächelt nur! wir gönnen Euch die Freude.

. Ihr plagt Euch unten noch mit Erdenleide, Ta wir schon jetzt znut Himmel uns erheben.

Sobald gelöst des Lenzes zarte Bande, Im Herbst die Flur verlassen liegt aufs neue, Führt uns in Fantasie zu schönstem Maie Ein letzter Sonnenglanz - durch Märchenlande.

Und wenn der Herbst des Lebens uns beschleichet, Er immer uns gerüstet vor sich 'sieht;

Ein Sang genügt und jedes Alter schweiget.

'Ein süßer Traum läßt uns hinüberschweben, Tie Nachtigall singt unser Grabeslied.

O lächle Euch nur unser närrisch Leben! ____________ Adolf Metz.

Preisrätsel.*)

Magische Gleichung.

Nachdruck verboten.

(a b) + ( c d) + e + (f g) + h + (i k) 4- (1 rn) x

Es bedeutet: a: Tomuaß. b: Einteilung, c: Frucht, d; Wasser in nicht flüssigem Zustande, e: Fruchtkeim, f: Stimme, g: Spielkarte, h: Zustimmung, i: Krankheit, k: Teil des Körpers. 1: Teil des Eies, m: Raubtier, x: Weidwerk.

*) Lösungen sind mit Aufschrift Preisrätsel -Lösung* versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion derGießenkt! Fa ntiliendlältek" cinzusendm.

Auflösung des Rätsels in vor. Nr.:

Alm Elm Ilm Olm Ulm.

Redaktion: Auaust Goetz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.