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1903. — Nr. 16
(Nachdruck verboten.)
Eine verhängnisvolle Fahrt.
Roman von B. M. Croker.
Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Nwina Vischer.
(Fortsetzung.)
19. Kapitel.
lieber den Sliev-na-Goilberg.
Bon dem blassen Schein der Sterne geleitet, durch- querten die Reiter in fließender Eile das quelleiireiche Heideland. Kirwans dreijähriger Brauner befand sich dabei in einem Zustande der Erregung, die fast an Raserei, grenzte; das flatternde Gewand, die leichte Last, die ungewöhnliche Stunde und Eile regten sein junges, feuriges Blut derart auf, daß. er ein Tempo anschlug, das gar viele Reiterinnen aus der Fassung gebracht hätte. Der Weg führte eine Zeit lang am Seeufer hin, dann bogen die Reiter, immer in der gleichen raschen Gangart, in einen Hohlweg ein, und erst, als der Weg steiler und steiler wurde, gingen sie nach und nach in Trab unb dann in Schritt über.
„Was veranlaßte Ihre Frau Schwester zu diesem ver- weifelten -Schritt?" fragte Terence plötzlich, als er und seine Gefährtin Seite an Seite einen schroffen Hügel erklommen.
„Eifersucht, Trotz", antioortete Miß D'Arey. „Sie läßt sich so leicht von augenblicklichen Regungen leiten, die sie bann sofort wieder bereut."
„Glauben Sie, daß sie ihre Tat bei unserer Ankunft um zwölf Uhr schon bereut haben wird?"
„Davon bin ich fest überzeugt."
„Sir Greville kenne ich als einen vortrefflichen, gediegenen Mann, während der Andere ein fader, oberflächlicher Geck ist. Man kann Lady Fanshawes Handlungsweise gar nicht begreifen. Es muß entschieden noch etwas Besonderes bahinterstecken."
„Nicht etwas, sondern jemand und zwar Mrs. Tuckitt."
„Mrs. Duckitt?"
„Za, sie und mein Schwager fischen doch immer zusammen — sie sind ja beide förmlich begeistert für diesen Sport. Meine Schwester aber will durchaus nicht begreifen, baß man sich nur um des Fischens willen tagelang aus dem Wasser herumtteiben kann."
„Aber ich bitte Sie, Sie wollen doch nicht sagen, daß Lady Fanshawe auf Mrs. Duckitt eifersüchtig ift? Ihre reizende Schwester, eine der hübschesten Frauen, die ich jemals sah, eifersüchtig auf die sonnenverbrannte, wetterharte Mrs. Tuckitt? Tas ist ja unmöglich."
„Doch, doch, es ist so. Schon seit Wochen steigerte sich meine Schwester in diese unsinnigen Gedanken hinein, von denen übrigens außer mir Niemand etwas weiß. Und nun sind diese eifersüchttgen Gefühle plötzlich zum Ausbruch gekommen."
. „Eine merkwürdige Art von Ausbruch!"
„Ich glaube, ich muß Ihnen die Sache etwas näher! erklären. Greville hat meine Schivester nämlich immer unendlich verwöhnt, sich, wenigstens zu Hause, vollständig ihrem Willen untergeordnet, und niemals auch nur das oberflächlichste Interesse für irgend eine andere Frau, als feine eigene, gezeigt. Ter Gedanke nun, daß er sich jetzt plötzlich, wie sie sich einbildet, von Mrs. Tuckitt ganz einnehmen läßt und stundenlang in ihrer Gesellschaft zubringt, bei raubte sie vollständig aller und jeder Vernunft. Immer wieder versicherte ich ihr, daß sich das Gespräch der beiden stets nur um Angelsliegen und Politik drehe — Tinge, die Nita verabscheut — allein sie wollte nicht aus mich hören."
„Seltsam!"
„Und mm sind Greville und Mrs. Duckitt unglücklicherweise durch das stürmische Wetter drei Tage aus den Skelligs festgehalten worden, was meine Schwester vollständig außer Rand und Band brachte. Ich zermatterte mir den Kopf, um neue Entschuldigungen zu finden. Eine andere Frau hätte einfach .gelacht, die Sache als Scherz aufgefaßt, meine Schwester aber wurde von Tag zu Tag aufgeregter und Mr. Lovell immer teilnehmender und vertraulicher. Noch gestern abend sprach ich allen Ernstes mit ihr über ihn, und sagte ihr, daß ich diese Art von Benehmen seinerseits nicht länger dulden werde."
„Sie sagten das?" rief er, kurz airflachend. „Und was antwortete Ihre Schivester und Gardedame dazu?"
„Sie befahl mir im höchsten Zorn, das Zimmer zu verlassen. Wir söhnten uns jedoch heute morgen wieder aus, und da das Wetter sich besserte und Mr. Lovell abreiste, so war ich ganz beruhigt und guter Tinge."
„Ja., ja, die Ruhe vor dem ©türm."
„Ich machte einen größeren Spaziergang, und als ich ziemlich spät zurückkehrte, sand ich ein Telegramm von Greville vor, worin er seine Rückkehr für morgen um zwölf Uhr anküudigt."
„Und Sie möchten nun natürlich, daß er bis dahin alles wieder klipp und klar fände? Nun, so weit es in unserer Macht steht, werden wir Ihre Schwester wohl sicher mit zurückbringen. Ist es Ihre einzige Schwester?"
„Ja, überhaupt meine einzige nahe .Verwandte."
„Tie Sie um keinen Preis verlieren möchten?"
„Nein, natürlich nicht."
Eine Pause trat ein, dann führ sie fort: ,Lch weiß nicht, wie es kommt, aber wenn ich Sie sprechen höre, ist mir ganz zuversichtlich zu Mut, als ob alle Gefahr überwunden wäre."
„Zch hoffe auch, daß wir die Sache zu einem guten Ende bringen werden, obwohl wir bis jetzt erst den kleinsten Teil der Schwierigkeiten überwunden haben. Wenn Sir Greville von dieser — sagen wir — Spazierfahrt hörte, so würde es wohl einen etwas stürmischen Austritt geben, ober neigt er nicht leicht zur Eifersucht?"
„Tas kann ich wirklich nicht sage«. Ich habe ihn nie-


