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Miß Ferrars", sagte er einmal zu mir. „Tun Sie aber nur des Guten nicht zu viel und bedenken Sie wohl, daß Sie keine Maschine aus Stahl und Eisen sind. Ich möchte Sie nicht gern unter meine Patienten bekommen. Lassen Sie sich nicht zu sehr von Erasmus tyrannisieren und erlauben Sie nicht, daß sämtliche schwere Fälle auf Nummer vier gebracht werden."
Äls mit der Zeit die Witterung wärmer wurde, nahm auch die Seuche allmählich ab. Tie schlimmste Zeit waren die auf meine Ankunft folgenden zehn Tage gewesen. Nun ließ das Einbringen neu Erkrankter bedeutend nach; viele der alten Patienten wurden geheilt und kehrten naq; Hanse zurück, und wir kamen nach und nach wieder zu Atem.
Mrs. Manuel und ich! sahen jetzt mehr von einander und brauchten auch! unsere Mahlzeiten nicht mehr in der Hast zu verschlingen. Die kleine Frau sah immer frisch und sauber aus lind war wirklich sehr tüchtig und zuverlässig, nur liebte sie den Kaffee und einen harmlosen Klatsch über alles und war von unersättlicher Neugier. Sie brannte förmlich darauf, alles zu erfahren, was im großen Spital vor sich ging, und nahm jede Kunde von dort gierig auf. Auch mich versuchte sie auszufragen und herauszubringen, woher ich kam und wohin ich ging, doch gab ich ihr stets nur ausweichende Antworten. Um so mit- keilsamer tvar sie über ihre eigenen Angelegenheiten. Sie erzählte mir, daß die gute Bezahlung sie hergelockt habe, daß sie mit einem zehn Jahre jüngeren Manne verlobt sei, der sie sehr liebe und ein ernster, braver Bursche sei, daß ihre Studien sie viel gekostet hätten und sie für ihren neuen Haushalt iroch möglichst viel Geld zusammensparen Müsse.
„Ich kann eben nicht wie Sie nur um der Liebe willen arbeiten", schloß sie ihre Rede.
Um der Liebe willen? Träumerisch irrte mein Blick über die weite, sprosserrde Ebene und den vom Sonnenuntergang noch tief geröteten Wendhimmel hin.
„Ja, ich habe ein wenig beigetragen, der leidenden Menschheit zu helfen, und es wird wohl aus Liebe geschehen sein.", murmelte ich.
„Aus Liebe zu. . . Mr. Thorold", fügte sie verständnisvoll lächelnd hinzu.
„Was sagen Sie?" Entrüstet fuhr ich, aus meinen Träumen auf.
„Nun, nun, ich meinte es ja nicht böse. Gestehen Sie es doch nur", fuhr sie in neckischem Ton fort. „Er hat Sie ja doch hierhergebracht und die genauesten Anordnungen wegen Ihres Zimmers getroffen. Sogar seine eigene Lampe lind seine Uhr sandte er herüber. Ja, ja, das ckennt man schon! Und wenn es wahr ist, was die Leute sagen, so sind viele junge Damen bis über die Ohren in ihn verliebt. Sein Diener hat es mir anvertraut. Mr. Thorold ist klug und hübsch und wird noch einmal ein großer Mann. Daß Sie ihm hierher folgten, war ja wohl ein kühnes Unter- nehmen, aber ich weiß auch, daß er..."
„Hören Sie auf!" schrie ich bebend vor Zorn. „Wollen Cie damit sagen, meine Reise hierher sei kluge Berechnung gewesen und ich habe die ganze Zeit über hier nur gearbeitet, um in Mr. Thorolds Nähe zu sein und mir fein Wohl- ges allen. zu erwerben?"
„Ja, meine Liebe, so etwas ähnliches wurde im Lager geflüstert. Bedenken Sie doch. Sie sind so hübsch, so jung! Ich aber glaube selbstverständlich nur, was Sie mir sagen!" „Ja, ich will hoffen, daß Sie mir mehr glauben, .als einem albernen Dienstbotengeschwätz. Ich habe Mr. Thorold vor meinem Hierherkommen nur ein einzigesmal gesehen und ivünschte ihm niemals wieder im Leben zu be- gegnen. Ich kam nur hierher, weil mir keine andere Mahl blieb, weil kein Fuhrwerk aufzubringen war, das mich nach Dassi hätte bringen können, und iveil ich dankbar war, daß sich mir wenigstens die Gelegenheit bot, diesen armen Leuten meinen Beistand zuteil werden zu lassen, da ich nun einmal nicht weiter konnte. O töte schmählich, daß solch abscheuliche Dinge von mir behauptet und geglaubt werden!"
Ich stand rasch auf, denn ich fühlte, daß ich keinen Bissen mehr würde hinunterschlucken können, und eilte aus unsrem kleinen Eßzimmer fort, während Mrs. Manuel mir rn wortlosem Schrecken nachstarrte.
Mlein noch am selben Wend kam die. kleine Doktorin mit der demütigsten Bitte um Verzeihung, sowie einem Sühnopfer in Gestalt herrlicher Feigen in mein Zimmer, und da ihre Reue mich rührte und mein Aerger auch zum Teil verraucht und mein Appetit wieder rege geworden war, verzieh ich ihr gnädig. Niemals aber wagte Mrs. Manuel es mehr, das Gespräche aus Liebe, Geld oder Mr, Thorold zu bringen. (Forts, folgt.)
Kunst.
f— Gin prächtiges Goethebildnis nach dem Gemälde von Jos. Stieler hat die Kunstanstalt Grimme LHempelin Leipzig erscheinen lassen. Tie Reproduktion ist in den Farben außerordentlich gut gelungen. Aus dunklem Hintergründe hebt sich das Porträt mit dem ergrauten Haar geschmackvoll hervor. Besondere Sorgfalt ist auf die Wiedergabe der Augenpartie verwandt worden und mit Recht, denn dieser majestätische feurige Blick unseres Dichterfürsten verleiht' dem Bild seine große Vornehmheit. Tas Porträt ist ein gediegener Wandschmuck für jedes deutsche Heim. Es kostet ungerahmt 6 Mk., im Rahmen 16 Mk. Im selben Verlag sind auch in der gleichen Ausstattung die Porträts Bismarcks und Luthers erschienen.
Erprobtes Wezept.
— Oster-Fladen. Man rührt 1 Kilo gramm frischen Quark mit einem Rührlöffel geschmeidig; nachdem man 4 Ger, i/s Liter dicken, süßen Rahm, 100 GraMm Zucker, 70 Gramm geriebene Semmel, 35 Gramm süße, 6 bittere Mandeln, etwas Rosinen oder Korinthen und Zitronenschale darunter gerührt hat, wird die Masse fingerdick aus einen Kuchen von Blätter- oder Hefenteig aufgetragen, mit Ei bestrichen und 1/2 Stunde gebacken.
-— Vom April, Eine Bauernregel sagt: Je früher im April der Schlehdorn blüht, Desto früher der Schnitter zur Ernte zieht.
Und im Schlesischen sagt das Landvolk: Schneit's 'm Bauern uff a Hutt, Js es lür a Filz pich gutt.
Bis zum St. Georgstag, am 23. April, darf der Weinstock noch keine Triebe bekommen, denn es heißt:
Sind die Reben um Georgi noch blind, So erfreut sich Mann und Kind.
Für die Viehzüchter ist der Regen während der Osterfeiertage, den Tausende verwünschen würden, sehr angenehm, denn ein altes Wort sagt:.
Regnets am Ostertag, Wird fettes Futter hernach.
Noch zwei andere Bauernregeln mögen hier Erwähnung finden ; die eine kennt man hauptsächlich in der magdeburgischen Gegend:
Gras, was im April wächst, Steht im Mai fest, während man in der Rheingegend sagt: Tonnert's im April ” Hat der Reif sein Ziel.
Preisrätsel.*)
(Nachdruck verboten.)
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Die Buchstaben AAA BBB D EBBE FE HLNO RRRRRR ÜU sindnach dem Muster obiger Figur derart zu ordnen, daß die mittelste wagerechte Reihe gleichlautend mit der mittelsten senkrechten ist und die Buchstaben wagerecht gelesen folgendes bedeuten: 1. Konsonant: 2. Wild; 3. Waffertier; 4. Teil des Jahres; 5. Stimmungsausdruck 6. technisches Hilfsmittel; 7. Konsonant.
*) Lösungen sind mit Ausschrift „Preisrätsel-Lösungs versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion der »Gießener Familienblätter" einzusenden.
Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr: Wachtmeister.
Redaktion- Auqust Götz. — Rotationsdruck tmd B erlag der Brühl'schcn klnircrsitätS-Büch- und Ctcindruckerei. R. Lange, Gießen


