31&

Er wollte heiraten. Eine andere, eine Fremde, die sie nicht kannte.

Und er glaubte, sie, die Resi, hätte ihn lieb. Hätte ihn womöglich so lieb, daß sie sich deshalb echauffierte und feines Einflusses wegen schlaflose Nächte hatte!

Sie wollte lachen, aber es blieb ihr im Halse stecken.

Was die Männer sich alles einbilden! Als sie in plötz­lichem Stolz ihm dann die Fabel von ihrer bevorstehenden Verlobung erzählt, war er offensichtlich unzufrieden und ärgerlich gewesen. Es hatte seiner Eitelkeit gekränkt. Er hatte vielleicht gar geglaubt, sie würde barmherzige Schwester werden, weil sie ihn nicht bekam! Herrgott, waren die Männer eitel!

Wütend konnte man darüber werden!

Sie schüttelte die Kissen auf, als hätt' sie jemanden Vor, den sie strafen müßte.

Gewiß, sie hatte Fred Richter gern gehabt, aber seit heute mochte sie ihn mcht.

Klaps, sauste das Kissen nieder!

Jawohl, seit heute haßte sie ihn, sein Gesicht, sein Wesen alles!

Weshalb?

Sie dachte lange darüber nach, noch während sie sich, wie allabendlich, mit der Mandelkleie das Gesicht wusch.

Erst als sie sich abtrocknete, hatte sie es: Tiefer Fred Richter war gar zu unverschämt eitel! Run, er sollt' es bei Gelegenheit schon merken!

6. Kapitel.

Dem jungen Arzte war gar nicht wohl zu Mute, als -er das Bergmannsche Haus verließ.

Er ärgerte sich über sich selbst. Mochte seine Cousine doch heiraten, wen sie wollte, seinetwegen auch den Tah von Tripolis oder den Rajah von Haidarabad was scherte das ihn?

Und trotzdem hatte es ihn wie ein Schlag getroffen!

Hätte Kurt ihm das gestern verraten na, bet nächster Gelegenheit hätte er Resi wahrscheinlich die Hand ge­schüttelt und gratulor gesagt. Aber es war so schauder­haft, daß er es gerade rn dem Augenblicke gehört, als er seiner Cousine innerlich so nahe war, wie nie zuvor.

Sie, die ihn sonst immer himmelblau angeödet, mit Kunst und Literatur gescheucht, sprach mit einem Male so nett, so vernünftig, ßo sicher und lebensllug, daß es eine Freude war. Teufel ja, dann ließ er sichdas Höhere" da­neben gern gefallen.

Da war der Sänftling am Ende doch der bessere Menschenkenner gewesen! Wre oft hatte der gesagt:Fred, heirat die Resi! Ihr beide paßt großartig!" Und er hatte gelacht und geschimpft.

Aber nun, nach dieser Unterredung, lachte er nicht mehr. Dies famose Mädel! Sie hatte doch das Herz auf dem rechten Fleck! Sie paßte doch in die Welt! Sie würde als seine Frau doch nicht über demFaust" vergessen, ihm abends die Schlafschuhe hir^ustellen!

Und derTaugenichts"?

Er seufzte. Wen er jetzt eigentlich lieb hatte, wußte tzr selber nicht recht. Hier die Unbekannte, für die er ganz ehrlich schwärmte dort seine Cousine, die er jetzt erst erkannt hatte und die ihm doppelt begehrenswert er­schien, seit er wußte, daß sie einem andern gehören sollte.

Das Dilemma war fürchterlich. Und jetzt galt es, schnelles Handeln, sonst stand er schließlich als der Bla­mierte da.

Schlaflos wälzte er sich die Nacht herum. Und noch ehe am nächsten Morgen Kurt Unruh, der Assessor, zum Dienst ging, war er bei ihm.

(Fortsetzung folgt.)

vermischtes«

* Wie man brieflich den Doktorhut er­wirbt- Eine amüsante Schwindelgeschichte, die jedoch zeigt, was es mit demamerikanischen Doktor" bisweilen für eine Bewandtnis' hat, erzählt der Mitarbeiter eines Londoner Blattes:Ein amerikanisches Institut macht sich anheischig, die Anfangsgründe der Rechtswissenschaft brieflich zu lehren, und dem glücklichen Studenten nachher einen akademischen Grad zu verleihen. In einer schottischen Zeitung erschien folgende Anzeige:Die Kissimmee-Schule der Rechtswissenschaften. Unterricht brieflich. Zahlreiche Erfolge. Ehemalige Studenten praktizieren an den Gerichts­

höfen. Grade verliehen. Man schreibe us!v." Das klang verlockend. Ich träumte von forensischen Erfolgen nach wenigen kurzen Stunden. Ich träumte, daß ichLL. D." (Doktor der Rechte) hinter meinem Namen schreiben und die anderen Schreiber in dem ziemlich obskuren Bureau, wo ich mein tägliches Brot verdiene, überraschen könnte. Ich schrieb also. Kosten soweit 21/2 Pence. Vom Dekan der Fakultät erhielt ick darauf eine freundliche Antwort, daß, wenn ich zehn Dollars für den einleitenden Unter­richt beilegen würde, ich al-:- Nichtgraduierter der Fakultät eingeschrieben werden könnte. Ich schickte also bas Geld und hielt mich nun als gesellschaftlich gleichstehend mit den jungen Herren der Rechtsschuleu. Der Titel Nicht­graduierter klang meinen Ohren sehr angenehm. Kosten so weit 2 Pfd. 21/2 Pence. Drei Wochen darauf kam ein großes Pergament. Eine prächtige Reihe Siegel und latei­nisches Motto bildeten den Kopf. Es besagte, daß ich, John Smith, zur Zulassung zu der Rechtsschule befähigt wäre, da ich mit Anerkennung das Jmmatrikulierungs- examen bestanden hätte. Ich erinnerte mich der Prüfung nicht; aber ich wollte mich mit dem Dekan darüber niM strerren. Am Schluß hieß es, ich hätte mit Auszeich­nung bestanden, sodaß ick mich verwundert fragte, was die armen Menschen getan haben könnten, die nicht ähnlich ehrenvoll bestanden hatten. Zum Schluß erwähnte der Dekan beiläufig, daß der Fakultät eine Gebühr von vier Dollars alsKaution" zukäme. Entzückt schickte ich um­gehend das Geld, und bankte dem Dekan für seine per­sönliche Freundlichkeit. Kosten so weit 2 Pfund 16 Sh. 21/2 Pence. Jedenfalls hatte ich für mein Geld ein schönes Pergament, das ich natürlich einrahmen ließ, wodurch die Kosteu 3 Pfd. 2i/2 Pence betrugen. Nach drei Wochen ich! war dem Briefträger bis zum Ende der Straße entgeaengelaufeu erhielt ick ein langes dickes Couvert, das ich eilig öffnete. Es enthielt nicht die gewünschte Belehrung, sondern eine Menge bedrucktes und mit der Schreibmaschine beschriebenes Papier, auf dem die Rechts­schule ihren Studenten gewisse Kurse empfahl. Das Ver­gnügen darüber wurde nur dadurch getrübt, daß jede Stu­dienreise weitere Kosten nach sich zog. Nach reiflicher Ueberlegung entschied ich mich für englisches gemeines Recht, 10 Dollars für 10 Stunden. Kosten so weit 5 Pfd. 21/2 Pence. Nach vier Wochen erhielt ich ein weiteres Bündel Papier mit einem vertraulichen Brief des Dekans, der an einen lange verloren geglaubten Bruder hätte ge­schrieben sein können. Das englische gemeine Recht war auf zehn Blättern geschrieben, jedes Blatt eine Stunde. Ein weiteres Matt trug die UeberschriftPrüfung zu einem akademischen Grad", und besagte, daß der Student mit seinen Antworten 40 Dollars zu schicken hatte. Ich machte mich also erst ans Studium, erhielt zu meinem Erstaunen aber schon nach drei- Wochen einen Mief von meinem lieben Freund, dem Dekan. Er teilte mir mit, die Fakultät der Rechtsschule wolle mich als Sophomore (amerikanischer Student der zweiten Klasse) zulassen, wenn ich in jener Woche, da die Sitzung sogleich begann, 12 Dollars schickte. Die Fakultät wollte, da ick in England wohne, in meinem Fall von den 40 Dollars, der Gebühr für amerikanische Studenten, absehen. Nun hatte ich keine Ahnung, was ein Sophomore war; da aber der Dekan, der es wissen mußte, Wert daraus zu legen schien, sandte ich die 12 Dollars Kosten bis dahin, mit Porto, 7 Pfd. 8 Sh. 10 Pence. Ich fand es sehr hübsch, Sophomore zu sein, obgleich ich ein heimliches Gefühl hatte, herzlich wenig von der Rechtswissenschaft zu wissen, und ich begriff nun, daß jeder anständige alte Herr sich Richter nennen darf. Ich arbeitete aber tüchtig, und als ich die ersten drei Stunden bemeistert hatte, erhielt ich zu meinem Erstaunen eine sehr freundschaftliche Mitteilung, daß die Studien- behörde günstig über meine Arbeit berichtet und mich zum Grade einesLL. D." empfohlen hatte, wenn ich zehn Dollars zur Kostendeckung für meine Pergamente und die Einschreibung unter die ersten Sophomore schickte. Ich betrachtete die große Studienbehörde mit großer Achtung, da sie meine Arbeit so ungesehen beurteilen konnte, aber ich war enttäuscht, daß an meinem Sophorisrnus etwas fehlte. Ich schickte also das Geld und wartete auf das Pergament, das mich zumLL. D." machen füllte.. Es schien mir schade, weitere Zeit auf das mit der Maschine geschriebene gemeine Recht zu verschwenden, besonders da ich alles wörtlich in einem englischen Handbuch gesunden