Montag den 80. März.
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■Salate.
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r\ 1903. — Nr. 48.
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' (Nachdruck verboten.)
Das Gasthaus am Strande.
Roman in zwei Bänden von Florence Warden. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen.
(Fortsetzung.)
Und tinmütig lenkten sie ihre Schritte der Stimme zu; und nachdem sie über einen Pfahlzaun gestiegen waren, jenseits eine Schar Hühner aufgescheucht und sich einen Weg durch das üppige wilde Gras längs des Flusses gebahnt hatten, wo die Boote lagen, welche die Vergnügungsreisenden nach Fleet-Castle brachten, stießen sie auf einen hölzernen Schuppen, einen starken Pechgeruch und zwei menschliche Gestalten. Die eine war Jordan, ohne Rock, den Strohhut weit zurückgeschoben, den Borstenpinsel mit Teer in der einen Hand, eine Zinnkanne in der andern, ganz vertieft in die bescheidene, aber nützliche Aufgabe, den Kuhstall mit Pech zu beschmieren.
Seine Freunde aber gönnten ihm kaum einen Blick; es war die andere Gestalt, die ihre Sehkraft völlig in Anspruch nahm. Ein schlankes Mädchen mit einer weißen baumwollenen Bluse und einem ungeheuren Strohhut — das war die Nell, die die Zeit der Hälfte der jungen Leute von Stroan vergeudete und die Zeit der Hälfte der jungen Männer von London vergeudet haben würde, wenn diese Iie nur einmal gesehen hätten. Sie war eine Schönheit »es reinen sächsischen Typus mit der undurchsichtigen weißen Haut, die von der Sonne nicht verbrannt oder rot gefärbt wird, mit rosigen Wangen, einem leicht aufgeworfenen Kindermund und mit blauen Augen, die einem jungen Mann den Atem versetzten. Ihr Haar war seit der Kindheit vom hellsten Blond immer dunkler geworden und war jetzt von einer lichten bronzenen Farbe. Ihrem Wesen war sowohl eine Feinheit als eine Zurückhaltung eigen, die nicht verfehlen konnten, einen Fremden, der sie in diesen sonderbaren Verhältnissen fand, in Erstaunen zu setzen. Sie bemerkte die neuen Ankömmlinge lange, ehe der arme Jordan es tat, und sie verfolgte ihre Annäherung mit den Augen, während der unglückliche Künstler sich an seiner unrühmlichen Aufgabe abmühte.
Vielleicht hatte das Mädchen die drei jungen Leute schon zusammen gesehen; vielleicht war es nur die den Frauen eigene Raschheit des Urteils, das sie den. richtigen Schluß ziehen ließ.
„Ich glaube, dort kommen ein paar Ihrer Freunde", sagte sie mit einer so feinen Stimme, als es ihr Erscheinen und ihr Benehmen waren.
Der arme Willie fuhr erschrocken zurück, stolperte dabei über den unebenen Boden und zeigte ihren Blicken ein überaus rotes, von Schweiß bedecktes Gesicht. Sie beachteten ihn jedoch nicht. Leichten Schrittes über den höckerigen Boden gehend, wunderbar frisch, reinlich nett und
sorgfältig gekleidet, neben dem besudelten und schwitzende» Willie aussehend, warfen sie mit halbgeschlossenen Augen die Köpfe zurück und fingen an, das Werk, das sie vor sich hatten, mit so viel Liebe und Gewissenhaftigkeit zu mustern, als ob es ein Gemälde an den Wänden der neuen Galerie, gewesen wäre.
„Hör einmal, alter Junge, es ist wirklich das Allerbeste was Du jemals gemacht hast!" fing Otto mit wohlwollender Bewunderung an.
„Bei Gott, Jordan, ich hätte nimmer gedacht, daß DH so etwas malen könntest", fügte Clifford hinzu. „Welch breiter Strich und zugleich welck feines Gefühl für SSlr’? ung, was einen unermeßlichen Fortschritt gegen Deine früheren Arbeiten zeigt. Du scheinst, sozusagen. Deine ~ Stärke hineingelegt zu haben. Es gereicht Dir in hie Maße zur Ehre — nein, wirklich, das tuts, alter Junj
„Auch liegt Bedeutung darin! Und das ist es gerade was Dir bisher immer fehlte."
Zum ungeheuren Verdrusse Willies bereiteten diese merkungen der schönen Nell sichtbar Vergnügen, und ob schon ein Gefühl willfähriger Dankbarkeit gegen ihr schmähten Bewunderer sie versuchen ließ, ihre Lu> - zu beherrschen, sah Clifford doch in ihren blauen Augen eit Fröhlichkeit, die darum nicht schwächer war, weil ih?, äußerer Ausdruck niedergehalten wurde.
„Es ist leicht, sich lustig zu machen", murrte Willi- hitzig. „Vielleicht versuchet Ihr Euch gern selbst in ■ ; Arbeit."
„Nein, alter Junge, wir würden es nie zu dieser Lieftz der Farbe bringen", sagte Otto, sich an des Künstler» e hitztem, hochrotem Gesicht ruhig weidend.
„Es gehört eine natürliche Geschicklichkeit zu dies Ar? Dingen", fügte Clifford hinzu.
„Nun, so könnt Ihr Eurer Wege gehen, wenn ihr mich! Besseres zu tun wißt, als das zu bespötteln, was ihr, sell zu tun, nicht den Mut habt", sagte Willie scharf.
„Wir bespötteln os nicht, wir drücken Bewundr aus", erwiderte Otto.
„Und wir sind völlig bereit, unsere Hand auch zu versuchen", sagte Clifford bei einem plötzlichen Au von Willenskraft, der seinem Wunsche, in der Nähe zu verweilen, entsprang, warf seinen Rock ab und such sich des Borstenpinsels mit Gewalt zu bemächtigen.
Willie widersetzte sich jedoch, bis der Gegenstand dieses sonderbaren Diensteifers sich ins Mittel schlug.
„Wenn Sie wirklich so erfüllt von Wissensdrang sind, daß Sie ihm Luft machen müssen", sagte sie mit einer Stimme, die voll der sittsamsten Fröhlichkeit war, „so könnten Sie mir helfen, diese Boote da ans Land zu ziehen." Und sie blickte auf zwei der kleinen Luftschiffe hin, dre beide augenscheinlich Schaden erlitten hatten, wie das in sie eingedrungene Wasser bezeugte.
Clifford setzte sich sofort mit Eifer aüs Werk, und eI


