1903.
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(Nachdruck verboten.)
Schloß Osterno.
Roman von S. M e r r i m a n.
(Fortsetzung.)
Sie schüttelte Steinmetz herzlich die Hand, und ihre Hefen Augen forschten mit einer seltsamen Hast in seinem Gesichte.
„Woher kommen Sie?" fragte sie rasch.
„Aus London."
„Katharina, erinnerst Tu Dich nicht an Herrn von Chauxville?" fiel die Gräfin ein. „Er kannte Dich, als Du noch ein Kind warst."
Katharina wandte sich um und begrüßte den Baron.
„Ich hätte mich Ihrer erinnert, selbst wenn wir uns nur zufällig getroffen hätten", sagte er. „Die Kindheit ist ja doch nur eine Miniature, nicht wahr?"
„Vielleicht. Aber wenn die Miniature sich entwickelt, verliert sie die Zartheit, die ihren Reiz ausmacht", antwortete Katharine, indem sie sich zu Steinmetz wandte, als wolle sie ihr Gespräch mit ihm fortsetzen.
„Herr von Chauxville, Sie bringen uns sicher Neuigkeiten", sagte die Gräfin mit ihrer gackernden Stimme. „Ich habe Herrn Steinmetz umsonst gebeten, uns etwas zu erzählen; er sagt, daß er nichts weiß. Aber darf man einem so notorisch bösen Menschen etwas glauben?"
„Frau Gräfin, weise Leute glauben nur, was ihnen paßt. Aber Steinmetz ist die Ehre selbst. . . Was für Neuigkeiten wollen Sie denn hören? Politische, die gefährlich, gesellschaftliche, die skandalös, oder Hofnachrichten, die stets erlogen sind?"
„Erzählen Sie uns also etwas Skandalöses."
„Ich kann Ihnen doch nicht altbackene Neuigkeiten erzählen, die über Paris von London kommen, nicht wahr?" sagte der Baron.
Steinmetz klopfte mit seinem breiten Stiefel ungeduldig aus den Boden.
„Was sind das für Neuigkeiten? Schnell, schnell!" ries die Gräfin eifrig.
„Nun, das mit dem Fürsten Paul", sagte Chauxville, indem er Steinmetz herausfordernd anschaute.
Steinmetz trat einen Schritt vor und stellte sich vor Katharina, die plötzlich tief erblaßte. Sie konnte nur seinen breiten Micken sehen, und da sie ziemlich klein war, verbarg Steinmetz sie vor den anderen im Zimmer, wie mit einem Wandschirm.
„Sie meinen wohl seine Hochzeit?" sagte er, zur Gräfin gewendet. „Frau Gräfin haben gewiß davon gehört?"
„Woher denn?" warf der Baron ein.
„Die Gräfin wußte, daß Fürst Paul verlobt sei", erwarte Karl Steinmetz sehr langsam, als wolle er jemand Zeit geben, sich zu fassen. „Bei einem Männe, wie er eA ist, sind Verlobung und Hochzeit nicht wdit auseinander."
„Es ist also ein fait aceompli?" ftagte die Gräfin int scharfen Tone.
„Seit gestern", antwortete Steinmetz.
„Und Sie waren nicht dabei!" rief die Gräfin Lano« witsch mit erhobenen Händen.
„Wie Sie sehen, da ich hier war", antwortete Steinmetz.
Die Gräfin fand es ganz abscheulich, eine Ausländerin zu heiraten. Ihre Stimme ttang scharf, ihre Worte-waren fast beleidigend; aber da Steinmetz offenbar nicht zuhörte, teilte die Dame ihre Ansichten dem Baron von Chauxville mit.
Steinmetz wartete einige Zeit, dann wandte er sich langsam zu Katharina um, ohne sie jedoch anzublicken.
„Es ist gefährlich, in einem so dicken Pelz in diesem! warmen Zimmern zu sitzen", sagte er.
„Ja", antwortete sie mit schwacher Stimme. „Ich: werde! ihn ablegen."
Steinmetz öffnete ihr die Mr, sah sie aber auch dabei nicht an.
15. Kapitel. Vermählt.
„Ich begreife nicht, warum ich mich nicht Fürstin Alexis nennen soll, — Du brauchst Dtch doch des Titels nicht zu schämen und hast, wie ich annehme, ein Recht darauf?"
Etta, die damit beschäftigt war, ein Armband anzulegen, ivarf einen forschenden Blick auf ihren Gatten.
Sie waren feit einem Monat verheiratet. Paul, voll zarter Duldsamkeit für ihr temperamentvolles Wesen, lächelte statt aller Antwort. Frauen, die in Gesellschaft temperamentvoll sind, pflegen zu Hause manchmal bissig zu sein, und das, was in der Fremde Lebhaftigkeit genannt wird, degeneriert am häuslichen Herde oft zur Herbheit.
„Mrs. Alexis klingt einfach lächerlich", fügte Etta schmollend hinzu.
Sie hatten soeben miteinander diniert und wollten nun einen Ball besuchen, den ersten seit ihrer Hochzeit. Er stand entzückt vor ihr und betrachtete ihre anmutigen, studierten Bewegungen; seiner Ansicht nach gab es wenige Frauen, die schöner waren als sie, entschieden keine, bte es mit ihr aufnehmen konnte.
Sie war bisher die Sanftmut selbst gegen ihn gewesen und hatte sein einsames Leben mit einem solcheU Glanz erleuchtet, daß er mit seiner verschlossenen Natur sich plötzlich langweilig und beschränkt vorkam.
Nichtsdestoweniger begann er bereits zwischen sich und Etta gewisse kleine Unterschiede zu bemerken, die nicht so sehr in Meinungen, als in Gedanken bestanden. Sie schrieb! gesellschaftlichen Funktionen, gesellschaftlichen Ansichten und Pflichten eine Wichtigkeit zu, die er absolut nicht verstehen konnte. Einladungen regnete es selbstverständlich auf sie herab, und Etta nahm diese Einladungen eifrig an. Es lag in ihrer Natur, sich vom Glanze blenden zu lassen, und ein großer Ballsaal, glänzende Beleuchtung, Müsik,


