67
„Ach Rita, aber so etwas glaubtest Tu doch Hoffentlich Ächt?"
„Ich begann, mir auszumalen, was für Gefühle Greville wähl bewegen würden, wenn er bei seiner Rückkehr entdeckte, daß ich seinem Beispiel gefolgt und mich davongemacht, wie groß sein Erstaunen, sein Schrecken, seine Demütigung sein würden. Der Wunsch, chn für den mir angetanen Kummer zu strafen, war der eigentliche Grund, der mich zu dem Ver- 8Weiselten Schritte trieb, denn niemals! hatte rch etwas wie Liebe für Lovell empfunden. Ter verlockende Gedanke an eine Wiedervergeltung lieh mich alle Vernunft beiseite fetzen."
„Und wegen eines solch törichten Gedankens warst Du im Begriff, Tein ganzes Lebensglück zu zerstören?"
,Lch war immer nur zu leicht geneigt, das Kind mit dem Bade auMlschütten, das wirst Tu nachgerade auch bemerkt haben. Wir fuhren also ab, aber schon ehe die bekannte Brücke hinter mir lag, regte sich ein Gefühl der Reue in mir. Bon meinem schuldbeladenen Gewissen gequält, war es mir, als ob die Leute mich erkennen und sich von mir abwenden würden, und Lovells Liebeswerbung Erschien mir plötzlich wie gehaltloses Zuckerwerk, vor dem mir ekelte. Tie Folge davon war, daß ich ihm höchst unhöfliche, gereizte Antworten gab, und als wir endlich hier anlängten, hatten wir uns bereits so gründlich entzweit, daß wir jetzt in Mei verschiedenen Zimmern sitzen. Ich bat ihn, mich einige Stunden mir selbst zu überlassen, da ich unsere Lage genau überdenken müsse."
„Ja, ehe Tu Dich ganz ins Verderben stürztest."
„Und dieses Nachdenken hat mich ganz elend gemacht. Jenes Frauenzimmer und die abscheulichen Skelligs find an aUem schuld. Nach einen Schritt weiter, und ich bin natürlich verloren, dessen bin ich mir klar, denn ich kenne Greville zur Genüge, um zu wissen, daß ich ihm dann niemals wieder unter die Augen treten dürste, und auch die meisten meiner Werwandten werden den Stab über mich brechen. Wenn ich jedoch zurückgehe--"
„Ta giebt es kein wenn, denn Tu wirst unter allen Um- ständen zurückgehen."
„Wenn ich zurückgehe", fuhr Nita, ohne auf Maureens Einwurf M achten, fort, „so bin ich nicht weniger verloren, denn ich schrieb einen unsinnigen, aufgeregten Bries, den ich möglichst auffällig aus den Kaminsims legte, sodaß Greville ihn sofort finden muß. Wenn er ihn liest, so wird !er--" der Schluß des' Satzes verlor sich in verzweifeltem
Schluchzen.
„So müssen wir uns also so rasch als möglich aus den Weg machen, um vor ihm in Ballybay anzukommen. Bon unserer rechtzeitigen Ankunft hängt jetzt alles ab. Ich erhielt ein Telegramm, worin es heißt, daß er und Mrs. Tuckitt morgen um zwölf Uhr einzutreffen hoffen. Es ist also kein Zweifel, daß wir als Sieger aus diesem Wettlauf hervorgehen werden."
„Ja, ein Wettlauf, dessen Preis- mein Glück — und mein guter Ruf ist."
(Fortsetzung folgt.)
Weil er ihr vergeben hat.
Von Manoel de Gr and fort. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von Margarethe London.
(Nachdruck verboten.)
Germaine von Daret, 28 Fahr. — Luise Dramard, 30 Jahr.
Vormittags im Ankleidezimmer Luisens, die vor einem Spiegel sitzt und ihr Haar in einem sehr kleidsamen Frisiermantel kokett arrangiert. — Die Möbel sind von eleganter Einfachheit, aber ohne jede künstlerische eigene Rote.
Germaine (kommt lärmend herein): - Da bin ich Outen Tag!
Luise (dreht sich erschreckt um): WaS? Du? Na, weißt Du, ich bin ordentlich zusammengefahren! — Setz Dich doch: — Geht Dir's gut? —
Germaine (erMungen ruhig): Sehr gut, sogar!
Luise: Wie sprichst Du denn? Du siehst auch so sonderbar aus! Ist Mr irgend etwas passiert? —
Germaine: Ja. . . .
Luise: Was also? Natürlich Unangenehines? 3
Germaine: Das ist eigentlich Auffassungssache. .
Luise: Sprich doch schon! Ich bitte Mch, was ist Venn los?
Germaine (zögernd): Ich habe ... ich bin . . .
Luise: Was hast Du, was bist Du?
Germaine (herausplatzend): Meinem Mann bin ich mvongelaufen! Weiter nichts, daß Du's nur weißt.
Luise (ausstehend): Was? Höre ich recht? Deinem Mann bist Du davongelaufen? Das heißt, (sich verbessernd) Tu hast ihn verlassen? Das ist doch nicht denkbar? So verrückt kannst Du doch nicht sein?
Germaine: Verrückt bin ich nun gerade gar nicht, und doch, doch, doch habe ich ihn verlassen! Was überrascht Dich denn so? Bin ich vielleicht die erste Frau, die das tut?
Luise: Noch kann ich's nicht fassen, ich bin ganz bestürzt! Wer warum?
Germaine (nimmt ihren Hut ab und stößt wütend ihre beiden goldenen Hutnadeln durch den Kelch einer Rose): Gründe habe ich wohl genug dazu und triftige! Freilich aber nur besonders feinfühlige Seelen können die nach- fühleu! ....
Luise (lächelnd): Na, zählst Mr mich dazu?
Germaine: Wäre ich sonst vielleicht hier?
Luise: Das ist richtig; aber mein Gott, was ist denn wieder bei Euch vorgefallen? Gerade ward Ihr von neuem so gute Freunde geworden. Ich bewunderte Euch wirklich alle Beide. Dein Armand benahm sich so zärtlich gegen Mch!
Germaine (ironisch): Du brauchst das passende Wort: so zärtlich!
Luise I Und jetzt, wo Deine ganze Ehe just wieder in Ordnung gebracht war, soll sie aus einmal von neuem in die Brüche gehen?
Germaine: Allerdings.
Luise: Handelt es sich noch immer um . . . Max?
Germaine: Ja und — nein. —
Luise (neugierig): Hast Du ihn etwa wiedergesehen? Oder hast Du Mch nochmals mit ihm überraschen lassen?
Germaine (die Achsel zuckend): Ach Gott, ich weis nicht einmal, >vas aus dem geworden ist!
Luise: Na, also ....
Germaine: Gewiß, also!! Tatsache ist, daß ich die Lage, in die ich versetzt bin, nicht länger aushalte. Denkst Du Dir vielleicht die Situation einer Frau, der ihr Mann alles vergeben hat, angenehm.
Luise: Da nun doch alles vorbei ivar, da Jyr das gemeinsame Leben wieder aufgenommen hattet! — Außerdem blieb doch auch Dein Ruf noch gewahrt!
Germaine (gereizt): Mein Ruf? Auch ein schönes Wort! Soll man gleich entehrt sein, wenn man mal einen Liebhaber hatte? Dann will ich mal die Dame in unserem Kreise sehen, die noch Ehre hat! Noch dazu in Paris, diesem Lügennest!
Luise: Da es aber ohne Skandal ab gegangen war.
Germaine: Skandal? Macht den nicht alle Welt heutzutage? Skandal giebts so viel, daß der von mögen den von gestern abend überschreit! Entsinnst Du Trch noch auf den Skandal von voriger Woche? Es ist damrt gerade so wie mit den Namen der 40 Akademiker. Feder wers, es sind wirklich 40, aber niemand ist im stände, sre aufzuzählen. . . , .
Luise: Das ist sogar wahr; einmal wußte rch zwer davon, und dann habe ich sie glücklich auch wieder
Germaine: Siehst Du? Ach, wenn blos Mama die Sachlage so erfaßte, wie Du!
Luise: Hast Du Deine Mutter schon gesprochen?
Germaine: Natürlich, das mußte doch geschehen! Wohin sollte ich gehen! Ich bin also bet rhr nnt der Tür ins Haus gefallen! Ich sage Mr, erneu roten Kopf frcfcntt fic!
Luise: Versetze Dich doch in ihre Lage! Sie glaubte Tich gut versorgt, und nun fällst Tu ihr wreder auf dte
Germaine: Deshalb seid ganz beruhigt! Lange werde ich ihr nicht lästig sein! Wenn erst meine Scheidung "u^Luise: Jnisper' Tat, Du willst Dich allen Ernstes scheidmfassen. Mibt mir sonst übrig? Ich bin einmal nicht die Frau, die lange Strohwitwe setn kann. Dazu kenne ich mich zu gut! Der Zustand entsprecht nicht meinem Temperament! Natürlich werde ich mich


