Ausgabe 
31.1.1903
 
Einzelbild herunterladen

68

wieder verheiraten! Ohne blendend schön zu fein, bin ich wirklich gar nicht abstoßend. Gottlob übe ich auf das andere Geschlecht die nötige Anziehungskraft, . . . also können mir die Partien nicht fehlen! Darum habe ich gar keine Sorge! Die Sache macht sich leicht! Du wirst's schon sehen!

Luise (träumerisch): Vielleicht könntest Du sogar Max heiraten, denn eigentlich ist er doch die Ursache. . .

Germaine: Was Max? Um Gotteswillen, nur den nicht! Wenn ich alle Schiffe hinter mir verbrenne, will ich einen nagelneuen Ehemann, einen, der nichts iveis, und Vertrauen in mich setzt! Wenigstens kann er mich dann nicht gleich so gräßlich quälen!

Luise (überrascht): Was meinst Du denn damit: er kann Dich nicht so quälen?

Germaine: Ich meine, daß die Reue nicht alle Augen­blicke unb ohne allen Grund immer auf die Vergangen­heit zurückkommen wird!

Luise: Nun verstehe ich Dich! Also,- Armand, der doch die Verzeihung bewilligt hatte. ...

Germaine: Die Verzeihung bewilligt! Wer das ist es ja gerade, dieses gezwungene Verzeihen, dieses Ver­zeihen, von dem Ihr alle so viel hermacht, das mir dies gräßliche, unerträgliche Dasein bereitet hat! Diese Verzeihung läßt mich aus dem Hause fliehen, hätte mich noch wahnsinnig gemacht, wenn ich dort geblieben wäre! Die Verzeihung eines Mannes!! Na, weißt Du, offen gesagt, mir wäre ein ordentlicher fester Messerstich lieber gewesen, als diese blasse, waschlappige Verzeihung!

Luise: Wer schließlich . . . dennoch . . .

Germaine (sehr aufgeregt): Sag mal, hälft Tu es für urgemütlich, immer neben einem Manne herzuleben, der sich genügend in der Gewalt hat, um sich nie, nie gehen zu lassen, trotzdem man ihm übel genug mitge­spielt hat? Sich sagen zu müssen, daß da alles Maske sein muß, seine Heiterkeit, seine Güte, seine Aufmerksam- teiten, sogar seine Nachsicht, daß er bestimmt nichts ver­gessen hat, daß er fortwährend an alles denkt, was ich ihm angetan habe, daß er sich vom Morgen bis zum Meud Wie ein Halbgott vorkommt, den ich mit demütigem, dankbarem Herzen anbeten müßte! Ach, was habe ich dar­unter gelitten! Jede Sekunde, bei jedem Atemzug! Immer von neuem überkam mich mächtig dieses auflehnende Ge­fühl, während seine edelmütige Verzeihung sanft wie eine warme Douche auf mich herabregnete! Wenn ich dann wirklich mal lustig !var, wenn ich mal lachte, fühlte ich förmlich, wie es innerlich großmütig in ihm sprach: Lach' Du nur ruhig, armes, irregeleitetes Weib, Du darfst vergessen, Tein Gewissen ist durch meine Ver­zeihung entlastet; sei fröhlich, denn Dir ist alles vergeben." Und ebenso, wenn ich mir ein neues Kleid anzog> ja sogar, wenn mir das Essen schmeckte, lächelte er mir in einer Weise zu, die mir den Bissen im Munde quellen ließ: nur getrost, ich erlaube es, denn kraft meiner Ver­gebung kannst Du Dich weiter an diesem Tische nähren, auf diesen Sesseln ruhen, in dieser prachtvollen Villa wohnen und in Deinem Seidenbette schlafen. Denn ach, was hätte aus Dir ohne diese großherzige Vergebung werden sollen?" Nun laß' Dir sagen, davon hatte ich noch gerade genug! Es wurde mir zu viel, ich will nicht länger diese öde Ver­zeihung genießen! Es ist wahr, ich hatte einen Ge­liebten. Wenn das auch nicht gerade tugendhaft gehan­delt war, so stirbt man doch nicht gleich an den Gewissens­bissen. Aber meines Mannes Mitleid, seine Nachsicht für das, ivas ermeine Schwächen" nennt, halte ich nicht mehr aus! Ach, diese zärtlichen Micke, die feuchten Augen, den traurig verzogenen Mund, der glaubte, sich zum Lächeln zwingen zu müssen. Ich war nachgerade zur Mär- threrin geworden, ja, teure Luise, zur Märtyrerin seiner Verzeihung. Mag er sie doch zurücknehmen, diese AnA- schußverzeihung, jene Vergebung, die gar nicht richtig ber­gt ebt, die sich vielmehr zu einem grausamen Marter­instrument für mich gestaltete! Ja, wäre ich eine von den Gefühllosen, die nichts rührt, oder eine Leichtsinnige, die sich nur an der Oberfläche der Dinge hält, vielleicht hätte ich da noch einmal glücklich werden können, denn, wenn ich gerecht sein will, muß ich anerkennen, daß Ar­mand auch seine guten Seiten hat. Unglücklicherweise, sowohl für ihn, als auch für mich, bin ich aber eine in­

telligente, ja stark geistige, eingebungsreiche Natur, der so leicht nichts entgeht, deren Augen bis auf den Herzens­grund der anderen schauen, und die von allem empfind­lich berührt wird, und sei eS1 auch nur ein Blick, einej Redensart oder eine Handbewegung! Schlimm, schlimm/ daß ich gar so zart besaitet bin, denn aus diesen Quellen entspringt mein heutiger Entschluß.

Luise: Jetzt verstehe ich Dich wohl, meine Teuerste! Dein Mann ließ es an dem nötigen Zartsinn fehlen/ auch Dich vergessen zu machen. . . .

Germaine (sie lebhaft unterbrechend): Du hast's er­faßt, liebste Freundin! Er hat es eben nicht verstanden, auch mich vergessen zu machen! Wie Du das aber auch nachempfunden hast, ist einfach bewunderungswürdig! Da sieht man die Herzens- unb Verstandesüberlegenheit der Frauen über die Männer! Wie viel feinfühliger sind wir doch! Und dabei möchten sie noch unsere Herren spielen! Unsere Herren! (bricht in bitteres Lachen aus) Hörst Du, Luise, unsere Herren!!

Luise: Wegzuleugnen ist es doch nicht, daß sie das noch immer einbilden!

Germaine: Solche überlebte Sachen! Na, solange ihnen das noch jemand glaubt, steht es ihnen ja frei/ es noch immer mit dem Brustton der Ueberzeugung zu erklären. Die Hauptsache ist und bleibt dabei doch immer: Daß wir Frauen es' besser wissen, wie es in Wirklichkeit damit steht! >

Ein Straßentelephon,

der neben sonstigen Vorzügen die Eigenschaft besitzt, wasser-i dicht und wetterfest zu sein, ist von dem Mechaniker Herrn. Bauer in Gießen in Vertrieb gebracht worden. Diese Ein-i richtung begegnet einem Bedürfnisse für Aerztewohnungen/ Villen, Bergwerke, Schießstände, Fabrrken, Brauereien usw., und ist auch als Feuermelder zu verwenden Tas Telephon ermöglicht direktes Sprechen von der Straße nach den Woh­nungen, erspart somit Wege und unnützes Türöfsnen. Ist die Gartentür mit elektrischem Türösfner versehen, so genügt ein Truck auf den Knopf, um dem willkommenen Besucher zu öffnen. Ter nachts oft wegen Kleinigkeiten gerufene Arzt kann sich mündlich vom Bett ans verständigen und Am« Weisungen geben, ohne aufzustehen. Ter Apparat kann an jedem Hauseingange oder Türpfeiler angebracht werden, ohne Storung zu verursachen. Auf den Fingerdruck des Anrufers am Straßenapparat ertönt im Hause eine Glocke; der Angernfene hebt den kombinierten Hör- und Sprech­apparat vom Haken, wodurch sowohl der Hörer und Sprecher/ wie das Lichtsignal am Straßenapparat eingeschaltet wird/ und das Gespräch kann beginnen. 2er Straßenapparat hat zwei Schallöcher, eins zum Hören und eins zum Sprechen; die Apparate sprechen so laut, daß jedes Gespräch selbst bei Straßengeräusch gehört wird. Ist das Gespräch beendet/ hängt der Angerufene den Apparat an den Ausschalthaken/ womit das Lichtsignal auf der Straße erlischt und Hörer und Sprecher: am Straßenapparat ausgeschaltet sind.

Preisrätsel.*) Kleeblatträtsel.

(Nachdruck verboten.)

Jedes Kleeblatt dreigestielt Trägt der Blättchen drei. Nun erwäg's und übcrleg's, Was die Deutung sei. Die neun Köpfe "künden dann Ein berühmtes Tonwcrk an.

I.

Drückt dich's, trag' es mit Geduld, Leichter wird's im Nu.

Aend're Kopf und Ende: such' ES in Wüsten du.

Aend're wiederum das Haupt: Es zu töten ist erlaubt.

II.

Hin durch Deutschlands schöne Gau'n Zieht's, ein blinkend Band.

Umgestcllt und noch ein Kopf, Hüllt es ein das Land.

Aend're Kopf und Fuß daran: Seelen hebt es himmelan.

III.

Zwischen Feldern ist'S zu seh'», Allen wohlbekannt.

Unigestellt, in Asten

Nennt es dir ein Land.

Umgestellt, vertauscht ein Laut: Der ist's, der aus Zufall baut.

*) Lösung«« sind mit Aufschrift:PreiSrätsel-Lösung" versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion der®i«ß«n«8 Farnirrenblätler" einzusenden.

Auflösung des Arithmognphs in vor. Nr.r Klopstock; KokoS, Koks, Kost, Lotto, Post, Stolp.

Redaktion: Curt Plato. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Sieindruckerei (Pietsch Erben) in Gieß«.