Ausgabe 
2.11.1904
 
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gegangen sind Meisterwerte an geschmackvoller Darstellung und feiner Reproduktion. Dazu sind noch zwei Kärtchen beigcgebeit, auf welchen wir die Standorte der Bäume näher bezeichnet finden. Mit Wohlgefallen und Interesse wird das Auge auf diesen schönen Bildern ruhen und sich an den herrlichen Schöpfungen der Natur erfreuen. Der deutsche Wald, der so vieles aus unserer Kultur erschließt, niuß jedem hierdurch noch mehr ans Herz wachsen. Tenn die Natur ist und bleibt doch die reichste Quelle des Schönheitsgenusses, da die Werke der Kunst, auf wenige Stätten zusammengedrängt, doch nicht so allgemein zugänglich sind. Mochte das Werk sich recht viel Freunde erwerben, zur Erhaltung und Pflege der Schönheiten der Natur allgemein an­spornen und zum Studium der Mutter Natur immer mehr an­regen, denn dies verleiht uns inneren Gehalt, der mehr wert ist, als gleißendes Gold!

Lies in den Werken der Natur, Im duft'gen Wald, in frischer Flur! Nichts spendet so wie sie hinieden Dem Geiste Kraft, dem Herzen Frieden!"

Der Preis von 5 Mark ist in anbetracht der hohen Her­stellungskosten äußerst mäßig und dem Verleger auch nur dadurch möglich gewesen, daß ihm die Forstverwaltnng ihre Unterstützung und Mitwirkung in jeder Beziehung angedeihen ließ.

Vermachtes.

* Die Entstehung der Sprache im Gehirn. Es galt bereits als ein großer Erfolg, als Broca eine bestimmte Wind­ung des Gehirns als Sitz des Sprachvermögcns nachwies. Heute ist man sehr viel anspruchsvoller geworben und begehrt weit ein­gehendere Angaben über das Zustandekommen eines so wichtigen Teils der geistigen Tätigkeit. Professor Mills von der Universi­tät Pennsylvanien hat jetzt eine sehr gründliche Untersuchung über die verschiedenen Teile des Gehirns, die zur Entstehung der Sprache wirken, veröffentlicht. Er zählt fünf Gehirngegenden auf, die dabei in Betracht kommen: Tas Gehirnzentrum zur Wahrnehmung des gesprochenen Worts in dem hinteren Teil der ersten und zweiten Schläfenwindung: das eigentliche Zentrum der Sprachäußerung, das schon von Broca entdeckt wurde, dem aber nach Professor Mills noch die vordere Hälfte der sogenannten ,^Jnsel" hinzuzufügen ist; das graphische Zentrum, das beim Schreiben tätig ist und im hinteren Teil der sweiten StirnWind- ung liegt; das Zentrum zur Auffassung der Worte durch den Gesichtssinn und endlich das Namenzentrnm in der dritten Schläfenwindung. Tiefe 5 Zentren stehen untereinander in Verbindung. Hier wird die Sprache gleichsam organisiert, um daun durch die Tätigkeit der Nebenzentren im Gesicht, in der Zunge und im Kehlkopf erst eigentlich in die Erscheinung zu treten. Tas Brocasche Sprachzentrum ist gewissermaßen der An­tragsteller, der vornehmlich der Mitwirkung des Namenszentrums bedarf, um die Worte in dem beabsichtigten Ausdruck und Zu­sammenhang zu tage zu fördern. Ein anderer Teil des Gehirns steht noch in Verbindung mit den Bewegungen, die zu der eigent­lichen Artikulation führen. Tie Erwerbung des Sprachvermögens rst der erste große Schritt in her Scheidung des Menschen vom Tier gewesen. Temgemäß zeigt auch das Gehirn des Gorilla oder anderer menschenähnlicher Affen einen Mangel an Entwick­lung an den beschriebenen Teilen, ivährend bei diesen Tieren fcte Zentren für den Gesichts- und Gehörsinn, sowie für die Muskelbewegungen sehr stark ausgebildet sind. Tie Hirnwind- nng, in der der Sitz der Sprachäußerung zu suchen ist, ist beim Menschen bedeutend ausgedehnt, und das graphische Zentrum zur Worischreibung kommt ganz neu hinzu.

, ~ ? ie Frau Bei den alten ® e r ma n en. Hart und herb, wie das Verhältnis von Herr und Knecht, war bei unfern Altvordern auch das Verhältnis von Mann und Weib, wenig» steus nach seiner rechtlichen Seite. Tenn von Rechts wegen war dreies Verhältnis auf die einfache Formel gebracht: Herr und Magd. Die sehr verschiedene Wertung der beiden Geschlechter erhellt schon daraus, daß ein neugeborenes weibliches Kind aus- zusetzen bei manchen Stämmen, wenigstens unter Umständen, wie zur Zeit einer Teuerung oder Sungersnot, oder infolge unheil­verkündender Träume, iiicht anstößig war. Noch zur ftänkisch- merowingiichen Zeit stritt man auf einer Kirchenversammlung über die Frage, ob die Weiber auch Menschen wären. Durchgehends war dem Manne vor dem Weibe, dem Sohne vor der Mutter dem Bruder vor der Schwester Vorzug und Vorteil eingeräumt' Jedes Weib galt für unmündig und entbehrte der freien Ver­fügung über die eigene Person oder über einen Besitz. Keines vermochte einen rechtsgiliigen Akt zu vollzieheir, vor Gericht erne Klage zn erheben oder gegen eine solche sich zu ver­teidigen. Ueberall bedurfte das Weib eines Vertreters, Für­sprechers, Vormundes, Vogtes. Tie Gattin war vom Gatten, die Witwe vom söhne, die vaterlose Tochter vom Bruder bevor­mundet. Auch das Erbrecht der Frauen war ein sehr beschränktes: rm allgemeinen fiel beim Tode des Hausvaters das ganze Eiche den Söhnen zu und gingen die Witwen und die Töchter leer aus. Trotzdem ist dem Verhältnis von Mann und Weib im Germanien

schon von jeher ein schöner idealer Zug eigen gewesen. Tas Zeugnis des Tacitus, ivelcher von der germanischen Ehe mit hoher Achtung spricht, tritt hierfür ein, obgleich sein Gewicht auch hier einigermaßen abgeschwächt wird durch die offenbare Absicht des Römers, mittels Schönmalerei germanischer Sitteu- reiiiheit seinen Landsleuten eine Strafpredigt zu halten. Tie Sitte hat den starren Rechtsbaun durchbrochen und dem Weibe eine bessere Stellung verschafft, als das Gesetz ihm einräumen wollte. Tie Sitte aber, beziehungsweise auch die Unsitte, wird ja allzeit und überall zumeist durch die Frauen gemacht, und was schöne und kluge Weiber im Guten und im Bösen vermögen, steht auf gar vielen Blättern der Weltgeschichte zu lesen. Wie sich, was das Verhältnis von Mann und Weib angeht, in Ger­manien die Sitte schon frühzeitig zum Edleren gewendet hatte. Wird bezeugt durch die Tatsache, daß bei den meisten deutschen Stämmen Einweibschaft herrschte, Mehrweiberei da­gegen nur selten vorkam. Daß aber nur die EinWeibschaft eine rechte Ehe und daß nur eine solche wiederum ein gesundes Familienleben begründet, ist allbekannt nicht minder, daß die Familie die Grundlage jeder rechtlichen rechtlichen Gemeinschaft unter den Menschen war und ist und daß demnach auf ihr alle Staatsbildungen beruhen. (Aus dem gegenwärtig erscheinenden WerkeGermania", Zwei Jahrtausende deutschen Lebens. Kul­turgeschichtlich geschildert von Johs. Schere. 6. neu bearbeitete, mit co. 300 Abbildungen und 50 Extra-Kunstblättern versehene Auflage. 50 Lieferungen zu je 30 Pf. Stuttgart, Union Deutsche gesellschaft.) ________________

LTtsVavssches.

Ein neuer hessischer Kalender, der, zugleich eilt kleines Kunstwerk ist, ist von der Darmstädter Kunstanstalt Ä. H:n- mann herausgegeben Worden. Tas in moderner Kunstmanier aus- gestattete Werk ist zunächst ein Kalender für 1905, aber es ist gleichzeitig auch ein hervorragendes hessisches Prachtstück von dauerndem Wert, denn es enthält sechs in lithographischem Farbendruck ausgeführte Originalbilder aus Hessen von Ernst Liebermann, einem Münchener Landschaftsmaler, der diese für die Verfielfältigung farbig auf den Stein gezeichnet hat, wodurch jedes Blatt den Wert eines künstlerischen Original­werks erhielt. Das erste Bild zeigt eine stimmungsvolle Winter­landschaft aus Darmstadt:Auf dem Turm der Stadtkirche", bann folgt ein fesselndes Bild von Lindenfels, der altehrwürdige Tom zu Mainz", eine anmutige FamilienszeneAns dem Vogelsberg", das kunsthistorisch interessanteRathaus zn Heppenheim" und zum Schluß eine prächtige Stimmungsland- schaftAus dem Odenwald". Der Künstler hat alle seine Mo­tive direkt der Natur entnommen und sie unter Verzicht auf störende Tetails für seine Kunstblätter verwendet. Sie werden in ihrer Farbenfrische und Stimmungskraft jeden Kunstfreund, durch ihren heimatlichen Zauber aber besonders alle Hessen mit Freude erfüllen. Ten Bildern ist von Professor Dr. Anthes ein erläuternder Tekt beigefügt worben. Wir sind über­zeugt, daß der hessische Kalender von Hohmann sehr bald einest Lieblingsplatz "in vielen hessischen Familien einnehmen wirb.

Der Gartenbau-Kalender ist im deutschen Hause längst ein lieber Freund geworden; so wird auch der neue Jahr­gang 1905 mit Freude begrüßt werden. Tie besten Namen sind darin vertreten. Hermine Villinger hat eine, PlaudereiUnter dem Torbogen" beigesteuert, Hans Arnold eine seiner hnmor- durchtränkten GeschichtenDas Examenschweinchen", Adelheid Stier ein GedichtTie Hausbauk". Tiefem, der Unterhaltung gewid­meten Teil folgt derTagesgeschichtliche Rückblick", der alle be­deutenden Ereignffse des vergangenen Jahres, mit besonderer Berücksichtigung des russisch-japanischen Krieges, und die Por­träte hervorragender Männer und Frauen bringt. Hand in Hand mit dem reichen textlichen Gehalte des Buches, das in der Mannigfaltigkeit seines Inhaltes ein Nachschlagewerk für tausend kleine Fragen des Alltages ist, geht der Bilderschmuck, der außer einer farbigen Kunstbeilage eine Anzahl Vollbilder und viele Illustrationen zu den Erzählungen und zu den belehrenden Ar­tikeln enthält.

Zahlenpyramide.

Nachdruck verbotm.

1 Vokal

1 2 Spielkarte und alte Münze.

12 8 nordische Gottheit.

4 12 3 Teil des Gesichts.

1 5 4 3 2 meiblischer Vorname

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Dreieckrätsels in vor. Nr.r

LID ELLA R E M U S

Redaktion: Auaust Goeü. Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'scheu UniversitätS-Buck- und Steindruckerei. R. Lange, Gieße«.