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ewige Kraft, die das unermeßliche Weltall erschaffen hat und es erhält von Jahrtausend zu Jahrtauseno, jene Kraft, die sich gleich groß zu erkennen giebt in dem kunstvollen Bau des Sternenhimmels wie in dem kleinsten Ge- Sf im feuchten Moose, sollte die Kraft nicht auch das icheugeschlecht auf der Vollendung Höhen führen? O ja, Gott wird uns führen, doch nicht heben. Er hat uns so reich ausgestattet mit den Gaben des Geistes, dem Triebe des Suchens und Strebens und dem Lichte der Erkenntnis, daß wir selber emporklimmen sollen zu den Höhen des Lichtes, damit wir strebend schon den Lohn des Erfolges empfingen. Denn er hat den Menschen höher gestellt als alle Kreatur und ihm das Bewußtsein seiner Sendung in die Seele gepflanzt. — Und dennoch ist es so schwer, dem Rufe des Pfingstfestes zu folgen und sich — ttt rechter Weise — zu freuen am Schönen. Denn wir gedenken der Unvollkommenheit, die uns umgiebt und die wir in uns fühlen. Wir mögen uns erfreuen an der Pracht in Wald ui nd Flur, — aber sind unsere Herzen erfüllt von jener umfassenden Freude, die uns emporhebt über die großen und kleinen Mühseligkeiten des Lebens?
Wenn diese Freude uns fehlt, dann liegt es daran, daß wir selbst unsere Seelen verschlossen haben und nicht mehr empfänglich sind für das Licht aus der Höhe. Vielleicht sind unsere Herzen verhärtet in dem Kampfe des alltäglichen Lebens. Darum spüren wir so wenig von dem Segen, der uns werden soll am Pfingstfeste. Aber wir wollen trotzdem getrost und froh sein, denn
Christ, unser Meister, Heiligt die Geister.
Dazu gehört allerdings, daß tvir ihm entgegengehen, daß wir die Herren öffnen, damit der heilige Geist des Pfcngstsestes hinecnziehen und es frei machen kann von allem Dunkeln und Unreinen. Das aber ist nicht so schwer: wir brauchen es ja nur zu wollen. Wenn nur den Willen haben, das Böse zu vermeiden, ihm zu entrinnen, es zu bekämpfen, das Gute aber zu tun und zu fördern, dann wird sich der in unserer Seele schlummernde Keim entfalten und gestalten, dem Licht entgegenwachsen, blühen am Tage der Pfingsten und herrliche Früchte tragen zu seiner Zeit. Das ist der Keim der guten, nutzbringenden Tat, deren Segen uns erfüllt mit der Kraft des Lebens Und der Freude des Seins, der Natur, der ganzen Welt.
Indem wir unsere Blicke auf das Höhere, das Ewige richten, lernen wir das Irdische nicht verachten, sondern Nur um so höher schätzen, als das Gut, das uns Gott gegeben hat, uns zum Nutzen. Dann auch werden wir uns recht freuen am Schönen, weil es uns das Verständnis Erschließt für das, was das ganze Weltall durchdringt mit belebendem Hauche, was es trägt und erhält: die Liebe.
Nur in der Liebe, die aus dem Himmel stammt, offenbart sich das Göttliche dem Menschen. Sie ist es ja auch, die heute zu uns spricht und die uns zum Siege führt über alle Not, alle Zweifel und uns den Himmel erschließt diesseits^ und — jenseits.
Ja,
„Christ, Unser Meister, heiligt die Geister", damit sie reinen Herzens und geschmückt mit festlichem Gewände teilnehmen können an der herrlichen Feier.
Noch sehen wir nicht die Vollendung.
Noch ringen miteinander die feindlichen Mächte und Oft zerstört ein einziger Nachtfrost im schönen Mai, was die wärmenden Strahlen der Sonne in Monaten schufen. Doch das soll uns nicht mutlos machen in der Lust der Arbeit, es soll uns den Willen zum Guten nicht lähmen. .Unsere Ideale leuchten uns gleich Sternen voran. Sorgen wir, daß wir sie nicht verlieren!
Das ist der Allmacht heil'ger Geist, Der heute dir und immer wieder Den Weg zum wahren Heile weist. Nun senkt er segnend sich hernieder. Verschließ ihm deine Seele nicht. Nein, öffne sie dem Sonnenlicht Und laß von dieses Festes Segen Ein Samenkorn ins Herz dir legen!
Erich zu Schirfeld.
(Nachdruck verboten.)
Die Annonce.
Novelle von Thomas Glahn.
(Fortsetzung.)
Und langsam hob sie das Haupt und sagte ruhig: „Wann wird die Verlobung sein?"
Er stutzte, aber er war froh, daß sie seine voreilige Bemerkung nicht weiter beachtete.
„Das weiß ich noch nicht. Ach, überhaupt — vielleicht kommt alles ganz anders. Es hängt noch sehr in der Luft."
„Schade!"
„Willst Tu mich so gerne unter der Haube haben?"- fragte er beinahe etwas pikiert.
„Ich dachte nur, wir könnten dann — vielleicht -s gleich zwei Verlobungen feiern."
„Wieso?"
@r hatte große Augen.
„Ein Vertrauen ist des andern wert, Vetter. Es ist selbstverständlich, daß Tu kein Sterbenswörtchen sagst."
„Das große Ehrenwort", scherzte er. „Will etwa Hedwig von Berson nächstens als Verlobte in der Zeitung stehen?"
„Tas nicht", erwiderte Resi Bergmann, „aber ich!"
Mit einem Satze sprang Fred Richter aus. Er war grenzenlos erstaunt und erschrocken.
„Tu? — Du? — Ach, Du ulkst ja!"
,Lch denke nicht daran, zu scherzen. Oder meinst Tu, es sei unmöglich, daß mich jemand will?"
Er hatte überhaupt keine Worte und blickte sie nur fortwährend an.
„Das schon", sagte er dann, „natürlich! Aber wer ist denn um Himmels willen da? Ich kenne keinen!"
„Geheimnis! Und übrigens: allein von den nächsten Bekannten! Ta ist Doktor Freund, Referendar Vogel, der Baron Kehsten, Fritz Wölkner, der junge Liebig — willst Tu noch mehr?"
Er schlug mit der Faust auf den Tisch.
„Tiefe Fatzken, Resi — Herrgott diese Fatzken! Mädel, wie kannst Tu nur? Kreuz Sakra, das freut mich wahr- haftig nicht!"
Er ging finster hin und her.
„Ich sag' ja auch nicht, daß es gerade einer von den Genannten rst! Und schließlich sollst Tu ihn ja nicht heiraten, sondern ich!"
„Ganz egal! Ich gönn' Tich diesen Burschen nicht. Bist ein viel zu netter Kerl dazu — Verzeihung! Ja, wenn darunter ein ganzer Mann wär' — schön, in Gottes Namen! Aber diese Patentaffen —"
„Fred!"
„Pardon!" brummte er. „Einen besseren Geschmack hätt' ich Tir zugetraut. Ist das denn wirklich kein Scherz?"
Sie schüttelte lächelnd den Kopf.
„Tann versteh' ich Dich nicht."
„Wenn man jemanden lieb hat — Tu siehst es doch an Tir!"
Fred Richter besah sich die Fingernägel und schwieg.
„Na, meinetwegen", seufzte er daun. „Und wann soll die Verlobung sein?"
„Wie kann ich das wissen?"
„Ach so, Ihr selbst seid noch nicht einig?"
Er sagte es fast erleichtert.
Seine Cousine beantwortete die letzte Frage nicht, sondern sprach, während sie einen neuen Seidenfaden in das Nadelöhr zog: „Es geht mir halb und halb wie Dir. Ich kann auch noch nichts Rechtes sagen. Nun, hoffentlich sind wir beide bald glücklich."
„Hoffentlich!" sagte er. Aber die Falte auf der Stirn wich nicht.
Am Abend dieses Tages stand Resi Bergmann in ihrem Schlafzimmer vor der Spiegeltoilette und löste eine Nadel nach der andern aus ihrem reichen Haar. Als es, durch nichts mehr gehalten, ihr voll und frei um die Schultern rann, letzte sie sich auf den Stuhl vor ihrem Bette und stützte vas Haupt in die Hände.
Sie dachte an Fred Richter. Sie dachte an heut und morgen und an das ganze Leben.


