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„Sie wird int Augenblick hier fein."
Unruhe und Konfusion herrschte in Thornton-Hall am ^age der Aufführung; lebhafte Spannung prägte sich in Len Mienen der Zuschauer aus, eine Unterhaltung war bet bet allgemeinen Erwartung nicht möglich, nur einzelne Bemerkungen wurden laut. Es war eine glänzende Versammlung, welche auf das Ausziehen des Vorhanges harrte; dre Damen, rn Sammet, Seide, Spitzen und Atlas gekleidet, mit funkelnden Edelsteinen geschmückt und noch blitzenderen Augen, kokettierten imt den Herren, ihre schönen Fächer gebrauchend, in jener aller Welt kundigen Sprache. Mrs. Thornton tu ihrer sieghaften Schönheit, bewegte sich graziös tnmttten ihrer Gäste; die kleinen Mädchen in ihren Hellen rosa Kleidchen sehr lieblich anzusehen, glühten vor Erwartung. Jetzt endlich spielte das Orchester eine muntere Ouver- htre, der Vorhang erhob sich geräuschlos imb enthüllte ein V^des Boudoir mit weißen, vergoldeten Möbeln, lichten Atlaspolstern und gleichen Vorhängen.
o r, .^e5Ln kci§? ^en haben sie hierzu engagiert?
^ch glaubte, bte kleine, blasse Gouvernante sollte bie Margot spielen", sagte Lady Clinton, auf ihr Programm sehend.
»Fs mag sein, wer es will, jedenfalls ist es eins der lieblichsten Atadchen, die ich gesehen", sagte ein Herr an "irer Seite. „Uebrigens, hier steht im Programm: Margot — Miß Gratton."
. „Daun ist es auch bie Gouvernante, wie ist nur eine foiujß Veränderung Möglich! DtlA fycittc ich Nie neqIqubt.z/
, 3a, wie war's möglich? Lady Clinton war nicht bie emzrge, welche biefe Frage stellte. Mrs. Thornton starrte ungläubig über ihren Facher hinweg auf bas junge Müü- chen ihre blauen Augen verbunkelten sich unb ein nachdenklicher Zug trat in ihr Gesicht. War es auch klug von gewesen, Jane spielen zu lassen? Nun war es freilich nicht mehr zu anbern. Auch die Kinder waren stumm vor konnte diese schöne, lächelnde, glänzende Dame wirklich Miß Gratton fern? Ihre eigene Miß Gratton, welche immer so blaß unb ernst aussah in ihrer schwarzen Kleibung' . Sre sah aber auch wirklich wunberbar lieblich aus; bte dunklen Augen glanzten tote Sterne unter bem hochfrisierten gepuderten Haar, sie hatte etwas Rot aufgelegt, unb das gab ihr thre frühere Frische zurück. Das elegante Kleid, Pompadour Atlas hoch gerafft über einem rosa Seidenrock stand thr ausgezeichnet. Die entsetzliche Aufregung, welche sie beherrschte, gab ihr eine fast fieberhafte Lebhaftigkeit, welche sie über alle Beschreibung schön machte; diese Schönheit schien sich noch zu erhöhen, als sie Sir Harrys er- ^Enten ungläubigen Blick sah, als sie das Zittern seiner Hand suhlte. 1
Aliees zarte Anmut, Mrs. Thorntons königliche Erscheinung, Lady Clintons brünette Schönheit, sie alle nicht aufkommen gegen Janes alles bezaubernde Ltebltchkejt. Sie spielte vorzüglich, mit Grazie und Selbst- bewußtsein, worüber sich alle tminberten, welche bte scheue zurückgezogene Gouvernante kannten. '
o 3ane wußte kaum, daß sie so großen Beifall erzielte;
™aren Eß erste gespannt, ihr Herz klopfte heftig ihre Wangen brannten unter dem Rot. Einmal sah man Srr Harry zusammenzucken, als er des Mädchens Hand berührte, diese glühte wie im Fieber, und er ließ sie sofort thf u$ei" Mnnn selbst war verdrießlich und sarkastisch, Un^ld)e^ nnd entschieden schlechter, als nach den Proben zu erwarten war. Er war entrüstet darüber, zu würdia 9^lte Schauspielerin Jane war. Wie glaub-
und den Wunsch nach Einsamkeit gezeigt, als sie Teilnahme erregen wollte! Hub nun, hinter de?.' Kulissen kokettierte sie mit Mr. Clower, lachend mit « anzenden Augen seinen Worten lauschend, wie sie auf der duhE nick rhm koekttierte, mit ihm, ihrem reichen Anbeter.
Alices Spiel war gut und angemessen, ein unrubiaer fragender Blick kam öfter in ihre blauen Augen, das paßte Sir SamTLS?6' Jane beobachtete, wie zuvorkommend u/w tzarryv Benehmen zu ihr war, wie sanft er zu ibr sm-aw und welche zarten Aufmerksamkeiten er für sie hatte Mr ^ower machte im stillen die Beobachtung, daß nicht nur L ne Edniödie gespielt wurde, soudern auch, hinter sing toetoenrt,^Ltoarf einzige, welcher den Blick auf- llng, welchen ^ane auf Str Harry rtchtete, als dieser mit Altce tn emiger Eiitfernung von den anderen stand BeifallqAatsch^und^?-^9/ Schluß wurde laut rufen Alice und Ä &Meitb.ett wurden hervorge-
T 41tce und Mr. Clower kamen zuerst, das Mädchen
freundlich errötend, der Herr kühl und selbstbewußt; dann zeigten sich Hane und Sir Harry. Als der Vorhang fiel sah Str Harry eilte plötzliche Veränderung in dem Gesicht seiner Partnerin; die glanzenden Augen trübten sich, die Hand, eben noch glühend heiß, wurde eiskalt.
Erschrocken und ängstlich fragte er: „Was ist -gbnen? Sind Sie krank? War dies alles zu viel für ©ie v" ?
Tus Mädchen sah ihn einen Augenblick mit fremdein, Aurtem Blick an und, entzog ihm dann leise ihre Hand' „Nein, danke, ich bin nicht krank."
Tie Spielenden waren im grünen Zimmer versammelt und empfingen die Gratulationen unb Lobsprüche der Gäste Man beriet, ob man den 8tbend hindurch die Kostüme an- behalten oder wechseln sollte. Die Meinungen waren qe- ^lt-^Tte Damen fühlten sich ganz wohl in den weit?u, vl?atrten 91D^e,rt ,uud den hochhackigen Stiefeln und wollten dieselben anbehalten. Die Herren bemerkten, daß ihre Kostüme ihnen auf die Länge, besonders beim Tanz, unbequem werden wurden, und wollten wechseln. Bereits ließen sich die ersten lockenden Töne der Tanzmusik aus dem Saal Horen, man hatte sich infolgedessen eben entschlossen, zu bleiben wie man war, als Miß Gratton und Sir Harrn traten. Mrs. Thornton wandte sich zu ihnen und sagte herablassend: „Sie spielten recht gut, Miß Gratton; wir Üuo. sii Sir Harrys Schuld, daß er uns Ihre theatralische Befähigung verraten. Lehren Sie aber den Kindern biefe Kunst nicht", setzte sie lachenb hinzu. „Es ist nicht immer eme erwünschte Gabe. Wollen Sie nun in ben Saal kommen , schloß sie, „bie anderen sind schon alle dort versammelt."
Im Borübergehen streifte Mrs. Thorntons Kleid Janes rosa Roa, die Anwesenden folgten der Dame des Hauses 3o-ne blieb allein, sie lehnte sich schwer auf ben nächsten Stuhl. Mrv. Thorntons Worte hatten sie verletzt, besonbers weit sie in Sir Harrys Gegenwart gesprochen wurden. Was suchte, ihr ihr Triumph, ba er ihre Erniedrigung gehört hatte. -vjtjr Kopf sank auf bte Brust, bie Hände fielen an bett Seiten herab und ein Gefühl von Ohnmacht bemächtigte sE) chrer. Sw suchte es abzuschütteln und sprang auf, aber sie suhlte, daß die Kraft, welche die Aufregung ihr ver- ltehen, sie verließ.
Sie fühlte sich schwach und hilflos, die so lange erzwungene Selbstbeherrschung brach zusammen, jeder Versuch, sie wieder zu erringen, war nutzlos; sie mußte schnell auf ihr Zimmer, ehe ihre Kraft sie vollends verließ.
Mühsam schlich sie aus dem Zimmer in die Halle. Diese war hell erleuchtet und reich mit Blumen geschmückt, deren süßer Duft die Luft erfüllte und den Atem beengte. Es war niemand dort, aus dem Tanzsaar erklang die Musik. Es war ein Walzer, derselbe, der damals gespielt wurde, als ihr kurzer Glückstraum erlosch und dessen nie vergessene Melodie der armen Jane jetzt schwer aufs Herz fiel und ihren Schmerz verdoppelte, als sie mühsam die Treppe erstieg und in die Galerie kam. Die fühlte sich unfähig, weiter zu gehen, ohnmächtig und zitternd. Wenn sie nur etwas frische Lust schöpfen könnte! Das würde sicher ihre schwindenden Sinne zurückbringen. Sich an den Möbeln haltend, ging sie zum Fenster und öffnete es mit ihrer letzten Kraft. Sie klammerte sich an die schweren Vorhänge nnd sank E das Fensterbrett, das geisterbleiche Antlitz zn Boden gesenkt. Sie mußte für einige Zeit das Bewußtsein verloren haben; denn als sie wieder zu sich kam, hatte der scharfe Wind Schnee herein und ihr auf ben Hals und Schultern getrieben. , Es war ihr gerade recht so, der eisige Wind war ihr willkommen zur Kühlung ihrer brennenden Schläfe. Sie streckte den Kops weiter hinaus, noch immer fast be- wußtlos nach Atem ringend, aber allmählich zn dem vorübergehend vergessenen bitteren Schmerz zurückkehrend.
So erblickte sie Sir Harry, als er langsam die Galerie, entlang kam. Er war sofort an ihrer Seite, zog sie leise, aber entschieden vom Fenster fort, es mit der einen Hand chließend, mit dem anderen Arm die wankende Gestalt! lützend. Verständnislos richtete das Mädchen ihre trüben Augen auf ihn.
Fortsetzung folgt. ; ■
Welz und Wetzmoden.
Von A. v. W a r t e n b e r g.
Ter Pelz, früher nur in Eis und Schnee zur kalten Winterszeit getragen, hat, so lesen wir int „Bert. Lok.-Anz.",


