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„Gute Nacht!" rief auch Guenns frische Stimme.
„Laufe schnell zurück, Guenn", befahl Thymert, „Du bist ja ganz naß. Gute Nacht Kind, schlafe wohl."
Das Boot hob sich auf den brandenden Wogen; schon im nächsten Augenblick war es in der Dunkelbeit verschwunden.
(Fortsetzung folgt.)
Knegserkeörriffe aus dem Kekdzuge 1870/71.
Fortsetzung.
Tie Stadt Orleans wurde in der Nacht auf den 5. Dezember von den deutschen Truppen besetzt, die damit nach langwierigen und schweren Kämpfen wieder diesen Stützpunkt an der Loire in Händen hatten.
Am Morgen des 5. Dezember fand an dem Denkmal der Jungfrau boy, Orleans vor dem General von Manstein erne Parade der Truppen seines Korps statt. In Orleans wurden Quartiere bezogen, die sich diesmal durch großen Komfort auszeichneten.
Am 6. Dezember würde die Verfolgung des Feindes begonnen. Das Gießener Regiment hatte den Wald nördlich von Orleans nach versprengten Franzosen zu durchstreifen, wobei ihm u. a. ein riesiger Turkos, Achmed, in die Hände fiel. Hauptmann Leiß von der 7. Kompagnie erwirkte sich dre Erlaubnis, ihn bei sich behalten zu dürfen, und Achmed zog iertdem immer mit dem Gießener Regiment, bis er auf dem Rückmärsche in Troyes verschwand. Vom 7 bis 11. Dezember war das Regiment in Orleans einquartiert, und am 11. bekam es den Be"
ufer abzurttcken, um sich mit t„
marschiert war, zu vereinigen. Beim Ausmarsch aus Or- leans begegnete das Regiment Leutnant Neßling vom 4. Hess. Infanterie-Regiment, der sechs in Schloß Chambord eroberte Geschütze nach Darmstadt zu bringen hatte. Am Abend des 11. bezog das Regiment in Lailly, das von den Bayern stark zerschossen und zum großen Teil abgebrannt war, Quartiere. Am folgenden Tage kain die 7 Kompagnie nach Nozieux, wo Feldwebel Bruchhäuser bei einem Küfermeister einquartiert wurde. Die Bewohner hatten große Angst vor den Deutschen, der Küfermeister hatte sogar seine Frau in eine nicht von unfern Truppen besetzte Gebend verbracht. Da die Franzosen aber sahen, day ihre Befürchtungen grundlos waren, wurden sie bald zutraulicher und zuvorkommend gegen die Truppen. Ein heiteres Erlebnis hatte der Feldwebel in der Nacht: als er mit einem Kameraden in einem Bette lag, kam auch der Küfermeister und legte sich noch zwischen beide, aus Bescheidenheit aber mit dem Kopf an das Fußende des Bettes. Man ließ ihn gewähren, aber ein Zwischenfall, wie in Fritz Reuter's Reis' nach Bclligen, kam hier nicht vor.E Später iin Februar kam das Regiment wieder durch Nozreux, und jetzt hatte auch der Küfermeister seine Frau ^t^er „ zuruckgeholt, und begrüßte mit ihr Feldwebel Bruchhauser aufs freundlichste.
Bei Blois marschierte das Regiment über die von den Franzosen zerstörte, von den Pionieren aber wieder hergestellte Brücke der Loire, in der Richtung auf Le Mans
Am 16. mußte des 9. Armeekorps aber wieder in Eilmärschen nach Orleans zurück, weil die Stadt von Osten her vvil feindlichen Streitkräften bedroht wurde. Am 17 gelangte das Regiment nach La Chapelle, einer Vorstadt von Orleans, wo es mehrere Tage verblieb. Hier wurde me große Pauke erobert, die sich noch jetzt beim Regiment rm Gebrauch befindet. In diesen Tagen kamen die bei Le Mans aesangc ~ nach Deutschland.
Xe Mans gefangenen Franzosen vorüber, auf dem Marsche nach Deutschland. , Ihre Kleidung, besonders das Schuhwert befand sich in einem trostlosen Zustande. Viele Gefangene gingen. trotz, der winterlichen Kälte barfuß.
_ Br. Erkundigung der östlich von Orleans stehenden Streitkräfte wurde am 20. Dezember das Detachement des Generals von Rantzau, bestehend aus dem 2. Infanterie- Regiment, 2. Reiter-Regiment und der reitenden Batterie der Hess. Division, nach Montargis beordert. Am 22. wurde Montargis erreicht und dort Quartiere bezogen. Feldwebel Bruchhauser hatte einen Quartierwirt, dessen Groß- vater aus Darmstadt stammte. In Montargis hofften die Soldaten die Wethnachtsfeiertage in Ruhe verleben zu können, aber schon am ersten Feiertage mußten sie bei grimmiger Kalte nach Briare marschieren, da die Meldung
Orleans einquartiert, 'fehl, nach dein linken Loire- der Division, die nach Blois
eintraf, daß diese Stadt vom Feinde besetzt sei. Die Kälte war so stark, daß den Soldaten unterwegs das Brot gefror. Am Abend wurde La Bussiere erreicht, wo Quartiere 6e» zogen und Feldwachen ausgestellt wurden. Am zweiten Feiertage kam das Regiment nach Briare und wurde dort einquartiert. In Briare, einem Städtchen von einiges Tausend Einwohnern, befand sich eine große Knopffabrih deren Direktor ein Hesse, mit Namen Maurer, aus Darmstadt war. Die 7. Kompagnie wurde am 28. von Briare nach Gien, weiter unterhalb der Loire, abkommandiert, um die dortige Telegraphenstation vor feindlichen An« griffen zu sichern, und die gesprengte Loirebrücke zu überwachen. Die Bewohner in Gien verhielten sich gegen die deutschen Truppen ziemlich feindselig; in den Straßen waren überall Barrikaden errichtet. Da der Unterpräfekt sich weigerte, die Barrikaden beseitigen zu lassen, wurde sein Schloß am Abend von der 7. Kompagnie 2. Hess. Regts. umstellt und er selbst von Oberleutnant Metzler, gerade als er mit seiner Familie bet Tee saß, verhaftet. Mit etwa 30 Gefangenen wurde er am folgenden Tage nach Orleans an Prinz Ludwig von Hessen abgeliefert.
Die Tätigkeit der 7. Kompagnie bestand in Gien hauptsächlich im Patrouillendienst an der Loire und in der Umgegend. Das jenseitige, linke Ufer der Loire war stark mit Franktireurs besetzt, die häufig nach den deutschen Truppen schossen. Bei einem solchen Patrouillengang erhielt Sergeant Mellor einen Schuß in den Unterleib, während gleichzeitig noch ein Musketier leichter verwundet wurde. In der Umgegend von Gien befanden sich viele Windmühlen, mit beiten die Franzosen von den Bewegungen der deutschen Truppen Kenntnis gaben. War ein größerer Trupp deutscher Soldaten in der Nähe, dann gingen die Windmühlen immer sehr rasch. Sie wurden daher später niedergebrannt. Auch die Kirchenglocken wurden häufig dazu benutzt, den französischen Streitkräften Kenntnis von unseren Truppenbewegungen zu geben, indem beim Annähern der Deutschen Sturm geläutet wurde. Hauptmann Buff von der Leibkompagnie überraschte einmal einige Zivilisten beim Sturmläuten und trieb sie mit dem Glockenseil aus dem Kirchturme. Am 31. Dezember wurde das Detachement von Rantzau bei Briare von überlegenen feindlichen Streitkräften angegriffen, konnte aber den Ort behaupten. Bei diesem Gefechte wurde Hauptmann Weber von der 2. Kompagnie getötet; am folgenden Tage fand man seine Leiche verstümmelt und ausgeplündert vor. Da in Gien das Landwehr-Bataillon Detmold eingetroffen war, so konnte am 1. Januar die 7. Kompagnie zur Unterstützung des Detachements nach Briare abrücken. Die Franzosen unternahmen an diesem Tage wieder einen Angriff und suchten dem Detachement den Rückzug nach Gien ab- znschneiden, was ihnen aber nicht gelang. Die 7. Kompagnie wurde auf der nördlich nach Montargis führenden Straße bis zu einer Barrikade vorgeschoben, um gemeinsam mit anderen Abteilungen den Feind zurückzuhalten, während sich das Detachement unter ihrem Schutze auf der Straße nach Gien zurückzog. Da die Franzosen einen neuen Vorstoß unternahmen, und die 7. Kompagnie hart bedrängten, so unternahm Major Hoffmann mit der 4. und zwei Zügen von der 7. Kompagnie einen Angriff auf der Straße nach Montargis, und westlich davon, sodaß das Detachement nach Gien zu abziehen konnte. Nur ein Zug der 7. Kompagnie, bei der sich auch Herr Bruchhäuser befand, hielt unter dem Kommando des Vizefeldwebels der Reserve Hessig die Barrikade auf der Straße nach Montargis besetzt, da er keinen Befehl zum Rückzüge erhalten hatte. Da von den Truppen des Detachements nichts mehr zu sehen war, schickte Bizefeldwebel Hessig eine Patrouille, geführt von dem Gefreiten Weeg, der sich freiwillig hierzu gemeldet hatte, nach dem Bahnhof von Briare, um zu erfahren, ob sich dort noch die deutsche Telegraphenstation befand. Diese war aber nicht mehr hier, und als die Patrouille das Bahnhofsgebäude verließ, drangen schon die feindlichen Truppen in Massen aus Briare. Der Zug trat jetzt den Rückzug an und ging rottenweise an dem Raine der Straße nach Montargis immer noch feuernd bis zum Bahnhofe von Briare zurück, und von da unter Avant- und Arrisregarde nach Gien zu. Kurz vor Gien erhielt der Zug noch Feuer vom linken User der Loire, doch wurde niemand verwundet. Gleich darauf kam die Detmold-Landwehr aus Gien, um den Borpostendienst zu übernehmen. In Gien hatte man bereits den Zug gefangen geglaubt und für


