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„O, Sie brauchen nicht „aber" zu sagen", unterbrach ihn Nell. „Sie wissen, daß es wahr ist. Nun, ich habe nichts gegen Ihren Freund einzuwenden; er ist sehr nett und sehr gutmütig, aber —"
„Man muß ihn im Zügel halten?" sagte Clifford.
„Ja. Ich behandle ihn, wie ich eine Menge dieser jungen Leute behandle, die von Stvoan herüberkommen, um sich hier müßig herumzutreiben — und wie ich auch Sie anfangs behandelte." Und sie warf ihm lächelnd einen Hübschen, etwas scheuen Blick zu, der Cliffords Herz schneller schlagen machte. „Ich stelle sie alle zur Arbeit an. Das schadet ihnen nicht und meinem Onkel ist es sehr vorteilhaft. Seit ich hier bin" — und sie erhob triumphierend den Kopf — „ist er im stände gewesen, ohne einen Mann, der auf Ordnung sieht, auszukommen."
Clifford konnte sich nicht enthalten, zu lachen.
„Wahrhaftig, Sie sind eine Mascotte, Sie bringen Glück, wohin Sie auch gehen", sagte er.
„Ich möchte wirklich gern glauben, daß ich es Onkel George gebracht hätte", sagte das Mädchen. „Ich kann Ihnen sagen, denn jedermann weiß es, daß er sich gerade, ehe ich zu ihm zurückkam, am Rande des Bankerotts befand. Und jetzt", und sie warf Clifford einen Blick des Triumphes zu, „jetzt hat er ein anderes Stück Land und noch weitere zwei Kühe gekauft und die Ställe erweitert und überdies Geld in die Banik gelegt. Was sagen Sie dazu?"
„Ich sage, daß er ein sehr glücklicher Mann ist, eine solche Nichte zu haben", sagte Clifford, mit jedem Augenblick mehr von des Mädchens ergötzlicher Mischung von Schlauheit und Unbefangenheit entzückt.
(Fortsetzung folgt.)
Vom Holzschliizer zum Milliardär.
Ein Roman aus dem Leben.
Der Held dieses Romans ist James I. Hill, Eigentümer von Eisenbahn- und Dampfschifflinien und ame- kanischer Multi-Millionär, ein Mann, dessen Name in der Newyorker Wallstreet in einem Atem mit dem Morgans, Vanderbilts und Rockefellers genannt wird. Im Jahre 1858 noch war er Holzschläger in Kanada, damals et« Zwanzigjähriger, aber er meinte, daß es irgendwo in den Vereinigten Staaten eine bessere Gelegenheit geben müßte, reich zu werden. Denn selbst in Amerika sammelt Man mit Baumfällen keine Reichtümer.
James I. Hill war ein Schüler der Rockwoodschule. Einer höheren Ausbildung ist er nie teilhaftig geworden. Würde einem heute Zugang zu einem gewissen Raume der alten Rockwoodschule gestattet und auch, den fingerdicken Staub von einem der Schülerpulte abzuwischen, dann würde man auf dem Deckel dieses Pultes, tief ein- geschnitzt, den Namen „Jim Hill" finden.
Der heutige Milliardär hatte sich dieses Vergehens schuldig gemacht, und wurde dafür von William Wethe- rald, dem gestrengen Schulmeister, nach dessen Privat- zrmmer zitiert.
„Hill",, Hub der Gestrenge an, „ha<st Du Deinen Na- Uien in ein Pult des Klassenzimmers eingeschnitzt?"
„Ja, Herr", war die Antwort.
„Dann zieh' 'mal Deine Jacke aus".
, Wetherald war ein kleiner, schmächtiger Mann, aber seine fiebenschwänzige Katze konnte fürchterlich werden. Und das hat damals der junge Hill an seinem Körper erfahren müssen; die ihm applizierten Schläge waren grausam, und der Junge trug die Merkmale derselben tagelang an seinem Rücken.
, Aber Mr.. Hill hat seinen alten Schulmeister nie ver- & 'l1!' 1x511 Jahren, als er schon zu großem Reichtum und Macht gekommen war, fand eines Tages hÄa ?$.ret^n nachstehenden Inhalts seinen Weg in das Heun des alten Schulmeisters in Rockwood: „Lieber Herr Wetherald! Wurden Sie nicht gern nebst Frau und Sohn rn meiner Gesellschaft einen kleinen Ausflug nach fabrkarte^i Beigeschlossen finden Sie Eisenbahn!
fuhrkarten nach St. Paul und einen kleinen Scheck rur Deckung etwaiger vorläufiger Kosten. James H. Hill."
Der Scheck lautete auf 2000 Mark.
Alter in N d^n Schulmeister, nun gebeugt vom Munn ?"?er seine Fittige und behandelte den
Mann wie ern Fürst den andern behandeln würde. Nach
kurzem Aufenthalt in St. Paul wurde die Fahrt nach Winnipeg angetreten. Mr. Hill war damals einer der Direktoren der Canadian-Pacific-Bahn, und Sir William Van Horn deren Präsident. Den Alten beim Arm greifend, führte er denselben in das Zimmer, in welchem Präsident und Direktoren versammelt waren, dann legte er seinen Arm leicht über die Schultern des Lehrers und sagte, die versammelten Bahnmagnaten ansprechend: „Meine Herren! Dies ist der Mann, der in der Rockwoodschule mein Lehrer war; alle Schulbildung, der ich teilhaftig bin, habe ich diesem Braven zu verdanken."
Und als der alte Schulmeister einige Jahre danach starb, da ließ James I. Hill es sich nicht nehmen, per Sonderzug von St. Paul aus über den Kontinent nach Rockwood zu eilen, um dem Begräbnis beizuwohnen, und entblößten Hauptes stand er inmitten der Leidtragenden, als der Sarg mit der Leiche des alten Lehrers in die kühle Gruft gesenkt wurde.
Die grausamen Prügel, die er während der Schuljahre erhalten hat, hat er dem Lehrer nie nachgetragen.
Als die Schuljahre vorüber touren, wurde Jim Hill einem Krämerladen in Rockwood attachiert. Rockwood hatte damals eine Bevölkerung von 700 Seelen. Numerisch gestiegen ist die Bevölkerung bis auf den heutigen Tag nicht. Der Besitzer des Ladens war Robert Pasmore, ein Handelsmann der alten Schule. Hill erhielt für seine Tätigkeit im Geschäfte ein Salär von acht Mark die Woche und freie Station. Dafür hatte er aber von 5 Uhr morgens bis 8 Uhr abends zu schaffen, und wenn nicht hinter dem Verkaufstisch beschäftigt, dann hatte er Holz zu spalten und beim Melken der Kühe zu helfen.
Durch einen unglücklichen Zufall gestattet Edison, ein Eisenbahntelegraphist, einem Zug, seinen Posten zu St. Mary's in Ontario unsignalisiert zu passieren, was eine leichte Kollision zur Folge hatte. Dadurch verlor St. Mary's den Bahntelegraphisten Edison und die Welt gewann Edison, den Erfinder. Die Welt würde wahrscheinlich James I. Hill verloren haben, wäre nicht ein Eimer voll Wasser zur rechten Zeit dagewesen. Ein Pferdehändler kam eines Tages an den Krämerladen in Rockwood herangeritten, warf den Zügel über den Kopf des Tieres und betrat den Laden. Jim Hill bemerkte das Tier und ging hinaus, um es zu tränken — eine ungebetene, aber just darum den Händler erfreuende Aufmerksamkeit. Ais Dank dafür warf der Fremde dem Jungen beim Fortreiten eine Newyorker Zeitung hin. Zeitungen waren damals in Nockwood rar, und eine Newyorker Zeitung war eine große Seltenheit. Nach verrichtetem Tagewerk setzte Jim Hill sich in seinen» Kämmerchen über dem Store hin, um die Zeitung zu lesen. Sein Auge fiel auf den Artikel mit der Ueberschrift: „Famose Gelegenheit für junge Männer im Westen der Vereinigten Staaten". Was er las, fesselte sein Interesse so stark, daß er den Artikel immer wieder las, bis durch das viele Hantieren die Schrift gar nicht mehr lesbar geworden.
Später borgte James I. Hill sich von einem benachbarten Farmer genügend Geld, um nach Syracuse, N. A, gelangen zu können. Dort arbeitete er eine zeitlaug, und dann wanderte er nach dem Westen aus. Später zahlte er dem Farmer die geborgten 40 Mark mit 20 000 Mark zurück.
„Nimm Dich in acht, Jim, Holzschlagen ist ziemlich sicheres Brot."
Dem Bruder, der ihm diesen Rat gegeben, schickte er um dieselbe Zeit 60 000 Mark, um sich eine Farm zu erwerben. Zu demselben Zwecke schenkte er seiner Schwester in Eramosa einen gleich hohen Betrag.
Englische Liebe und Ehe.
Für leidenschaftliche Leute, welche ihr Herz stets auf der Zunge haben, ist England ein heißer Boden. Zwar ist auch in England die Liebe kein Verbrechen, aber sie legt den Liebenden doch schwere Pflichten auf. Das Gesetz verbittert den Kurschneidern und Süßholzrasplern, welche nur die Wonnen der Liebe genießen, aber nicht die Pflichten der Ehe auf sich nehmen möchten, ein wenig das Leben; es sorgt dafür, daß die Freier, wenn sie einmal ins Netz gegangen sind, nicht so leicht wieder loskommen, wie sehr sie auch zappeln mögen. Natürlich werden schlaue Pläne geschmiedet, um den gesetzlichen Folgen eines gegebenen Eheversprechens


