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es ist immer eine Ehre, für die Voyageurs Ihren Besuch zu empfangen."

Eilenden Schrittes ging er hinab nach der dritten Buchst, wo er Guenn, Jeanne und Nannte richtig auf den Klippen kauernd fand. Sie vergnügten sich gerade mit spöttischen Bemerkungen Wer ein paar badelustige Engländer, die, da ds Ebbezeit war, in ihren gestreiften Anzügen weit hinaus durch den nassen Sand waten mußten, um das ferne, schimmernde Wasser zu erreichen. Mit geröteten Wangen und glückselig strahlenden Augen lagerte Guenn in allen nur erdenklichen Stellungen auf ihrem Beobachterposten; .aber wie nachlässig sie auch hingeworfen war, die kleinen Hände arbeiteten dabei rastlos an dem unvermeidlichen Strickstrumpf, der ganz unzertrennlich schien von jedem Mädchen tu Plouvenee. Gueun strickte und lachte dazu ihr herzliches, sorgloses Lachen; unter ihrem weißen Häub­chen ckchaute ein Gesicht voll Gesundheit, Uebermut und .Schalkhaftigkeit hervor. Herausfordernd blickte fie jedem sich Nahenden entgegen, als sie aber Thymert von den Lannions erkannte, schwand ihr trotziger Ausdruck. Sie erhob sich eilfertig und begrüßte ihn bescheiden und an­mutig, wie es sich für ein sittsames Mädchen geziemte.

Sie will nicht aber sie will" - rief Nannies schrille Stimme, dabei rannte er mit Jeanne zur Bucht hinab. Guenn schaute dem verkrüppelten Kinde mit der nach- fichtigsten Liebe nach.

Wer will nicht?" fragte Thymert.

Sie, Guenn."

Aber Nannie, bist Du immer so weise?" fragte Thy­mert lachend.

Wenn's sich um mich handelt, immer", versetzte Guenn mit Ueberzeugung.

>,Jch bin froh. Dich hier zu finden, Guenn", begann der Pfarrer in unsicherem Ton,ich kam eigentlich nur, um Mit Dir zu sprechen."

Das ist sehr gütig von Ihnen, monsieur le rectenr", versetzte Guenn hoch erfreut und sah ihm offen und freund­lich ins Gesicht.

(Fortsetzung folgt.)

Eine Rheinreise in der Schweiz.

Wenn von einer Rheinreise geredet wird, so versteht man allgemein darunter ein Befahren des Rheines zwischen Köln und Mainz auf den Personendampfern, einer Strecke Von 86 Kilometer, die von den Schnelldampfern zu Berg in zwölf, zu Tal in neun Stunden zurückgelegt wird. Nur wenige wissen, daß es noch eine andere Rheintour gibt, die zwar an Ausdehnung und Verkehr mit der Strecke KölnMainz sich nicht messen kann, aber bezüglich der land­schaftlichen Schönheit reichlich so viel bietet wie die Fahrt Zwischen Bingen und Koblenz. Das ist die Strecke von Kow- stanz brs Schaffhausen, etwa 48 Kilometer lang, die von den kleinen Schwetzerd ampfern zu Tal in dreieinhalb Stunden durchfahren wird. Da die Dampfer nur 260 Per­sonen fassen, und Bei weitem nicht jene Bequemlichkeit ge­währen, die wir auf den Dampfern des Mittelrheines ge­wöhnt sind, so empfiehlt es sich, die Fahrt nur Bei gutem Wetter zu machen, und zwar auf dem zweiten, nicht ersten Platze, da man auf ersterem ohne Sonnendeck vollständige freie Aussicht hat, während der letztere, nach hinten ge­legen, trotz des Sonnendeckes unter dem Rauch und Ruß des niedrigen Kamines einen wenig angenehmen Aufenthalt und nur Beschränkte Aussicht bietet. Bon Konstanz ab- sahrend, werfen wir einen letzten Blick auf den Bodensee tu ferner ganzen Länge und die Riesenhäupter der Alpen, dann gehts unter der Eisenbahnbrücke durch und fünf Kilo- meter wert bis Gottlieben auf dem nur hundert Meter

Rhern, der sich hier in den Untersee ergießt. Bis Schaffhausen werden noch vierzehn weitere Stationen an­gelaufen, aber das Anlegen und Abfuhren geht so rasch, daß man die Unterbrechung der Fahrt kaum merkt. Rück­wärts schauend sehen wir das Münster von Konstanz lang» nn$ dorn fesseln uns die reizenden Ausblicke auf den See, die altberühmte Insel Reichenarr und darüber hinweg auf die im Hintergründe kühn aus der Ebene emporsteigende Höhgauer Basaltkegel den Hohentwiel, Hohenkrähen usw. Links zeigen sich die Schlösser Kastel, Gottlreben, Wolfsberg, Arenaberg, der unglücklichert

Kaiserin Engenie gehörend, Salenstein, Liebenfels und Freudenfels, während nach einstündiger Fahrt von rechts auf waldiger. Höhe die restaurierte Burg Hohenklingen bei Stein, dem altertümlichen Städtchen, uns begrüßt. Hier endet der See und wir fahren wieder auf dem Rheine: liebliche Ufer, mit grünen Matten und Weinbergen bedeckt, zwischen denen idyllisch gelegene Dörfer auftauchen, waldige Höhen, fchöne Blicke in die Ferne, hier und da auf die schneebedeckten Alpen, alte Klostergebände und freundliche Landhäuser modernsten Stiles, nicht zum mindesten aber die klare, tiefgrüne Flut des durchweg hundert Meter Breiten Stromes gestalten die Wasserfahrt zu einem Hochgenüsse, sodaß die Zeit im Handumdrehen schwindet und der ge­waltige Münoth, das Wahrzeichen Schaffhausens, schneller als erwartet auftancht. An feinem Fuße legen wir an und Beeilen uns, da es schon nahezu sieden Uhr abends ist, in der Stadt Quartier zu nehmen und zu speisen, um rechtzeitig mit der elektrischen Bahn nach dem Rhe in falle hinauszufahren und dessen elektrisch-Ben gä­lische Beleuchtung zu Bewundern. Wir trafen es gut, denn der Vollmond stand nicht nur im Kalender, sondern in vollem Glanze am Himmel, und es ist schwer zu ent­scheiden, oB die natürliche oder die künstliche Beleuchtung schöner ist; erstere ist stimmungsvoller und mehr dem großartigen Naturschauspiele angepaßt, letztere wirkt thea­tralischer und imponiert mehr der großen Menge, oBwohl sie für die Breite von 115 Meter und Höhe von 19 Meter nicht ausreicht, Bei ungünstiger Witterung in dem Benga­lischen Teile leicht versagt. Jedenfalls ist sie in der Wirk­lichkeit schöner, als sie auf den grellen, überall in Süd­deutschland und der Schweiz herumhängenden Plakaten dargestellt wird. Als Mangel muß es bezeichnet werden, daß die Wege und Treppen, welche vom Endpunkte der elektrischen Bahn an den Fuß des Falles und weiter zum Schlößchen Wörth führen, von wo man die beste Aussicht auf die Beleuchtung hat, jeder Beleuchtung entbehren; Bei duukelern Wetter kann man nur schwer sich orientieren und auch leicht fallen, dfa man selbst Bei Vollmond wegen der dichten Bäume keine Hand vor Augen sehen kann. Die meisten Besucher sind zufrieden, den Fall bei künstlicher Be­leuchtung gesehen zu haben; aber da ist sein Bild doch! nur beschränkt. In seiner sgjanzen Größe und unvergleichlich majestätischen, kraftstrotzenden Schönheit zeigt er sich erst im strahlenden Sonnenlichte, wie wir ihn am andern Morgen sahen, als wir oberhalb des Falles über die Eisen- bahnbrücke zum Schlosse Laufen gingen, hier vorn Pavillon, Känzli und von der Fischetz aus in die rastlos brandenden Wogen schauten, dann nach Wörth uns übersetzen ließen und um den Fuß des Falles herum nach dem Dorfe Neuhaus zurückkehrten. Stundenlang könnte man dastehen und in das ewig wechselnde und doch stets sich wieder­holende Spiel der Wellen hinabblicken, ohne erschöpfende Worte für den Eindruck zu finden, ebensowenig wie matt den zuckenden, flammenden Blitz mit Händen greifen oder den rollenden, grollenden Donner in Worten wiedergeben kann. Jahrtausende stürzten die ungeheuren Wasserntassen ungenutzt zu Tal, und noch heute werden die Kräfte des« eigentlichen Falles nicht ausgenutzt, auch wohl für absehbare Zeit davor bewahrt bleiben. Dagegen wurden schon Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts Bei der drei Kilometer oberhalb des Falles, unmittelBar südlich von Schaffhausen gelegenen Stromschnelle Turbinenanlagen in den Strom eingebaut, die 2400 Pferdekräfte lieferten.

Jetzt sind dieselben für elektrische Uebertragnng umgebaut und erweitert, sodaß 4000 Pferdekräfte zur Ver­fügung stehen, womit der heutige Bedarf reichlich gedeckt wird. Schaffhausen selbst mit 16 000 Bewohnern ist eine etwa neun Jahrhunderte alte interessante Stadt, die zwar seit vier Jahrhunderten politisch zur Schweiz gehört, deren Bevölkerung aber rein deutsch ist und in nichts von den umwohnenden Badensern sich unterscheidet. Tie nähere Umgegend bietet Gelegenheit zu zahlreichen interessantÄn Ausflügen: Zürich, Luzern, und der Altschluß an die St. Gotthardbahn ist von hier ebenso schnell zu erreichen wie von Basel ans, sodaß Schaffhausen jedem Reisenden, der nicht nur ftlometern und kraxeln, sondern wirlliche Natur­schönheiten mit Muße genießen will, als Ausgangs- oder Endpunkt für eine Schweizerreise, auch als Schluß einer Schwarzwaldreife wirklich empfohlen werden kann.