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nur for sHotv." Wieder ward EMnor blaß, fast grün bis in die Lippen. „Guten Morgen", sagte sie und wandte fidj zunr Gehen. „Guten Morgen", sagte der Rittmeister. Er hatte in dem Augenblick die Empfindung, als habe er mit seinem Leben einen glänzenden Kauf und doch 'einen schlechten Handel gemacht.
Frau Ellinor war wütend und empört. Sie hatte es eben so gut gemeint und müßte sich solche plumpe Dinge sagen lassen.' Nun, sie selbst und ihre Stellung aber waren gerettet! Das blieb, im Grunde, die Hauptsache doch. Davor trat alles andere, selbst die Liebe und das Schicksal des Geliebten, in den Hindergrund. Ich wenn Ellinor hätte wählen müssen — ich glaube, sein Leben würde ihr als kein zu hoher Preis dafiir erschienen sein. Glücklicherweise lag solche Wahl nicht in ihrer Hand, wußte sie aber auch noch nicht, daß dem Rittnteister — trotz alledem — etwas von deutscher Torheit geblieben war, sodaß er, ob er auch für sich den Kodex militärischer Ehre nicht länger allein für maßgebend hielt, doch auch niemandem zu nahe treten wollte, der anderer Ansicht war, und beschlossen hatte, den Abschied zu nehmen. Seine leidende Gesundheit ergab ja dafür einen genügenden Grund.
(Fortsetzung folgt.)
Hleöer die Wetvosttat im Kindrsalter.
Ten mannigfachen Seelen- und Nervenstörungen bei Kindern wird schon seit längerer Zeit von Seite der Fachärzte berechtigte Aufmerksamkeit gewidmet, und es wurde ganz besonders in letzterer Zeit das nichtärztliche Publikum durch auszugsweise Wiedergabe fachmännischer Vorträge und Artikel in den Tagesjournalen über manche Symptome der kindlichen Hysterie oder Nervosität aufgeklärt.
Umfassend und auch für den Laien überaus verständlich hat Professor Oppenheim die ersten Zeichen der Nervosität des Kindesalter in einem Vortrag behandelt, und dieser ebenso wissenschaftlich sachliche als auch dem Laien leicht verständliche Vortrag kann den meist Aufklärung bedürftigen Eltern und Lehrern nur bestens empfohlen werden.
Wenn ich, so schreibt Professor Tr. Frühwald in der Halbmonatsschrift „Unser Kind", auf Grund meiner eigenen Erfahrungen und unter Anlehnung an den erwähnten Vortrag die Nervosität bei Kindern nur kurz' zur Besprechung bringe, so geschieht dieses, um die Mütter auf die mannigfachen störenden Erscheinungen im Seelenleben der Kinder aufmerksam zu machen, und um gewisse Sympwme vor laienhafter Mißdeutung zu bewahren.
Was die ersteren betrifft, so bilden sie eben jenes große Kapitel der Nervosität oder Hysterie, deren Disposition in den allermeisten Fällen eine vererbte ist. Tiefe nervöse Disposition zeigt sich bei Kindern Armer und Reicher oft schon im zartesten Säuglingsalter. Ein unruhiger durch Hin- und Herwälzen oder Aufschreien oder Aufweinen gestörter Schlaf oder Schlaflosigkeit und ausfallende Schreckhaftigkeit gelten als die markantesten einschlägigen Symptome. Wiewohl diese erwähnten Erscheinungen ein oft wichtiges Begleitungssymptom der beginnenden oder schon ausgebildeten englischen Krankheit (Rachitis) sind, so treten dieselben auch ohne diese auf und erfordern dann ärztlicherseits eine besondere Aufmerksamkeit.. Tie stete Zunahme der oben erwähnten Erscheinungen und das allmähliche Hinzutreten anderer nervöser Symptome oder auch das Wechselvolle im Auftreten dieser, das Ausbleiben rhachitischer Veränderungen des Skeletts einerseits, andererseits die durch den Arzt nachweisbare Ausheilung derselben bei Andauer der nervöser: Symptome, läßt nur zu bald die anfängliche Vermutung auf nervöse Reizbarkeit begründet erscheinen.
Bei zunehmendem Alter treten, wie schon erwähnt, in wechselvoller Art noch anderweitige abnorme psychische und motorische Störungen auf. Schon bei jüngeren Kindern tritt, von der Reizbarkeit abgesehen, oft eine wechselnde abnorme Gemütsstimmung, wie Launenhaftigkeit, Roheit, Bosheit und Jähzorn, auffallende Zu- und Abneigung gegen einzelne Personen der Umgebung, zu einem Spielzeug, oder es tritt eine Idiosynkrasie gegen gewisse stüher mit Vorliebe genommene Nahrungsmittel zutage, und diese psychische Störungen werden bei älteren Kindern nur noch auffälliger. All diese psychischen Motionen sind auch äußerlich sichtbar durch Farbenwechsel und partielle Fleckenbildungen der oft blassen Haut, plötzliche Schweißausbrüche, glänzende Augen uub bläuliche Verfärbung der meist kühlen, schweißigen Hände und Füße. Tie mit den psychischen sich oft kombinierenden motorischen Störungen zeigen sich durch mannigfache, besonders beim Sprechen oder Schreien auftretende unartikulierte Laute, unmotivierte und unpassende Gesten, körperliche Unruhe und zuckende oder hüpfende Bewegungen der Muskulatur, ganz besonders der Extremitäten. Zuweilen werden auch unartikulierte glucksende, krähende, schnalzende Laute mit ausgestoßen oder es tritt eine aussallende Aenderung des unrnhigen Atnrungsrhythmus durch
plötzliches tiefes, seufzendes und laut hörbares Atmen auf. Auch im vchlaf sind mancherlei motorische Störungen zu beobachten; fie machen sich durch Zähneknirschen, Herumschlagen mit Armen und Beinen, Aufschreien und lautes Sprechen für das Kind und seine Umgebung störend bemerkbar.
Auf eine ganz besonders nervöse Erscheinung, deren Besprechung zu Beginn der Schulzeit aber aktuell ist, will ich noch ausdrücklich Hinweisen. Es ist dies das nervöse Erbrechen.
Wiewohl es auch im zartesten Kindesalter schon beobachtet wird, so tritt auch diese zuweilen mißdeutete Erscheinung ganz besonders im schulpflichtigen Alter nur zu häufig auf. Gewöhnlich gleich nach dem Erwachen und dann meist nur an den Schultagen oder unmittelbar nach dem in Hast eingenommenen.Frühstück erfolgt ohne Uebelkeit ein plötzliches Erbrechen meist nur von Schleim oder der eingenommenen Flüssigkeit. Tabei ist, wie überhaupt bei nervösen Kindern, häufig eine andauernde Appetitlosigkeit und Idiosynkrasie gegen Speisen oder gegen frühere Lieblingsspeisen derart vorhanden, daß es zu fast vollständiger Nahrungsabstinenz kommt. Dieses nervöse Erbrechen als solches äußert sich aber nicht nur als morgendliches Speien, es tritt auch bei oder nach stundenlangem Lernen, oder andaueriu- dem Sitzen in der Schule und dann vielleicht infolge geistiger Erfchöpfung oder anderweitiger psychischer Alterationen und dann ost auch mit Kopfschmerz vergesellschaftet auf. Tiefe Alterationen müssen aber gerade nicht durch Vorgänge in der Schule oder der Lehrstunde veranlaßt werden; Leid und Freude, die Aussicht auf An Vergnügen, oder der Genuß eines solchen, eine Fahrt oder eine anderweite Unterhaltung, alles also, welches die Psyche eines Kindes erregt oder herabstimmt, kann mit Erbrechen verbunden sein.
Es würde mich zu weit führen und auch den Rahmen dieses Artikels überschreiten, wenn ich noch weitere Bilder der im Kindesalter zur Beobachtung kommenden Nervosität beschreiben würde. Ich würde auch damit im Kreise der für die Gesundheit ihrer Kinder stets zitternden Mütter eine ungerechtfertigte Angst erregen und mein Bestreben, ausklärend und beruhigend zu wirken, illusorisch werden. Tie Beruhigung über die Zukunft nervös veranlagter Kinder ist aber aus der Erfahrung zu schöpfen, daß zum Glück für die Generationen wohl in den meisten Fällen die besprochenen Erscheinungen sich im Laufe der Jahre bessern oder auch vollständig schwinden.
Um dieses Ziel aber zu erreichen, und auf daß nicht die in der ersten Kindheit zum Ausdruck gekommenen Erscheinungen mit beit zunehmenden Jahren anderweitige psychische Abnormitäten zeitigen, soll und muh die Erziehung gerade solcher Kinder Hand in Hand gehen mit der verständnisvollen Individualisierung der Kinder und mit der unerschöpflichen und geduldigen Liebe der Umgebung des Kindes und seiner Lehrer.
Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Hessen.
Nach dem hessischen Tenkmalschutzgesetz von 1902 ist die Pflege der Naturdenkmäler dem Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- und Kameralverwaltnng, anvertraut; und dies mit Recht. Denn der Forstmann ist recht eigentlich dazu berufen, bezüglich der Pflege des Schönen in der Landschaft die Führerrolle zu übernehmen. Aus diesem Grunde gehört auch trotz der schwachen Stimmen Vereinzelter die Waldschönheits- pslege auf den Studienplan der forstlichen Hochschulen. Tast die Männer der grünen Farbe auf dem angedeuteten Gebiete Tüchtiges leisten wollen und können, bestätigt uns nicht nur die Schönheit der Waldungen in der Nähe der Residenz und an vielen anderen Orten, sondern ganz besonders das vor einigen Tagen im Berlage von Zedler und Vogel zu Tarmstadt erschienene Werk: „Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Hessen in Wort und Bild". Tas Ministerium der Finanzen, Abteilung sür Först- und Kammerverwaltung, welches das Werk herausgegeben, hat hiermit wirklich Gediegenes geleistet. Keine trockene Statistik über das Vorkommen alter und großer Bäume langweilt uns. Tie Angaben der Dimensionen, des Alters usw. werden in einer sür den Leser anziehenden Form mit den ideellen Elementen der Darstellung zu einem harmonischen Ganzen vereinigt.
Auf diese Weise werden wir in vielfach poetischen und malerischen Schilderungen mit den Baumriesen, Baumvctcrancn und sonstwie bervorragenden oder interessanten Baumgebilden unseres engeren Vaterlandes bekannt gemacht, das hiervon noch einen stolzen Reichtum'besitzt. Bor allem der Natursrennd und Turist, dann der Botaniker und Forstnrann, der Frennd nnd Erforscher alter Geschichte und Sage, der Maler und — der Dichter, sie alle werden in diesem prächtigen Buche Interessantes und Fesselndes finden. Tie Heimatsliebe wird und muß durch das Werk gefördert werden. Tenn welche Fülle von Erinnerungen rust^ das Buch wach! Die liebe Heimat, die uns seit den Tagen der Kindheit an das Herz gewachsen, tritt uns in ihrer alten trauten Schönheit wieder vor Augen.
Neber 80 der bemerkenswerten Bäume des Großherzogtums Hessen werden uns in Wort und mit wenig Ausnahmen auch im Bilde vorgeführt. Tenn 34 Tafeln in Lichtdruck und 34 Abbildungen im Texte zieren das Werk. Alle diese Bilder — aus der Lichtdruckanstalt von Zedier und Bogel zu Darmstadt hervor-


