1904.
MmTQäTD
AWZMNNWM fl i^k,
MWMiLUAN!
(Nachdruck verboten.)
Im Uakak der Wajah.
Roman von B. M. Croker.
Genehmigte Uebertragung von A. Vischer.
(Fortsetzung.)
Nach verschiedenen mißglückten Versuchen hatte ich es doch endlich fertig gebracht, in den Jrrgängen des Palastes wenigstens soweit zurechtzukommen, daß ich den Weg zu den Staatsgemächern und in die Gärten finden konnte. Dort wanderte ich allabendlich umher und genoß die frische Luft und den wundervollen Anblick, der sich mir darbot. Die Wege waren mit weißem Marmor gepflastert, reizende Lusthäuser und Pavillons, ebenfalls aus Marmor, schim- merten zwischen den Zwergpalmen, Gujava- und Granat- bäuinen, und ringsumher rauschte und rieselte es von Wasser und erfüllte der Duft köstlicher Blumen die Luft. Ich suchte mir zum Besuch dieses märchenhaften Ortes gewöhnlich eine Stunde aus, wo die Frauen des Palastes sich int Innern aufhielten. Hin und wieder aber kam es doch vor, daß einige der jungen Mädchen schwatzend und lachend fich auf den Wegen ergingen oder mit kindlichen Spielen ergötzten.
Die erste Veranlassung zur Unterbrechung des täglichen Einerlei gab das sogenannte „Devali" oder Lichterfest, eine alljährlich zu Ehren der Glücksgöttin veranstaltete Festlichkeit. Im Hause eines jeden Hindu brennt an diesem Tage zum mindesten ein Licht, wodurch er sich die Gunst der Göttin für das kommende Jahr sichern will. Das Haupt mit der geweihten Asche bestreut, wurde der kleine Radjah am Morgen in die „Toscha-Khana" oder Schatzkammer getragen, wo er seine Andacht verrichtete. Im großen Festsaal fand dann später Audienz statt, und abends erglänzten Stadt und Bazar in einem wahren Meer von Lichtern. Die unzähligen verstaubten gläsernen Kronleuchter in den Prunkgemächern kamen in Benutzung und trugen Tausende von brennenden Kerzen.
Teils um Briefe zur Beförderung zu übergeben, teils um mir die glänzende Beleuchtung anzusehen, wagte ich mich hinunter, und als ich in den Audienzfaal kam, entdeckte ich zu meiner Ueberraschung Mr. Thorold, der gekommen war, mich zu besuchen. Seit unserem Zusammensein im St. Georgs fort hatte ich ihn nicht mehr gesehen.
„Ich schickte einen Boten mit der Frage zu Ihnen, ob ich Sie vielleicht sprechen könnte", sagte er, auf mich zukommend. „Da seither jedoch schon mehr als eine halbe Stunde verflossen ist, fing ich bereits an zu fürchten, die Antwort werde lauten: Die Tür ist geschlossen!"
„O nein; allein mir ist nichts ausgerichtet worden. Ich kam zufällig herunter, um mir die Beleuchtung anzusehen-."
„Ein glücklicher Zufall für mich! Ich wollte mich er
kundigen, wie es Ihnen geht und wie Sie hier zurecht kommen."
„Ich danke, sehr gut. Ich bin ganz zufrieden."
„Und auch mit Ihnen ist man zufrieden. Wie ich höre, sind die Kinder Ihnen bereits völlig ergeben. Hoffentlich haben Sie es nicht für Gleichgiltigkeit gehalten, daß ich nicht schon früher nach Ihnen gesehen habe, allein ich hielt es für besser, mich fernzuhalten. Die Eingeborenen Habeck eigentümliche Vorurteile. Wer Sie wissen, nicht wahr, daß ich stets zu Ihrer Verfügung stehe, sobald Sie sich irgendwie in einer Verlegenheit oder Unannehmlichkeit befinden sollten?"
„Gewiß. Ich glaube aber auch, es ist besser, ich versuche mich ohne fremde Hilfe in die Verhältnisse zu finden."
„Das ist ja schon einmal so Ihre Art, nicht wahr?^ Gr lächelte.
Als mein Blick dann zufällig auf ihm haften blieb) fiel mir eine große Veränderung in seinem Aussehen aus.
Gr zog überrascht die Augenbrauen in die Höhe. „Nun, ein großer Verlust ist es nicht; sie enthielten nur einige Fragen nach Ihrem Ergehen. Allein die Sache ist mir wieder einmal ein Beweis, daß etwas faul ist im Staate Dänemark."
„Auch mit der Post scheint es Nicht ganz richtig zu- zugehen. Oder gibt es überhaupt gar keine Post hier? Jedenfalls habe ich noch keinen einzigen Brief bekommen, und ich bezweifle stark, ob die meinigen jemals ab geschickt werden."
„Für so unzivilisiert, nicht einmal eine Post zu haben, ■ werden Sie uns doch nicht halten. Miß Ferrars! Eine solche Vermutung kann ich nicht ungerügt hingehen lassen", antwortete er lächelnd. „Es wird sogar täglich zweimal abgeholt int Palast; Ihr Bote muß recht nachlässig sein. Oder sollte sich" — er dämpfte die Stimme — „hier eick geheimer Aufpasser befinden?"
„Wahrscheinlich. Ich habe jetzt zwei Briefe in bet Tasche, die ich jemand anvertrauen wollte, der nicht zum Palast gehört."
„Dann geben Sie sie nur mir." Er streckte die Hand aus. „Was jedoch den Aufpasser anbelangt, so ist das natürlich die Rani Sundaram, die alte falsche Katze! Katzenpfoten aber haben Krallen. „Hüte Dich vor Katzen, die vorne lecken und hinten kratzen!" heißt es bekanntlich", fügte er lachend hinzu. „Es ist nur gut, daß Sie nicht viel mit ihr in Berührung kommen."
„Ja, denn ich gestehe offen, daß ich mich vor ihr fürchte."
„So geht es jedermann. Wdnn sie einen besonderen Zweck im Auge hat, so schreitet sie rücksichtslos über alle Hindernisse hinweg und scheut auch ein Verbrechen nicht."
„Glauben Sie nicht, oaß auch Sie vielleicht ein solches Hüldernis auf ihrem Wege sind?" fragte ich leise, tnbentl ich in sein abgemagertes, hübsches Gesicht schaute.
„Nein, denu ich stehe außerhalb! ihrer verbrecherisches


