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1904. — Wr. 179
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Aas Testament des Bankiers.
Kriminalroman von A. M. Barbour.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Es war beinahe drei Uhr, als seine Gedanken durch eui leises Geräusch ab gelenkt wurden, das von der Hinter- serte des Hauses zu kommen schien und schleichenden Fuß- trrtten glich. Gespannt lauschte er noch eine Weile, da sich aber nichts mehr hören ließ und ihm mtr noch wenig Zeit zur Ruhe blieb, so beschloß er, sich nicht erst zu cntüeiden, löschte das Licht aus und warf sich, wie er war, auf das Sofa.
Tie Sonne schien hell, als er plötzlich, durch angstvolles weibliches Gekreisch geweckt, aus tiefem Schlaf emporfuhr. Unmittelbar darauf hörte er lautes Schluchzen und eiliges Hin- und Herrennen. Schnelle Schritte näherten sich seinem Zimmer. Er sprang auf, vertauschte hastig sein durch den Schlaf zerknittertes Jackett mit einem Rock und war mit dem Anziehen no,ch beschäftigt, als heftig an die Tür gepocht wurde und eine vor Aufregung bebende Stimme seinen Namen rief. . ...
Tie Tür aufreißend, sah er Herrn Whitney vor sich und werter, hinter diesem, verstörte Tiener, die laut jammerten und schluchzten.
. »Herr Skott", keuchte der Anwalt, am ganzen Leibe zrtternd, „kommen Sie ins Turmzimmer, Herr Main- waring ist ermordet!"
. . »Was? — Herr — Herr Mainwaring — ermordet?" rtef Skott, fast Wrachlos vor Schrecken. .„Großer Gott! Kann denn das möglich sein!"
„Es ist schrecklich, aber es ist so; kommen Sie nur."
Skott war tote betäubt. „Wer entdeckte das Verbrechen ?" kragte er, mit langen Schritten.an der Seite des Anwaltes denr Turmzimmer zueilend.
„Ter Kammerdiener Hardy. Wir haben schon nach dem Arzte und dem Coroner*) telephoniert."
Skott schauderte, als er die Bibliothek betrat. Es war zwar alles noch so, wie er es zuletzt gesehen hatte, aber ein Blick durch, die zurückgeschobenen Portieren, die sonst das Turmzimmer verdeckten, ließ ihn die Wirklichkeit des fast Unglaublichen erkennen.
Tort lag Hugh Mainwaring, etwa in der Mitte zwischen Pult und Geldschrank, auf dem Boden — den Körper etwas auf der rechten Seite, den Kopf in einer kleinen Blutlache, -öto Bereich seines beinahe ganz ausgestreckten rechten Armes lag ein Revolver. Eine wie verbrannt aussehende Wunde, gerade über dem rechten Auge, nahe der Schläfe, zeigte, wo die Waffe ihr tätliches Werk getan hatte. Tas kurzgeschnittene Haar an der Schläfe war versengt und der
*) In Amerika und England der Beamte, der bei verdächtigen Todesfällen die Untersuchung zu leiten bat.
darunter liegende Gesichtsteil geschwärzt, ein Beweis, tote dicht der verhängnisvolle Schuß abgxfeuert toorden war. Indessen fanden sich keinerlei Anzeichen irgend eines statt- gehabten Kampfes. Alles stand noch auf seinem gewohnten! Platz; das Pult war verschlossen, nur der sonst davor sich befindende Drehsessel war etwas zur Seite geschoben.
Ralph Mainwaring kniete neben dem Toten,; Herr Thornton und der junge Mainwaring, die unmittelbar nach Skott ins Zimmer traten, blieben starr vor Entsetzen am Eingang stehen.
Tas tiefe Schweigen würde zuerst von Herrn Thornton unterbrochen: „Schrecklich, schrecklich! Was meinst Du, Ralph, ist das Mord oder Selbstmord?"
„Tas wird die Untersuchung aufklären" erwiderte der Gefragte in leisem Tone. „Ich bin geneigt, es für Mord zu halten."
„Mord, ohne Zweifel!" stimmte der Anwalt dumpf bei.
„Aber wer, um Gottes willen, könnte ihn begangen habend stöhnte Herr Thornton.
Hugh Mainwaring war mit dem Schlafrocke bekleidet, worin Skott ihn zuletzt gesehen hatte, und nichts zeigte irgend welche Unordnung in seinem Anzuge; als der Sekretär sich aber neben der Leiche auf ein Knie niederließ und dabei die teilweise iin den Falten verborgene Hand des Toten berührte, da stutzte er, befühlte dann rasch die Uhrtasche unter dem Schlafrock und sagte, den Kopf erhebend, mit weit geöffneten Augen:
„Sein 'Tiamantring und die Uhr sind-fort!"
„Also muß Raub die Veranlassung zum Morde gewesen sein!" rief der junge Mainwaring, und sein Water fügte mit einem Blick auf den Geldschrank hinzu: „Da müssen wir uns überzeugen, ob nicht noch mehr fehlt!"
„Gewiß", fiel der Anwalt schnell ein, „aber nicht eher, als der Coroner da ist, bis dahin muß alles liegen bleiben, wie es ist."
„Warum waren Sie zum letzten Male in diesem Zimmer, Herr Skott?" fragte Ralph, der aufgestanden war und forschend umherblickte.
„So um Mitternacht." Und die Ueberraschung auf den Gesichtern aller Anwesenden erkennettd, setzte er hinzu; „Ich kam auf Verlangen von Herrn Mainwaring, der mir noch einige Anweisungen für den heutigen Tag zu geben wünschte."
„War er zu jener Zeit allein?"
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„Welchen Eindruck machte er auf Sie?"
„Er schien sehr abgespannt zu sein."
„Empfing er Sie in diesem Zintmer?"
„Nein, er befand sich in der Bibliothek."
In diesem Augenblick ließen sich Stimmen auf den» Korridor hören, und Ralph wandte sich, schnell an seinen Sohn:
„Tie Damen kommen! Sie dürfen nicht hier herein..


