Ausgabe 
2.5.1904
 
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anvertraueü: ich hasse Begur, oPer die Rani Sundaräm hält große Stücke auf sie."

Es blieb mir auch nicht verborgen, daß Begur in ihrer demütigen Art große Macht auf ihre Umgebung ausübte. Sie war anscheinend nachsichtig mit den unter ihr Stehen­den und schmeichelte den Hörern, aber das ganze Leben dieser anscheinend gefälligen und bescheidenen, aber schlauen und boshaften Person gipfelte in den Ränken, in Lug und Trug.

Mein Koch Munasawmy verstand von seinem Handwerk weit weniger als Frau Rosarios schmutziger Sawmy. Die Speisen, die er mir vorsetzte, hatten einen eigentümlich scharfen Beigeschmack, und sein Benehmen war alles, nur nicht ehrerbietig, ja manchmal konnte er sogar recht unhöf­lich sein. Mlein ich sagte mir, daß mein Behagen von ihm abhänge, und so schluckte ich meiner, Aerger tapfer hin­unter. Seit einiger Zeit hatte sich indes sein Wesen voll­ständig umgewandelt, was einem eigentümlichen Vorkomm­nis zu verdanken war, das sich etwa einen Monat nach, meiner Ankunft ereignete.

Ein entsetzlicher Lärm, wildes Geschrei und endloses Hin- u>nd Herrennen in den Gängen, das sich jede Nacht wiederholte, hatten mich anfangs nicht wenig erschreckt und beunruhigt. Da jedoch meine Tür fest verschlossen war und ich mich schließlich an diesen auffallenden Lärm gewöhnt hatte, so erfreute ich mich bald wieder eines ununter­brochenen Schlafes. Eines Nachts aber erwachte ich durch ein lautes Kratzen und Pochen vor meiner Türe, das von den flehentlichsten Bitten um Mnlaß begleitet war. Ich sprang rasch ans dem Bett, denn das Jammern war wirk­lich herzzerreißend- und öffnete die Tür, worauf eine Frau hereingestürzt kam, die Tür hastig wieder hinter sich 'zu- mqchte und verriegelte und sich mir dann atemlos zu Füßen warf. Nun zündete ich eine Lampe an und betrachtete mir meine Besucherin, Sie befand sich in einem beklagens­werten Zustand: die Kleider zerrissen, das Gesicht zer­schlagen, die Hände blutig, offenbar war sie aufs grausamste mißhandelt worden.

Sie konnte vor Schrecken weder sprechen, noch meine Fragen beantworten, allein ihre großen dunklen Augen drückten aufs beredteste ihre Angst und ihre Schmerzen aus. Dieses fremde Wesen war jung und hübsch und lag jetzt erschöpft wie ein verwundetes Tierchen am Boden, zuckte jedoch, ebenso wie ich, jedesmal erschrocken zusammen, so oft sich draußen eilige Fußtritte vernehmen ließen. Spiel­ten diese seltsamen Menschen in dem Wirrsal von Mn gen und Zimmern Verstecken auf Tod und Leben?

Fast unbeweglich blieb die Arme am Boden liegen. Ich deckte sie mit einem wollenen Teppich zu, brachte ihr Wasser und setzte mich, neben sie, bis mir die Augen vor Sch,las zufielen.

(Fortsetzung folgt.)

Seeminen.

Von F. v. Trützschler-Falken'stein. Nachdruck verboten.

Die ersten Erfolge, welche die Japaner über die russi­schen Seestreitkräfte errangen, waren gewaltig. Drei große, hochmoderne Schiffe der russischen Flotte, zwei Linienschiffe und ein starker, gepanzerter Kreuzer wurden außer Ge­fecht gesetzt und derartig beschädigt, daß sie wohl schwerlich in den nächsten Monaten wieder völlig kriegsbrauchbar sein werden. Dazu tritt jetzt wieder der gewaltige Erfolg der Japaner, den sie durch die Vernichtung derPetropaw- lowsk" erzielt haben- der durch eine Mine in die Luft ge­sprengt wurde.

Dieser Erfolg der Japaner Wer die Russen ist um so bedeutender, wenn man bedenkt, mit welch verhältnismäßig geringes Mitteln er seitens der Japaner erkämpft worden ist. Winzige, kleine Boote, Zwerge gegen die riesenhaften Panzerkolosse, haben über diese einen Sieg errungen, der, stellt man die beiden streitenden Parteien einander gegen­über, beinahe unglaublich erscheint.

So klein und unscheinbar die Torpedoboote aber auch erscheinen mögen, und so wenig Bedeutung der Laie ihnen im Vergleich zu den mächtigen, durch starke Panzerplatten geschützten Linienschiffen im ersten Augenblick auch bei­messen mag, so verfügen sie doch über eine Angriffswaffe, welche, richtig angewandt, von einer verheerenden Wirk­ung ist, und diese Boote wohl in den Stand setzt, den

Kampf mit ihrem gigantischen Gegner erfolgreich anfzu- nehmen. Diese Angriffswaffe ist der Torpedo oder, witz die Russen sagen, die Mine.

Mit dem NamenTorpedo" bezeichnete man früher einen unter Wasser festliegenden, verankerten oder auch sich frei bewegenden Körper, welcher mit einer Sprengladung ge­füllt war. Stieß dieser gegen einen festen Gegenstand oder wurde er durch einen solchen berührt, so gelangte die Sprengladung zur Entzündung.

Den ersten Versuch mit solchen unter Wasser wirkenden Höllenmaschinen machte Fulton, der Erfinder des Dampf­bootes, im Jahre 1801 und nannte sie Torpedos. Bis vor etwa vierzig Jahren ist dieser 9lame beibehalten worden, und man unterschiedstabile", d. h. festliegende, und be­wegliche Torpedos. Erstere waren- wie dies auch schon in ihrer Natur lag, ausschließlich für die Verteidigung be­stimmt, während die beweglichen Torpedos vorzugsweise zum angriffsmäßigen Vorgehen gegen den Feind ver­wendet wurden. Heute werden in unserer Marine alle festliegenden unterseeischen SprengkörperSeeminen", die beweglichenTorpedos" genannt.

In dem begonnenen Kriege zwischen Japan und Ruß­land wird bis auf weiteres wohl Rußland genötigt sein, sich zur See defensiv zu verhalten, während Japan mit seltenem Schneid angriffsweise vorgeht. Es werden deshalb! sowohl die defensiven Seeminen, als auch die offensiven Torpedos beiderseits noch eine große Rolle spielen, und der ganze Verlauf des Krieges wird zeigen, eine wie hervorragende Bedeutung diesen beiden unterseeischen Zer­störungsmitteln auch für die Zukunft beigemessen werden muß.

Wie schon erwähnt, ist die Mine eine Verteidigungs­waffe. Sie wird also in erster Linie dazu dienen, den Gegner an dem Eindringen in wichtige Plätze, Häsen oder Flußmündungen zu verhindern. Um dies zu erreichen, wer­den die Minen schachbrettförmig in zwei bis drei Reihen, Treffen genannt, etwa 3 Meter unter Wasser verankert.

Praktisch wurden die Minen zum ersten Male von den Russen im Kbimkriege zum Schutze von Mönstadt gegen die englische Flotte angewandt. Es waren dies flaschenähn­liche eiserne Gefäße, welche mit Pulver gefüllt waren und 3 bis 4 Meter unter Wasser festgelegt wurden. Auf der oberen Fläche war eine mit Schwefelsäure gefüllte Glas­röhre angebracht. Berührte nun ein feindliches Schiff, das die Einfahrt zum Hafen erzwingen wollte, diese Röhre, so zerbrach diese, die Schwefelsäure ergoß sich auf eine entzündliche Mischung und die Ladung explodierte. Diese Minen waren jedoch sehr unzuverlässig unb richteten keinen nennenswerten Schaden an.

Baron Ebner, ein Oesterreicher, verbesserte die Minen dadurch ganz erheblich, daß er sie von Land aus elektrisch zur Entladung brachte. Sie wurden 1859 zum Schutze von Venedig gegen die Franzosen verwandt; der erwartete An­griff unterblieb jedoch, und so tvurde auch diese Mine nicht praktisch erprobt.

Erst im amerikanischen Bürgerkriege wurde die Mme als Verteidigungswaffe wirklich angewendet, nachdem sie durch den berühmten Hydrographen Manry abermals ganz bedeutend verbessert worden war. Zwei nordstaatliche Schiffe wurden durch die Minen gänzlich zerstört, mehrere andere ganz erheblich beschädigt. Auch die bewegliche Mine, der Torpedo, kam als Angriffswaffe in Form des sogenannten Stangentorpedos Zur Wirkung, mb ent em Schiff der Südstaaten durch einen solchen zum Sinken ge­bracht wurde. ±

In diesem Kriege wurde auch eine besondere Art Mme angewendet. Sie bestand aus einer mit Pulver gefüllten Tonne, welche an den Seiten mit Säureröhren versehen war. Beim Zerbrechen dieser Röhren wurde das Pulver in der schon beschriebiewen. -Art zur Entzündung gebracht. Da das Minengefäß nur teilweise (wie überhaupt ber allen Minen üblich) mit Sprengstoff angefüllt war, so wurde es durch den Austrieb der Lust auf der Wasserober­fläche gehalten. Die Minen waren nicht fest verankert, sondern trieben frei auf der See umher. Bei laufender Ebbe wurden sie zu Wasser gelassen und trieben so mit dem Strom auf den weiter außerhalb liegenden Feind zu, um beim Zusammenstoß mit einem Schiss sich zu entladen. Die auf der Oberfläche des Wassers treibenden Minen waren natürlich bei Tage leicht zu bemerken und konn­ten, ehe sie Schaden anrichteten, ohne Schwierigkeit be-