Ausgabe 
1.7.1904
 
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in Neubrandenburg .niedergelassen hatte, dauernd mit der Provinz Pommern, vornehmlich in den Städten Anklam, Demmin, Greifs­wald, Stettin, Stolp, Stralsund, Treptow und Ueckermünde, sowie auf .zahlreichen Begüterungen und auf Rügen. Seine Mutter war, um dies hervorzuheben, .eine Pommeranerin, .Tochter des Bürgermeisters Oelpke in Tribsees. Er selbst, Fritz Reuter, hatte sich in Pommern naturalisieren lassen, ward sogar Wahl- öcputierter und Stadtverordneter in Treptow er, der einst auf der .Festung GraudenzUrphede" hatte schwören müssen, nie wieder den Fuß auf preußisches Gebiet zu setzen!

So wirken tausend Fäden zusammen, um die rege Zugehörig­keit des Mecklenburgers Fritz Reuter zu Pommern besonders be­deutsam erscheinen zu lassen. Daher wird denn auch die von Karl Theodor Gaedertz, dem Verfasser des illustrierten Werkes Aus Reuters jungen und alten Tagen", veranstaltete Fritz Reuter-Ausstellung in Greifswald speziell hierauf Gewicht legen, im übrigen aber das ganze Leben und Schaffen des Menschen und Dichters veranschaulichen. .Da Reuter auch als Künstler, als Maler, sich betätigt hat, so dürften seine Skizzen, .Porträts und Genrebilder Interesse erwecken.

Kunst.

Kuno Fischer-Ehrung. Folgender Aufruf geht uns mit der Bitte um Veröffentlichung zu: Am 23. Juli d. I. vollendet Kuno Fischer sein achtzigstes Lebensjahr. Dieser Tag soll nicht vorübergehen, ohne daß aufs neue die unauslöschliche Dankbarkeit dem Manne bekundet wird, der als ein Meister aka­demischer Beredsamkeit Tausenden die Tore der Wissenschaft mit liebevoller Hand erschlossen und entscheidende Anregung für den späteren Lebensweg gegeben hat. Tie Unterzeichneten Haven sich deshalb vereinigt, um dem rastlosen Lehrer, der seit bald einem Jahrhundert der deutschen Geisteswelt zur höchsten Zierde ge­reicht, neben den offiziellen Ehrungen auch eine Huldigung seiner Schüler und Verehrer darzubringen. Sie glauben dies am besten tun zu können, indem sie dem Jubilar an seinem Ehrentage eine Adresse überreichen, und bitten darum alle, die ihre Gesinnungen teilen, sich ihnen anzuschließen und ihren Namen dem unter­zeichneten Schriftführer mitzuteilen. Wer zu den Hörern Fischers zählt, möge auch die Jahreszahl seiner Studienzeit angeben. Es wird gebeten, den Beitrag zu den Kosten der Adresse tunlichst hoch zu bemessen, damit eine würdige, künstlerische Ausgestaltung er­möglicht wird; doch sind auch Unterschriften ohne materiellen Beitrag -willkommen. Anmeldungen (auch von Damen erwünscht) müssen spätestens bis 18. Juli erfolgt sein und sind unter genauer Angabe von Namen und Stand nebst dein Beitrag an Tr. Jon Lehmann, Berlin W., .Würzburgerstr. 7, zu richten. Dr. E. Brockhaus, Leipzig. Tr. Degen, Heidelberg. Geheimrat Professor Dr. Wilhelm Dilthey, Berlin. Georg Engel, Berlin. Dr. Ludwig Fulda, Berlin. .Professor Dr. Holtzmann, Straßburg. Dr. Kronen­berg, Berlin. Tr. Ion Lehmann, Berlin. Dr. Georg Lockcmann, Leipzig. Hofrat Tr. Meyer, Dresden. Dr. Pfeiffer, Bamberg. Tr. Rudolf Presber, Berlin. Professor Dr. Georg Simmel, Westend. Professor Dr. Hans Thoma, Karlsruhe.

, Aus der Sprachecke des Allgem. Deutschen Sprach­vereins. Mancher hat sich gewiß schon über den Widerspruch ge­wundert, der bei der edeln Gründung.Wicherns aus dem Jahre 1833, demRauhen Hause" zu Hamburg, zwischen Sache und Name obwaltet. Die Sache erklärt sich aber einfach: das Haus war von einem Mann Namens Rüg« erbaut, der Wesfall (Geni­tiv) Riiges wurde aber für das Eigenschaftswort ruges genommen Und bte)e niederdeutsche Form in die der hochdeutschen Schrift­sprache rauhes nmgesetzt. Eine ähnliche Umbildung von vermeintlich niederdeutscher Namensform in die hochdeutsche liegt bei dem rot Braunschweigischen vorkommenden Familiennamen Sauereronehmer vor. Das Geschlecht führt feinen Namen von einem Vorfahren, der nach dem niederländischen Surinam in Südamerika ausgewandert war und nach seiner Rückkehr der Surinamer hieß. Als man davon nichts mehr wußte und- die erste Silbe imt dein plattdeutschen Eigenschaftswort für (sauer) zufammenbrachte, lag die hochdeutsche Lautgebung Sauereinnehmer

ssZhe. Auch der Name eines Cuxhavener HafenteilesAlte Liebe dankt mundartlichem Wortspiel seine Entstehung. Diese Stelle gegen Wogei;andrang zu schützen, hatte man dort ein leckes Schift von Danzig versenkt, das den Namen der bei Danzig ge- legenen Abtei Oliva trug; nachdem sich das Volk diesen in seinem Platt als Ollliebe, Olle Liebe, bequem gemacht und umgedeutet hatte, ergab sich die hochdeutsche Umbildung wieder von selbst.

die Redensart Maulaffen feil halten erklärt sich wohl aus Mul apen Hollen (das Maul offen halten), da ape zugleich die plattdeutsche Form für Affe wie für offen ist. Ohrfeige ist umgekehrt eine mildernde Umdeutung aus dein niederländischen oorveeg (Schlag an die Ohren, bergt unser fegen). Die Um- deutung ist gewiß erfolgt, als Dachtel noch als ältere Form von Dattel lebendig und andererseits in Kopfnuß das Gefühl ver­loren -gegangen war, daß Nuß nicht die bekannte Frucht, sondern

einen Schlag, Stoß bedeute. Auch wenn man die Austeilung solcher Gaben schurigeln nennt, gebraucht man lediglich eine mund­artliche Weiterbildung von schürzen (schürzen), d. h. stoßen. End­lich der Name Rotspon für den Rotwein stammt wohl aus dem Mecklenburgischen und bedeutet Rotwein vom Spon, d. h. Faß, wie ehemals dort Faßwein buch Sponwein hieß. Wenn darunter frühermit Farbholz künstlich geröteter, überhaupt geringerer Rotwein verstanden wurde, so tut das jener Ableitung .keinen Eintrag, zumal vom Faß verzapfter Wein eben meist billiger ist.

vermischte».

* Bismarck als Walzertänzer. In bett Memoiren Emile Oliviers, die jetzt in derRevue des deur mondes" er­scheinen, findet sich eine interessante Stelle, die den Aufenthalt Bismarcks itt Paris gelegentlich der Weltausstellung im Jahre 1867 schildert, und die einige kleine, aber für Bismarck ganz charakteristische Anekdoten erhält. Bei dieser letzten großen Ver­anstaltung .des zweiten Kaiserreiches jagte ein Fest das andere; in seinem ganzen Prunke wollte sich Napoleon III. seinen fürstlichen Gästen zeigen. Bismarck, damals schon für alle Welt der große Bismarck, tat wacker mit. Auf einem Hofballe enga­gierte ihn eine junge, schöne Dame zu einer Kotillon-Tour. Die versammeltett Souveräne trauten ihren Augen nicht recht, als sie Bismarck, den großen Bismarck, nach einer tadellosen Ver­beugung mit der Dame autreten sahen. Er walzte seine Tour herunter und überreichte seiner Tänzerin dann zur Erinner­ung die Rosenknospe, die er im Knopfloch trug.Ich "habe immer den Walzer geliebt", sagte er dabei,aber nichtsdesto­weniger wird dies wohl der letzte Walzer sein, den ich getanzt habe." In jenen Tagen feierte Offenbach gerade mit seiner Herzogin von Gerolstein" neue Triumphe. Ganz Paris be­geisterte sich .in seinen Melodien, und alle Welt sang, .pfiff, summte das bekannte Lied vorn Säbel. Bismarck ließ sich vom Obersten Stoffel, dem damaligen preußischen Militärbevollmäch- tagten Preußens in Paris, zu der Operette führen und lachte Tränen über die gelungene Satire auf die deutsche Kleinstaaterei. Einmal, mitten während des Aktes, .drehte er sich zu Moltte um, der hinter ihm saß, und sagte ganz laut:Wie es leibt und lebt!" Endlich führt Olivier noch einen Ausspruch an, den Bismarck in Paris getan haben soll:Der König ist ja", sagte er zu dem General de Failly,ein1 ganz ausgezeichneter Mensch, aber ein bißchen unentschlossen. Wenn sich die Geschäfte zu verwickeln drohen, .lasse ich ihn über eine neue Patronen­tasche nachdenken. Tann läßt er mich schon machen."

* Die Bestie Klavier. Einer Plauderei von H. F. Urban imTag" entnehmen wir: Als die Chinesen das erste Klavier sahen, hielten sie es für ein Ungeheuer mit weißen und schwarzen Zähnen, .das Jammerlaute von sich zäb, wenn ihm ein roter Teufel in die Zähne schlug. .Chinesisch? Naiv? Barbarisch? Als ich das letztemal in Berlin.war, erzählte man mir folgendes: Ein junger Musiker hatte eines braven Berliners, eines einfachen Mannes, Tochter geheiratet. Der Schwiegerpapa wollte nach dem Hochzeitsinahl mit dem musikalischen Schwieger­sohn protzen. Otto, so hieß er, .hatte schon einmal auf .dem Klavier etwas Vorspielen müssen. Aber der Schwiegerpapa war unersättlich. Er wandte sich an den Schwiegersohn und sagte: Na, Otto, nu setz Dir mal hin und hau der Klaukommode noch .eins in die Fresse!" Da haben Sie's! In Berlin, wo sie Polyhhmnia mit der Muttermilch einsaugen!

Wortspiel.

(Nachdruck verboten.)

1. Zeichen.

2, Amerikanisches Tier.

3. Schöpferische Kraft.

4 Was anregt.

5. Pflanzenteil.

6. Natürliche Hülle.

7. Im Wasser.

8. Am Feld.

9. Haustier.

Gefäß.

Vorname.

Rest.

Schmuck.

Nahrung.

Gebiet in Amerika.

Griechischer Halbgott, Land in Asien.

Insel im Mittelmeer.

Es sind 9 Wörter zu suchen von der Bedeutung unter a. Von jedem dieser Wörter ist durch Umstellung der Buchstaben ein anderes Hauptwort zu bilden von der Bedeutung unter b. Die Anfangsbuchstaben der Wörter unter b bezeichnen im Zusammen» hang gelesen eine zumal beim jungen Volk beliebte Lustbarkeit.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in vor. Nr.r Limonade (LinaMode).

Redaktion-August Götz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen llnivcrsttäts-Vnck- und Steindruckerei. N. Lange, Gießen.