Ausgabe 
1.10.1904
 
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1904.

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hatten das tljre getan, um den Wünschen der besten aller Mütter

nachznkominen, itttb es sich wohl sein lassen. Sie waren erst nach Tirol gegangev, wo ihnen, der Herbst noch herrliche Tage bescherte. Dann waren an den italienischen Seen die Natur und das Wetter noch herrlicher gewesen, i'-tion hier hatten die jungen Leute Oberitalien durchquert, Ge­nova la superba, Milano bewundert, ein paar Abende auf den Lagunen verträumt, um in Rom einen etwas längeren Aufenthalt zu nehmen. Doch sie waren zu sehr von der Gegenwart erfüllt, um sich, mit der Vergangenheit zu be­fassen, zu glücklich, unt sich der Kunst zu widmen oder ihrer zu bedürfen. Harro sah lieber feilt junges Weib an, als die alten Bilder; Jutta plauderte lieber süße Tor­heiten, als daß sie in den Katalogen nach den Sehens­würdigkeiten forschte, wozu einen doch eigentlich die An­wesenheit in der ewigen Stadt sozusagen, verpflichtet. So kürzten sie ihren Aufenthalt in Rom und gingen, da Mamas Bankier nicht kargte, noch etwas an die Riviera, wo man sich mehr selber leben kann oder leichter einen Verkehr findet, wie ihn Menschen gleich Harro oder Jutta gewöhnt sind. Dann war des Leutnants Urlaub zu Ende. Das junge Paar verbrachte die Meihnachtstage bei den Eltern, diesmal bet dem Kommandierenden, und kain end­lich im eigenen Nestchsen an, gerade noch zur rechten Zeit für die Winterkampagne.

Harros Garnison war eine mittelgroße Stadt, verhält­nismäßig stark mit Militär besetzt. Mehrere adlige Güter lagen in nächster Nähe. Jin ganzen war das Leben ziem­lich luxuriös und der Verkehr sehr lebhaft. Harro, der sich immer als ein flotter Gesellschafter ausgezeichnet hatte, und Jutta, die, nach der zärtlichsten aller Mütter, das Leben genießen sollte und stetsdabei" gewesen war, fanden das ganz in der Ordnung. Sie freuten sich über ihr Heim, bei dessen Einrichtung Mama gleichfalls die Mark nicht gescheut, sondern vielmehr hatte springen lassen, und auf die Saison. Heute führte Harro von Uran sein junges Weib auf den ersten Kasinoball und damit zum ersten Male in die Gesellschaft von Kaltenburg ein, die sich immer auf dem großen November-Kasinoball einzufinden pflegte. Me junge Frauen gern bei solchem ersten Ausgang tun, hatte auch Jutta ihr Brautkleid angelegt. Die zier­lich weiche Figur von dem milchweißen Atlaskleid um­sponnen, dessen Ausschnitt, ehe er sich über die knappe Taille und den Rock hinunter fortsetzte, ein Kranz von feinen, mattxosa Röschen zierte, das lichtblonde Haar in die Höhe gewellt, mit den gleichen feinen Röschen durch- streut, machte die junge Frau den Eindruck, als sei ein

Aus Mbe.

Roman von M. v. Eschstruth.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Harro von Uran und seine junge Frau

Prinzeßcheu aus der Rokokozeit lebendig geworden. Und mit dieser zarten, vornehmen Schönheit, der Sicherheit des von der Gesellschaft verwöhnten Lieblings) ihrer dabei noch so kindlichen Heiterkeit und Güte, erwarb sich Fran Jutta von Urau sofort die Gunst aller Welt. Man war entzückt und geneigt, Herrn von Uran seine Heirat zu vergeben, mit der er manch einer unter den Damen einen Strich durch die Rechnung gemacht, sich, selbst aber viel zu früh um das allgemeine Interesse und unter das alte Eisen gebracht hatte.

Donnerwetter, Fähnrich, hm", sagte des Regiments' ältester Rittmeister zu einem großen, breitschulterigen jungen Menschen neben ihm, als die Vorstellungen, die immer jedes solches Fest einleiten, vorüber waren und die Paare sich int Tanze zu drehen begannen. Der Rittmeister selber tanzte nämlich nicht mehr, der Fähnrich aber kam nicht allzuviel zum Tanz. Dank der großen Garnison und einer exklusiven Gesellschaft, die für den Damenflor des Kasinos auf blaues Blut hielt oder mindestens einen Papa Militär oder Regier- ungsrat verlangte, war hier das starke Geschlecht in der Ueberzahl vertreten, sodaß selbst die Mäuerblumen auf Erlösung durch einen Leutnant rechnen konnten. So fanden sich die beiden Herren, auch anderweitig durch Familien-, bekanntschaft verknüpft, fast immer auf den Festen zu­sammen, entiveder in der Nähe des Büffets oder in einer Ecke des großen Saales, von wo sie auf das Getrieb'e schauten: der eine mit dem behaglichen Gefühl, daß er seine Knochen ruhen lassen konnte, der andere leidmütig, daß man ihn, trotz seiner 23 Jahre er ivar etwas spät noch nicht für voll ansah.Donnerwetter, Fähnrichs', wieder­holte jetzt der Rittmeister noch einmal. Undzu Befehl, erklärte der Fähnrich noch immer ahnungslos, was eigent­lich sein hoher Vorgesetzter mit diesem hyroglhphenartigen Ausdruck sagen wollte.Na, zum lassen Sie doch den Jargon, Otternberg. Ist ja unter uns nicht nötig. Wissen Sie nicht mehr es ist allerdings eine nette Zeit her daß ich Ihr Hottohüpferd ober Hottohopferd abgab, und Sie mir die Zügel unt die Brust schlangen?"

Beide lächelten. Rittmeister von Dörrenbach war als junger Mann schon des öfteren zu Besuch auf dem Ottern­berg geivesen. Er hatte immer Kinder gern gehabt und auch hier mit des Hauses Söhnchen gespielt.Zu Befehl, Herr von Dörrenbach" Ganz konnte dies mittlerweile zum Fähnrich gewandelte Menschienttnd doch die, Form nicht fallen lassen; aber sein Ton klang schon unt vieles zutrau­licher.Sie ist einfache reizend!-" erklärte der Rittmetster hierauf. Der Fähnrich machte ein erstauntes Gesicht.Ja, die Neue", erklärte nun Asmus von Dörrenbach diesem schweigsam beredten Fragezeicheit gegenüber. Immer noch wußte der Fähnrich nicht recht, wohin der Rittmeister steuerte, ob er von einer Remonte oder von einer Dams sprach Herr von Dörrenbach galt eben nicht für einen Damenfreund.Otternberg, ich glaube, ich tanze heute abend Dörrenbach rieb sich die in das feinste Glacee gesteckten