Ausgabe 
30.12.1903
 
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Sprachen begrüßen: mitSdrasdivijte",Salam afeifttm" undAcmur sän baue".

Als ich zwei Nächte ausblieb, toareit die Gesandten sehr ängstlich geworden, und hatten das Lager unter be­sondere Bewachung, gestellt. Ten ersten Abend hatte Hladsche Tsering die Kosaken gefragt, die, ohne eine Miene zu verziehen, geantwortet hatten, ich sei nach dem Süd­ufer gerudert, um mich von dort nach Lhasa zu begeben, und sie hätten Befehl, meine Rückkehr abzuwarten. Ties hatte die Gesandten sehr verstimmt, und sie halten nach allen Richtungen, namentlich nach Süden, Patrouillen ans- aeschickt. Unzweifelhaft waren sie jedoch schon im Laufe des zweiten Tages dahintergekommen, daß !vir uns ans dem See aushielten, hatten aber den auf dem Südufer wohnenden Nomaden verboten, uns irgendwie zu helfen. Während des Marsches hatten sie dann wiederholt meine Leute gezählt und gefunden, daß noch immer zwei fehlten. Sie konnten den Zusammenhang nicht recht begreifen, fürchteten aber, daß einer meiner Leute zwei Pferde nach dem ©Übufer geführt habe, auf denen ich mit irgend einem Begleiter nach Lhasa zu reiten gedächte. Ihr Auf­treten gegen die Karawane wurde daher strenger; es wurde ihr fein Proviant mehr geliefert, und das Lager ivurde nachts mit starken Wachtposten umgeben. Ihre Unruhe legte sich auch nicht eher, als bis sie das Boot zwischen den Wellen heranstampfen sahen. Jetzt bestanden ihre Truppen aus 194 Manu, obgleich mehrere Patrouillen noch nicht zurückgekehrt waren; wir waren 18, d. h. einer gegen zehn, nein, einer gegen 50, wenn ich nur die Kosaken rechne!

Tie Tibeter muffen von uns Europäern eine jämmerliche Meinung haben; bie meisten von uns sind, wenn sie bis in dieheilige Sphäre" gelangten, so von allem entblößt und in so erbärmlichem Zustande gewesen, daß sie der Hilfe und Unterstützung der Tibeter bedurften, um über- ?aupt nur wieder aus dem Lande herauskommen zu önnen. Sie haben nie eine ordentliche Timppe in guter Verfassung gesehen, die nicht danach fragte, ob ihr der Turchzug erlaubt sei. Es war allerdings eine starke Ver­suchung für mich gewesen, _ben Tibetern mit Hilfe des Sees und des Bootes ein Schnippchen zu schlagen, und zwei Pferde hätte man mitten am Tage von einem Weide­plätze nach dem Südufer bringen können. Ich hätte aber dadurch nicht viel gewonnen, vielleicht nur wenige Tage- märsche.

Land der Burchane", das Land der heiligen Bücher im Siiden dorthin darf kein Europäer ziehen; es ist. das Erb land des Talai-Lama, ein heiliges Land, sein. Eigentum. Schwerlich sind seine Lamas jetzt fanati­scher als in jener Zeit, da die Jesuitenmissionare gast­freundlich von ihnen ausgenommen wurden, und sicher­lich sind sie heutzutage auch nicht weniger tolerant als im Jahre 1845, da die Missionare Hne und Gäbet sich einige Monate in Lhasa aufhielten. Nein, ihre strenge Isolierung während der letzten Jahrzehnte hat politische Gründe. Ihre friedliche, aber wirksame Taktik geht daraus aus, die Grenzen gegen Europäer zn bewachen und die ungebetenen (Säfte höflich und freundlich, aber bestimmt aus dem Lande hinauszutreiben. Tennoch wird auch an Tibet einst die Reihe kommen. Solange die Tibeter auf derselben Erde wohnen wie wir, müssen sie es sich gefallen lassen, daß wir den Wuusca haben, sie kennen zu lernen, ihre Religion und heiligen Schriften, ihre Tempel, Sitten und Gebräuche zu studieren, ihr Land und seine Mittel zu erforschen, Karten von ihren majestätischen Gebirgen aufzunehmen, und ihre launenhaften Seen zu sondieren. Noch haben sie sich allerdings nicht durch Vorspiegelungen von dem Aufschwünge des Handels und der Einfuhr von Tabak, Spiritiiosen, Opium und Feuerwaffen locken lassen; nein,fort mit allen euren Eennßmitteln, eurem Stahle, Qtolbe und Silber, und laßt uns nur in unserem eignen Lande in Frieden!"

Menn ich sage:Ich will den südlichen Weg nach Ladar gehen", so antworten sie mir:Tort gibt es keinen Weg." Wenn ich ihnen den Weg auf der Karte zeige und einige Namen nenne, so wenden sie ein:

»Nun wohl, es gibt dort einen Weg; er ist aber nur für uns, ihr dürft nicht durch das Land der Burchane gehen."

Und wenn ich sage:Ihr seid nicht gastfrei; wenn ihr in mein Land kommt, werdet ihr freundlich aufge­nommen und dürft alles sehen", so beeilen sie sich zu antworten:Euer Land gehört euch, dort haben wir nichts zu tun, aber unser Land gehört uns; ihr mußt es daher verlassen und wieder Heimreisen."

Recht kostspielig muß es sein, eine Truppe von 200 Manu so lauge unter Waffen zu halten, ganz abgesehen davon, daß die Leute ihr Heim und ihre Herden haben verlassen müssen. Doch es mag kosten, was es will, wenn nur keine Fremdlinge über die Grenze kommen. Es war für sie eine ungeheuere Plackerei, trotzdem waren sie aber stets höflich und freundlich. Ihre Scheu vor Fremden wendet sich nur gegen die Europäer; Chinesen und Leute aus Ladak haben freien Zutritt, andere benachbarte asia­tische Völker ebenfalls. Hladsche Tserings Koch war ein Tungane, der ein wenigTschauto" (Türkisch) verstand und in Ostturkestan gewesen war. Tie Muhammedaner nennen alle, die sich nicht zum Islam bekennen, Heiden (Kaper), einerlei, ob diese Asiaten ober Enropäer sind. Tie Tibeter verschließen ihr Land nur den Europäern; ihre Isolierung ist also politisca, nicht religiös. Ein Chinese, ein Japaner ober ein Burjate, ein Pnndit, wie Nain Singh oder Krishna, ein Kaufmann aus Leh, alle können sich ohne Schwierigkeit nach Lhasa begeben. Und ist solch ein Asiate nur entsprechend instruiert worden, so kann er nach­her über alles, was er gesehen hat, genaue Auskunft geben. Wir kennen, wie ick bereits erwähnt habe, Lhasa besser als sonst eine Stadt in Jnnerasien, Kaschgar, Kuldscha und Urnmtschi vielleicht ausgenommen. Wer Lamas in Urga, Kum-bum, in Hemis oder in andern Tempeln in Ladak besucht hat, kann bezeugen, daß er überall mit der größten Gastfreundschaft aufgenommen, worden ist und keine Spur von Intoleranz gefunden hat..

Kleine praktische Aajschiäge.

S h l v e st e r g e t r ä n k e. 1. Kalter Weinpunsch Vier Flaschen Rotwein, eine Flasche Weißwein (Sorten nach Bekleben), auch eine Flasche Champagner gießt man in eine Terrine, dazu gießt man Kilo Zucker, mit einem Liter. Wasser gekocht und bereits abgekühlt, und Vt Liter Arrak. Schon vorher hat man einige Apfelsinen und zwei Zitronen in Scheiben geschnitten und mit feinem Zucker bestreut und gießt jetzt den ausgezogenen Saft in die Bowle, die vor­züglich'schmecken wird. 2. Höllenpunsch 500 Gramm Zucker werden mit zwei Flaschen Rotwein kochend gemacht, dann in eine Terrine gegossen und zugleich mit einer Flasche Arrak vermischt. Mit einem Fidibus zündet man den Punsch an und bringt ihn brennend in die Gesellschaft. 3. Russi­scher Punsch. Man reibt die Schale von vier Zitronen und vier Orangen auf einem Kilo Zucker ab, schlägt den­selben in Stücke, legt ihn in eine Terrine, fügt den Saft ber Früchte unb anderthalb Liter kaltes Wasser hinzu, läßt die Terrine wohl zugedeckt stehen, bis der Zucker ge­schmolzen ist, füllt alles in eine Gefrierbuchse und bereitet ein Gefrorenes daraus. Hierauf gießt man nach unb nach eine Flasche Champagner unb eine halbe Flasche Arrak zu, verrührt bieS gut mit dem Eis und serviert Sen Punsch in kleinen Heukelgläsern. 4. Port we i n p u u s ch Eine Flasche Rotwein, eine Flasche Weißwein und eine Flasche Portwein werden mit einem Kilo Zucker heiß gemacht, wobei das Getränk jedoch nicht bis znm Kochen gelangen darf; in­zwischen preßt man den Saft aus vier Zitronen in eine Terrine, gießt eine halbe Flasche Arrak unb ben süßen Mein hinzu und gibt den gutverntischten Punsch zn Tisch

Zahleurätsel.

Nachdruck verboten.

12324526 Teil des Jahres.

4 2 2 6 Teil der Erde. 2 6 3 Mineral

6 2 5 2 Nutzgcwächs. 5 2 2 6 2 Frucht

2 6 12 Planet 6 2 1 2 Gedankenausdruck.

2 6 5 2 juristischer Ausdruck.

Auflösung in nächster Nummer.

Redaktion: August Gotz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Iluiversttäts-Vuch- und Cteiudruüerei. N. Sauce. Gießen.