Ausgabe 
2.3.1904
 
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herabsetzend, hat sich durchs die vermeintsichen Errungen- schäften, welche ihm sein Informationssystem angebracht hat, derartig in Gehobenheit versetzt, daß er sich auch ur Fächern überlegen fühlt, welche notwendig sind, um Er- vansionsgelüsten als Stütze zu dienen. Japan fühlt sich als Kriegsmacht stark genug, um als erste Macht tn Öft­esten auf treten zu können und hat, ganz fernen ergenen Entschlüssen folgend, die gesamte Diplomatie vor den Kopf stoßend, zum Schwert gegriffen, in der festen Mernung, durch die Meldungen seiner Informatoren nicht getauscht zu sein. Und da zeigt sich der Fehler des Systems.

Wenige Deutsche kennen Deutschland. Ta sitzen nun Japaner in einigen Städten und bemühen sich, aus den immerhin wenigen Kreisen, die ihnen zugänglich sind, sowie aus Zeitungen zuverlässiges Material zu sammeln, und fick, in wenigen Jahren eine Ansicht zu bilden. Aber im lieben Deutschen Reich wird mächtig geschimpft. In Mun- cheil und Leipzig hört er aufdie Preußen" schnupfen, tn Berlin gibt es viele Zeitungen, die sich geradezu vom Sclimvfen ernähren. Tie Sozialdemokratie hat bte metsten Stimmen allerdings nur bei der Reichstagswahl. Bon 5-unqer, Elend usw. kann man täglich genug lesen und alles schreit nach Geld. Wie soll sich aus dem Wust der Asiat ein richtiges Bild zusammenstellen, er, der, nur Städte kennt, nicht aber das Land, das auch noch etwas zu sagen hat, in Deutschland wie anderswo. Man wrrd zugeben, daß der Japaner diesen Aufgaben sich^ebenso wenig gewachsen erweisen muß, Wiedas bei den in Deutsch­land weilenden Franzosen vor 1870 der Fall war, mit denen Preußen gegen die gründe Nation marschreren wur­den. Und so könnten die Japaner jetzt den Fehlschluß ziehen, daß das Deutsche Reich ihrer klar vor Augen liegenden Eroberungspolitik günstig gegenüberstehe, threm Auftreten, das der Langmut des von Friedensltgeu be­drängten Zaren schließlich brutal ein Ziel setzen mußte. Und wie in Deutschland geht es betreffs der Jnformatton in andern Ländern auch, denn wie will man Englands Volk nur von wenigen Städten aus kennen lernen? So weitgehend die Informationen der Japaner auch ge­gangen sind, auf politischem Gebiet wird es sich bald zeigen, daß ihre Auffassungen keineswegs ganz rtchtrge waren. Englands so schnell erfolgte Neutralitätserklär­ung ist ein Beweis dafür, daß auch diesem befreundeten Staate das Vorgehen nicht gefällt, und daß bie japanische Tiplomatie unkorrekt gehandelt hat. Damit aber hätte sich das großartige Spionagewesen gerade auf dem Haupt­feld als verfehlt erwiesen. Und auch auf andern Gebieten sind solche Erfolge, wie es bei flüchttger Betrachtung scheint, nicht erreicht; manches blendet. Tie Marine Japans muß mit Schiffen fechten, die im Kern auf siemden Werften er­baut und mit japanischem Geld bezahlt werden mußten nicht japanische Torpedos und Granaten werden ge­schossen, sondern englische. Tie Landarmes hat Ge­schütze, Gewehre und Säbel japanischen Modells, aber das Material ist vom Auslande bezogen. Tie Texttlindustrie arbeitet stark konkurrierend aus dem Weltmarkt aber die Maschinen stammen alle vom Ausland her, vielfach von Teutschland. Ja selbst gute Kohlen müssen von außerhalb bezogen werden, denn Japan hat schlechte Kohlen und was besonders ins Cewicbt fällt: Japan kann keinen Stahl erzeugen, und wir leben nun einmal im Zeitalter des Stahls.

Tie Informatoren haben mit einer gewissen Gier euro­päische Kulturstücke gesammelt und nach Japan impor­tiert, wo dieses Sammelsurium aus Deutschland, Frank­reich, England und den Vereinigten Staaten, als Firnis über die vorhandenen alten Verhältnisse gestrichen wurde. Kratzt man diesen Firnis ab, so kommt das jahrtausende alte Japan hervor. Man denke beispielsweise an die stolze Flotte. Liefern die Mächte keine Schiffe und kein Material so fährt der Herr Japaner, der sich Herr des Stillen Ozeans dünkt, wieder stolz mit seinen Segeldschunken, trotz des großartigen Spionagesystems, das bei allen Vor­teilen auch seine Mängel besitzt, nicht zum wenigsten den: den Eigendünkel auf gefährliche Höhen zu heben.

WustL.

Etüden-Album. Auf dem Gebiete des Klavier- spiels gibt es eine Reihe von Etudenwerken, die wohl

von Allen benutzt worden sind, welche jetzt als große Künstler die Welt erfreuen. Zu den wertvollsten Werken dieser Art gehören die des Altmeisters Czerny, nament­lich dessen Op. 139, 453, 481 und 599. Diese Etüden führen den Anfänger mit sicherer Hand in das ihm noch fremde Land und geben ihm einen zuverlässigen Stab mit auf den steilen Pfad zum Parnaß. Jeder Klavierlehrer weiß das, er kann ihrer nicht entraten, tracht welcher Schule er immer unterrichtet. Mit Interesse wird daher das soeben erschieneneEtüden-Album", 110 der erprobtesten und beliebtesten Etüden von Carl Czerny aus Op. 139, 453 usw., zum Gebrauch neben jeder Klavierschule fort­schreitend geordnet von Heinriche Bungart (Verlag von P. I. Tanger in Köln, Taschen-Album Bd. 26), aufgenom men werden. Diese Ausgabe bringt eine Reihe der be­liebtesten Nummern in neuzeitlicher Gewandung, d. h. den modernen klavierpädagogischen Anforderungen gemäß mit Fingersatz und Phrasierung versehen. Tas, sowie die un­vergängliche Jugendsiische der Czerny'schen Werke sichern dem Bändchen, das sich so bequem in die Tasche stecken laßt, einen unbeschränkten Kreis von Interessenten, zumal auch der billige Preis von 1 Mk. ein nicht ungewichtiges Wort mitredet.

Kausirürllchaft.

* Unsere Kochgeschirre. Tie Hygiene, die allmäh­liche all unsere Verrichtungen und unsere täglich benutzten Geräte auf ihre etwaige gesuudheitschädliche Bedeutung unter die Lupe nimmt, hat sich in letzter Zeit besonders eingehend mit der Beschaffenheit unserer Kochgeschirre be­schäftigt, und man muß von vornherein zugeben, daß sie sich: damit ein großes Verdienst erwerben kann, wenn sie die Möglichkeit einer Vergistung oder sonstigen Schadtgung durch Nahrungsmittel verringert oder aufhebt. Ter Letter der städtischen Untersuchungsanstalt für Nahrungs- und Genußmittel tn Nürnberg, Inspektor Schlegel, hat über den Zustand der Kochgeschirre in hygienischer Beziehung raten beachtenswerten Vortrag gehalten, der jetzt in denBlat­tern für Volksgesundheitspflege" vollständig veröffentlicht wird. Bon den Kupfergeschirren sagt er zusammenfassend, daß sie zur Bereitung von Speisen unbedenksich benutzt werden können, falls sie stets blank geputzt sind, bte Speisen nicht zu lange in ihnen aufbewahrt bleiben und außerdem ihr Gebrauch für die Zurichtung solcher Speisen ausgeschlossen wird, wo stark salz- oder essighaltige ^ampfe bei Zutritt von Luft auf das Geschirr einwtrken können. Durch diese Versetzung des Kupfers mit Zmn (Messing) glaubt man in jedem Fall die etwaige Gefährlichkeit der kupfernen Kochgeschirre zu beseitigen, jedoch gelingt das nur, wenn einmal das benutzte Zinn durchaus retn und in tadelloser Mischung zusammengesetzt ist, außerdem auch nur unter den für das Kupfer angegebenen Beschränkungen. Auch die mit Aluminium plattierten Kupfergeschtrre werden von sauren und alkalischen Speisen angegriffen, können aber unter gewöhnlichen Verhältnissen einen wirklich schadt- genden Einfluß auf die Gesundheit nicht herbeiführen. Lte Kochgeschirre aus reinem Nickel hält Schlegel für bte brauch­barsten, aber sie sind teuer. Tie billigeren Ntckelgeschirre aus nickelplattiertenv Eisenblech! sind wohl ebenso gut, aber nicht so haltbar wie jene. Gesundheitlich vollkommen ein­wandfrei wäre das Eisen als Material für Kochgeschirre, kann aber wegen seiner Neigung zum Rosten nur derart benutzt werden, daß es mit schützendem Zinn ober Email überzogen wirb. Tie meisten Fabriken für Ematlgeschtrre wissen ihre Ware in tabelloser Ausführung herzustellen, unb nur vor dem Ankauf von Schleuderware muß gewarnt werden.

Worträtsel. (Dreisilbig.) (Nachbildung verbalen.)

Das Erste ist nicht wenig, Das Andere liebt man sehr. Und nach dem neckischen Ganzen Trägt manch' ein Pärchen Begehr.

(Auflösung in nächster illummer.)

Auflösung des Distichon in vor. Nr.t Noten, Tonne.

Redaktion: Anausi Götz. RvtaticnSdruä und Terlag der Lrühl'scheu Universitäts-Tuch- und Steiudruäerei. R. Lange, Gießen.