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zu spielen; es handelte sich nur noch nm das Stichwort. Dieses ließ nicht lange auf sich warten; der Blick des Anwalts sagte es ihr. Auf der Stelle erkannte sie aus den fast mit ^Verachtung auf sie gerichteten scharfen blauen Augen, daß — weit entfernt seine Gunst zu gewinnen — sie in ihm ihren erbittertsten Gegner sinken würde. Ebenso schnell, wie »hr das klar wurde, stand ihr Entschluß über das von ihr zu beobachtende Benehmen fest. Ihre leuchtenden Augen wurden plötzlich kalt, und ihr Gesicht nahm die gewöhnliche hochmütige Miene an .
Nach einigen, das schreckliche Ereignis berührenden Worten suhr Whitney fort: „Ter heutige Tag ist anders geworden, als wir gedacht hatten."
(Fortsetzung folgt.)
KenriK Ißsen
liebt es, sich bis zur Unsichtbarkeit hinter seinen Werken zu verbergen. Selten ist ein Schriftsteller der Kulturwelt in seinen Dichtungen so sehr und in seiner Persönlichkeit so wenig bekannt geworden. Rach und nach beginnen indes die Striche und Linien zu seinem Charakterbilde sich zn mehren, zu verschärfen, und aus vielerlei Beiträgen setzt sich mosaikartig das charakteristische Porträt Ibsens, das Bild seines inneren Wesens nnd Lebens, zusammen. Tie Briefe Henrik Jbions liegen jetzt in einem von Tr. Julius Elias und Halvdan Koht herausgegebenen, bei S. Fischer in Berlin erschienenen stattlichen Bande vor. In den Werken zeigt sich das Talent und die poetische Kraft, in den Briefen die Persönlichkeit eines Tichters. Die von Henrik Ibsen tritt um so schärfer und klarer hervor, als Ibsen sonst mit Kundgebungen seines eigenen Wesens äußerst sparsam war.
Ein Brief an Prof. Maurer, aus Dresden vom März 1875 datiert, zeigt uns als Ursache der Uebersiedlung Ibsens nach München Tresdener Schulverhältnisse. Der Sohn Ibsens, der heutige norwegische Minister und Schwiegersohn Björnsons, Tr. Sigurd Ibsen sollte ein anderes Germanien kennen lernen.
In einem Brief an Josephon, einen norwegischen Dichter, sagt Ibsen über die ersten Aufführungen seiner „Kronprätendenten" in Berlin:
„Anfang dieses Monats bin ich nach Berlin gereist, um der ersten Aufführung der „Kronprätendenten" beizuwohnen, die mit strahlender Pracht vom Hoftheater des Herzogs von Meiningen gegeben wurden. Tas Stück wurde mit großem Beifall ausgenommen, und ich wurde wiederholt gerufen. Ich glaube nicht, daß dies den Berliner-Rezensenten, die größtenteils selbst Theaterschriststeller sind, besonders angenehm war. Aber das Stück ist trotzdem neunmal hintereinander gegangen und wäre noch öfter gegangen, wenn die Vorstellungen der Meininger nicht schon am 15. d. M. ihr Ende finden würden. Nach 'der ersten Vorstellung wurde ich vom Herzog eingeladen, ihn aus seinem Lustschloß Liebenstein bei Meiningen zu besuchen, wo ich gewohnt habe, bis ich vorgestern hierher zurückkehrte. Bei der Abreise dekorierte er mich mit dem Ritterkreuz des Sächsisch-Ernestinischen Hausordens erster Klasse.
Tie Herausgeber der Briefe betonen, daß Ibsen hier in Bezug auf die Berliner Rezensenten von 1876 im Irrtum ist, und daß insbesondere damals keiner „selbst 'Theaterschriststeller" war.
Von der interessanten Absicht Ibsens, eine Art Entstehungsgeschichte seiner Werke zu schreiben, also das wichtigste Stück Selbstbioyraphie, erfahren wir aus einem Brief an seinen Verleger, Justizrat Hegel. In diesem, vom 31. Mai .1881 datierten Brief heißt es:
„Gestatten Sie mir, Sie mit diesen wenigen Zeilen um die Gefälligkeit zu bitten, mir 1000 Kronen in deutschen Banknoten in der gewöhnlichen Weise zu senden. Ich trage mich augenblicklich mit Plänen zu etwas neuem, worüber ich gern Ihre unumwundene Ansicht hören möchte, — ich will es Ihnen also in aller Kürze andeuten. Ich irre mich 'wohl nicht, wenn ich bemerkt zu haben glaube, daß die Vorrede zu der neuen Ausgabe des „Catilina" mit ziemlichem Interesse gelesen worden ist. Wie wäre es nun, wenn ich ein ganzes Büchlein von zehn bis zwölf Bogen schriebe, das ähnliche Mitteilungen über die äußeren und inneren Umstände enthielte, unter denen meine einzelnen literarischen Arbeiten entstanden sind? So würde ich bei „Frau Inger" und den „Helden" meinen Aufenthalt in Bergen behandeln; bei den „Kronprätendenten" und der „Komödie der Liebe" würde ich die folgende Periode in Christiania schildern; sodann käme mein Römerleben mit >,Brand" und „Peer Gynt" usw. usw. Auf eine Auslegung meiner Bücher würde ich mich natürlich ganz und gar nicht einlassen. Es ist besser, wenn Publikum und Kritiker sich auf diesem Gebiet nach eigenem Belieben herumtummeln dürfen — wenigstens bis auf weiteres. Mer ich möchte ganz einfach von den Umstanden und Verhältnissen berichten, unter deren Einfluß ich gedichtet habe — alles natürlich mit äußerster Diskretion und so, daß ein weiter Spielraum für Mutmaßungen aller Art bleibt. Raten Sie mir ab? Halten Sie ihn für zweckmäßig und glauben Sie, daß der Zeitpunkt gut gewählt, oder daß es vielleicht besser ist, noch damit zu warten? Geben Sie mir bei Gelegenheit in dieser Sache Ihren erprobten Rat! Aber ich bitte Sie, lassen Sie die Angelegenheit unter allen Umständen zunächst noch ganz unter uns bleiben! Auf
jeden Fall beabsichtige ich, diesen Sommer zur Vollendung des Manuskriptes zu benutzen: denn ich gedenke heuer so wie so kein neues Schauspiel zu schreiben und habe auch sonst keine andere Verwendung für meine Zeit."
Ein Stückchen Selbstbiographie gibt uns Ibsen in einem München, 18. Juni 1889, datierten Brief an einen norwegischen Publizisten. Ibsen stellt sich uns hier als Maler vor und in seinen Beziehungen zur Sozialdemokratie.
„Ich besuchte als Knabe ein Jahr lang die Zeichenschule in Skien und lernte dort ein wenig Bleistiftzeichnen. Gleichzeitig oder etwas später empfing ich einige Anleitung in der Oclmalerei durch einen jungen Landschaftsmaler Mandt aus Telemarken, der sich zuweilen in Skien aufhielt. In Bergen beschäftigte ich mich verschiedentlich mit der Aquarellmalerei unter Äufficht des inzwischen verstorbenen Losting. Nach Christiania zurückgekehrt, malte ich ein wenig in Oel bei Magnus Bagge. Aber 1860 begannen die Vorbereitungen zur „Komödie der Liebe" und zu den „Kronprätendenten" mich stark zu beschäftigen, und seit der Zeit habe ich die Malerei an den Nagel gehängt. Mit der A r b e i t e r - bewegung selbst habe ich eigentlich nichts zu schaffen gehabt. Ich stand nur in freundschaftlichen Beziehungen zu Abildgard und wurde durch ihn bekannt mit Marcus Thrane. So erfuhr ich mancherlei von ihren Plänen, und nachdem die Verhaftungen stattgefunden hatten, fürchtete ich schon sehr als Zeuge vorgeladen zu werden. Aber zum Glück waren meine Briefe an Abildgard und vielleicht auch meine Manuskripte unter den verbrannten Papieren, wie es Henrik Jaeger erzählt."
Zuletzt mag hier ein interessanter Brief an den einen Herausgeber der trefflichen Gesamtausgabe seiner Werke, an Tr. Julius Elias mitgeteilt sein:
„Christiania, 20. Juni 1897. Lieber Elias!
Es war mir eine große Freude, Ihren und Tr. Schlenthers Plan zu der neuen Gesamtausgabe meiner literarischen Arbeiten zu empfangen und mich 'mit ihm vertraut zu machen. Ich kann diesem Plan in allem wesentlichen zustimmen.
.... „Tie Herrin von Oestrot" und „Nordische Heerfahrt" sind mein ausschließliches Eigentum. Es wird also keine Schwierigkeiten machen, diese Stücke in Herrn Fischers Verlag übergehen zu lassen.
Das „Hünengrab" ist vor langen Jahren als Feuilleton in einem norwegischen Blatt gedruckt worden, und ich hasse. Ihnen eine Abschrift davon verschaffen zu können. Tic beiden anderen Schauspiele, die ich in meiner Jugend geschrieben, habe ich nie veröffentlichen mögen und wünsche wicht, daß sie übersetzt werden. . . . ."
Hessische Fürstinnen.
Aus Anlaß der Verlobung Sr. K. H. des Großherzogs mit der Prinzessin Eleonore von Hohensolrns-Lich sei daran erinnert, daß bereits zwei Fürstinnen mit dem Namen „Eleonore" den hessischen Thron geziert haben:
Tie erste — Eleonore von Württemberg (1552 bis 1618) — war die zweite Gemahlin des L a n dg r a f e n Georg I., des Sohnes Philipps des Großmütigen und Begründers der Hessen-Darmstädtischen Linie. Als Tochter des Herzogs Christoph IV. von Württemberg und dessen Gemahlin Anna Maria von Brandenburg, wurde Prinzessin Eleonore schon mit 18 Jahren dem Fürsten Ernst von Anhalt vermählt und heiratete nach dessen Wleben den damals gleich ihr verwitweten Landgrafen Georg. Am 25. Mai 1589 hielt Eleonore ihren Einzug in Darmstadt, wo am nächsten Tage unter großen Festliä leiten' die Hochzeit stattfand. Mit der Pflichttreue einer echten Blutter trat sie bald ihren Stiefkindern nahe nnd genoß auch nach dem Tode Georgs deren innigste Verehrung. Ihrem Gemahl, der ihr von Herzen zugetan war, schenkte sie einen Sohn, der aber frühe starb. Im Sinne ihres Gemahls zeigte sie viel Interesse für die bauliche Entwicklung der Residenz; sollst die Abrechnung überdas Mauerwerk am Kaisersaalbau in Darmstadt von Eleonores eigener Hand auf vielen Bogen parafiert und unterschrieben. Nach dem Tode des Landgrafen am 7. Februar 1596 zog sich Eleonore auf ihr hessisches Wittum Lichtenberg zurück wo sie am 12. Januar 1618 verschied. Noch in seinem Testament hatte Georg I. seinen Söhnen liebevolle Achtung gegen ihre Stiefmutter empfohlen, „gleich als sei er selbst noch am Leben", und daß sie diese Empfehlung verdiente, beweist ihr Denkmal in der Stadtkirche von Darmstadt mit der, von ihren Stiefkindern gewidmeten Inschrift :
„Tie jungen Herrn und Fräulein zart
Liebt sie zumal nach Mutterart."
Die andere Trägerin des Namens war die Prinzessin Sofie Eleonore von Sachsen, Tochter des Kurfürsten Johann Georg und dessen erster Gemahlin, Shbille Elisabeth von Württemberg. Sie kam zur Welt am 23. November 1609 und wurde am 4. April 1627 zu Torgau mit dem Landgrafen G e- or g II. von Darmstadt vermählt. Die H o ch z eit erfolgte unter ungewöhnlicher Prachtentfaltung und unter den Hochzeitsfestlich- keiten verdient besondere Erwähnung die Aufführung der ersten deutschen Oper. Es war die von Martin Opitz vollzogene Umdichtung der gleichnamigen Oper „Tafne" von


