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Vermischte».

* Die Theaterleute, also die Bühnenkünstler und Bühnenschriststeller und -Komponisten, sind die Vorkämpfer sür Aufklärung, Freiheit und Menschenwürde, und es wird niemand geben, der das bezweifelt. Nur eine ganz kleine, aber nur eine ganz alterliebst kleine schwache «Leite haben sie, und das ist der Aberglaube. Wenn sich der Theater­mensch vor nichts beugt, so beugt er sich unbedingt vor der Herrschaft eben dieses Aberglaubens. Von dieser Herr­schaft gibt es tausend Geschichten. Ein paar sehr unterhalt- same weiß imJournal d'uu Baudevilliste" Ernst Blum zu verraten. Man lese, was dieser Verräter heiligster Ge­heimnisse schreibt: Der Theaterunternehmerlanciert" ein Stück nur Freitag, ein anderer nur Donnerstag, ein dritter nur Montag, Ich kannte einmal einen Direktor, den ich nicht nennen will, zumal ich seinen Namen vergessen habe. Besagter Direktor leitete drei Monate lang das selige Beau­marchais-Theater (ein Theater, das längst nieder gerissen ist) und setzte durch seinen Aberglauben sogar die Köchinnen des Viertels in Erstaunen. Er hatte in aller: Rängen des Theaters die Stummer 13 entfernen lassen und ersetzte sie durch 12 a. Nie hätte er kn eine erste Aufführung er veranstalteteerste Ausführungen" alle acht Tage an einem anderen Tage als am Freitag stattsinden lassen. An solchen Abenden sah man ihtt, nicht ohne Ueberraschung, barfuß in den Kulissen her um laufen! Das war sein Fetisch.Wenn ich mir keinen Schnupfen hole", sagte er,wird das Stück ein Erfolg sein; hole ich mir aber den Schnupfen, dann fällt es durch." Uno gewöhnlich holte er sich den Schnupfen! Nach drei Monaten mußte er sich zurückziehen: er litt an einenr so chronischen Schnupfen, daß er, als ich ihn zehn Jahre später auf dem Boulevard traf, aus dem Niesen noch! nicht herausgekommen war. Ich selbst bin nicht abergläubisch, zu meinem Ruhme muß ich es gestehen: ich glaube nur an etwas, an den Einfluß des Gurkensalats. Ich muß dieses okkul­tistische, die Ernährungsfrage betreffende Mysterium fest­stellen, denn so oft ich Gurkensalat gegessen habe, geschah mir etwas Unangenehmes. Ich hatte mit Anicet Bourgeois ein Drama in mehreren Akten verbrochen, aus das wir alle gwoße Hoffnungen setzten. Am Tage der ersten Auf­führung (das Stück wurde, wenn ich nicht irre, im alten Gails-Theater gespielt) sagte ich zu Anicet Bourgeois :Alle Welt hat Vertrauen zu unserem Drama. Ich habe aber ein sicheres Mittel, es heute durchfallen zu lassen rUnd das wäre?"Ich brauche nur beim Diner Gurkensalat zu essen!" So abergläubisch sind Sie noch in Ihrem Alter!", sagte Anicet Bourgeois lachend.Ich bin nicht abergläubisch, ich glaube nur an den unheilvollen Einfluß des Gurken­salats, und das ist doch nicht gar so Wimm, denn Gurken gibt es nicht das ganze Jahr!"Nun", erwiderte Anicet, ich will Ihnen selbst beweisen, daß Sie ein Narr sind. Mr dinieren heute zusammen und essen alle beide Gurken." Ich senkte den Kopf angesichts dieser Entscheidung meines verehrten Mitarbeiters, und beim Diner aßen wir soviel Gurken, daß der Kellner aus dem Staunen nicht herauskam. Dann gingen wir ins Theater und das Stück begann; um 8i/2 Uhr, mitten im ersten Akt, pfiff man bereits, und um 10 Uhr mußte man rasch den Vorhang herablassen, da die Zuschauer Bänke, Stühle andere Gegenstände auf die Bühne warfen.Tie Gurken", sagte ich gekränkt zu Anicet Bourgeois.Recht haben Sie!" erwiderte er. Ich glaube bestimmt, daß Anicet Bourgeois seit damals am Tage seiner Erstaufführung keine Gurken mehr gegessen hat. Ich esse sie schon seit langer Zeit nicht mehr, zumal ich sie nicht ausstehen kann!

* Seltsame Eheverhältnisse herrschen bei den Todas, die in einer ziemlich unzugänglichen Gegend im Nilgiri-Gebirge im südlichen Vorderindien leben. In einem Vortrage, den Dr. Rivers über die außerordentlich ver­wickelten Verwandtschaftsbeziehungen in diesem Stamme auf der in Sothpvrt tagenden Jahresversammlung der British Association" hielt, führte er über diesen Punkt folgendes aus: Die Todas sind seit langem als polhandri­sches Volk bekannt, und die Vielmänner ei ist bei ihnen noch üblich. Wenn ein Mädchen die Frau, eines jungen Mannes wurde, so war es selbstverständlich, daß sie auch die Frau seiner Brüder wurde. Fast in jedem

Fall waren jetzt und früher die Münster einer Frmt Brü­der. Ist wenigen Fällen waren sie zwar nicht Müder,, dann aber von demselben Clan; sehr selten gehörten sie verschiedenen Clans an. Am interessantesten war bet de? Vielmännerei der Todas die Methode, durch die sestgestellt wurde, wer als der Vater eines Kindes angesehen werden sollte. Bei allen sozialen und rechtlichen Entschlüssen galt als der Vater eines Kindes der Mann, der zu einem bestimmten Zeitpunkte eine Zeremonie aussührte, bet der der Frau eiu nachgemachter Bogen und Pfeil gegeben wurden. Waren die Männer Müder, so gab! gewöhnlich der älteste Bogen und Pfeil, und war der Vater des Kin­des; aber auch die anderen Müder wurden als Vater an­gesehen, solange sie zusamMenlebten. Ist Fällen, in denen die Ehemänner nicht Müder waren, hatte die Zeremonie ost eine wirkliche soziale Bedeutung. Ist diesen galt der Mann, der Pfeil und Bogen gab, nicht nur als der Vater des bald nachher geborenen Kindes, sondern auch, aller folgenden Kinder, bis ein anderer Mann die wesentliche Zeremonie vollzog. Die Vaterschaft wurde auf diese Weiss so unbedingt bestimmt, daß ein Mann, der mehrere Fahre tot war, als Vater aller von seiner Witwe geborenen Kin- der angesehen wurde, wenn kein anderer Mann ihr Pfeil und Bogen gegeben hatte. Zweifellos war die Vielmännerei der Todas früher mit dem weiblichen Kin des mord, verbunden, und wahrscheinlich besteht dieser Mauch noch in gewissem Grade, wenn er auch abaeleugnet wird. Man hat Ursache zu glauben, daß es jetzt Mehr Frauen als früher gibt, aber sie sind noch immer in der Minderheit. Die Zunahme der Zahl der Frauen scheint jedoch nicht zu einer erheblichen Ahstahme der polyandrischest Ehen ge­führt zu haben; wohl aber war die Vielmännerei oft mit Vielweiberei verbunden. Zwei' oder mehr Müder, konnten zwei oder mehr Frauen gemeinsam haben. Bei solchen Heiraten schien sich jedoch immer mehr der Mauch ein- zubürgeru, daß ein Müder der einen Frau Pfeil und Bogen und der ändere sie einer anderen gab. Es scheint möglich, daß die Todas von der Polyandrie zur Mono­gamie übergehen, und zwar gerade durch die Zwischeit- stufe von gemischter Vielmännerei und Vielweiberei. Das ist jedenfalls der wichtigste Schluß, der aus den gemachten Beobachtungen gezogen werden konnte.

* Daß das Tabakmonopol in Frankreich auf eine gar zu aufgeputzte und Diamanten starrende Dame zu­rückzuführen ist, dürfte kaum bekannt sein. Napoleon I. kam nämlich durch folgende Umstände auf den Gedanken, den Tabakverkauf für den Staat zu reservieren. Bei einem Balle anläßlich seiner Hochzeit mit Marie Luise bemerkte er eine reichgekleidete Dame, die Dianianten von unschätzbarem Werte trug. Der Kaiser erkundigte sich nach dem Geschäfte des Mannes, der so reich war, um solche Diamanten kaufen zu können, und beschloß, als er erfuhr, er sei ein Tabakfabrikant, diese Quelle großer Verdienste dem Staate allein vorzubehalten. Kurz darauf erschienen die Dekrete bezüglich der Einführung des Tabakmonopols.

Bilderrätsel.

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(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Logogriphs in vor. Nr.r Ungern Ungarn.

Redaktion: August Götz. - RotatiouZdruck und N erlag der Brübl'schen Umversitätr-Vuch- und Steindruckerei. R. Lange. Güßen.