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fertigt werden-. Anders jedoch war es Set Nacht. Unsichtbar und lautlos trieben die furchtbaren Höllenmaschinen mit dern Strom näher. Wehe dem Schiff, welches sie berührten- es war dem sicheren' Untergänge geweiht. — Wer wie erfinderisch auch der menschliche Geist in der Herstellung unheilbringender Vernichtungsmaschinen ist, ebenso befähigt ist er auch, Mittel zu ersinnen, um das drohende Unheil abzuwenden. Hölzerne Balken, Baumstämme und dergleichen, in mehreren Reihen hintereinander quer zum Strom verankert, genügten, um die umhertreibenden Minen unschädlich zu machen. Sie stießen gegen diesen einfachen Schutzgürtel, entluden sich dort und verausgabten so ihre zerstörende Kraft, ehe sie das eigentliche Ziel erreicht hatten. Aber auch schon vor Anwendung dieser Schutzvorrichtung haben diese Minen einen nennenswerten Schaden nicht ungerichtet. Steuerlos trieben sie meist zwischen den Schiffen hindurch. Mit der einsetzenden Flut, wenn der Strom anfing, aus der entgegengesetzten Richtung zu laufen, kehrten die Minen mit diesem naturgemäß wieder zurück und, wenn sie auch jetzt, ohne zur Explosion zu gelangen, zwischen den blockierenden Schiffen hindurch trieben, so wurden sie, zu ihrem Ausgangspunkte zurücktreibend, für den Freund ebenso gefährlich und schädlich, als sie für den Feind hätten sein sollen. Sie erwiesen sich so als ein sehr zweifelhaftes Verteidigungsmittel und sind deshalb auch bald von der Bildfläche wieder verschwunden.
Wie schon erwähnt, hatte ein Oesterreicher, Baron Ebner, die Minen dadurch verbessert, daß er sie auf elektrischem Wege von Landl »aus zur Entzündung brachte. Durch diese Einrichtung hat sich ein besonderes, eigenartiges Minensystem herausgebildet, die Beobachtungsminen.
Diese wurden wie gewöhnlich in mehreren Treffen hintereinander gelegt. Die Glasröhren an der Oberfläche der Gefäße sielen fort; dafür war in einer Zündinasse ein Platindraht angebracht, welcher durch Kabel mit einer an Land befindlichen elektrischen Batterie verbunden war. Wurde nun der Strom geschlossen, so geriet der Platindraht ins Glühen, und mittels oer ihn umgebenden Zündmasse gelangte die gesamte Sprengladung der Mine zur Explosion. Ist man nun imstande, genau den Augenblick zu treffen, in welchem sich das gegnerische Schiff über der Mine befindet, so wird durch deren Entzündung der Feind zweifellos außer Gefecht gesetzt und schwer beschädigt werden. Den richtigen Augenblick abzupassen, M welchem sich der Gegner über dieser oder jener Mine befindet, erscheint im allgemeinen sehr einfach, bedenkt man jedoch, daß von Land aus die einzelnen unter Wasser schwimmenden Minen überhaupt nicht zu sehen sind, zieht man ferner in Betracht, daß der Gegner, um die Einfahrt in einen Hafen, eine Flußmündung usw. zu erzwingen, sich in größtmöglicher Fahrt befinden wird, so ist es wohl einleuchtend, daß eine genaue Beurteilung, ob und über welcher Mine sich der Feind befindet, und die Wahl des richtigen Augenblicks für die Zündung äußerst schwierig, ja ohne optische Hilfsmittel geradezu unmöglich ist.
Um diese Schwierigkeiten zu überwinden, nahm man seine Zuflucht zu einer großen Camera obscura. —Durch Spiegelung wurde der Teil der Hafeneinfahrt usw., an welchem die Minensperre gelegt werden sollte, auf einen großen ebenen Tisch geworfen, so daß der Beobachter das klare Bild dieses Teils der Einfahrt vor sich hatte. Nun erst wurden die Minen verankert. Jede Versenkung solcher Mine zeichnete sich natürlich auf dem Tisch des in der Camera obscura stehenden Beobachters ab. Dieser Beobachter machte nun an der Stelle, an welcher er auf dem vor ihm befindlichen Spiegelbilde die Versenkung einer Mine sah, einen Punkt. Dies wiederholte er bei jedem Legen einer neuen Mine, so daß er nach und nach die Lage der gesamten Minensperre auf dem Beobachtungstisch durch Punkte oder Kreuze festgelegt hatte. Ueberall da, wo ein Punkt oder ein Kreuz auf dem Tische eingezeichnet war, wurde nun ein elektrischer Kontakt — ähnlich dem Druckknopf der elektrischen Zimmerklingel — angebracht und die betreffende Mine durch Drahtleitung mit diesem verbunden.
Vor dem in der Camera obscura befindlichen Beobachter lag jetzt das gesamte Bild des durch Minen gesperrten Teils des Hafens, und die Lage jeder Mine war durch den Kontaktknopf deutlich gekennzeichnet. Alles,
was im Bereich der Sperre Wc sich ging, spiegelte sich klar auf dem Beobächtungstische ab. Beim Herannahen der feindlichen Schiffe konnte der Beobächter ihre Bewegmrgen also genau verfolgen, und sobald ein gegnerisches Schiff sich über einer der aysgelegten Minen befand, genügte ein Druck auf den betreffenden Knopf, um die Mine zu entladen.
Sieht man von der Schwierigkeit des Legens ab, so würde die Beobachtungsmine das Meal sein, wichtige Plätze vor dem Feinde zu sichern. Der Freund- hät jederzeit unbehindert freie, sichere Aus- und Einfahrt, während gegen den Feind ein kleiner Fingerdruck genügt, mit ihn auf die bequemste und schnellste Art unschädlich zu Machen. Wer leider hat auch diese Mine einen, oder besser gesagt, mehrere ganz gewaltige Fehler. Bei Tage, und ganz besonders bei schönem Wetter, ist es ein Leichtes, auf dem Beobachtungsposten alle Vorgänge in der Nähe der Sperre zu verfolgen. Ist es aber Nacht, oder liegt dicker Nebel über der See, so versagt die Beobachtungskunst, denn der Spiegel gibt kein Bild wieder. Wer auch bei Hellem Tageslicht können oft Fälle eintreten, die eine genaue Beobachtung des Gegners ausschließen. Ein feindlicher Angriff wird sich schwerlich ohne heftigen Geschütz- kampf abspielen, und selbst tms beste ranchschwache Pulver verbreitet Onalm genug, um das Spiegelbild auf dem Beobachtungstische zu verschleiern uud undeutlich zu machen.
(Schluß folgt.)
Kunst.
— Wo bildet die Blume ihren Duft? Der Duft, den die Blume ausströmt, stammt von riechenden Oelen, chemischen Substanzen, welche zu den Terpenen, einer bestimmten Art von KohlenstofsverbindungeN, gehören. Im allgemeinen glaubt man, daß diese Oele von den Blüten selbst produziert werden. Auf jeden Fall ist der größte Teil dieser Oele zurzeit der Blüte in den Blumen angehäuft, so daß es gelingt, aus ihnen die duftenden Essenzen, z. B. Rosenöl und Veilchenduft, auszupressen. Dies beweist aber noch nicht, daß diese Oele auch in der Blüte gebildet werden. Versuche, die Charabot und Hebert in den Sitzungsberichten der Acadsmie franyaise veröffentlichten, zeigen vielmehr, daß die grünen Blätter der Pflanze die Wldungsstätte für diese Oele abgeben. Unterdrückt man nämlich die Blüte einer Pflanze, so kann man feststellen, daß diese Terpene, diese riechenden Substanzen, in großer Menge in den Blättern dieser Pflanze angehäuft sind, weil es unmöglich ist, die in den Blättern gebildeten Oelp in die Blüten zu bringen. W stellt sich immer mehr heraus, daß die Blätter das Laboratorium im Haushalt der Pflanze sind, in denen die für die Pflanze wichtigen Stoffe. gebildet werden. Dabei spielt das Chlorophyll, das Blattgrün, die Hauptrolle. Es nimmt eine ähnliche Stellung in der Pflanze ein wie im menschlichen Organismus das in den roten Blutkörperchen ausgestapelte Haemoglohm.
Gleichung.
Nachdruck verboten.
a - (b-c) + (d-e) + 7,f + g - (h-i) + */, k = x.
a. Erzählung.
b. klopfende Bewegung.
c. Fluß in Italien.
d. innerer Körperteil.
e. Umstandswort.
f. Teil des Gedichtes.
g. nahrhaftes Getränk.
h. Gefäß.
i. Nahrungsmittel.
k. europäische Hauptstadt
x. Vorboten des Frühlings.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Tauschrätsels in vor. Nr..
Graf, Born, Rübe, Bahn, Beil, Main, Wand, Ring, Gas, Eieiz Arm, Einwand, Rast, Acker, Hohn, Pest, Zahn.
Frühlingserwachen.
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'lcken Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen,


