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uitgm: Freiheit und Aitgezwungenheit zogen eilt, und mit dem antiken Kostüm wollte man den antiken Gang Wiedergewmnen. Tock> wie die Revolution entartete, ,fo weben das Kostüm schamlos und der Gang frech; erst im Direktoire hat dieser wieder etwas Einfach-Natürliches, Anmut reiches. Besonders warb jetzt von einem schönen Gange gesondert, daß er mit dem Neigen des Kopfes, den Bewegungen der Arme völlig im Einklang fei; der Gang als ,chie äußere Begleitung -u der inneren Musik der Seele" ward wieder das erstrebte Ideal.
Und auch heute wird man wieder diesem höchsten Ziel zustreben müssen, das die Antike verkörpert; vielleicht sind zugleich itit dem Eindringen der japanischen Kunst und anderer japanischen Moden auch gewisse Einflüsse des japanischen Ganges vorhanden, dessen schlanke Zierlichkeit doch eine höchste Grazie der Linie und Feinheit der Bewegung umschließt. Die Japanerinnen wissen in dem schnellen, abgerissenen und wiegend leichten Takt ihrer Tritte doch jene höchste Unnatur des chinesischen Ganges zu vermeiden, der mit verkrüppelten Füßen mühsam Humpelt und den stärksten Gegensatz zu dem hellenischen Gange bedeutet.
Vermischter.
* Sänger-Wett st reit. Die Berliner Wochenschrift „D a s n e u e Magazin" ist zum Schauplatz eines eigenartigen Dramas geworden: die Stammväter des sogenannten konsequenten Naturalismus, die Dichter Arno Holz und Johannes Schlaf, liegen si-'ch regelrecht in den Haaren, weil sie sich über die Berschserverhältnisse der von ihnen Ende der achtziger Zähre gedichteten „Familie Selicke" nicht mehr einigen können. Heute nach beinahe fünfzehn Jahren. Doch lassen wir Johannes Schlaf selbst reden. Im neuesten Hefte der obengenannten Zeitschrift tritt Schlaf seinem früheren Mitstreiter in Apoll folgendermaßen entgegen, nachdem er sich, vorher weidlich ausgeschimpft hat: „Ich frage also iwch einmal: ist Plan und Absicht zu Familie Selicke" von mir oder von — Arno Holz? Von mir! — Und ich frage nochmals: bin ich der Verfasser und Gestalter dieses Dramas oder — Arno Holz? Ich! — Ich, uitb niemand sonst! — Und ich möchte hier noch fragen: ist unsere deutsche ästhetische Kritik im Zustand einer völligen Verrottung und Decadence? Ich sage: ja, sie ist es! Und sie kann es kaum in einem höheren Grade fein! — Nun, was aber, frage ich, könnte Arno Holz sonst noch zu dem Drama getan haben? — Herr Arno Holz, ich rufe Ihnen also zu: Sie haben mit mir gemeinsam und pro forma — Ihr eigener damaliger Ausdruck! — einige Feilen auf den ersten sieben Seiten ungefähr des 1. Auszuges und ein paar wenige kleine und durchaus unwesentliche Aendenmgen auf den letzten des 3. Aufzuges mitgemacht. Und dies ist Ihr ganzer Anteil an der Arbeit und sonst rechtfertigt nichts, daß Sie mitzeichneten! Und dies und einzig dies ist die Wahrheit und kann nur die Wahrheit sein! ■— Wollen Sie iwch mit weiteren Winkelzügen, Finessen, Pikanterien, Spitzfindigkeiten und Hackenschlägereien Ihre Sache rwch mehr verschlechtern?! Sie sagten das böse Wort von „literarischer Hochstapelei": nun nein, Arno Holz! dies ist es nicht: aber Sie (erben an Autosuggestionen, heillos haben Sie sich in Autosuggestionen verrannt. Am Ende, der Teufel scheint nun mal seinen Spaß zu haben; kommt es zu tage, daß Sie die— pathologische Natur sind und daß ich sie nicht bin. Und so ist und liegt die Sache. —- Und nun dürsten wir wohl allerdings bald, sehr bald am „Schluß" und am Resümee sein."
* Humor aus Schülerhefte n. Das Konstanzer Konzil wollte Hus anfänglich an seiner Verurteilung nicht teilnehmen lassen. — Ladislaus Postumns wurde drei Monate nach dem Tode seiner Ellern geboren. — Im sechzehnten Jahrhundert brach der Protestantismus aus. — Leopold von Dessau ging höchst eigenhändig auf seinen Feldern umher. — Die Aeghpter wickelten ihre Toten so fest in harzgetränkte Leinwandbinden ein, daß sie sich nicht rühren konnten. — Hagen fragte Brunhilde. um den Inhalt ihrer Tränen. —- In diesem literarischen Streite stand Gottsched andererseits und Bodmer einerseits. — Würde die Lombardei noch zu Oesterreich gehören, so könnte man sagen: die Alpen liegen zwischen Po und Donau. — Goethe ging wieder nach Seseu- jam, um Friederike noch einmal ins Gesicht zu treten. — Er nahm schnell Nahrung in sich auf und wurde so frühreif. — Er und feht Freund kannten sich bis auf den letzten Blutstropfen. — Als Goethe älter wurde, legte er sich aus den westöstlichen Diwan. —: Der Kuckuck hat zwei Füße nach vorn und zwei nach rückwärts. — Die Bewohner der Schwei; nähren sich fast ausschließlich von Touristen. (Pos. Lchrerztg.)
* Kriegs korrespond ent en-Ge spräche. „Herr Kollege, wieviel Japaner lassen Sie in dieser Schlacht fallen?" J Ja, mehr wie 20 000 geht nicht, sonst komme ich nicht aus. Nach meiner Statistik leben an und für sich nur noch vier Japaner auf der ganzen Welt." — — „Wissen Sie, Herr Kollege,- wir können eigentlich! depeschieren, was wir wollen. Stimmt's zu- falltg, dann ist's gut — na, und stimmt's nicht, dann hat die russische Zensur unsere Meldung verstümmelt." — — „Donnerwetter, wenn jetzt eine Bombe käme!" — „Macht nichts. Mein Be- richt ist fertig." —• — „Können Sie chinesisch, Herr Kollege?" — „Ich nicht. Aber meine Leier werden's jetzt bald können."
LrteimvZsches.
=3 Literarische Festgabe zum 400. Geburtstag Philipps des Großmütigen. Die S chwurgeno ff en. Historische Erzählung aus der Zeit Philipps des Großmütigen von Hans Otto Becker. .VIII ,144 Seiten. Preis br. 1,60 Mk., in Leinenband 2 Mk. Verlag von Em-il Roth in Meßen. —: Die Erzählung führt uns in die große Zeit der deutschen Reformation und Renaissance und bietet uns ein anschauliches, fesselndes Ge- schichts- und Kulturbich, da die Landgrafschast Hessen in den politischen und religiösen Kämpfen als europäischer Machtfaktor ihre geschichtliche Mission erfüllte. Wir folgen an der Haich der Erzählung, in deren Hintergrund stets die Person des Landgrafen Philipp steht, den geschichtlichen Ereignissen, dem mächtigen Ans-. Mvnng der Macht des Landgrafen und dem tragischen Sturze und erhallen am Schluß den Ausblick auf die bessere Zukunft. Da die Arbeit, insbesondere die Schilderung des zeitgeschichtlichen und kulturUstorischen Mllieus auf genauesten Studien und eingehender Fachkenntnis beruht, kommt ihr, abgesehen von ihrer belletristischen Bedeutung auch eine gewisse erzieherische zu. Inhalt: 1. Sickingen vor Darmstadt. 2. Der Reichstag zu Worms. 3. Sickingens Ende. 4. Der Bauernkrieg. 5. Herzog Ulrich von Württemberg. 6. Der Schmälkaldische Krieg, — Seine Königliche Hoheit Groh- heW>g Ernst Ludwig geruhten die Widmung allerhuldvollst aw- zunehiuen. _____________
Wie einstmals. st
Von Wilhelm Hertz. Wie einstmals roanbern meine Träume, Mooreinsam Haus, zu dir noch heut'. Doch kahl steh'n deines Garten Bäume, Die einst mit Blüten mich bestreut.
Wie warst du laut und lichterhelle l getzt nachtet Fenster und Gemach.
ft ruf' ich harrend vor der Schwelle: Nur öde Gänge hallen's nach.
Im Walde regt sich's wie Gewimmer, Tief hängt der Himmel über's Moor, Aus Nebeln steigen in bleichem Schimmer Des Heidekirchlems Turm empor.
Dort drüben, wo mit dumpfem Grollen Der Schneewind um die Gräber stiebt, Dort liegt begraben und verschollen Ein süßes Kind, das mich geliebt.
st Das vorstehende Gedicht aus bem Nachlaß von Wilhelm Hertz ist ber September-Nummer der Süddeuts ch e n Monatshefte (München, Verlag der Südbeutschen Monatshefte) entnommen.
Es hilft Dir nichts k
In der September-Nummer von Velhagen und Klasings Monatsheften veröffentlicht Ludwig Fulda die nachstehenden Verse:
Unentrinnbar.
Durch tiefes Dunkel, heimlich und verstohlen,
Bin ich entflohn vor meinem Herzeleid;
Doch ach, ihm war kein Weg zu finster und zu weih
Mich eiuzuholen.
Nun hat es sich an meine Brust gekrallt
Mit liebender, mit tätlicher Gewalt
Und raunt mir zu: Willst Du nicht endlich rasten?
Wer nicht mchr hofft, hat keinen Grund zu hasten.
So heftig Du beflügelst Deinen Schritt
Zur atemlosen Flucht in fernste Fernen,
Ich lasse Dich nicht los;
Ich komme mit:
Es hilft Dir nichts, Du mußt mich tragen lernen.
Rätsel.
Nachdruck verboten.
Als Krankheit ist es nicht willkommen, Im Garten aber seht Jhr's gern; Habt doppelt Ihr em s genommen, So tragen stolz sie ihren Herrn. Zwei Zeichen vor, steigt ein ohn' Zage» Die Vorigen werden fort Euch tragen! Nun laßt die Zeichen wieder fort Und setzt ein u am rechten Ort, So feht Jhr's jetzt im wilden Streit — Nun — liebe Leser — gebt Bescheid 1 «Auflösung in nächster Nummer.)
Aliflösung des Homonym in vor. Nr.r Ottomane Heide Münster Koller Roß Ulster Elster Genie Else Ruh«.
OhmKrueger.
Redaktion: Paul Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl' fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


