Ausgabe 
31.10.1903
 
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Samstag den 31. Hktoöer.

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(Nachdruck verboten.)

Jas Wemädchta m der Mtagae.

jBon B. W. Howard.

(Fortsetzung.)

29. Kapitel.

Rodellec füllte ^d'ie Becher aufs neue und warf Hoel einen lauernden Blick zu.Was weiß ich, was da vorgeht, wenn sie eine ganze Nacht von Hause wegbleibt?"

Ja, wie sollt Ihr das wissen?" knurrte Loic;hat sie denn das schon je zuvor getan?"

Nein, noch niemals", erwiderte Rodellec.

Aber sie kam ja alle Abend nach Hanse, und monsieur le recteur hat doch inimer nach ihr gesehen, was kann da übles geschehen sein?" meinte Hoel mit unsicherer Stimme.

Rodellec füllte abermals die zinnernen Becher, die Män­ner tranken schweigend ihren Grog.

Mir ist das Glück schon längst nicht besonders hold", unterbrach Rodellec die ©title;Barba die heilige Jung­frau schenke ihr Frieden! ist gestorben; mein Knabe ist lahm; aber wenigstens war doch meine Tochter ehrlich und brav." Er wars einen bedeutungsvollen Blick auf seine Gefährten.

Brav und ehrlich? das will ich meinen! Ist sie doch das hübscheste Mädchen in ganz Plouvenec!" rief Hoel, dem der Grog anfing zu Kopse zu steigen.Frisch wie eine Kirschblüte und dabei so widerhaarig wie Brombeer­gestrüpp. Daß mir keiner ein Wort gegen sie zu sagen wagt, ich schlage ihn zu Boden wie einen tollen Hund!"

Ich sage ja gar nichts", beruhigte Rodellec, und füllte Hoels Becher.Ich behaupte nur, daß der verdammte Maler sie alle behext hat."

Mit einem derben Fluch, sandte Loic Humors Seele zu allen Teufeln.

Er winkt, und sie kommt; wenn er den Finger hebt, Vergißt sie uns alle", fuhr Rodellec fort.Der Bursche lächelt und zeigt seine weißen Zähne und mein Mädel folgt ihm wie ein Lamm. Schon vor Tagesanbruch eilt sie aus und davon, um nach den Inseln zu kommen. Ich sage Euch; das bedeutet nichts Gutes. Mo hat sie ihre Neuen Kleider zum Gnadenfest her? Sie will es mir nicht sagen, ist das nicht sonderbar? Ich als Vater habe doch! das Recht, nach dergleichen Dingen zjui fragen." Er warf sich! in die Brust voll tugendhafter Entrüstung.

Oh!" sagte Hoel, als wisse er nicht, was er davon zu halten habe.

Ich spreche sonst mit niemand über diese Dinge", meinte Rodellec,aber ich weiß, Du bist mein Freund, Hoel, ich kann mich auf Dich verlassen. Ich möchte ruhig und Ver­

ständig über die Sache mit Euch reden, möchte Euren Rat einholen!"

Hoel fühlte sich geschmeichelt. Der Vorschlag ließ sich hören.

Mein Rat geht dahin, ihm den Kopf einzuschlagen und! ihn vom Hafendamm ins Wasser zu stoßen", rief Loic mit unheimlich funkelnden Augen.

Nein", sagte Rodellec,es wäre schon besser, ihm an irgend einem abgelegenen Platze aufzulauern, wenn er abends heimgeht. Ein Streit ist leicht vom Zaune gebrochen, man wird handgemein, und wenn ein Unglück geschieht wer kann dafür? Was davon ruchbar werden sollte, steht bet uns, wir müssen nur Sorge tragen, daß er nichts mehr ausplaudern kann. Am Hasendamm geht's zu lebhaft her,: da könne sich leicht ein dummer Teufel einfallen lassen; einen Unfall mit einem. garstigen Namen zu benennen."

Plötzlich fielen die Scherben einer Fensterscheibe klirrend zu Boden und ein Stein flog dicht an Rodellecs Kopf vor­bei. Fluchend rannte er zum Fenster und schjaute hinaus'; er konnte jedoch nichts entdecken, da er in der Ferne suchte, was sehr nahe zu finden war. Dicht am Haus, in tiefem Schatten kauerte Nannte, der, wo es not tat, auch kühn« Mittel zu gebrauchen verstand.

Tie nichtsnutzigen Buben mit ihrem verdammten Steinewerfen!" brummte Rodellec.Also, wie ich vorhin sagte, wir treffen ihn auf dem Nachhauseweg an einem stillen dämmerigen Ort dort wollen wir ihm sein Grinsen für immer vertreiben."

Aber nur in ehrlichem Streit", sagte Hoel voll ängst­licher Scheu.

Versteht sich, Mann, versteht sich!" versicherte Rodellec mit bedeutungsvollem Augenzwinkern die Becher füllend und! Hoel zutrinkend.Traut Ihr mir etwas anderes zu?"

Endlich hatte er Hoel so weit, daß dieser auf seine Pläne einging, und sich, hoch und teuer verschwor, den fremden Burschen zu reizen, zu beleidigen, zu Boden zu schlagen. Vorher hatte jedoch mancher Becher geleert wer­den müssen; auch stand zu fürchten, daß Hoels Feuereifer mit dem Dunst des Schnapses wieder verfliegen werde. Nach Art der Schwächlinge zeigte er sich zwar nachgiebig und stimmte allem bei, ob man sich aber im Augenblick der Entscheidung auf seine Hilfe verlassen konnte, war eine andere Frage. Leicht durfte sich dann Herausstellen, daß alle Ueberredungskünste vergeblich gewesen, und Man mit ihm um keinen Zoll weiter gekommen war. Hoel stand! allgemein im Rus großer Harmlosigkeit und das machte ihn zu einem wertvollen Bundesgenossen für Rodellec und! Loic Nives, die sich solchen Rufes nicht zu erfreuen hatten. Letzterer war schon in verschiedene Messeraffären verwickelt gewesen, die einen schlimmen Ausgang genommen hatten und manche seiner Missetaten waren von Nachbarn und! Freunden gefällig vertuscht worden. Was Rodellec betraf,. fo spielte et' sich jederzeit als Wackern Kumpan und ehr­lichen Bretagner aus und war lustig und. aufgeräumt unter